Dienstag, 19. Oktober 2010
Gedanken beim Holunderstrauch
hukwa
Montag, 18. Oktober 2010
Birke am Morgen
hukwa
Sonntag, 17. Oktober 2010
Waldgedanken bei Johanniskreuz
im bunten Herbstlaub
dazu
der ruhige Flug des Bussards
unterm klaren blauen Himmel
die Haselmaus
die unter der Erde ruht
Das letzte Aufbäumen
der Herbstzeitlosen
Der Fliegenpilz
der unter der weißen Birke glüht
Geruch von Laub und Stinkmorschel
kommt mit dem Wetwind her geweht
Einsame Hirschkuh im Hochwald
wo ich alleine gehe
auf herbstlichen einsamen Wegen.
hukwa
Mittwoch, 13. Oktober 2010
(S)INNE (er)HALTEN
(S) INNE (er) HALTEN
Es gibt verschiedene Weisen die Natur zu sehen und zu erfassen, sie hat für alle nur möglichen Fragen eine Antwort bereit. Wenn wir uns in ihr bewegen müssen wir nur immer wieder einmal innehalten – dann werden wir von der Natur auch Sinn erhalten.
Während einer Wanderung durch den Trippstadter Wald wird die umgebende Mitwelt uns dies bestätigen. Menschen von heute begegnet die Natur anders als sie z.B. unseren Urgroßeltern begegnete. Sahen diese in den unendlichen Räumen des Kosmos das Himmels- und Sternenzelt, Sonne und Mond noch als Licht und Lampe eines friedvoll in sich ruhenden Erdentages und die alte Mutter Erde als fruchtbaren Boden allen Lebens, so können viele Menschen von heute diese Anschauungen oft nicht mehr nachempfinden. Und dennoch, wenn wir den Wald betreten, scheint es uns da nicht, dass mit einem Mal manches Schwere von uns fällt, dass wir Stress und Hektik plötzlich hinter und lassen können? Der Wald wird uns zu einem letzten Reservat eines romantischen Gefühles. Wälder öffnen nicht nur unsere Sinne, sie schenken unserem Leben auch Sinn, wir müssen nur Ausschau halten nach den „Kindern des Waldes“, den Pflanzen, Vögeln, Bäumen und Tieren. Was kann uns bei einem Waldspaziergang doch alles begegnen? Der plötzliche Ruf des Schwarzspechtes, das leise Klagen eines einsamen Vogels, im Gebüsch taucht plötzlich ein Reh auf, im Wind ächzen die Bäume.
Wir müssen nur immer wieder inne halten können, dann können wir auch teilnehmen an den Wundern der uns umgebenden Natur, an ihrer Fülle, an ihrem Reichtum.
Der deutsche Naturphilosoph und Ethnobotaniker Gustav Schenk schrieb einmal: „Die blaue Blume der Romantik wuchs nirgendwo – aber sie lebte, wenn auch nur als Sinnbild grenzenlosen Geistes. Sie war ein Ziel das von vorneherein nicht erreicht werden konnte. Sie war Geist und Fülle einer leidenschaftlichen Sehnsucht und nicht würdiger und weiser konnte eine an das unendliche verlorene Seele irdische Gestalt annehmen als in einer Pflanze. Sie hatte vor aller Wirklichkeit eines voraus: Ebenso wie sie nie gefunden wurde, konnte sie niemals verloren gehen – und kein Stachel des Schmerzes blieb zurück.“
Dies ist es, was wir von der großen Lehrmeisterin Natur lernen können, wenn wir bereit sind manchmal innezuhalten. Jenes Gefühl einer Wiederverzauberung mit der uns umgebenden Natur, eben: Im Leben einen Sinn erhalten.
Es soll Menschen geben die über das „Schweigen“ im Wald erschrecken, doch ist diese Stille des Waldes nicht gerade seine Antwort an uns?
Der chilenische Dichter Pablo Neruda drückte das so aus:
Ich, der ich in einem Baum aufgewachsen,
hätte mancherlei zu erzählen,
doch da ich viel erfuhr von der Stille,
habe ich mancherlei zu verschweigen.
Dies ist eine der Philosophien des Waldes, seine Antwort an uns. Wir können dies jederzeit feststellen, dann, wenn wir ihn aufsuchen und bereit sind für einen Moment innezuhalten.
Montag, 11. Oktober 2010
Spaziergang entlang des Philosophenweges
Ein Spaziergang entlang des Trippstadter Philosophenweges
Wer im Spätherbst oder im Winter sich zu einem Spaziergang entlang des Trippstadter Philosophenweges aufmacht, wird von der romantischen Herbheit dieses Landstriches gewiss begeistert sein.
Hier, wo dunkel bewaldete Hügel den Horizont verstellen und zugleich eine Weite ahnen lassen, versinkt der Wanderer schnell in tiefe Gedanken.Selten, dass man auf diesem Weg jemandem begegnet. Was hier vorherrscht ist Stille.
„Nur wer in die Stille geht, kann sich selbst und der Welt wirklich begegnen“ schrieb einst ein großer Philosoph. Wir dürfen natürlich nicht mit dem Körper in den Wald gehen, „ohne mit dem Geist angekommen zu sein“.
Ist es nicht gerade die raue, karge Jahreszeit, der Spätherbst und der Winter, die oft für den Wanderer die ergiebigsten sind? Sie fordern seinen Geist und seine Phantasie heraus. Dass rauhes Wetter das Denken fördert ist in der Philosophie allgemein bekannt. Wenn Regen und Schnee die äußere Sicht einschränken, wendet der Blick sich nach innen. Und wenn auf den Feldern die Ernte eingebracht ist, fährt auch der ernsthafte Wanderer seine Ernte ein.
Wer denkt der Wald wirke im Winter eintönig, der täuscht sich gewaltig. Gerade jetzt kann man die Phänomene der wandelbaren Natur besonders gut erkennen und viel Neues entdecken: Die wunderbaren Farbnuancen der flüchtigen Wolken am Abendhimmel, die Wirkung des Lichts das im Winter besonders sanft in die Baumkronen fällt. Das weiche und zarte Gezwitscher der Meisen, die Spuren von Vögeln und Wild im Schnee.
Wer genau hinschaut, wer sie beobachtet die Wunderwelt am Wegesrand, dem offenbart sich in der kalten Jahreszeit die Natur als eine „Sprache“ in der sich eine höhere Wirklichkeit offenbart. „Die Natur ist ein so riesiges und allumfassendes Wesen, dass wir ihr Antlitz nicht einmal ansatzweise erkennen können“, schrieb Henry David Thoreau. Nun, er musste es wissen, schließlich ist er der berühmteste Spaziergänger der Literaturgeschichte. „Um ein Wanderer zu sein, braucht man eine Berufung direkt vom Himmel. Man muss in die Familie der Spaziergänger hineingeboren werden. Ambulator nascitur, non fit – Spaziergänger kann man nicht werden – man ist es durch Geburt“, war seine Meinung.
Gerade hier, bei einem gemütlichen Spaziergang entlang des Philosophenweges kann in uns der Gedanke aufkeimen, dass die äußere Natur auch ein Weg sein kann die eigene wahre innere Natur wieder zu entdecken.
In der waldreichen Umgebung von Trippstadt finden Wanderer und Spaziergänger immer wieder jene kleinen Wunder der Natur die Fauna und Flora hier zu bieten haben. Schließlich ist die Natur weit mehr als nur eine Welt materieller Erscheinungen, für den berühmten amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson war sie: „die sprachliche Offenbarung des immateriellen Seinsgrundes der Allseele“.
