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Sonntag, 7. Januar 2018

Der Saltuarius von der Heidelsburg

Doppelsinnigkeit bei gallo–römischen Grabsteinen am Beispiel der Axtdarstellungen auf der Heidelsburg bei Waldfischbach–Burgalben und der Heidenburg in Oberstaufenbach bei Kusel.

Die symbolische Waldaxt ist uns vor allem aus der Literatur über die pfälzischen Haingeraiden bekannt. Axtdarstellungen finden wir schon bei den Kelten, wie etwa dem tau gallicum, Symbol der Doppelaxt, die auch als Abwehrmittel gegen den bösen Blick und die Pest verwendet wurde. Noch in christlicher Zeit wurden solche Zeichen auf den Mauern der Stadt Clermont abgebildet, um die Bewohner vor der Pest zu schützen. Die bekanntesten Axtdarstellungen sind die beiden Steinreliefs von der Heidelsburg bei Waldfischbach. Der Großteil der pfälzischen Heimatforscher ging bisher davon aus, dass es sich bei den Axtdarstellungen von der Heidelsburg um die einzigen Steindenkmäler dieser Art in unserem Raum handelt.
Vor einiger Zeit entdeckte ich bei Recherchen einen weiteren Stein, bei dem es sich ebenfalls, wie bei den Denkmälern von der Waldfischbacher Heidelsburg um einen Grabstein mit Grabinschrift sowie zwei Ritzzeichnungen von einer Axt und einem Dechsel handelt. Der Stein der sich heute im Historischen Museum in Speyer befindet, stand einst auf dem Friedhof der Heidenburg bei Oberstaufenbach im Landkreis Kusel. Während der Römerzeit wurde die Dechsel als Attribut der Zimmerleute dargestellt. Die Axt hingegen war das Attribut des römischen Försters, eines saltuarius.

Foto © Ute Knieriemen-Wagner– Steinrelief auf der Heidelsburg: gallo-römischer Forstbeamter
Der Stein von Oberstaufenbach enthält neben den Werkzeugdarstellungen nur noch ein Inschriftenfragment, welches ihn als Grabdenkmalfragment erkennen lässt, da die Mutter des Verstorbenen als Stifterin in der Inschrift erwähnt wird. Zusätzlich zur Inschrift trägt der Stein die bereits erwähnten Attribute der Werkzeuge die anzeigen, dass der Verstorbene in der Holzverarbeitung tätig war.
Darstellungen von Äxten auf Grabdenkmälern gelten auch als apotropäische (Übel abwehrende) Zeichen. Auch in der Antike wurde schon Grabräuberei und Grabschändung betrieben.
Mit der römischen Okkupation des gallisch–germanischen Raumes gelangt auch die Sitte, Grabinschriften zu setzen, in diese Region. Für die Römer war es von großer Bedeutung zu zeigen wem dieses Grabmal errichtet wurde und wer es errichten ließ. Dadurch findet man Informationen die allein durch das Bildmaterial nicht erschlossen werden können.


Als Beispiel hier die Grabschrift für den Dendrophoren L. Sabinius Cassianus in Lyon:
D/is) M(anibus) et quieti aeternae / L(uci) Sabini Cassiani / dendrophoro Au/ gustal(i) q(uaestori) corporis e/iusd(em) duplicario ex/ consensu univer/sorum omnibus ho/noribus apud eosd (em)/ functo homini op/timo et incompara/ bili Flavia Livia/ coniugi rarissi/ mi exempli er/ Priscius Eustochius/ collliberto sans/ tissimo inscriben/dum curaverunt / Priscius Eustochius/ colliberto sanc/tissimo inscriben/dun curaverunt/ et sub ascia dedi/ caverunt.

Den Manen und der ewigen Ruhe des Lucius Sabinius Cassianus, aus dem Collegium der Dendrophori Augustales, Quaestor desselbem Collegiums, mit Einverständnis aller Mitglieder mit doppelter Besoldung, der alle Ehrenämter bei ihnen durchlaufen hat, dem besten und unvergleichlichen Menschen, Flavius Livia, ihrem Gatten seltenen Beispieles, und Priscius Eustochius, seinem makellosestem Mitfreigelassenen. Sie haben dafür gesorgt, dass ihm die Inschrift geschrieben wurde und haben ihn unter der Axt geweiht.

Die Grabschrift des Freigelassenen L. Sabinius Cassianus wurde von seiner Gattin Flavia Livia und von seinem Mitfreigelassenem Priscius Eustochius besorgt. Sabinius war Quaestor des Vereines der augustalischen Dendrophoren gewesen, einer Handwerkerzunft die mit dem Magna – Mater – Kult in Lyon verbunden war. Er hatte in diesem Verein alle Chargen durchlaufen und war von den Mitgliedern zum Vereinskassierer mit doppelter Besoldung gewählt worden, eine besondere Auszeichnung für die Ehrlichkeit des Verstorbenen. Was die religiöse Formel sub ascia dedicare bedeutet, welcher Ausdruck auf vielen gallo–römischen Grabsteinen vorkommt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Einige sehen in dieser Axt das Symbol des gallischen Unterweltgottes, andere halten sie für eine Androhung göttlicher Strafe gegen Grabschänder.
Bemerkenswert ist auch noch das Eseus, der bei verschiedenen keltischen Stämmen als ein Unterweltsgott gilt, in der Regel ebenfalls mit einer Axt dargestellt wird.

Die Axt als Symbol des Försterberufes dürfte wohl eindeutig auf den beiden Steinreliefs von der Heidelsburg bei Waldfischbach-Burgalben zu erkennen sein. Die Inschrift saltuarius bestätigt diese Annahme. Verwunderlich ist der Vergleich mit heutigen Äxten, die fast identisch sind. Otto Roller schreibt zu recht: „Der Nachweis weiterer solcher Beispiele technischer Kontinuität scheint mir ein gewichtiger Beitrag zu unserer noch immer relativ geringen Kenntnis vom Vorgang der Landnahme zu sein, der wohl häufig ein Prozess der Übernahme bestehender Einrichtungen, wie Grenzen, Siedlungsstellen und vor allem Anwendungstechniken aus den Bereichen Landwirtschaft und Handwerk war“.
Gerade die Hortfunde von Werkzeugen auf der Heidenburg bei Kreimbach und auf der Heidelsburg bei Waldfischbach bestätigen die Annahme von Roller.
Der Hortfund von Waldfischbach zeigt gemischtes Inventar. Darunter Werkzeuge, Geräte aus der Landwirtschaft, Beschläge für Wagen oder Küchengerät. Während in dem Waldfischbacher Fund Werkzeuge zur Holzbearbeitung überwiegen, fanden sich im Kreimbacher Depot vorwiegend Schmiedewerkzeuge. Die Grabungsleiter verwiesen damals auf die Ähnlichkeit des gefundenen Werkzeuges mit dem der Gegenwart. Der formale Unterschied sei so gering, dass ein Laie, der die Fundumstände nicht kenne, zur Meinung komme, er habe moderne Eisensachen gefunden.

