| Fotos©Hans Wagner |
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Eisenhüttenmuseum der Gemeinde Trippstadt
Sonderausstellung zum Thema Köhlerei
Eine kleine Sonderausstellung mit Textmaterialien und Bilddokumenten zum Thema Waldköhlerei kann man zurzeit im Trippstadter Eisenhüttenmuseum besichtigen.
Aus einer Fülle bisher weit verstreut vorliegendem Quellenmaterial zu diesem Thema, hat Hans Wagner aus Trippstadt das wichtigste zusammengetragen. Die ausgestellten Informationen behandeln das Thema Köhlerei für heimatgeschichtlich interessierte Bürger und Gäste. Dabei werden nicht nur die historischen und technischen Zusammenhänge beleuchtet, sondern auch die Anwendung von Holzkohle in der Naturheilkunde. Zusätzlich wird viel Interessantes aus dem harten und kargen Leben der „Schwarzen Männer“ berichtet.
Mit der Ausstellung „Waldköhlerei“ beginnt eine Ausstellungsreihe über vergessene Waldberufe.
Das Eisenhüttenmuseum befindet sich im Gebäude der Tourist Information Trippstadt.
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 8.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr.
Samstag von 10.00 bis 12.00 Uhr (Ostern bis Oktober)
Tourist Information Trippstadt, Hauptstraße 26, 67705 Trippstadt
Telefon: 06306-341, Fax: 06306-1529, E-Mail: info@trippstadt.de
www.trippstadt.de
In der traditionsreichen Geschichte der Köhlerei finden sich zahlreiche Quellen und Hinweise darauf, dass auch Klöster Holzkohle produziert haben. Mit diesem Hintergrund kann man wohl davon ausgehen, dass es auch einen Schutzheiligen der Köhler gegeben hat und gibt. Sein Name: Sankt Alexander Carbonarius – Patron der Köhler. Er war Bischof von Comana in Pontus, in der Türkei. Der Hl. Alexander ist als Kohlenbrenner (Carbonarius) bekannt. Sein Name deutet darauf hin, dass er aus Bescheidenheit die Arbeit eines Köhlers verrichtete um den weltlichen Lockungen zu entfliehen. Von ihm sind die Worte überliefert: „Ich bin jung und nicht übel gebildet, diese Vorzüge könnten mir zum Fallstricke gereichen. Ich sehe den Kohlenstaub als eine Lava an, die mich dem Anblick der Welt entzieht.“ St. Alexander zog das einfache Leben in den Wäldern, den sinnlichen Genüssen dieser Welt vor. Er wird gerne als Philosoph bezeichnet, doch mit dieser Bezeichnung sollte man nicht so oberflächlich umgehen, denn seine Philosophie bestand vorwiegend aus der Bevorzugung himmlischer vor irdischen Dingen. Sein bescheidenes, einsames und meditatives Köhlerleben und seine persönliche Mystik führte dazu, dass der Hl. Gregor Thaumaturgos Alexander zum Bischof von Comana machte. Der Hl. Gregor sollte dabei helfen, einen Bischof für Comana zu finden. Eine große Versammlung mit vielen Kandidaten hatte sich eingefunden doch keiner der vorgeschlagenen gefiel ihm. Er ermahnte die Versammlung sich doch einmal unter den Leuten des einfachen Standes umzusehen. Daraufhin schlug jemand scherzhafterweise Alexander den Köhler vor. Dies löste bei den Versammelten ein abwertendes Gelächter aus, doch der Hl. Gregor nahm diesen Vorschlag sehr ernst und Alexander bekam den Bischofstab. Er regierte die Kirche von Comana mit Klugheit und Weisheit. Nachdem er viele Jahre seiner Herde durch sein segensreiches Wirken vorgestanden hatte, ward ihm die Gnade zuteil, für seinen Glauben sein Leben dem Feuertode hinzugeben. Sein Tod wird in die Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius um 250 nach Christus datiert. Er wurde bei lebendigem Leibe verbrannt. Auf kirchlichen Gemälden wird der Hl. Alexander im bischöflichen Ornate zusammen mit den Zeichen des Kohlenbrenners auf dem Evangelienbuch abgebildet. In seiner Hand liegen fünf schwarze Holzkohlen. Sein Gedenktag ist der 11. August.