Hier im winterlichen Pfälzerwald kann es passieren, dass der Wanderer sich plötzlich eingebunden fühlt in den Kreislauf der Natur, dass er mit einem Male jenes „Licht der Natur“ von dem der deutsche Philosoph Schilling so begeistert schrieb, in sich aufgehen spürt.
Der Spaziergänger wird auf jeden Fall viel mitnehmen von den winterlich-einsamen und romantischen Waldwegen des Pfälzerwaldes.
Sonntag, 10. Oktober 2010
Brunnen der Erinnerung
hukwa
Dienstag, 5. Oktober 2010
Wiederverzauberung der Natur
hukwa
Sonntag, 3. Oktober 2010
Fensterblick oder Gespräch mit der Erdmutter
Wenn ich jetzt da der Morgen heraufdämmert nach Westen blicke, sehe ich einen bewaldeten Bergrücken. Davor ein tiefes Waldtal. Feuchter, weißer Nebel steigt aus dem Tal empor und schenkt der Landschaft einen bizarren Ausdruck. Bald taucht der erste Schwarm schwarzer Krähen, geheimnißvoll aus den Nebeln auf. Ich ziehe tief die Morgenfrische in mich hinein, stimme ein in das Gespräch der Krähen, spanne meinen Körper und fühle die innere, nie verloren gegangene Beziehung zur Erde in mir. Zu Licht, zu Luft, zu Bäumen, Pflanzen, Käfern und Würmern, zur alten Erdmutter selbst. Ich höre ihre Lieder und die ganze Landschaft ist ihr Gemälde. Ich fühle mich den Waldnebeln näher verwandt als den Menschen, fühle ganz die alte Erdmutter in mir.
hukwa
Dienstag, 28. September 2010
Ein Waldspaziergang
Im Wald duftet es nun nach Moos und feuchtem Laub und manchmal dringt der Geruch der Stinkmorschel zu mir. Einige Zeit beobachte ich ein Reh das einsam auf einer Waldwiese äst. Irgendwann verrät mich der Eichelhäher, elegant verschwindet das Reh im Dickicht. Ein schwarzbraunes Eichhörnchen schimpft mit mir als ich mich dem Baum nähere in dessen Äste es sich bequem gemacht hat. Von weitem dringt der Trommelwirbel des Buntspechts zu mir. Als ich mich auf den Nachhause Weg mache entdecke ich in einem kleinen Birkenwäldchen einen wunderschönen Hexenring von Fliegenpilzen. Ich setze mich in die Mitte des Kreises und verweile hier einge Zeit, ganz Gebannt von Amanita. In der Gemeinschaft mit ihm und den Birken werden nun viele Erinnerungen geweckt die ich mit diesem Pilz erlebte. Die Natur ist ein mythischer Raum, bevölkert von vielen Geistwesen zu denen wir ein gutes Verhältnis herstellen sollten. Die äußere Naturkulisse die ich hier beobachte, ist das Sinnbild meiner Innenwelt. Deshalb können wir Natur nur deuten, wenn, und soweit, unser eigenes Wesen von innen her in lebendigen Bezug zu seinem schöpferischen Urgrund steht. Von dort empfängt es den Sinn seines äußeren Erlebens, von dort erhält unser Bewusstsein seinen Inhalt, den wir dann in rationalen Formen kleiden. Aus den Tiefen der Natur erhält unser Leben seinen Sinn.
hukwa
Freitag, 24. September 2010
Das Licht der Natur
hukwa
Donnerstag, 23. September 2010
Werde der du bist
hukwa
Mittwoch, 22. September 2010
Unter Herbstbäumen
Es ist die Zeit, da der Spätsommer dem Herbst den Weg nicht mehr versperrt, der Augenblick, wo der Wald jene Farben zaubert, wie sie selbst auf der Palette eines Landschaftsmalers nicht entstehen können: „Goldener Oktober“!
Wer jetzt die waldreiche Umgebung von Trippstadt erwandert wird reichlich belohnt. Es ist die Zeit in der jeder einzelne Baum sich zu einer eigenen Persönlichkeit zu färben scheint.
Kurz ist der „Goldene Oktober“, der ein einziger Herbststrauß zu sein scheint. Kommt der Wanderer durch Buchenwald, versinkt er bis zu den Knöcheln im sanften Laub.
In einem Laubwald dauert es mitunter bis zu fünf Jahren, bis ein Buchenblatt als solches nicht mehr zu erkennen ist. Bis dahin geht es in Teilen durch Dutzende von Mägen der so genannten Zersetzer, also von Tieren die vom „Abfall“ der Natur leben. Im Laubwald fallen jährlich pro Hektar vier Tonnen Pflanzenmasse an, die es zu verwerten gilt. Mutter Natur bewältigt diese Mengen mit einem Heer von hungrigen Mäulern. Die Erstverwerter der Laubstreu sind Springschwänze, Asseln, Milben, Regenwürmer und Tausendfüßler.
Diese kleinen Bodentiere können jedoch die pflanzlichen Reststoffe nur durchlöchern. Das weitere Zerkleinern obliegt winzigen Bodenbewohnern, die insgesamt noch einmal das hundertfache der Regenwürmer auf die Waagschale bringen. Diese Mikrowelt ist mit mehreren Milliarden Tieren pro Quadratmeter so groß, dass sie der Mensch bisher kaum erfassen und bestimmen konnte. Diese Winzlinge stellen das Bindeglied zwischen der toten Pflanzenmaterie und den größeren Zersetzern der Streu dar. Einige wenige aus diesem Mikrokosmos sind in der Lage, die schwer verdaulichen Teile wie Zellulose und Lignin zu knacken. Sie besitzen hierfür Enzyme, über die nur wenige Abfallverwerter verfügen. Anschließend machen sich Mikroorganismen über den Nahrungsbrei her. Sie verdauen ihren eigenen Kot mit den darauf lebenden Kleinstlebewesen. Die Energieausbeute erhöht sich damit um mehr als das Doppelte. Entgegen der Welt der Menschen kann die Natur ihre „Abfallprobleme“ äußerst nachhaltig regeln.
Es hat etwas tröstliches an sich, im Herbst durch den bunten Buchenwald zu wandern. Der Dichter Sepp Skalitzky hat es vor einem halben Jahrhundert in den schönen Versen uns mitzuteilen versucht:
Das letzte Blatt, ein strahlender Gedanke,
schließt ihm die Welt der schönen Träume auf,
vertönt als Scheidegruß des wachen Lebens
im Abendwind, der Gottes Harfen schlägt.
Ich bin ein Blatt, nur an dem Weltenbaume,
bin das geringste, das der Schöpfer löst
mit seinem Atem, der das Leben lieh,
als Brücke in die ewigen Gefilde.
Es ist so tröstlich wenn die Blätter fallen.
Es sind nicht nur die Buchen die im Herbst in purpurner Farbe zu brennen scheinen. Der wilde Kirschbaum entfaltet um diese Jahreszeit eine üppige Strahlkraft. Erfreut er im Frühling das Herz des Wanderers mit seinen schneeweißen Blüten, so wirkt nun das Rot seines Herbstkleides fast magisch auf uns ein. Aber auch ein Nadelbaum wirft seinen Zauber über uns: Wie brennende Fackeln stehen die Lärchen am Bergeshang. In den frühen Morgenstunden funkeln tausende von silberfarbenen Spinnweben in den Büschen. Wie versponnene Elfenlocken scheinen die Fruchtstände des Waldweidenröschens ineinander verwoben, wenn man Mitte Oktober durch die Trippstadter Wälder streift.
Die unruhige schlanke Birke in ihrem gelbfarbenen Herbstkleid fällt dem Wanderer besonders auf. In ihrer Nähe befinden sich oft die roten Fruchtknollen des Fliegenpilzes. Beide, Baum und Pilz sind durch Symbiose verbunden.