Eine weitere kontinuierliche Symbolik lässt sich bei der Waldaxt auch als Statussymbol erkennen.
Irgendwie hat die Waldaxt zu den Haingeraidenschultheißen der frühen fränkischen Siedlungen gefunden und war schließlich bis in die Neuzeit Forstsymbol. Eine Möglichkeit wäre, dass nachdem die Römer die Pfalz verlassen hatten, in der Abgeschiedenheit der Wälder einige gallo-römische Siedlungen weiterexistierten und diese Bewohner ihr Wissen um die Symbolhaftigkeit der Waldaxt an die Franken weitergaben. Ihre besondere Symbolik fand die Waldaxt in den Haingeraidenwäldern der fränkischen Eroberer der Pfalz.
Zu jeder fränkischen Ansiedlung gehörte ein ungeteilter Anteil an der gemeinen Mark, der das Recht auf Nutzung von Wald, Weide und Jagd umfasste. Dadurch bildeten sich im 7. Jahrhundert Markgenossenschaften die man „Haingeraide“ nannte. Auch das Gebiet dieser Genossenschaften nannte man Haingeraide. Jeder Genosse besaß das gleiche Maß des Nutzungsrechtes und der allgemeine Nutzen reichte hin, um sämtliche Bedürfnisse, der in den Geraidedörfern wohnende Einwohner zu decken.
Zur Aufrechterhaltung der Geraideordnungen wuren Geraideschultheißen, Zentmeister, Waldmeister und Waldknechte ernannt. Das Geraidegericht oder der Geraidestuhl setzte sich aus dem Geraideschultheiß oder Zentschultheiß, dem Ortsschultheiß und einer Anzahl von Schöffen zusammen. An bestimmten Geraidelagen wurde vom Geraidegericht am Geraidestuhl nach der Geraideordnung in Geraidedingen verhandelt und der Geraidespruch gefällt. Als wichtigstes Symbol der Geraideordnung überhaupt galt die Geraide– oder Loogaxt. Der Geraideschultheiß war berechtigt die Waldaxt zu tragen und zu nutzen, also damit Bäume zu markieren. Die Axt wurde niemals am Ort aufbewahrt an dem der Geraideschultheiß wohnte, sondern immer in einem anderen Dorf. Benötigte der Schultheiß die Axt,musste er sie nach der Geraideordnung anfordern.
Die Auflösung der Haingeraiden geschah um 1825.

Bis in die Zeit hinein wo vermehrt Grenzsteine gesetzt wurden, war die Loog- oder Lochaxt das unentbehrliche Werkzeug des Försters und seiner zuständigen Herrschaft. Als Loch – oder Loogbäume, auch Markbäume genannt, bezeichnete man auf oder an der Grenzlinie stehende Bäume, die beiderseits mit der Lochaxt gefitscht, angeschalmt wurden, indem man ein Stück Rinde entfernte. Auf die Lache, die freigelegte Stelle, wurde das Symbol der jeweiligen Herrschaft eingeschlagen. Wenn man auch bevorzugt wegen ihrer langen Lebensdauer Eichen als Lochbäume aussuchte, hatten diese Grenzzeichen dennoch eine beschränkte Dauer und mussten immer wieder durch neue Lochbäume ersetzt werden.
Das Recht eine eigene Waldaxt zu führen, stand nicht jeder Herrschaft zu. Auch durfte der jeweilige Loogaxt Inhaber nicht einfach außerhalb seines Waldes seine eigene Loogaxt zum Bäumezeichnen nutzen. Ein Beispiel dafür erwähnte der Heimatforscher Karl Munzinger aus Trippstadt in seiner Abhandlung über die „Trippstadter Waldungen der Freiherren von Hacke“ hier schreibt Munzinger: „Im Dezember 1777 ordnete die kurpfälzische Verwaltung an, dass künftig im Meiser und Harderwald, beides Hackescher Wald, aber im Amte Fischbach und damit im Kurpfälzischen Hoheitsgebiet gelegen, künftig die kurpfälzische und nicht die Hackesche Axt zu verwenden sei“.
Franz Karl Joseph v. Hacke richtete daraufhin im Januar 1778 eine Bittschrift an den Kurfürsten, in der er bat, das uralt hergebrachte Recht der eigenen Waldaxtung bestehen zu lassen und ihm zu gestatten, weiterhin ruhig und ungestört wie seine Vorfahren in seinem „adeligen, ritterschaftlichen Meißer- und Haderwald“ seine eigene Waldaxt gebrauchen zu dürfen, „wann einiges Holtz“ darin gefällt werden sollte. Dass dies immer so gehandhabt wurde, könnte der kurpfälzische Forstmeister zu Lautern, Herr Rettig, bestätigen, nicht alleine für seine Amtszeit, sondern auch für die Zeiten seines Vaters, Groß- und Urgroßvaters. Auch andere Adelsgeschlechter, die Waldungen in kurpfälzischen Gebieten besäßen, würden ihre eigenen Waldäxte gebrauchen, ebenso die Herzöge von Zweibrücken im Holzland, obwohl es kurpfälzisches Gebiet sei. Bei Keiper können wir nachlesen, dass in der kurpfälzischen Zeit die Oberforstmeister, also auch die Freiherren von Hacke, als Zeichen ihrer Würde eine Waldaxt aus Elfenbein trugen, die von der linken Schulter zur rechten Hand herabhing.

Zeichnung Loogaxt © Ute Knieriemen-Wagner

Die Symbolik der Axtdarstellung reicht zurück bis in schriftlose Zeiten der Geschichte. Die Worte Beil und Axt sind mesopotamischer Herkunft. Das Wort Axt entspricht dem griechischen axine, lateinischen ascia, gotisch aquizi. Assyrisch heißt es chasinu, hebräisch chasin und sumerisch cha-zi. Das Wort ist von Mesopotamien nach Kleinasien gebracht worden und ist im Reich der Hethiter, in Ägypten und im Berberischen ein Fremdwort.
Das Wort Beil, griechisch pelekys stammt auch aus dem akkadischen Wort pillaku. In akkadischen Zeiten, zwischen 2350 und 2200 v.Chr., gab es wohl nahe Beziehungen des Vorderen Orients ins indoeuropäische Europa. Vor allem in Kreta hat die Axt große Symbolik erlangt, so dass das Zeichen der Doppelaxt welches griechisch labrys heißt, oft an Häusern, Steinen und Geräten erscheint.
Die Griechen nennen nach diesem Zeichen den Palast des Minos auf Kreta das „Labyrinth“.
Mit dem Heraufdämmern der Bronzezeit und der Erfindung der Bronzeaxt verbreitet sich das Symbol der Axt vor allem als Verehrung des Donnergottes. Diese Verehrung der Axt findet man in Kreta, Mykenä, in den Balkanländern, wie auch im germanischen Norden. In Skandinavien fand man im Jahre 1864 zwei besonders schöne Bronzeäxte die reichlich mit Bronze und Bernstein verziert waren. Sie waren nicht massiv sondern nur aus dünner Bronze gegossen, die einen Kern aus Ton hatte. So kann man davon ausgehen, dass sie niemals als Werkzeug genutzt wurden sondern dass es sich um einen symbolischen Ritualgegenstand handelt. Äxte dieser Art sind auch auf einem Wandstein der Grabkammer von Kivik in Schonen dargestellt dort findet sich auch ein weiteres Bild (Felszeichnung) das einen phallischen Mann zeigt mit einer riesigen Axt über dem Kopf.
Wir können daraus schließen, dass die Axt in Europa genau wie in Vorderasien kultische Verehrung genoss. Diese kultische und magische Bedeutung der Axt lässt sich bis in unsere jüngste Vergangenheit verfolgen. Beispiele findet man hierfür in der Volkskunde:
In Dänemark und Schweden werden am Vorabend des Gründonnerstag Beile auf die Saatfelder geworfen. Dies geschieht zu ehren Thors, der ja unter anderem auch ein Gott der Fruchtbarkeit ist.
Der Axtwurf des Gottes hatte einst den Donner zur Folge und sollte somit den befruchtenden Regen bewirken. Vor allem in der pfälzischen Volkskunde findet man immer wieder den sogenannten „Dunnerkeil“ (Donnerkeil). So schreibt Albert Becker in seinem Standartwerk über „Pfälzische Volkskunde“: „Wenn der Pfälzer Bauer das steinzeitliche Beil...auch als Dunnerkeil bezeichnet, der mit dem Blitz auf die Erde niedersaust, bei jedem Einschlag sieben Klafter tief in die Erde fährt und bei jedem Donnerschlag oder auch alle sieben Jahre um eine Klafter in die Höhe steigt, wenn er den Donnerkeil zu abergläubischen Zwecken verwendet oder damit „braucht“, so huldigt er heute noch fetischistischem Steinkult. Widersteht der Donnerkeil einem Schlag mit dem Hammer so ist er echt, leistet das Gespinst eines Fadens, mit dem man ihn umwindet, dem Feuer widerstand, so ist seine überirdische Herkunft erwiesen...
Als Ausdruck des Fluches ist das Wort „Donnerkeil“ noch heute allgemein gebräuchlich- „Herrgott Dunnerkeil“ so in der Pfalz.
Das Symbol der Axt war also vor allem ein Symbol der Fruchtbarkeit. So wurden im alten England die Ehen nochmal zusätzlich mit der „heidnischen Axt“ geweiht, diese symbolische Weihung findet man auch in der Thrynskvida in der Edda:

„Da sagte Thrym,
Der Thursen König:
Bringt den Hammer,
die Braut zu weihn!
Leget Mjölnir
Der Maid in den Schoß
Mit der Hand der War
Weiht uns zusammen.“


Literatur Hinweise:
W. Liebenam: Zur Geschichte und Organisation des römischen Vereinswesens. Leipzig 1890.
Otto Roller: Axtdarstellungen auf den Förstergrabsteinen der Heidelsburg. Mitteilungen des
Historischen Vereins der Pfalz. Band. 84.
Karl Moersch: Geschichte der Pfalz.
Hans Wagner: Die pfälzischen Haingeraiden.
Karl Munzinger: Die Trippstadter Waldungen der Freiherren von Hacke 1716 – 1833
Blätter z. Heimatgeschichte v. Tripppstadt Sonderheft.
Bilfinger,E.: Johanniskreuz eine Pfälzerwaldgeschichte. 1904
Eitelmann, W: Rittersteine im Pfälzerwald.
Herbert Kühn: Die Felsbilder Europas. Kohlhammer Verlag Stuttgart. 1952.
Albert Becker: Pfälzer Volkskunde. Schroeder Verlag Bonn. 1925. 

hukwa 

Samstag, 14. Mai 2016

Von Waldgrenzen, Grenzsteinen und Grenzumgängen

Das Gebiet um den heutigen Luftkurort Trippstadt gehörte im frühen Mittelalter zu den ausgedehnten Forsten der Vogesen, die von der Mosel bis ins Südelsass reichten. Dazu gehörten der Hunsrück, Saarland, Westrich und die jetzigen Vogesen. Dieses große Waldgebiet nannten die Kelten „Wassichin“, was in etwa Auerochsengebirge bedeutet. Die Römer prägten dafür den Namen „Vosagus“, nach einer alten Naturgottheit und im Nibelungenlied finden wir das Gebirge unter dem Namen „Wasgenwald“.
„Silva regis“ - Wald des Königs – nannte Gregor von Tours, der um 594 gestorbene Geschichtsschreiber, die Vogesen. Es betont das Recht des fränk-ischen Königs an allem herrenlosen Land und Gut und geht somit noch auf die Banngewalt des Königs und das römisch – gallische Provinzialrecht zurück.

Im fränkischen Siedlungsraum galt zumindest der siedlungsnahe und begehbare Wald als Gemeinschaftseigentum der Dorfgenossen. Die alten pfälzischen „Haingeraiden“ haben hier ihre Wurzeln. Als die Franken sich in unserem Gebiet ansiedelten, haben sie nach altgermanischem Recht und Brauch die Feld- und Waldmark den Sippen und Familien zur Verteilung zugewiesen. Was bedeutet, dass Wald und Weide zum Allgemeinbesitz bestimmt war.
Im Hochmittelalter verhängten dann die Könige den sogenannten „Forstbann“ d. h. sie entzogen diese Wälder der allgemeinen freien Nutzung, erklärten sie zu königlichen Besitzungen und gaben der Bevölkerung nur noch kleinste Nutzungsrechte wie Waldweide, Pottaschherstellung, Eichelmast, Leseholz ect.

Wie die „Haingeraiden“ haben auch die traditionellen Waldgrenzumgänge ihre Wurzeln in mittelalterlichen Zeiten.
Diese Grenzumgänge wurden in der Regel alle sieben, an manchen Orten alle zehn Jahre durchgeführt. Durch diese Begehungen sollten die Grenzen im Gedächtnis der Bewohner, vor allem der Jüngeren haften bleiben. Daraus entwickelte sich der auch noch heute ausgeübte Volksbrauch bei dem Bürgermeister, Gemeinde- oder Stadtrat, die Bürgerschaft und vor allem die Jugend von Grenzstein zu Grenzstein der jeweiligen Gemarkung zogen um sich den Grenzverlauf einzuprägen. An herausragenden und wichtigen Grenzsteinen wurde die Jugend „gepritscht“, was heißt, dass sie dabei über den Grenzstein gelegt wurden und vom Pritschenmeister leichte Schläge auf den Hosenboden bekamen. Der Pritschenmeister lief mit dem Bürgermeister in der ersten Reihe und hatte die „Pritsche“, einen in sieben dünne Blätter geschnittenen Buchenzweig umhängen.
Die Zahl Sieben spielte in sofern eine wichtige Rolle, weil die Grenzsteine von den sogenannten „Siebengeschworenen“ gesetzt wurden, die sozusagen die „Vorfahren“ der späteren Feldgeschworenen waren. Ihnen oblag die Verantwortung für die Grenzsteine.
Das Wort „Grenzstein“ ist noch gar nicht so alt und leitet sich von Bann und Mark her. Die Urform des Wortes „verbannen“ bedeutet nichts anderes, als jemand aus einem bestimmten Machtbereich auszuweisen. Auch das Wort „markieren“ hat seine Urbedeutung in den alten Grenzsteinen. Auf jedem Grenzstein befinden sich spezielle Zeichen – Ortszeichen, Wappen, Jahreszahl, laufende Nummern. Auf der Kopfseite mancher Grenzsteine befindet sich eine gekerbte Rille, die den weiteren Grenzverlauf angibt, dies ist die sogenannte „Weisung“. Ändert eine Grenze ihre Richtung, dann setzt man die sogenannten Haupt- oder Ecksteine. Die dazwischen stehenden Steine nennt man „Läufer“. Bei den Römern war es Brauch, beim Setzen eines Grenzsteines die Münze ihres regierenden Kaisers unter den Stein zu legen. Die „Siebengeschworenen“ übernahmen sozusagen diese „römische Methode“ und legten seltsame Steine, Eisenteile, Glas ect. unter die Grenzsteine.
Dies blieb ein Geheimnis unter den Siebengeschworenen, das nur an ihre Nachfolger weitergegeben wurde. Und so war es nicht verwunderlich, dass ein Feldgeschworener des 20. Jahrhunderts wusste, was unter einem Grenzstein lag der im 17. Jahrhundert gesetzt wurde.
Der Wald in unserer Umgebung ist durch und durch kulturgeschichtlicher Boden. In der Verbindung mit der Stadt Kaiserslautern hat diese Landschaft an der Reichsgeschichte als fränkischer Königshof und an der westöstlichen Magistrale von Lothringen an den Rhein Anteil genommen, als Rodungsinsel und Verwaltungsmittelpunkt des in der Merowingerzeit geforsteten Wasgau. Zweifelsohne kann man die Wälder in der hier besprochenen Landschaft als „Sanssouci“ Barbarossas bezeichnen. Wenn auch der Kaiser seine Burg hier vielleicht nie gesehen hat, so gibt es genügend urkundliche Zeugnisse für den Aufenthalt der Mächtigen in Lautern und im umliegenden Forst. Zwischen Mai 1158 und August 1310 liegen 27 urkundlich einwandfrei bezeugte Aufenthalte römischer Könige und deutscher Kaiser in Lautern vor.
Wenn die Staufer von der Kaiserpfalz in Lautern zum Trifels und zur nächsten Pfalz, die sich in Hagenau befand ritten, war ihr Weg immer der gleiche und führte zum Teil auch durch die Trippstadter Gemarkung.
Von Lautern über den Hirschsprung nach Johanniskreuz zum Eschkopf, dort bogen sie zum Taubensuhl ab und ritten hinunter nach Eußerthal, wo sie im Zisterzienser-Hauskloster ihrer Reichsfeste Trifels einkehrten. Barbarossa dürfte auf dieser Reise gewiss auch eine kurze Rast in seinem geliebten Jagdhaus, am Jagdhausweiher in der Nähe des Aschbacherhofes gemacht haben.
Wo viele Klöster und Burgen standen, musste es auch viele Grenzbäume und später Grenzsteine, geben. Dort wo die natürlichen Gegebenheiten fehlten, um einen Grenzverlauf zu markieren, benutzte man sogenannte „Lochbäume“. In den alten Grenzbeschreibungen des 15. und 16. Jahrhunderts fallen immer wieder solche Lochbäume auf. Das alte Weißtumb von der Frankenweide bei Johanniskreuz, aus dem Jahre 1533 beschreibt solche Lochbäume: „... von demselben Stein... bis zum Krodenborn, da steht ein Lochbaum an der alten Strasse nach bis in alte Gefälle, da steht ein Lochstein“.