Wer sich mit Heimatkunde beschäftigt und ein wenig „Feldarbeit“ betreibt, wird immer wieder in alten und neuen Quellen interessantes über die Köhlerzunft finden. Die besten Quellen allerdings sind jene, die man in der eigenen Umgebung noch aufstöbern kann. Aufs engste verwachsen mit der Eisenindustrie, besonders auch mit der weitverbreiteten und hochangesehenen Kunst der Schmiede, war das Köhlergewerbe. Trippstadt kann auf eine „eisenhaltige“ Vergangenheit zurückblicken. Wer hier wandert, findet allenthalben von Waldschlag zu Waldschlag die Spuren der traditionsreichen „schwarzen Kunst“. Noch heute kann man diese alten kreisrunden Meilerstätten unter Humus und Laub entdecken. Im Pfälzerwald waren viele Köhler von Hüttenwerksbesitzern angestellt aber es gab auch „freischaffende“ Köhler. Wie jedes andere Handwerk, war auch das der Köhler Zunftgesetzen unterworfen.
Im Harz beschäftigte ein Köhlermeister eine Anzahl von Knechten und Lehrburschen. Dort gab es Meisterköhler und Licht- oder Grubenköhler. Erstere schichteten die Scheite, Stöcke oder Knüppel zu abgestumpften Kegeln, nach uralt erprobten Kunstregeln. Sie belegten diese mit Rasenstücken und begannen dann mit dem „köhlern“. Die Lichtköhler verarbeiteten die Afterschläge, die Holzabfälle, Reisig, faule Strünke und erzielten dadurch nur minderwertige Kohle. Bei den sogenannten „herrschaftlichen Köhlern“, die vom Adel und den Hüttenwerksbesitzern beschäftigt wurden, war es üblich den „Köhlereid“ abzulegen:
„Köhler Eyett
In den großen Wäldern um Trippstadt rauchten Meiler, die ausschließlich für die Trippstadter Hüttenwerke ihre Ernte einbrachten.
Das Köhlerleben war ein hartes und entbehrungsreiches Dasein. Wind und Wetter ausgesetzt, täglich karge Kost und vor allem ständiger Schlafentzug zehrten an Körper und Psyche der „schwarzen Männer“. Die „Köhlerliesel“ gehört ins Reich des Kunstmärchens und auch feine Köhlergerichte, wie sie heute vielerorts angeboten werden, sind der Phantasie der Gastronomie entsprungen. Abwechslung in der Kost gab es wenig. Hartes Brot, Käse, Speck und manchmal ein Schluck Wein oder Bier. Branntwein oder Schnaps gab es am Kohlenmeiler nicht. Das sogenannte „Köhlerwasser“ ist eine Erfindung der Neuzeit, zu groß war die Gefahr des Einschlafens. Übermannte den Köhler aber doch einmal der Schlaf, dann gab es gleich ein Erwachen mit Schrecken. Statt der grau oder blau sich kräuselnden Rauchwölkchen entstieg glutroter Dampf der Haube und den seitlichen Luftlöchern.
Wenn ein Meiler Feuer fing trat das eigenartigste Gerät der Köhler in Kraft, die Hillebille: Ein buchenes Brett schwankte an zwei Riemen die an einer Stange befestigt waren, diese Stange lag auf den gabelförmigen Enden zweier in den Boden eingerammter Pfähle. Mit aller Kraft schlug der Köhler einen hainbuchenen Hammer in einem bestimmten Rhythmus gegen das Brett, sodass es weithin schallte. Bald ertönte auf gleiche Weise Antwort von der nächsten Köhlerstätte und in kürzester Zeit war der gefährdete Meiler von schwarzen Gestalten umringt, die den Brand zu löschen begannen. Die Hillebille diente in erster Linie zur Kommunikation über weite Strecken, wurde aber auch als Rhythmus Instrument eingesetzt. Sie rief aber auch zum Mittagstisch und zeigte durch den „Jägerruf“ dem Waidmann an, wenn Wild nahte. Sogar bei drohenden und feindlichen Überfällen wurde das seltsame Instrument in Anspruch genommen, da die Köhler verpflichtet waren beim Nahen verdächtiger Gestalten ein Warnsignal erschallen zu lassen. Der Klang dieses „Werkzeuginstrumentes“ soll zur Verständigung bis zu einer Entfernung von 3 Kilometern ausgereicht haben.