An den Abenden ist es nun schon sehr kühl geworden. Ein Blick in den Herbststernenhimmel zeigt uns das der Winter bald seinen Einzug hält. Tief im Norden werden schon die ersten Vorboten des Winterhimmels sichtbar, insbesondere in Gestalt des Sternbildes Stier, das zumindest für Mittel- und Nordeuropa bereits vollständig aufgegangen ist. Sein Hauptstern heißt Aldebaran, wie ein großer Juwel funkelt er nun am nächtlichen Sternenhimmel.
Herbstzeit ist Wanderzeit!
hukwa
Donnerstag, 16. September 2010
Pilze die an Bäumen wachsen
Doch es gibt auch Pilze die wir in Luftiger Höhe suchen müssen, so genannte Baumpilze. Hier handelt es sich in der Regel um Porlinge (Aphyllophorales).
Sie wurden schon in den Kräuterbüchern der Antike als Heilmittel geschätzt, so bei Dioskurides und bei Plinius.
Ein Teil unserer heimischen Porlinge sind essbar, ein Großteil ungenießbar. Ihre Unterscheidung ist nicht leicht und der unerfahrene Pilzsammler kann sie schnell verwechseln.
Unser bekanntester Porling ist wohl der „Zunderschwamm“ (Fomes formentarius) was „zum Zunder gehörend“ bedeutet. Er befällt geschwächte und verwundete Bäume, deren Holz er als Weißfäuleerreger ziemlich rasch zerstört. Er ist ungenießbar.
Der „Schwefelporling“ (Laetiporus sulphureus) ist ein schöner, auffallender Baumpilz. Die Farbe der Hutoberseite geht von Ziegelrot oder Gelbrot, bei jungen Hüten, über Schwelgelb bei reifen Fruchtkörpern, bis zu schmutzigem Weiß im Alter. Seine Wirtsbäume sind vor allem lebende und tote Laubbäume. Er mag Eichen, Pappeln, Ahorn ebenso wie Obstbäume. Der schöne und auffallende Pilz ist ein meisterhafter Holzzerstörer. Mit seinem ausdauernden Myzel erzeugt er eine intensive Braunfäule. Das Kernholz des Stammes an dem er wächst, wird in eine braunrote, leicht zerreibbare und bröckelige Masse verwandelt. Der Stamm wird ausgehöhlt und bricht früher oder später ab. „Sulphureus“ bedeutet „schwefelgelb“. Der junge Pilz ist essbar, sollte aber ausgewässert werden um den säuerlichen Geschmack zu entfernen.
Ein Fichtenbegleiter ist der graugelblich gefärbte „Schafporling“ (Albatrellus ovinus), ein essbarer Baumpilz dessen Fleisch jedoch meistens von Maden bewohnt wird. Er kann leicht mit dem „Semmelporling“ verwechselt werden. „Ovinus“ bedeutet „das Schaf betreffend“.
Streng an eine Baumart gebunden ist der weiß-bräunliche „Birkenporling“ (Piptoporus betulinus), was „zur Birke gehörend“ bedeutet.
Der rostbraune „Tropfende Schillerporling“ (Inonotus dryadeus), was „Baumbewohnend“ bedeutet, ist ein treuer Eichenbegleiter. Die Weißfäule die er erzeugt greift nur die Wurzel des Baumes an den er bewohnt.
Der „Rote Zinnoberschwamm“ (Pycnoporus cinnabarinus) auch „Zinnobertramete“ genannt, ist einer der selteneren Baumpilze. Der wunderschöne Pilz, der Laubbäume bevorzugt, mag sonnige Lagen und die Gesellschaft mit der „Striegeligen Tramete“ und dem „Spaltblättling“, mit denen er eine Pilzgesellschaft auf lagernden Stämmen und Ästen bildet. Das prächtige Rot des Pilzes wird verursacht durch den roten Farbstoff „Cinnabarin“. Selbst das Myzel im Holzinnern ist noch rot gefärbt. Der Zinnoberschwamm ist ein saprophytischer Pilz, das heißt er befällt nur totes Holz und hilft als Weißfäuleerreger bei dessen natürlichem Abbau. „Cinnabarinus“ bedeutet „zinnoberrot“.
Ein wohl vielen Wanderern bekannter Baumbewohner ist die „Schmetterlingstramete“, „Bunte Tramete“ oder „Schmetterlingsporling“ (Trametes versicolor) genannt. Dieser häufige Pilz wächst flach fächerförmig in Gruppen neben- und übereinander und ist ungestielt am Holz angewachsen. Seinen bunt getonten fächerartigen Hüten verdankt er seinen Namen. Der Pilz wächst das ganze Jahr über und die im Herbst nicht ausgewachsenen Fruchtkörper vollenden ihre Entwicklung im Frühjahr. Gemeinsam mit der „Zonen Tramete“ die eine weißliche Behaarung hat, besiedelt der Pilz vorwiegend Birken, Pappeln und Weiden.
Ein weiterer interessanter Baumpilz ist der wie ein Ohr aussehende Hirneola auricula was „Judasohr“ bedeutet. Der Pilz wächst vorzugsweise am schwarzen Holunder, dem Baum an dem sich Judas Ischariot erhängt haben soll.
Ein im Pfälzerwald häufig vorkommender Pilz ist die seltsame „Gelbe Lohblüte“ auch „Hexenbutter“ (Fuligo septica) genannt. Der oft knallgelbe Schleimpilz bewohnt morsches Holz.
hukwa
Abstrakter Herbst
hukwa
Sonntag, 12. September 2010
Heimat
Als kleiner Junge hatte ich in meinem Heimatort ein seltsames Erlebnis. Ich saß unter einer großen, mächtigen Fichte, es war die Zeit des Frühherbstes, der moosige Boden war voller Morgentau und Tausende silberner Spinnweben durchfunkelten den morgendlichen Wald. Ich schwänzte mal wieder die Schule und fühlte mich so richtig wohl, bei dem Gedanken an meine Pflichtbewussten Mitschüler, sollten die nur einmal lernen. Direkt vor mir wuchs ein herrlicher Fliegenpilz, er gefiel mir so gut, dass ich ihn ewig lange anstarrte, plötzlich regten sich in mir Gedanken, wie ich sie nie zuvor gedacht hatte. Ich wollte mit einem Male so sein wie dieser Pilz hier in seiner einzigartigen Schönheit, einfach nur Tag und Nacht an diesem Platz hier verweilen, den Liedern der Vögel lauschen, Rehe und Hasen beobachten, den gleitenden Flug des Bussards erspähen, ja dies war für mich etwas ganz Neues und Großartiges damals und dieser Gedanke hat mich mein Leben lang nicht mehr losgelassen, und oft habe ich später dieses Gefühl wieder in mir gefunden: Dieses in der großen Gemeinschaft mit Baum, Stein und Tier bin ich nicht alleine. Erst später wurde mir klar das jenes Erlebnis damals etwas mit dem Begriff denn wir Heimat nennen zu tun hatte.
Diese Erfahrung war so eindrucksvoll dass ich sie immer mit mir trage.
Nach meinen Lehr- und Wanderjahren wurde mir bewusst dass dieses Erlebnis so etwas wie ein philosophisch – heimatliches Schlüsselerlebnis für mich war. Heimat ist mir dort wo auch Wald ist. Nicht der hat am meisten erlebt der am weitesten gereist ist, sondern der das erforscht hat was man gemeinhin Heimat nennt, die äußere und innere Umgebung der Landschaft die er bewohnt.