Wir wissen aus der „Beforschung“ von Velmann, dass im Jahre 1600 in Johanniskreuz zwei Steine und dreizehn Lochbäume standen. Auch am bereits erwähnten Jagdhausweiher stand ein solcher Lochbaum. Velmann schreibt: „Vom Jagdhauser Kopf hinab zum 3. Stein in dem Rombacher Thal, ist ein liegender Fels bei der krummen Buche, oberhalb da des Kaisers Jagdhaus gelegen, über das Thal hinüber und die Halde hinauf zum Dansenberg“.

Grenzsteine gehören zu unseren Kleindenkmälern die in der heutigen Zeit eines besonderen Schutzes bedürfen. Und es sollte ständig und in jedem geeigneten Zusammenhang, wie z. B. bei Grenzumgängen, auf ihre Schutzwürdigkeit hingewiesen werden.


Lit. Hinweise:
Hans Wagner: Von Lochbäumen, Bannsteinen und Siebengeschworenen; Heimatjahrbuch des Landkreises Kl; 2015
Hans Wagner: Die pfälzischen Haingeraiden.
Walter Eitelmann: Rittersteine im Pfälzerwald.
Erich Bauer: Kleine Chronik von Wald und Schloss Trippstadt im Pfälzerwald.
Hans Wagner: Geschichtliches und Sagenhaftes aus dem Trippstadter Wald.
Wilhelm Albert: Wald, Forstwirtschaft im Wandel der Zeit.
Ernst Bilfinger: Johanniskreuz eine Pfälzerwaldgeschichte.
Theodor Zink: Des Kaisers Jagdhaus beim Jagdhausweiher.

Fotos © Ute Knieriemen-Wagner



Dienstag, 10. Februar 2015

Keltische Spurensuche: Epona – Eppenbrunn

Immer wieder treffe ich Menschen die sich mit Heimatgeschichte befassen und dogmatisch behaupten der Pfälzerwald wäre zur Hallstatt und La tene Zeit von Kelten – Galliern nicht besiedelt gewesen. Diese Behauptung ist falsch.
Ich verweise auf die Heidelsburg bei Waldfischbach, auf den großen Berg bei Kindsbach, sowie das dortige Quellheiligtum, auff das Gräberfeld in Johannniskreuz, sowie noch etwas tiefer in den Pfälzerwald nach Eppenbrunn. Um nur wenige ehemalige Siedlungsbereiche zu nennen.
Wahrscheinlich geht der Name Eppenbrunn auf die keltische Pferdegöttin „Epona“ zurück.
Die Tatsache das die Kelten eine intensive Schweinezucht betrieben (Schweinefleisch war Hauptnahrungsmittel) verweist auf eine wirtschaftliche Nutzung der Waldgebiete durch Waldmast und auf dieser Basis auf kleinere keltische Siedlungen im Pfälzerwald.
Gewiss war auch Eppenbrunn eine solch kleinere Siedlung zur Keltenzeit.
Gehen wir auf Spurensuche:
In Eppenbrunn fand man Spuren der Hallstatt Zeit, am Kettrichhof Keltengräber, weitere Gräber bei der ehemaligen St. Wendelinskapelle zwischen dem Hochsteller – und Imsbacherhof sowie weitere Grabhügel bei Hilst, Schweix und Walschbronn. Bei Haspelschied war eine keltische Fliehburg.
Auch während der gallo – römischen Zeit muss die Gegend besiedelt gewesen sein. Auf dem erlenkopf wurde eine römische Reliefplatte mit dem Dianabildnis gefunden. An der alten Römerstrasse findet man zwischen dem Altschlossfelsen und dem Ort Hilst ein Felsenbild aus gallo – römischer Zeit.
Darauf abgebildet sind die Göttin Diana, Mars und Silvanus. Diana war die Göttin der Jagd, der Natur und des lichts. Mars der Gott des Krieges – ihm wurden Pferde geopfert – Silvanus ist der Waldgott und Beschützer der Tiere. Es wird angenommen das dieses Relief von Legionären während des Straßenbaus errichtet wurde. Wahrscheinlich war ganz in der Nähe eine Pferdewechselstadion mit Wagnerwerkstatt und Schmiede. Die Pferdegöttin „Epona“ war auch die Schutzgöttin der Fuhrleute, die ja immer wieder diese Straße nutzten.
Im Pfälzerwald sind wohl noch viele keltische Spuren unter der Erde verborgen.
hukwa