Im „Wartburg-Herold“ von 1896 sind auf Anregung von Prof. A. Kirchhoff in Halle verschiedene Mitteilungen und Nachweise über Etymologie, Alter und Vorkommen der Hillebille gemacht worden, in diesen machte auch ein russischer Geistlicher aus Weimar darauf aufmerksam, dass in der orientalischen Kirche vor Einführung der Glocken ganz ähnliche hölzerne Tafeln genutzt wurden. Manche Forscher wollen in dem englischen Wort „hill“ (Berg) und bell (Glocke), den Ursprung des Hillebille sehen.
Quellenhinweise:
Museumskurier des Museumsvereins Zella-Mehlis e.V., Heft 9
Wartburgherold Ausgabe 1896
Marie Luise Gerbing
Aus: Thüringen in Wort und Bild, 1910
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Der Köhler
Ach wer hätte das gedacht,
dass man aus Holz noch Kohle macht.
Schon dreitausend Jahr
und noch viel länger
gibt es die braven Männer,
die aus Eichen und aus Buchen
viele solche Meiler schufen.
Die schwarze Kohl’ aus Labung-
bei Bauchweh und auch Darmversagung.
Auch zum Glockenguss und Pulver machen
benötigt man die schwarzen Sachen.
So ist es schad um diese Zunft
denn „Köhlern“ – dies ist eine Kunst.
Altes Köhlergedicht, Verfasser unbekannt
Das Köhlerleben war in alten Zeiten ein hartes und entbehrungsreiches Dasein. Tief in den Wäldern errichtete der Köhler seinen Meiler. Diese Kohlenmeiler fand man damals in großer Zahl da Holzkohle früher dringend gebraucht wurde: für die Schmelzöfen des Erzes, die Schmiedewerkstätten, zur Färberei, in Chemie und Heilkunde und zur Herstellung von Schießpulver, auch die Großmutter heizte ihr Bügeleisen mit Holzkohle.
Der Köhler begann seine Arbeit damit, dass er eine kreisrunde Stelle ebnete und Erde ring am Rande des Kreises zu einem kleinen Wall aufschüttete. Genau in der Mitte baute er nun aus Buchenstangen den Kamin, also die Feuerstelle auch Quandel genannt, in dem später der Meiler angezündet wurde. Nun setzte er Holz um diesen Quandel. Alle diese Hölzer hatten einen Meter Länge und wurden ganz eng aneinander gesetzt. Zuerst senkrecht und später etwa gegen die Mitte zu geneigt, dann folgte eine zweite Schicht Holz. Der Köhler achtete darauf, dass der Meiler nicht „spitz“ also Kegelförmig wurde, sondern oben oval blieb. Ein altes Köhlersprichwort sagt: „ Auf einem Meiler muss man tanzen können!“
Zwischen 15 und 25 Ster Holz wurden im Meiler gebrannt. Nun musste das Holz mit einer feuerfesten Decke ringsum verschlossen werden. Dabei stach der Köhler mit der Schaufel aus dem Waldboden breite, aber nicht zu dicke Rasenstücke aus und setzte sie unten gegen das Holz des Meilers. Der obere Teil des Meilers wurde mit Erde aus dem alten Meiler geschlossen. Das Erddach war somit fertig, es musste den Zutritt der Luft verhindern.
Erst nach vielen Tagen fleißiger Arbeit konnte der Kohlenmeiler angezündet werden. Natürlich wurde dies nicht mit einer offenen Flamme gemacht. Von oben schüttete der Köhler in den Kamin des Meilers fast bis zur Hälfte kalte Holzkohle. Darauf kam glühende Holzkohle und darauf wiederum bis zum Ende kalte Holzkohle. Der Kamin wurde geschlossen. Langsam fing die Holzkohle an zu schwelen und griff nun auch auf das Holz über, ganz langsam zur Außenseite des Meilers und von oben nach unten.
Damit das Feuer trotz des völligen Luftabschlusses nicht auslöschen konnte, machte man ringsherum kleine Löcher in das Erddach. Durch sie konnte das Feuer langsam schwelen und kam durch die geringe Luftzufuhr nicht zum brennen. Da solch ein Meiler je nach Größe fünf bis acht Tage brannte, musste der Köhler die ganze Zeit über dort am Meiler verbleiben. Eine einfache Laub- und Mooshütte war dann seine Behausung.