Aristoteles meinte der Mensch sei dort zu Hause wo er am besten Denken kann, dem stimme ich zu und ich selbst kann am besten dort Denken wo der Wald am dichtesten ist, hier in dem Ort den ich mir als Heimat ausgesucht habe. Wo ein Kranz von Wäldern mein Heimatdorf warm umgibt. Vor über zwanzig Jahren zog ich in dieses Walddorf, wollte Anfangs nur mal vorrübergehend hier wohnen. Mit den Jahren wurde diese Landschaft zu meiner „zweiten Heimat“, wie man so banal dahinsagt.
Wie die alten Eichen und Buchen die hier wachsen, begann auch ich Wurzeln zu ziehen, begann dieses Stückchen Erde zu lieben und mich damit zu identifizieren. Die romantischen Quellen und Brunnen in den dunklen Wäldern von Trippstadt, die kleinen Bäche und dunklen Wooge singen das natürlichste Heimatlied dem man lauschen kann.
Entlang dieser natürlichen Wasserläufe gibt es viel zu beobachten. Das geschmeidige Gefieder des Eisvogels blitzt oft im Duster des Waldes auf, die Wasseramsel fliegt geschickt über den Wassern der Moosalb. Moose, Flechte und Farne verzaubern die Ufer des Waldbachs. Wie Trolle und Kobolde ragen abgestorbene Äste und Baumstümpfe aus dem eiskalten Wasser. Alte Bäume erzählen ihre Geschichte.
Das ist es was mir Heimat gibt, die Verbundenheit mit den Felsen, Pflanzen und Tieren meiner näheren Umgebung. Immer wenn ich hier wandere nähere ich mich dem Schlüsselerlebnis meiner Knabenzeit. Es gibt sie tatsächlich, jene besondere Orte in der Landschaft, wo die Zeit beinahe still zu stehen scheint, die einem ganz plötzlich und ohne Ankündigungen überraschen, vielleicht auch bestürzen oder bebend machen, Momente wo ich fühle hier bin ich zu Hause. Es kommt einem dann vor als wenn man von jemanden berührt oder umarmt wird, es ist der Moment wo der Ort oder die Landschaft zu uns spricht. Eben, die heimatliche Landschaft oder der Heimatort. Und wir wissen mit einem Mal hier möchte ich Leben, hier will ich Wurzeln schlagen. Vielleicht ist es ein innerer Zwang, ein „Back to the Roots“, das sich bemerkbar macht in uns.
Heimat ist auch ein Spiegel seelischer Prozesse in dem Innen und Außen, Vergangenheit und Gegenwart dicht ineinander verwoben sind. Heimat das ist für mich eine Synthese aus Ratio, Spiritualität und Verwurzelung mit der Erde über die ich täglich gehe.
Das Spirituelle an dem Begriff Heimat ist, das Heimat etwas ist wo ich mich nicht fremd fühle, es ist auch etwas das unsere Existenz erhellt, das Wort Heimat hat so etwas wie einen Wärmecharakter, ja, ich möchte behaupten Heimat ist ein Existential, eine Grundstruktur des menschlichen Seins. Jenen die diese Grundstruktur verloren haben fehlt etwas.
hukwa
Donnerstag, 9. September 2010
An eine Pflanze
die meine Sinne so durchhellen
Wundervolle Pflanzenkraft
die mein Auge sehend macht
Unschätzbarer Pflanzensaft
der mich wahres sehen lässt
ob als Rauch oder als Wasser
Seelentröster und Erfasser
Senk in meine Sinnen dich ein.
hukwa
Donnerstag, 26. August 2010
Das Tal
dass ich täglich erwandere
der stille See
die alten Bäume
an den Abenden liegt der Nebel
wie Rauch über den feuchten Wiesen
das Tal ist friedlich
aber dennoch
es duldet nur jene
die es lieben
wenn man es durch das Herz schaut
erahnen wir seine Tiefe.
hukwa
Dienstag, 24. August 2010
Dunkler Waldweiher
tauche ich in dir
meine Seele über deinen grünen Wassern
ganz hinten wo der Fischreiher sich versteckt
ist auch mein Zuhause
was wartet dort
Waldsee der Unendlichkeit
ich möchte es Erfassen.
hukwa
Montag, 23. August 2010
Freitag, 20. August 2010
Sonntag, 15. August 2010
Morgen im Spätsommer
der klaren Morgenfrühe
Noch schweigt der Reiher
kein Krähen Morgengruß
doch schon quillt wie goldenes Leuchten
silberne Tautropfen
in von Busch und Baum
bekränzten Räumen
verworrene Träume der Nacht
hinter mir
vor mir
der klare Morgen.
hukwa
Sonntag, 8. August 2010
Waldwiese im Spätsommer
Habicht überm Felde steht
Grillen zirpen Krähe schreien
Eidechse am Sandstein döst.
Nachtkerze und Fingerhut
Habichtskraut Johannisblut
Hummel fliegt in Nebelglut
Siebenschläfer im Eichbaum ruht.
Thymian und Silberdistel
Wiesenhafer Löwenmaul
Arnika und Pfauenauge
Distelfalter schwebt davon.
Bläuling Weißling Zitronenfalter
Knötterisch und Natternköpfe
Wucherblume Skabiose
Glockenblume blüht ganz sanft.
Gleich dort hinten in der Halde
Tanzt mal wieder der Uralte
Dompfaff ruft zur Mittagsruh
wo der alte Pan gern ruht.
hukwa
Mittwoch, 4. August 2010
Sommermüde
aufgeschrieben wie in einem alten Buch
alter Köhlerplatz
von Moos und Farnen zugedeckt
moodriger Geruch
Regen rieselt
Buchen ächzen
Eichen stöhnen
Fichten wispern
tief im Karlstal singt die Bach
Sommermüde wird das Jahr
erstes Laub färbt sich schon rötlich
Meisengezwitscher stimmt tröstlich
Hier am alten Köhlerplatz
denk ich gern der alten Zeit
Vogelbeere
Hagebutte
Sommermüde wird das Jahr
alter Waldgott weint.
hukwa
Sonntag, 1. August 2010
Wir alle lieben dich
Manchmal erscheint es dem Wanderer als ob die „Zeit“ ein leerer Begriff sei in diesem Tal, sie rinnt so leise plätschernd dahin wie die Moosalb in seiner Mitte.
Jetzt, im September wo die Landschaft von der Magie des „Altweibersommers“ verzaubert wird, wo an jedem Busch und Baum hunderte von Spinnweben in der goldenen Morgensonne blinken, wo die alten Weiden und Erlen wie Wesen aus dem Feenreich am Bachlauf der Moosalb erscheinen, liegt ein besonders romantischer Zauber über dem Karlstal.
In einer solch naturhaften Landschaft wie dem Karlstal, spürt der Wanderer das Herz von Mutter Natur pochen. Die größte Freude, die der Wald uns bereitet, ist die Andeutung einer dunklen Beziehung zwischen Mensch und Pflanzenwelt.
„Ich bin nicht alleine und unerkannt“, schrieb der amerikanische Philosoph Emerson einmal, „die Pflanzen nicken mir zu, das Schwanken der Zweige im Wind ist mir vertraut und unvertraut zugleich“.
Hier im Karlstal kann es einem erscheinen, als schenke der Wald uns ein uraltes Gleichgewicht, das wir seit langem vermissen, wieder zurück. Eine Essenz die wir lange Zeit vermisst haben. Am Himmel schwebt einsam der Bussard, vom Waldhang tönt der Ruf des Schwarzspechts herunter ins Tal und bei den Flockenblumen steht das Taubenschwänzchen wie ein Kolibri flatternd vor den dunkelroten Blüten der Pflanze.