Sonntag, 20. Juli 2014

Auf den Spuren der Mediomatriker im Landkreis Kaiserslautern



Das keltische Wegesystem


Die uns heute noch bekannten Römerstraßen waren zu keltischer Zeit fast alles einmal Keltenwege. So geht das keltische Wegenetz bei Johanniskreuz, sogar noch in vorkeltische Zeiten zurück, wie die Hundsstraße dort.
Von der Altstraße von Metz nach Saarbrücken führte eine Abzweigung nach Osten über Zweibrücken, Niederauerbach, wo ein römischer Burgus, stand. Von dort weiter an Waldfischbach vorbei, wo die keltische Fliehburg Heidelsburg (später römische Straßenstadion) war. Dann zog diese Straße vorbei an der Wüstung „Hundsborn“, wo später ein fränkischer Königshof errichtet wurde, bis hinauf an den seit ältesten Zeiten vorhandenen Altstraßenknotenpunkt Johanniskreuz.
Umgekehrt zieht die Hundsstraße über den Hundsberg an der Hundsweiher – Sägmühle und dem Hundsbächel vorbei zur Wüstung „Hundsborn“, dann wieder ins Schwarbachtal. Die dort fließende Schwarzbach hieß noch bis ins 16. Jh. hinein Schwarzalb.
Von Johanniskreuz aus verband ein Keltenweg weitere keltische Siedlungen. So verlief der Weg von Johannniskreuz auch nach Kaiserslautern: über den Dansenberg herkommend, über die Pfaffenbergstrasse in die Innenstadt einmündende Römerstrasse. Sie überquerte die Lauter in Richtung Donnersberg. Beim Martinsplatz gab es eine Abzweigung in Richtung Morlautern. Von dort aus zog die Straße gegen das heutige Kreuznach hin, wo eine keltische Siedlung stand.
Das wohl älteste Teilstück dieses Wegesystems geht wohl noch in vorkeltische Zeit zurück. Es ist dies die alte Salzstraße (Salzvorkommen in Nancy) kommend von Nancy über den Bliesgau zur Sickinger Höhe und hinab zur Kaiserslauterer Senke von dort zum Rhein hin strebend.
Diese Straße ist in ihrem Teilstück westlich von Kaiserslautern als „Bännerweg“ bekannt. Der Talkessel von Kaiserslautern wurde ebenfalls von Keltenwegen durchzogen. So tritt die genannte „Salzstraße“ als „Bännerweg“ direkt ins heutige Zentrum von Kaiserslautern ein. Sie zog sich südlich am Fuß des „Großen Berges“ (keltische Siedlung bei Kindsbach) her, die Bännjerstraße ist heute Teil ihrer Trasse. Nördlich vom großen Berg kam von Landstuhl her ein Keltenweg der bis zur Galgenschanze führte, hier vereinten sich die Wege mit der vorbeiziehenden Salzstraße. Von hier ab ging eine Abzweigung zum Pfaffplatz, Bleichstraße und Altenhof, sie mündete am Brunnen bei der heutigen Stiftskirche wo sie sich wieder mit der von Johanniskreuz kommenden Straße verband.
Ein weiterer Keltenweg der von Johanniskreuz ausging ist die „Hochstraße“ die nach Weidenthal führt. Von hier ging ein weiterer Keltenweg nach Bad Dürkheim.
Entlang dieser Wege finden sich einige Grabhügelgruppen und Menhire.
Die vom Wasser abhängigen keltischen Siedlungen bevorzugten Hangterrassen und Höhentäler an Quellen und Bächen, während oberhalb auf der Höhe in Anschluss an das Agrarland und an den, die Hochfläche überziehenden Fernwegen oftmals Grabhügel (bzw. Johanniskreuz) lagen.
Ein regelrechtes keltisches „Ballungsgebiet“ in unserem Landkreis war zweifelsfrei die Kaiserslauterer Senke. Sowie das Gebiet um Weilerbach – Rodenbach mit seinen berühmten Fürstengräbern.
Lit. Quellennachweise:
Karlwerner Kaiser: Der Raum Kaiserslautern in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Jhb. Für Geschichte des LKR. Kaiserslautern Bd. 20/21 – 1986/87
Werner Weidmann: Schwerpunkte der frühesten mittelpfälzischen wirtschafts- und Sozialgeschichte bis zu den Römern. Jahrbuch zur Gesch. des LDK. Kaiserslautern. B. 20721- 1982/83.
Hukwasearthartblog: Die Pfalzkelten, keltische Wege, die Mediomatriker, Höhenheiligtümer der Kelten in der Pfalz.




Quellheiligtümer, Tempelbezirk und Götterverehrung

Die hier siedelten Kelten gehörten dem Stamm der Mediomatriker an, deren Siedlungsgebiet sich zwischen der Mass im Westen und dem Westrand des waldigen Pfälzer Berglandes und sich im Osten mit den Flusstälern der Steinalb und der Lauter dehnte. Ihr Hauptsitz war Divodurum (Metz). Hier stand die zentrale Burg der Gottheit, des Druiden und des Stammeskönigs.
Im Bereich von Kaiserslautern finden sich einige Grabhügel. Sie gehören der Zeit von 800 v.Chr. Bis zur römischen Kaiserzeit an. Diese Grabhügel richten sich ganz nach der Beschaffenheit des Geländes. So finden sich reine Erdhügel im steinfreien Gelände, aber auch aus kleinen Sandsteinen aufgeschüttete Hügel. Der Umfang der Hügel war in der Regel mit einem oder zwei Steinkreisen markiert. Solche Steinkreise sind meist aus Findlingen gelegt. Die Erdhügel konnten für eine Einzelbestattung errichtet sein, aber auch einen kleinen Friedhof darstellen.
In Aufbau und Ausstattung heben sich die Adelsgräber deutlich von denen des einfachen Volkes ab.
Sie bestehen in der Regel aus einer aus Holz gezimmerten Grabkammer die das Haus des Verstorbenen darstellen soll. Denn Frauen gab man reichlich Schmuck mit in die „keltische Anderswelt“, den Männern Ritualwaffen. Gefäße mit Nahrung, Wein und Met, gehörten ebenso zum Grabinventar.
Manchen gab man Pferd und Wagen mit. Eine wichtige Grabbeigabe war der Bronzekessel. Auf die Gräber wurde manchmal eine Grabstele, Obelisk, gestellt.
Der größte Fund im Landkreis Kaiserslautern ist der des „Fürstengrabes von Rodenbach“, das 1874 entdeckte Hügelgrab wurde auf 400 v. Chr. datiert, also in die La – tene Zeit hinein. Dabei wurde unter anderem ein goldener Armreif gefunden. Als man diesen Armreif damals fand ging man von skythischer, griechischer oder etruskischer Arbeit aus. Erst in neuerer Zeit stellte man fest, dass es sich um einen neuen keltischen Stil handelte. Ein weiterer Schmuckfund aus diesem Fürstengrab ist ein kunstvoll gearbeiteter Goldring.
Es ist ein rätselhafter Zauber der die keltische Kultur umgibt. Ihre Mythologie verzaubert uns heute noch und bleibt uns zum großen Teil unverständlich. Sie waren Meister der Schmiedekunst und ihre Kunsthandwerker waren Genies. Kein Volk „Alteuropas“ um ein Wort des Keltologen Jan de Vries zu nutzen, hinterließ uns so viele Rätsel.

Im Bereich der Pfalz also des Teils vom ostgallischen Gebietes der Treverer und Mediomatriker, deren Hauptstädten Trier und Metz waren, pflegte man besonders die alten heiligen Kultplätze. In der Regel lagen diese tief in den Wäldern. Von den Vogesen, in den heutigen Pfälzerwald über den Hunsrück bis in die Eifel und die Ardennen.
In der römischen Kaiserzeit verbanden sich die keltischen Naturkulte mit römischen Steinreliefs.
Hier sei auch an die Gestalt des „Bumberhannes“ erinnert, denn man bis in fränkische Zeiten im Elsass und Pfälzerwald kultisch verehrte. Seine Verehrung fiel wohl in die Zeit der gallo-römischen Kultur, wo man den Kult der keltischen Götter mit römischen verband. Im keltischen Matronenkult der „Muttergottheiten“ flossen vor allem keltische und germanische Vorstellungen zusammen, während sich die römischen Einflüsse in Namenskombinationen und Götterpaaren fanden.
Bei den Matronenheiligtümern im Pfälzerwald fällt die Nähe zu Brunnen, Quellen und Flüssen auf. So vor allem am „Gutenborn“ bei Kindsbach (nähe Kaiserslautern), dort wird die Frucht- und heilbringende Symbolik der „Mütter“ besonders sichtbar.
Wenn man über die Kelten forscht fällt es einem manchmal schwer auf dem gebiet der historischen Geschichtsschreibung und der Geschichtswissenschaft zu bleiben. Die Geheimnisse dieses Volkes, ihre Mythologie und Religion verführen uns ganz schnell in jenes „Autre Monde“, also in die „keltische Anderswelt“, die auch in der Kunst der Kelten eine große Symbolik innehat.