In der Broschüre „Natur und Kultur“ schreibt Helmut Seebach über das Köhlerhandwerk: „Ihre weltabgeschiedenen Arbeitsstätten machten sie zu scheuen und verschlossenen Menschen, die jedem misstrauten, nicht selten ledigen Standes blieben und immer darauf gefasst waren, sich gegen wilde Tiere und das umherstreunende Gesindel zu wehren, das aus ihren Hütten stahl während sie Tag und Nacht bei ihren Meilern wachen mussten.“ Die fertige Holzkohle verwahrten sie in trockenen Erdgruben die mit dürrem Reisig ausgelegt und mit Rinde abgedeckt waren. Ihr Geld trugen sie bei sich, oder vergruben es im Wald. Durch den jahrelangen Aufenthalt in den Wäldern verwilderten sie, ließen Haar und Bart wachsen und wuschen nur selten den Ruß von der Haut.
All diese Umstände waren der Boden für viele Geistergeschichten und Goldschatzsagen, die um die Kohlebrenner entstanden.“
Um die Versorgung seiner Hütten und Eisenwerke im Moosalbtal zu sichern, erwarb Freiherr von Gienanth 1833 den Trippstadter Wald. Brauchte er doch 70 Festmeter Holz um eine Tonne Eisen zu erzeugen. Zeitweise arbeiteten für die Hütten im Moosalbtal bis zu 100 Köhler. Im Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern Band 18/19 schrieb W. Frenzel: „ Zur Erhaltung unserer Wälder war es eine glückliche Fügung, dass bald die Verhüttung von Eisenerz mit Steinkohlekoks im Saarland in schnell wachsendem Umfang aufgenommen wurde.....“
Gienanth, der im 18. und 19. Jahrhundert mehrere Eisenwerke in der Pfalz betrieb, kaufte regelmäßig große Mengen Kohlholz im Lauterer Stadt- und Reichswald. Auf den „Hütten“, der ältesten Stadtrandsiedlung von Kaiserslautern, ließ Gienanth nach Erz graben.
1796 wird darüber Klage geführt, dass der Hüttenherr Gienanth von Winnweiler im Kaiserslauterer Stiftswald Kohlenmeiler errichtet habe. Die Stadt Kaiserslautern fühlte sich hierdurch in ihrem Holzbezug beeinträchtigt. Man beschwerte sich deshalb beim Oberamt und sagte dabei, dass nach einer kurpfälzischen Anordnung einem „Ausländer“ der Holzkauf in der Kurpfalz verboten sei. Die Stadtrandsiedlung Erzhütten/Wiesenthalerhof wurde im 18. Jahrhundert auch „Gienanthhausen“ genannt. Neben Erzgräbern beschäftigte Gienanth in dieser Siedlung auch mehrere Köhler. Die gewonnenen Holzkohle wurde mit dem gereinigten Erz im Lautertal auf Ochsenkarren und Eselsrücken verladen und später nach der „Schmelz“ im Karlstal und über die Eselsfürth (bei Kaiserslautern) in die Gienanth’sche Schmelz nach Hochstein transportiert.
Einige Pfälzer Gemeinden erinnern mit jährlichen „Köhlerfesten“ auch heute noch an das alte Köhlerhandwerk. So Fischbach bei Hochspeyer, Erfweiler, Lembach, Petersbächel und der Ortsteil Wiesenthalerhof bei Kaiserslautern.
Das Trippstadter Kohlenbrennerfest, das jeweils zum ersten Wochenende im September stattfindet und weit über die Pfalz hinaus bekannt ist, findet nun zum 31. mal statt. Die Ausrichtung des Kohlenbrennerfestes, das in diesem Jahr am 04. und 05. September gefeiert wird, obliegt im Regelfall den Trippstadter Vereinen und örtlichen Wirten. Schon in der letzten Augustwoche herrscht eine allgemeine „Unruhe“ im Dorf. Am Meilerplatz, jener Stelle wo jedes Jahr der Kohlenmeiler qualmt, sind fleißige Helfer dabei den traditionellen Meiler zu errichten. Die Köhlerhütte wird aufgebaut und in der alten Schmiede am Eisenhüttenmuseum sind die Schmiede dabei ihre Vorbereitungen zu treffen, damit am ersten Septemberwochenende die Hämmer der „schwarzen Männer“ erklingen können. Hier zeigen dann zwei Tage lang Schmiede aus ganz Deutschland, Luxemburg und Holland ihr fachliches Können.
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Literaturhinweise:
Natur und Kultur
W. Frenzel: „Die Forstwirtschaft in der Franzosenzeit“
Ludwig Müller: „ Chronik von Erzhütten/Wiesenthalerhof“