Die eigentliche Heimat dieses Schwärmers liegt in Südeuropa. Alljährlich fliegen sie von dort über die Alpen nach Mitteleuropa, und auch im Karlstal können wir sie dann beobachten. Der winzige Schmetterlingsartige Flieger ist regelmäßig Sommergast im Tal.
Eine recht hohe biologische Vielfalt kann der Wanderer in dieser Landschaft noch vorfinden, vielleicht wird dem einen oder anderen dieses Wort hier erst richtig bewusst.
Unter biologischer Vielfalt ist die Vielfalt an Lebensräumen und die Vielfalt der Lebewesen einer Art untereinander zu verstehen. Biologische Vielfalt ist damit mehr als die reine Artenvielfalt. Es beinhaltet Landschaft und den Menschen der in dieser Landschaft lebt.
Buntsandstein und dichte Wälder umgeben das Tal, durchbrochen von sumpfigen Wiesen, in denen einige bedrohte Pflanzenarten ein letztes Refugium gefunden haben.
Das Karlstal liegt im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Dieser Begriff hat aber eine weitergehende Bedeutung, weil er eben nicht nur die biologischen Phänomene anspricht. Innerhalb eines Biosphärenreservates geht es vor allem um die nachhaltige Entwicklung der jeweiligen Region, also um das Arbeiten, Wirtschaften und das gesellschaftliche Zusammenleben des Menschen mit der ihn umgebenden Natur.
Die Natur, der Wald schenkt dem der ihn aufsucht Ruhe, Harmonie und Gesundheit und wir, die wir die Natur aufsuchen, sollten sie respektieren und schützen, sollten den Wald lieben.
hukwa
Die Köhlerei in Trippstadt und Umgebung
Der Köhler
Ach wer hätte das gedacht,
dass man aus Holz noch Kohle macht.
Schon dreitausend Jahr
und noch viel länger
gibt es die braven Männer,
die aus Eichen und aus Buchen
viele solche Meiler schufen.
Die schwarze Kohl’ aus Labung-
bei Bauchweh und auch Darmversagung.
Auch zum Glockenguss und Pulver machen
benötigt man die schwarzen Sachen.
So ist es schad um diese Zunft
denn „Köhlern“ – dies ist eine Kunst.
Altes Köhlergedicht, Verfasser unbekannt
Das Köhlerleben war in alten Zeiten ein hartes und entbehrungsreiches Dasein. Tief in den Wäldern errichtete der Köhler seinen Meiler. Diese Kohlenmeiler fand man damals in großer Zahl da Holzkohle früher dringend gebraucht wurde: für die Schmelzöfen des Erzes, die Schmiedewerkstätten, zur Färberei, in Chemie und Heilkunde und zur Herstellung von Schießpulver, auch die Großmutter heizte ihr Bügeleisen mit Holzkohle.
Der Köhler begann seine Arbeit damit, dass er eine kreisrunde Stelle ebnete und Erde ring am Rande des Kreises zu einem kleinen Wall aufschüttete. Genau in der Mitte baute er nun aus Buchenstangen den Kamin, also die Feuerstelle auch Quandel genannt, in dem später der Meiler angezündet wurde. Nun setzte er Holz um diesen Quandel. Alle diese Hölzer hatten einen Meter Länge und wurden ganz eng aneinander gesetzt. Zuerst senkrecht und später etwa gegen die Mitte zu geneigt, dann folgte eine zweite Schicht Holz. Der Köhler achtete darauf, dass der Meiler nicht „spitz“ also Kegelförmig wurde, sondern oben oval blieb. Ein altes Köhlersprichwort sagt: „ Auf einem Meiler muss man tanzen können!“
Zwischen 15 und 25 Ster Holz wurden im Meiler gebrannt. Nun musste das Holz mit einer feuerfesten Decke ringsum verschlossen werden. Dabei stach der Köhler mit der Schaufel aus dem Waldboden breite, aber nicht zu dicke Rasenstücke aus und setzte sie unten gegen das Holz des Meilers. Der obere Teil des Meilers wurde mit Erde aus dem alten Meiler geschlossen. Das Erddach war somit fertig, es musste den Zutritt der Luft verhindern.
Erst nach vielen Tagen fleißiger Arbeit konnte der Kohlenmeiler angezündet werden. Natürlich wurde dies nicht mit einer offenen Flamme gemacht. Von oben schüttete der Köhler in den Kamin des Meilers fast bis zur Hälfte kalte Holzkohle. Darauf kam glühende Holzkohle und darauf wiederum bis zum Ende kalte Holzkohle. Der Kamin wurde geschlossen. Langsam fing die Holzkohle an zu schwelen und griff nun auch auf das Holz über, ganz langsam zur Außenseite des Meilers und von oben nach unten.
Damit das Feuer trotz des völligen Luftabschlusses nicht auslöschen konnte, machte man ringsherum kleine Löcher in das Erddach. Durch sie konnte das Feuer langsam schwelen und kam durch die geringe Luftzufuhr nicht zum brennen. Da solch ein Meiler je nach Größe fünf bis acht Tage brannte, musste der Köhler die ganze Zeit über dort am Meiler verbleiben. Eine einfache Laub- und Mooshütte war dann seine Behausung.
In der Broschüre „Natur und Kultur“ schreibt Helmut Seebach über das Köhlerhandwerk: „Ihre weltabgeschiedenen Arbeitsstätten machten sie zu scheuen und verschlossenen Menschen, die jedem misstrauten, nicht selten ledigen Standes blieben und immer darauf gefasst waren, sich gegen wilde Tiere und das umherstreunende Gesindel zu wehren, das aus ihren Hütten stahl während sie Tag und Nacht bei ihren Meilern wachen mussten.“ Die fertige Holzkohle verwahrten sie in trockenen Erdgruben die mit dürrem Reisig ausgelegt und mit Rinde abgedeckt waren. Ihr Geld trugen sie bei sich, oder vergruben es im Wald. Durch den jahrelangen Aufenthalt in den Wäldern verwilderten sie, ließen Haar und Bart wachsen und wuschen nur selten den Ruß von der Haut.
All diese Umstände waren der Boden für viele Geistergeschichten und Goldschatzsagen, die um die Kohlebrenner entstanden.“
Um die Versorgung seiner Hütten und Eisenwerke im Moosalbtal zu sichern, erwarb Freiherr von Gienanth 1833 den Trippstadter Wald. Brauchte er doch 70 Festmeter Holz um eine Tonne Eisen zu erzeugen. Zeitweise arbeiteten für die Hütten im Moosalbtal bis zu 100 Köhler. Im Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern Band 18/19 schrieb W. Frenzel: „ Zur Erhaltung unserer Wälder war es eine glückliche Fügung, dass bald die Verhüttung von Eisenerz mit Steinkohlekoks im Saarland in schnell wachsendem Umfang aufgenommen wurde.....“
Gienanth, der im 18. und 19. Jahrhundert mehrere Eisenwerke in der Pfalz betrieb, kaufte regelmäßig große Mengen Kohlholz im Lauterer Stadt- und Reichswald. Auf den „Hütten“, der ältesten Stadtrandsiedlung von Kaiserslautern, ließ Gienanth nach Erz graben.
1796 wird darüber Klage geführt, dass der Hüttenherr Gienanth von Winnweiler im Kaiserslauterer Stiftswald Kohlenmeiler errichtet habe. Die Stadt Kaiserslautern fühlte sich hierdurch in ihrem Holzbezug beeinträchtigt. Man beschwerte sich deshalb beim Oberamt und sagte dabei, dass nach einer kurpfälzischen Anordnung einem „Ausländer“ der Holzkauf in der Kurpfalz verboten sei. Die Stadtrandsiedlung Erzhütten/Wiesenthalerhof wurde im 18. Jahrhundert auch „Gienanthhausen“ genannt. Neben Erzgräbern beschäftigte Gienanth in dieser Siedlung auch mehrere Köhler. Die gewonnenen Holzkohle wurde mit dem gereinigten Erz im Lautertal auf Ochsenkarren und Eselsrücken verladen und später nach der „Schmelz“ im Karlstal und über die Eselsfürth (bei Kaiserslautern) in die Gienanth’sche Schmelz nach Hochstein transportiert.