Die Mythologie über diese Welt haben uns vor allem die Inselkelten überliefert. Doch es dürfte kein Zweifel bestehen dass auch die Festlandkelten eine Vorstellung von einer „anderen Welt“ hatten, die mit denen der Inselkelten identisch war.
Wir wissen das es zwischen Cornwall und dem Festland einen regen Zinnhandel gab und es wird wohl niemand ausschließen dass hier wohl auch ein religiöser Austausch stattfand. Wir können davon ausgehen dass auch die Mediomatriker an die Anderswelt glaubten. In jener Epoche war Handel und Handwerk auch immer mit Götterkult verbunden. Jacques Moreau schrieb einmal: „Die Kelten denen der Gebrauch der Schrift durchaus bekannt war, hielten es zweifellos für nicht erlaubt, die Eingebungen ihrer Dichter – diese unmittelbaren Lebensoffenbarungen – einem toten und erstarrten Medium, dem Buchstaben anzuvertrauen.“
Wahrscheinlich hüteten sich die Kelten geschickt davor, das ihre Mythologie ihr heiliges Inneres, nicht durch das Profane gestört wurde.



Die Heidenfelsen bei Kindsbach
ein keltisches Quellheiligtum mit Tempelbezirk

Die bereits erwähnten „Heidenfelsen“ bei Kindsbach stellten ein keltisches Quellheiligtum dar an das sich ein Tempelbezirk anschloss.
Die beiden „Heidenfelsen“ liegen im Biedenbachtal bei Kindsbach etwa 13. Kilometer von Kaiserslautern entfernt. Der „Bieten“- das bedeutet Grenzbach bildet hier die Grenze zwischen den Gemarkungen Landstuhl und Kindsbach. Am südlichen Talschluss liegen zwei wenig in den steilen Hang eingeschnittene Mulden. In der östlichen der beiden entspringt der „Gutenborn“. Seit dem ersten Jahrhundert vor Chr., wahrscheinlich schon früher, wird der Gutenborn als heilkräftig angesehen und verehrt. Bei der Quelle wurde eine Töpferei aus dem 3.Jh. Ausgegraben, die ausschließlich Henkelkrüge herstellte. Die einheimische gallorömische Bevölkerung die hier lebte, hat also dieses Wasser genutzt und auch mitgenommen. In den beiden Heidenfelsen sind Reliefs eingemeißelt, die keltische Fruchtbarkeitsgöttinnen und Priester vor einem Opferaltar darstellen. Hier handelt es sich um einen „heiligen Bezirk“ der keltischen Mediomatriker. In den letzten Jahren ergaben Untersuchungen des Wassers vom Gutenborn das dieses borhaltig ist und nur das Wasser dieser Quelle und nicht dass der umliegenden Brunnen und Quellen.
Wenn wir nun einige der Gesamtfunde die bei den Heidenfelsen gemacht wurden, sie befinden sich heute zum großen Teil im historischen Museum in Speyer, ansehen bekommen wir einen ersten Einblick in Religion und Mythologie der Mediomatriker.
Wenn wir uns mit der Götterverehrung der Kelten beschäftigen, sind wir auf wenige und spärliche Texte antiker Autoren, fast ausschließlich griechischer und römischer Herkunft angewiesen. Die Gallier haben keine schriftliche Zeugnisse ihrer Religion hinterlassen, abgesehen von wenigen in gallischen Wörtern und griechischer oder römischer Schrift verfassten äußerst kurzen Weiheinschriften in Steinreliefs, wie z.b. in Weilerbach (Trier) Bei diesen finden wir lediglich einige wenige Götternamen oder religiöse Monatsbezeichnungen. Wir werden auf der Suche nach „den Göttern der Kelten“ auch immer wieder auf weibliche Gottheiten stoßen: die Provence, Irland, das Rheinland und das Gebiet dass in dieser Abhandlung im Vordergrund steht.
Wir können mit Sicherheit davon ausgehen dass die Natur mit ihren Bergen, Höhen, Quellen, Bäumen und Pflanzen von altersher im Kult der Kelten eine äußerst wichtige Rolle spielten. Es sind vor allem die Baum- und Quellenkulte die bei den Galliern in ihren heiligen Riten wichtig waren. Aber auch die Tierverehrung wird uns immer wieder begegnen. Bei der Verehrung heiliger Bäume stoßen wir immer wieder auf Namen wie Robus einem Eichngott, deus Fagus- der Buchengott und Sex Arbores den „sechsbäumigen Gott“. Wir finden einen deus Alisanus als Ebereschengott und Abellio als Apfelbaumgott. Der Apfelbaum dürfte neben der Eiche einer der wichtigsten Kultbäume der Kelten gewesen sein.


Die kultische Verehrung der Tiere finden wir wie schon erwähnt ebenfalls. Merkur als Nachfolger eines keltischen Gottes wird vor allem bei den Galliern meistens von einem Widder begleitet. Dem Mars war der Stier geweiht, wir wissen von den Stieropfern der Druiden. Hund und Hase gehören zur Symbolik der Muttergottheiten. Ein bekannter keltischer Gott ist Cernunnos, der Hirschgott. Epona, eine Pferdegöttin wurde auch in unserem Gebiet verehrt. Von Artio, der Bärengöttin, finden wir eine steinerne Inschrift bei Weilerbach (Landkreis Trier). Bei den Vögeln sind es Reiher, Rabe und Taube die in der Mythologie eine bedeutende Rolle spielten. Es waren Raben die einst den Wanderzug der Kelten unter Bellovesus und Segovesus begleitet haben, und man nennt sie „göttliche Raben“.
Wir finden vor allem im Gebiet der Belger und Remer immer wieder Darstellungen des dreiköpfigen Gottes. Hier handelt es sich um die belgische Version des gallischen Gottes Mars – Teutates. Seine Attribute sind: Hahn, Schildkröte, Widder, Beutel. Dieser Gott wird auch gern mit Mercurius identifiziert. Die Dreiheit spielt in Religion und Mythologie der Kelten eine große Rolle. Aus dem irischen Sagenkreis sind Gestalten bekannt die sich verdreifachen können, in Gallien finden wir Tierdreiheiten, wie die drei Kraniche, die den Stier begleiten (Tarwos, Trigaranos). Vor allem aber finden wir Stiere mit drei Hörnern und die Götterdreiheiten (Matres).
Bei den Kelten symbolisiert die Dreiheit - Kraft und Vollkommenheit, so stellt die dreiköpfige Gottheit die „mächtige“ Gottheit dar.
Der Schlangengott wird meist mit dem Hirschgott dargestellt. Die Schlange repräsentiert zum einen die Unterwelt, wird aber auch als heilige Erdschlange gedacht.
Ein weiterer wichtiger Gott war der Hammer- und Schlegelgott der auch in unserem Gebiet verehrt wurde. Dieser wird oft von einem Hund begleitet.
Karlwerner Kaiser der die Kelten in unserem Gebiet lange erforschte hat über deren Götterkult geschrieben: „Im Kult hat sich bei dem Keltentum des oberrheinischen Raumes seit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert ein Götterhimmel mit Hochgöttern entwickelt. An der Spitze steht der Himmels- und Sonnenkönig, Herr der Gewitter, Taranis oder Taranucmus. Neben ihm findet die große Erdmutter Verehrung. Schutzgottheiten und Heilgottheiten wie die Pferdegöttin Epona und der Gott der Wälder Vosegus, auch Silvanus in dieser Rolle, so wie Sivona werden wie alle in einem bildlosen und bis zum ende der Vorzeit noch tempellosen Kult in heiligen Hainen und auf heiligen Bergeshöhen angerufen“.
Der Fruchtbarkeitskult einer naturnahen Bevölkerung findet auf diese Weise in großen Steinstelen als Himmelsträger seinen Ausdruck.
Mit der Eingliederung der Gallier unseres Gebietes in die Kultur des römischen Imperiums nehmen die keltischen Gottheiten auch in unserem Raum Gestalt in Stein an und werden zunehmend in heiligen Tempelbezirken angebettet.
Diese gallorömische Entwicklung, also dass ineinanderfließen römischer und keltischer Götter können wir am Beispiel der Heidenfelsen bei Kindsbach genau feststellen. Dieses wahrscheinlich in spätrömischer Zeit zerstörte Quellheiligtum verdient daher besondere Erwähnung.
Das mit einer kleinen Tempelanlage verbundene Heiligtum war wohl mit einer großen Anzahl von Steinreliefs bestückt von denen heute noch einige existieren. Man erkennt Götterdarstellungen und Opferszenen.
Merkur und Rosmerta sind vertreten, ebenso Jupiter und drei weibliche Fruchtgottheiten, wahrscheinlich Eponen, Pferdegottheiten. Es handelt sich hier mit größter Wahrscheinlichkeit um Muttergottheiten halten sie doch im Schoß einen Korb mit Früchten oder ein Füllhorn und die mittlere könnte auch ein Kleinkind halten. Wir erkennen eine Göttin auf einem Pferd, wahrscheinlich Epona. Hier ist zu vermerken das vor allem in der Westpfalz die Gallier eine Intensive Pferdezucht betrieben.