Einige Pfälzer Gemeinden erinnern mit jährlichen „Köhlerfesten“ auch heute noch an das alte Köhlerhandwerk. So Fischbach bei Hochspeyer, Erfweiler, Lembach, Petersbächel und der Ortsteil Wiesenthalerhof bei Kaiserslautern.
Das Trippstadter Kohlenbrennerfest, das jeweils zum ersten Wochenende im September stattfindet und weit über die Pfalz hinaus bekannt ist, findet nun zum 31. mal statt. Die Ausrichtung des Kohlenbrennerfestes, das in diesem Jahr am 04. und 05. September gefeiert wird, obliegt im Regelfall den Trippstadter Vereinen und örtlichen Wirten. Schon in der letzten Augustwoche herrscht eine allgemeine „Unruhe“ im Dorf. Am Meilerplatz, jener Stelle wo jedes Jahr der Kohlenmeiler qualmt, sind fleißige Helfer dabei den traditionellen Meiler zu errichten. Die Köhlerhütte wird aufgebaut und in der alten Schmiede am Eisenhüttenmuseum sind die Schmiede dabei ihre Vorbereitungen zu treffen, damit am ersten Septemberwochenende die Hämmer der „schwarzen Männer“ erklingen können. Hier zeigen dann zwei Tage lang Schmiede aus ganz Deutschland, Luxemburg und Holland ihr fachliches Können.
hukwa
Literaturhinweise:
Natur und Kultur
W. Frenzel: „Die Forstwirtschaft in der Franzosenzeit“
Ludwig Müller: „ Chronik von Erzhütten/Wiesenthalerhof“
Sonntag, 20. Juni 2010
Sonnenwendlied für die alte Gaia
Du bist die Einzige die Uralte
heißt Ostara Freya Frigga
warst dabei als die Gebirge sich staffelten
Flüsse und Täler entstanden
Am Morgen der Gezeiten warst Du die einzige Zeugin
Warst Lava und Glut
warst Asche dann Regen
Du bist Personifikation der Natur
Farbenspiel und Lichtgefunkel
Erd und Felsenmutter
die nach Lichtleben drängt
Bist eine Perle im Ozean
das Wasser eines Brünnleins im Odenwald
Bist Du die Mütter aller Mütter
ließt uns entspringen deinem Schoße
große schwangere Erdenmutter
Gebärerin in Schöpfungslust
Weist Du den Meeren die Stunden der Flut
Bist Lebensprinzip der noch nicht ausgereiften Berberritze
Sphärenmusik die aus Drosseleiern klingt
Hören wir Dein Lied das in uns erklingt
Es gibt kein Tod
es gibt kein Sterben
nur ewiges Gebären
wenn wir Deinen Liedern lauschen
Gibts für uns nur eines
ein Neues Bewusstwerden
Ich such den Grashalm die Blüte die Ähre
die Ameise denn Schmetterling denn Käfer
sie sind von Dir
und meine Schwestern und Brüder
denn ich bin Dein Sohn
Kind der Erdenmutter
streif ich durch Deine Wälder und Felder
in glühendem Sein
in königlicher Einsamkeit
dränge ich durch Deine Räume
bin Protoplasma Mikrobe Atom
ewige Entelechie
bin Echsenhaut und Schwanentraum
Sauger der Unermeßlichkeit
Wanderer in der Milchstrasse
Raum der in Bewegung ist
verwandelter Engel und Ätherlicht
Meine Tränen sind Tautropfen des Morgens
Ich bin durch Dich
Du hast mich Erschaffen um weiter zu Schaffen
Alte Mutter ich lebe durch Dich
durch mein Blut wallt das Salz uralter Meere
bin Kind der Mutter und in Demeters Ähre.
hukwa
Sommersonnenwende
hukwa
Montag, 14. Juni 2010
Osterheldbrunnen
es sprudelt aus gehauenem Stein
Quelle im Eichenhaine
wo noch der Albe haust
wo noch im Zaubergestühle
Geheimnisvolle Winde flüstern
künden die Jahreszeiten
verschwebend in zeitlose Weiten
denn göttlichen Siegel
im klaren Wasserspiegel.
hukwa
Donnerstag, 10. Juni 2010
Rotkehlchens Lied
aus deiner Kehle dringt
Komm ich dir ganz nah
bleibst du vertrauensvoll da
deinem wundersamen Sang
lausch ich Stunden lang
aus tiefstem Vogelherzen klingt
Rotkehlchens Daseins Sang.
hukwa
Dienstag, 8. Juni 2010
Montag, 7. Juni 2010
Alter Baum
Alter Baum
dem Sein bist du so nah
Stille scheint aus dir heraus
Dringt tief in mein Wesen ein
Voller Frieden stehst du da
Alter Baum
dem wahren Sein so nah.
hukwa
Der Ewigkeit so nah
was stehst du so verwunschen da
so dunkel und duster
dennoch so klar
Märchenhaft und knorrig und stark
bist du der Ewigkeit so nah
Baum
auf wundersame Weise
fühle ich mich dir nah
stiller Dulder
großer Künder
Baum
der Ewigkeit so nah.
hukwa
Sonntag, 6. Juni 2010
Junivogelgesang
dem Junivogelsang
klarer Morgen
einer Geisterschau gleicht
meine Seele nun
das blühen der Akelei
das kräftige Grün des Farn
im Schattengarten
entflammen eine tiefe Harmonie in mir
der Gartenrotschwanz
besucht neugierig den Holunder
die Spatzen tschilpen lustig vom Dach des Hauses
Unter dem grünen Blätterdach der Weide
die den Garten krönt
sitze ich vereint
mit Blume Schnecke und Kröte
Was will ich mir mehr erhoffen
als die Offenbarungen der alten Erdmutter
wahrnehmen zu dürfen
sie die sich lächelnd
in die Blüten der Akelei zurückgezogen hat
erwartet mich jeden Morgen
in meinem Garten.
hukwa
Sonntag, 30. Mai 2010
Glockenblumenfee
wohnt die grüne Fee
Grüne Fee grüne Fee
außer mir
wer hat dich je gesehen?
Liebe Fee liebe Fee
lass es nicht Geschehen
das die Menschen dich je sehen
sonst ist es um dich Geschehen.
hukwa
Donnerstag, 20. Mai 2010
Vollmond am Waldwoog
am Wasser ein Zwerg
man sieht ihn kaum
die Binsen im Schilfdickicht
bewegen sich unruhig im fahlen Mondlicht
Mir ist als hätten die Bäume Augen
als würden ihre äste nach mir greifen
der Vollmond spiegelt sich im Teich
ein einsamer Frosch quakt leis
Die Stille erzählt mehr als Stimmen sagen könnten
Fern bin ich dem rasenden Motor dieser Zeit
denn Moloch ließ ich hinter mir
mein Revier ist hier
wo bin ich Daheim
doch nur hier
in des Waldes Einsamkeit.
hukwa
Donnerstag, 13. Mai 2010
Treppe aus Sandstein vor Burg
bemoostes Gestein
Uralt
alter Weg
belagert von Zeit
erobert im Sommer von Farnen
behauener wilder Stein
alte Zeitruine
niemand gedenkt mehr deiner Erbauer
Treppe aus Sandstein
einsam im Wald
Schlaf weiter in der Zeit.
hukwa
Samstag, 8. Mai 2010
MaiMorgen
des frühen Maimorgens
lausche ich dem Konzert deiner Vogelkinder
Grenzenloses blaugrau des Himmels
Ich bewundere die Strukturen in der Weidenrinde
die kühle Mailuft umgibt mich wie ein Energiefeld
Auch dieser Morgen ist eine Grenzüberschreitung
von weitem dringt das Getöse der Zivilisation zu mir
eine Krähe kommt angeflogen
ich glaube sie betrachtet den Sand der Zivilisation
der wie eine Sanduhr durch
ihr Gefieder rinnt.
hukwa
MaiDasein
lausche ich
dem Lied der Amsel
wie sie ihre lieblichen Töne
zärtlich in die Welt schmettert
Ich habe die Verandatür geöffnet
und der Duft
der von Weide und Birke ausgeht
ziehe ich tief in mich ein
Ich konzentriere mich ganz auf ihr Singen
und weiß das ihr Sein
mit dem meinem auf ewig
Verbunden ist.