Lit. Quellenangaben und Lit. Hinweise

Karlwerner Kaiser : der Große Berg bei Kindsbach in
Pfälzerwaldkalender 1988
K. Kaiser: Der Raum Kaiserlautern in vor- und frühgeschichtlicher Zeit
Jacques Moreau: Die Welt der Kelten Verlag Phaidon
Arnulf Krause: Die Welt der Kelten- Geschichte und Mythos eines rätselhaften Volkes
Verlag Nicol
Fritz Baumgart: Dumonts kleine Kunstgeschichte
Pierre Grimal: der Hellenismus und der Aufstieg Roms; Verlag Fischer TB.





Das gallische Heiligtum
Heiligtümer, Tempelanlagen und heilige Plätze der Gallier

Es ist uns Heutigen nicht möglich dass Denken der Kelten zu verstehen. Zu dunkel ist die Geschichte der keltischen Stämme. Mehr als die Geschichtswissenschaft ist die Archäologie die Wissenschaft die immer wieder einen Lichtstrahl ins Dunkel der Geschichte wirft.
Mit einiger Sicherheit wissen wir dass die Gallier ein sehr ausgeprägtes transzendentales Denken hatten und sich in ständiger Abhängigkeit von übernatürlichen Mächten umgeben fühlten. Mit diesen „Natur- und Allmächten“ standen sie in regem Kontakt, an Plätzen von denen sie annahmen dass sich dort diese Mächte offenbarten und das man über Opferhandlungen mit ihnen in Kontakt treten konnte und sie günstig stimmen konnte.
Dennoch können wir trotz der sensationellen Grabfunde (vor allem Fürstengräber) der letzten Jahrzehnten, aber auch darüber hinaus uns dem religiösen Denken dem kultischen Handeln der Kelten nur annähern ohne dabei uns eine objektive Meinung zu bilden.
Die Erforschung der gallischen Heiligtümer erweist sich im Gegensatz zu Siedlungen, Oppidas und Gräbern als weitaus schwieriger. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen bestanden diese Heiligtümer in der Regel aus Holzbauten, also einem sehr vergänglichen Material wenn wir in den Zeiträumen der Geschichte messen. Zum anderen kannten die Gallier nicht die Trennung zwischen religiöser und profaner Welt. Die Religion war untrennbar mit den Handlungen des Alltags verbunden, handelte es sich um das Mahlen von Getreide, um den Hausbau oder die Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Textilien.

Natio est omnis Gallorum admodum detita religioni bus: „Das ganze Volk der Gallier hält viel von rituellen Handlungen und Magie“, lesen wir bei Cäsar.
Plinius der Ältere berichtet, dass die Druiden Eichenhaine besonders pflegten da der Eichenlaubschmuck wichtig für die Opfer sei, auch die auf den Eichen wachsende Misteln seien heilig und heilend. Von Eichenhainen als heilige Plätze wussten auch Lukan und Tacitus zu berichten.
Der gallische Begriff für Kultstätte ist uns überliefert. So heißt es in einer, in gallischer Sprache und griechischer Schrift verfassten Weiheinschrift aus der Provence, dass ein Segomaros der Göttin Bellisama ein „nemeton“, ein Heiligtum gestiftet habe. 
hukwa

Sonntag, 20. Oktober 2013

Höhenheiligtümer und Götter der keltischen Mediomatriker im Pfälzerwald

Im Pfälzerwald finden wir einige alte Kultstätten der Kelten. Hier im ostgallischen Gebiet der Treverer und Mediomatriker, deren Hauptstätte Trier und Metz waren, pflegte man besonders die heiligen Kultstätten. Diese lagen in den weiten Wäldern der Mittelgebirge, also von den Vogesen zum Pfälzerwald hin zum Hunsrück bis zu der Eifel und den Ardennen. Im Bereich des Pfälzerwaldes verbanden sich keltische Kultstätten in denen sie ihre Naturkulte zelebrierten mit römischen Steinbauten, so z.B. auf dem „großen Berg“ bei Kindsbach oder auf der „Haidelsburg“ bei Waldfischbach Burgalben. Im bereich des Pfälzer Waldes finden sich noch Heute aus dem Buntsandstein heraus gehauene Stelen und Reliefbilder.
Mediomatriker und Treverer errichteten sie für Diana, die römische Göttin der Jagd und des Wildes, die man mit der keltischen Arduinna gleichsetzte, in ihr verbirgt sich der Name Ardennen, wie in dem römischen Gott Vosagus der Name Vogesen steckt. Vosagus ist römisch. In ihrer ursprünglichen Ausdehnung reichten die Vogesen vom Südelsaß bis in den Hunsrück hinein und der alte keltische Namen für dieses Gebirge lautete „Wassichin“ was Auerochsengebirge bedeutet.
In der Zeit um 200 n.Ch. Waren römische Götter mit keltischen bereits verschmolzen und wir können von gallo – römischen Kulten sprechen. Ein Beweis hierfür ist der „große Berg“ bei Kindsbach, wo sich einst ein Quellheiligtum mit Tempel befand.
Einen weiteren Beleg finden wir auf der Burg Nanstein. Hier kündet ein Götterdenkmal, das den keltischen Himmelskönig in Gestalt des römischen Gottes Mercurius in einer Nische im hochrelief zeigt. Der nur im Oberteil erhaltene Götterstein ist im Innenhof der Burg Nanstein über dem Tor eingemauert.
Karlwerner Kaiser berichtet uns: „Eine ähnliche Situation haben wir auf Burg Trifels. Mit einer solchen Version steht der Nanstein mit dem Drachenfels bei Busenberg, dem Drachenfels bei Bad Dürkheim, dem Lemberg im Wasgau, dem Kästenberg bei Hambach, dem Hochstein bei Dahn, dem Trifels und schließlich dem Donnersberg in der Reihe nachgewiesener oder zu erwartender vorchristlicher Heiligtümer. Sie dienten von der heiligen Erdschlange bis zu Mercurius und Jupiter (= die keltischen Gottheiten Taranis/ Taranunus und Esus) dem Götterkult“.
Taranis galt als Gott des Donners und wurde deswegen mit Jupiter gleichgesetzt. Auf einem Pariser Altar wird Esus als Holzfäller dargestellt. Auf der Haidelsburg fand man einen Grabstein, der ein Ehepaar in keltischer Tracht zeigt, das dort wohl den Tod gefunden hat. Der Mann trägt um den Hals einen Halsring (Torques) und als Amtszeichen ein kleines Beil. Es war ein Waldhüter im römischen Dienst (saltuarius), gleichzeitig stellt dieser Mann auch einen Bezug zum Gott Esus dar.