Ich stelle mich unter das tropfende Blätterdach
der Ohrweide die neben der Veranda wächst
die jungen Meisen in der Nisthöhle die an der Grauerle hängt
werden bald ausfliegen
Eine Elster besucht den Komposthaufen
der Gartenrotschwanz beobachtet sie interessiert
Sein und Seiendes
verschmilzen an diesem Maimorgen zu
Dasein.
hukwa
Montag, 3. Mai 2010
Eine Vollmondwanderung
hukwa
Donnerstag, 22. April 2010
In der Waldlichtung
hukwa
Sonntag, 18. April 2010
Meine philosophische Spaziergänge
Heraklit
Die Erfahrungen die ich auf meinen Wanderungen durch die Natur sammele sind subjektiver Natur. Sie werden nur von mir selbst Erfahren und wahrgenommen. Für jene denen ich darüber erzähle sind meine Berichte aus den Tiefen der Natur reine Spekulationen oder Spinnereien.
Alle meine Wanderungen könnte ich auch als philosophische Spaziergänge bezeichnen. Ich nehme auf, ich nehme mit. Mitnehmen tue ich was mir am Wegrand und in den Wäldern begegnet. Es gibt eine Gewißheit der inneren Erfahrungen. Außer der sinnlichen Erfahrung ist für die Erkenntnis die höhere Fähigkeit des Denkens wichtig also das Vermögen der Anschauungen unkörperlicher, nichtmaterieller Wahrheiten, der Ideen. Diese "Ideen" ruhen in der Natur, in der sichtbaren und unsichtbaren Natur. Die Vorstellung von einer verborgenen Schicht in der Natur die nicht jedem zugänglich ist, ist uralt. Nur die wenigsten können sie "Sehen", weil die meisten sie überhaupt nicht "Sehen" wollen. Nach Kant können wir zwar die Gesetzlichkeiten der Natur, das sich in ihr Immerwiederkehrende, das Regelhafte erkennen, niemals aber "das Dasein der Dinge an sich selbst". So hat es Kant gesehen und ich gebe ihm Objektiv ein wenig recht. Aber nicht Subjektiv. Ich teile nicht mit ihm und einigen anderen abendländischen Philosophen den Sieg der rationalen Vernunft. Kant sagt:" Natur ist das Dasein der Dinge, so fern es nach allgemeinen Grenzen bestimmt ist". Diese Ansicht war mir immer etwas zu seicht. Eines ist mir immer eine wichtige Übung bei meinen philosophischen Spaziergängen, nämlich der Versuch die Grenzen unserer empirischen, konservativen Erkenntnistheorien zu Überschreiten und in dem Versuch zu leben, einzugehen in die Tiefen der Natur. Und ich bringe nur einen Schatz mit nach Hause wenn ich mich von Zeit zu Zeit ganz meinen eigenen Gedanken und Erfahrungen hingebe. Es ist so wie Heraklit einst sagte:"Wir können nicht zweimal in den gleichen Fluß steiegn", den beim zweiten Bad im Fluß der Gedanken sind bereits wieder ganz andere Gedanken ins Flußbett eingelaufen.
hukwa
Freitag, 16. April 2010
Denksatz
Hannah Arendt
Für mich ist das ganze Leben Metaphysik. Wenn ich über mein Leben und Tun Nachsinne, dann immer aus einer metaphysischen Tiefe heraus. Wie kann man überhaupt Erkennen wenn nicht aus diesem Tiefengrund heraus? Jegliches metaphysische Denken führt in die Tiefen der Natur.
hukwa
Donnerstag, 15. April 2010
Das Lied der Amsel tönt aus dem Sein
hukwa
Montag, 5. April 2010
Freitag, 2. April 2010
Vom äußeren und inneren Wandern
Die Natur ist voller Wunder, lieber Cousin;
Uns wird nur der Einblick in einen sehr kleinen
Teil gewährt; es besteht wenig Hoffnung,
dass wir ihre Prinzipen einmal gänzlich verstehen
oder all ihre Geheimnisse enthüllen könnten.
J.-J. Rousseau
Seit ich auf dieser Welt bin erkunde ich sie mit meinen Füßen und meinem Geist. Täglich bin ich in den Wäldern unterwegs. Meine Beine wollen immer Richtung Wald gehen und mein Geist weilt meistens in meinem inneren Wald, jenem archaischen Urwald denn die meisten Menschen so gut wie nie aufsuchen. In diesem Bannwald, diesem letzten Urwald, leben noch die alten Mythen, Drachen und Dämonen. Wer dieses Waldgebiet nicht erkundet, sich nicht aufmacht seine geheimnisvollen Pfade zu begehen, wird irgendwann ein Gefangener dieses Waldes werden. Es wird ihm ergehen wie dem alten Merlin, der vor Sehnsucht nach den sinnlichen Dingen der Welt den alten Wald vergaß und schließlich ein Gefangener dieses Waldes wurde.
Sobald meine Füße den Wald betreten, betritt mein Geist denn inneren Bannwald. So sind meine Waldwanderungen immer innere und äußere Wanderungen. Es ist nicht so dass ich das grüne Reich der Wälder betrete und abschalte, nein, ich bewege mich dann in zwei Welten, einer inneren und einer äußeren, die nach einiger Zeit des Laufens zu einer Welt verschmelzen. Man muss die Kunst des Wanderns, das richtige Gehen nur beherrschen dann stellt sich der Zustand einer metaphysischen Wahrnehmung der Umgebung von selbst ein.
Wandern war für mich auch immer etwas Phänomenologisches. Es ist als würde ich während meiner Wanderung Risse in der zeit erkennen, die es mir manchmal ermöglichen in andere kosmische Zeiträume hineinzuschauen.
Seit frühester Kindheit bin ich ein leidenschaftlicher Wanderer. Niemand hat mich das Wandern gelehrt und bevor ich in die Schule kam hatte ich die Umgebung meines Geburtsortes bestens ausgekundschaftet. Ganz im Sinne wie der große Wanderer Thoreau einmal schrieb: "Man muss in die Familie der Spaziergänger hineingeboren werden. Ambulator nscitur, non fit", was heißen soll: Spaziergänger kann man nicht werden – man ist es durch Geburt! Diesem Stand, dieser Zunft der wirklichen Wanderer und Spaziergänger gehöre ich seit meiner Kindheit an. Man darf die Mietglieder dieser Gesellschaft nicht mit Sonntagswanderern oder Wochenendtouristen vergleichen, eher mit Morgenlandfahrern oder mittelalterlichen Pilgern. Denn für die Mietglieder meines Standes ist das Wandern nicht nur eine Betätigung des Leibes, wir sehen unsere Art zu Wandern auch als eine geistige Tätigkeit.