Im Bereich des südlichen Pfälzerwaldes finden wir eine Reihe von Säulen und Skulpturen zum Teil auf Menhiren, zum Teil auch an Kirchen die den elsäßischen Volksgott „Bumberhannes“ darstellen. Dieser alte heidnische Gott stellt einen bärtigen Mann mit einer Tunika dar, der in seiner linken Hand alsAttribut ein vierspeichiges Rad trägt und dessen rechte Hand das Blitzsymbol hält. Auf anderen abbildungen hält er den Schlegel in der Hand. Der Schlegelgott, dessen Symbol eindeutig auf den Tod hinweist, ist keine dunkle Erscheinung; er ist auch ein Gott wohltätigen Wirkens.
Über die Mythologie dieser „Pfalzkelten“ wissen wir so gut wie nichts.

Wir finden im Landkreis Kaiserslautern, auf der Sickinger Höhe und in der Gegend um Landstuhl einige Denkmäler aus keltischer und gallo – römischer Zeit. Auch Grabhügelgruppen künden deutlich von der vorchristlichen Bevölkerung dieser Gegend. So bei Johanniskreuz, dann im südlichen Bogen um Landstuhl, bei Kaiserslautern, in Weilerbach und Rodenbach (Fürstengrab).
Menhire finden sich bei Martinshöhe und Bann, aber auch anderen Orts im Landkreis KL.
Die in diesem Artikel aufgezählten Höhenheiligtümer kann man fast ausschließlich dem keltischen Stamm der Mediomatriker zurechnen, während auf dem Donnersberg Treverer siedelten.

hukwa





Dienstag, 12. März 2013

Lederstrumpf – der Waldläufer der aus dem Pfälzerwald kam

Welcher Junge träumte in seiner Kindheit nicht von Lederstrumpf? Ist er doch einer jener Roman Gestalten die das Herz von Kindern und Jugendlichen besonders begeisterten. Als im August 1952 in Anwesenheit einer amerikanischen Delegation eine Gedenktafel am Rathaus der Weinstraßengemeinde Edenkoben enthüllt wurde, war es fast amtlich: Natty Bumppo, F. Coopers Lederstrumpf kam aus dem Pfälzerwald.
Das Vorbild zu diesem Lederstrumpf war Johann Adam Hartmann er wurde 1743 in Edenkoben geboren. Er starb vor fast 120 Jahren im gesegneten Alter von 92 Jahren in German Flats, im Herkimer County. Die Inschrift seines Grabsteins lautet auf deutsch:

John Adam Hartmann, geboren in
Edenkoben in Deutschland, ein großer Patriot
in unserem Krieg für die Unabhängigkeit, starb
am 5. April 1836 im Alter von 92 Jahren und
sieben Monaten.

Die offizielle Ehrung (so wird sein Grab alljährlich am Memorial Day mit dem Sternenbanner geschmückt) erfuhr der Pfälzer erst nach seinem Tod. Dies lag wohl daran das es im Leben Hartmanns einige „dunkle Flecken“ gab die nie ganz aufgeklärt wurden. Man beschuldigte ihn, in Friedenszeiten einen Indianer ermordet zu haben. Nach der Überlieferung, wurde Hartmann in einer Kneipe von einem betrunkenen Indianer angesprochen. Dieser hielt ihm Prahlend seinen Tabaksbeutel vor die Augen, der alte Waldläufer erkannte sofort, dass der Beutel aus Menschenhaut gefertigt war - genauer ausgedrückt: aus Arm und Hand eines weißen Kindes. Sogar die Fingernägel waren noch dran. Der Trapper unterdrückte seine Wut und bot dem Indianer seine Begleitung an. In einem vor der Stadt Herkimer gelegenen Moor ist der Indianer dann verschwunden. Ein Jahr später fand man dort eine Leiche und eine verrostete Flinte. Hartmann wurde verhaftet und unter Mordanklage gestellt, aber „mangels“ Beweisen freigesprochen. Dadurch verblieb ihm seine bescheidene Veteranenrente. Wie nun kam Cooper dazu gerade Hartmann zum Vorbild des „Lederstrumpfs“ zu machen? Er griff die Abenteuer Hartmanns zwar als Anregungen auf, machte daraus aber keinen Tatsachenbericht sondern verarbeitete sie schriftstellerisch in seinen Lederstrumpfromanen. Wenn wir ein wenig hineinschauen in das historische Leben unseres „Pfälzer – Lederstrumpfs“, überrascht es überhaupt nicht das die historisch überlieferten Schilderungen die wir von Hartmann haben und wie sie in vielen amerikanischen Büchern und Dokumenten festgehalten sind, oft bis in kleinste Einzelheiten denn Darstellungen in Coopers Lederstrumpf gleichen.
Dies hängt gewiß damit zusammen dass James Fenimor Cooper in Cooperstown im Mohawktal, 30 Meilen nördlich jener Stadt Herkimer aufgewachsen ist. Die Stadt wurde nach dem vater des Schriftstellers benannt. James Fenimore Copper nahm die stadt auch als Hintergrund für zwei seiner Romane. Es ist anzunehmen dass Cooper persönlich mit Hartmann bekannt war und sich von ihm historische Einzelheiten und Ereignisse erzählen ließ. Und wer hätte ihm besser über das Leben eines Waldläufers erzählen können, als jener Mann der mit 16 Jahren aus der Pfalz auswanderte sich am Mohawk River niederließ und dort von Fallenstellern und Indianern die Pfadfinderkunst erlernte?
Hartmann kämpfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783, wobei er vor allem die von Indianern und Trappern erlernte Waldläufertechniken zum Vorteil im Kampf gegen die britische Kolonialmacht eingesetzt haben soll.
Auch hielt sich Cooper einige Zeit in der Pfalz auf und schrieb einige Reisenotizen über die Gegend von Edenkoben.
Carl Suesser erörterte 1934 in einem Essay die Frage: „War Lederstrumpf ein Deutscher?“ und kommt zu dem Schluss, dass es mehrere Gründe dafür gibt, dass es sich bei Nathaniel Bumppo um den Pfälzer Johann Adam Hartmann aus Edenkoben handeln muss.
In seinem Buch „die Pioniere“, Band 4, der „Lederstrumpferzählungen schrieb Cooper 1823: „Willkommen Richter, sagte der ältere der Männer, er war ein Deutscher, der Hartmann hieß und Major gewesen war!“
hukwa


Lit. Hinweise:

Herbert Hartkopf: Der Lederstrumpf von der Weinstraße; Literatur und Pfalz.

Carl Suesser: War Lederstrumpf ein Deutscher?; Westermanns Monatshefte 1934.

Herbert Hartkopf: Trapper, Scouts u. Pioniere aus der Kurpfalz; Ubstadt 2009