In der freien Natur lösen sich die Fesseln des Geistes und wir fühlen das es die Möglichkeit gibt einer großen Freiheit entgegen zu wandern. Das Wandern ist eine der letzten Freiheiten, die wir wenigstens für einige zeit täglich wählen können um uns in unserem robotisch vernetztem Gesellschaftssystem nicht ganz zu verlieren. Wandern hat vor allem mit Lust und Daseinsfreude zu tun und führt zu einer Erhellung unserer inneren Existenz. Wahrscheinlich waren deswegen auch die Epikureer, die berühmten Gartenphilosophen der Antike so leidenschaftlich Wanderer.
Ich wandere am liebsten alleine. Auf meinen täglichen Wanderwegen möchte ich mit meinem Geist und den Wäldern alleine sein. Es ist eine Zwiesprache mit der Natur, Meditationsgänge durch den Tempel Wald auf die ich mich bei meinen Spaziergängen begebe. Ein Gespräch findet hier statt zwischen den Wesen des Waldes und mir. Ganz im Sinne von Aristoteles der einmal sagte: Die Heimat des Philosophen ist dort wo er Denken kann! Und wo können wir besser Denken als im Wald während einer wunderschönen Wanderung?
hukwa
Vom Waldgehölz ins Feldgehölz
In unserer Gemarkung ist der Übergang von der Waldlandschaft in die Kulturlandschaft fließend. Dieses plötzliche Hineintreten in eine andere Landschaft ist immer wieder faszinierend für mich. Aus dem dunklen Fichtenwald hinein in die Feldgehölze zu treten bedeutet auch eine ganz andere Tier und Pflanzenwelt beobachten zu können.
Am Nachmittag bin ich zu einer Wanderung zur Willensteiner Burgruine aufgebrochen. Ich laufe diese Route gern führt sie mich doch durch dichten Wald offene kleinere Sumpflandschaft hinein in das Reich der Feldgehölze. Auf dem Weg habe ich nach Frühjahrsblühern Ausschau gehalten. Alles in der Natur ist jetzt ende März noch karg. Doch an den Stellen wo öfters die Sonne hindringt, zeigt sich bereits Blütenleben. Um die selteneren Arten ausfindig zu machen musste ich die Wege verlassen und durch das dichtere Unterholz laufen. An einer mir wohlbekannten Stelle, versteckt an einem Bachlauf fand ich das Lungenkraut in voller Blüte. Jeden März komme ich wenigstens einmal an diesen Platz um die Blüte dieses Heilkrautes das der Volksmund Brüderchen und Schwesterchen nennt zu bewundern. Ihre rötlich – bläulichen Blüten verzaubern denn noch in Winterstarre verharrend Uferrand des Wildbachs. Am Himmel zog ein Bussard seine Kreise und der Ruf des Grünspechts begleitete mich während ich dem Weg des Wassers folgte. Auch die Haselwurz stand schon in Blüte. Ihre veilchenähnliche Blätter haben das dunkelste Grün aller einheimischen Pflanzen. Als ich bei der Burg angekommen war überraschten mich dort die goldgelben Sterne des Scharbockskrautes, sie bevorzugt feuchte Stellen zum Gedeihen und breitet sich dort wo sie sich wohl fühlt wie ein Teppich aus. Die Blüten der stinkenden Nieswurz ist fast schon vorbei doch fand ich ein schönes Exemplar in der Nähe der Burg. Das erste Blühen dieses Frühlingsboten beginnt bereits im Januar. Die alte Erdmutter hat das ungewöhnliche Gedeihen in der kalten Winterzeit auf eine ideale Weise gelöst. Der Pflanze steht nachts Zucker zur Verfügung, der einer wässerige Lösung einen tieferen Gefrierpunkt gibt. So schadet die Kälte der Pflanze nicht. Sie enthält den Zucker durch Umwandlung aus Stärke. Diese wiederum stellt das Gewächs tagsüber mit Hilfe der Sonne aus Kohlendioxid und Wasser her.
An Tagfaltern begegnete mir die Frühform von Zitronenfalter und Landkärtchen.
Ich ließ die Burg hinter mir und erklettert bald einen steilen Waldhang. Um seine Gipfel zu erreichen musste ich viele umgestürzte alte Baumriesen überwinden. Starke dicke Tannen und Eichen reckten ihre Äste hier in den Himmel, während am Boden majestätisch die Leiber ihrer zum Teil vermoderten Geschwister langsam in Fäulnis übergingen. In diesem Prozess des Sterbens und Gedeihens würde unser Wald ohne die zersetzende Kräfte von Pilzen, Flechten, Moosen und Insekten nicht überleben. Die Unmengen an Pflanzen- und Holzresten würden ihn ersticken.
Vom Berggipfel aus hatte ich einen wunderbaren Ausblick über die unter mir liegende Karlstalschlucht. Von hier aus verließ ich denn Wald für einige Zeit und betrat das offene Weiden und Wiesenland das seinen eigenen Zauber besitzt. Wenn ich hier gehe spüre ich immer sehr deutlich denn Geist jener die in vergangenen Jahrhunderten mühselig dieses Stückchen Erde kultiviert haben. Auch zieht es mich oft hierher, weil hier einige sehr alte und mächtige Eichen stehen. Weit über dreihundert Jahre dürfte das Alter dieser Feld- und Grenzeichen sein. Eine von ihnen zieht mich besonders an. Aus einem gemeinsamen Wurzelstock wachsen drei Eichenstämme heraus und bilden ein harmonisches Drillingsgeschwisterpaar. Jeder Stamm so stark, das die Arme eines erwachsenen Menschen zu klein sind diese Baumwesen zu Umarmen. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich hier eine faszinierende Vielfalt an Pflanzen und Tieren angesammelt und zu einem eigenen Ökosystem entwickelt. Zwischen den Eichen wuchsen niedere Feldgehölze wie Weisdorn und Holunder und in zwei kräftigen Schwarzbirken entdeckte ich eine große Anzahl von Wachholderdrosselnestern aus dem vergangenen Jahr. Die Wachholderdrossel ist ein bevorzugter Bewohner von Feldgehölzen und erst seit etwa 1850 bei uns beheimatet. Sie entstammt dem hohen Norden. Das sich diese Drossel bei uns ansiedelte muss man auf die Bedeutung der Feldgehölze zurückführen. Die Vögel fliegen von hier aus auf die Wiesen und Felder, wo sie nach Regenwürmern und Insektenlarven suchen. Vor Nesträubern schützen sie sich in gemeinsamer Feindabwehr durch Bespritzen des Angreifers mit klebrigem Kot. Dieses wirkungsvolle Abwehrverhalten würde aber wenig nützen, wenn die Brutkolonien nicht in Feldgehölzen angelegt werden könnten, von denen aus günstige Nahrungsräume unmittelbar erreichbar sind. Große Flugstrecken müssten die Nesträuberabwehr beeinträchtigen und so viel Aufwand verursachen, dass nicht genügend Nahrung für die Jungen herbeizuschaffen wäre. Solche Feldgehölze bieten daher beste Lebensbedingungen für die Wachholderdrosseln. Die größte Artenvielfalt bieten Feldgehölze dann, wenn sich wie hier das Unterholz entfalten kann. Unangemessenes Sauberkeitsdenken ist hier völlig Fehl am Platz und würde solche Biotope zerstören. Es ist eine der Besonderheiten der Trippstadter Landschaft das man hier tiefe Wälder, kleinere Sumpfgebiete und offene Kulturlandschaft eng nebeneinander antrifft.
hukwa





