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Montag, 5. Oktober 2020

Historische Fantasie

So lebe ich halb in der Welt der Gegenwart und mit einer anderen Hälfte von mir durchreise ich die Vergangenheit. Vor allem in der Zeit in der ich intensiv Lyrik schreibe. Manchmal spüre ich dass der Malakt wie der Beginn einer Reise in die Antike oder ins Mittelalter für mich ist. Ebenso ergeht es mir beim Dichten. Ich bekomme oft das fade Gefühl nicht los, dass das Leben von heute gemein und auf niederster Stufe geführt wird und eine Ahnung sagt mir dass es in der Geschichte Zeiten gab in denen alles anders gewesen sein muss. 
hukwa 
 
Es ist der 5 Oktober 2020 
draussen ist es regnerisch und kalt 
schönes dusteres Herbstwetter 
ich schreibe meine tägliche Dosis Sätze ins Tagebuch  
und fühle mich gut dabei 
dann beginne ich mit dem Malakt 
während der Arbeit mit den Farben 
werden meine Gedanken wie immer bei diesem Tun 
philosophisch und historisch 
und ich verziehe mich in das Schneckenhaus meines Geistes 
verschließe es fest 
und verschwinde für einige Zeit 
in eine Imaginäre Welt. 
hukwa 

Donnerstag, 1. August 2019

Klimakatastrophe und Geschichte

Wir sind aus der Geschichte ausgestiegen und was jetzt auf uns zukommt ist reines Geschehen. Ein Geschehen das wir nicht mehr kontrollieren können. Der Historiker Theodor Mommsen hat einmal gesagt für ihn beginne die Geschichte dann, wenn ein verstehbarer, innerlich fortlaufender Geschehensprozess und gleichzeitig das Bewusstsein vorliegt, dass man in einem solchen steht. Die Klimakatasrophe und das Waldsterben sind eine vor langer Zeit schon von Menschenhand eingeleitete Apokalypse.
Wir haben eine 5000 bis 6000 jährige Zeit wirklich menschlicher Geschichte hinter uns die wir als unsere „innere Geschichte“ bezeichnen können. Also eine Zeit in der die Menschheit begann mythisch und später philosophisch zu denken. Nun scheint es, dass der Punkt gekommen ist, da die Menschheit beginnt aus der menschlichen Geschichte auszusteigen und ihren Verlauf der Naturgeschichte wieder überlässt. Wenn wir die Evolution der Dinosaurier betrachten, die das vierzigfache der unsrigen überschreitet, scheinen diese die erfolgreicheren Lebewesen gewesen zu sein. Denn vor allem starben sie nicht auf Grund eigener Schuld aus.
Die heutige Menschheitsgeschichte ist mit dem in ihr wirkenden apokalyptischen Wahnsinn in ein Stadium getreten dessen Ziel anscheinend die Vernichtung jeglichen höheren Lebens auf unserem Planeten ist.

hukwa

Sonntag, 19. Mai 2019

Gedanken beim uralten Hügelgrab

Uralt Gestein 
überwuchert
von Farnen und Gräsern
Sand und Stein
aufgeschichtet auf zerpulverten Knochen
Trollblumen blühen
Holunder grünt darüber
verflogene Seelen
Tonscherben
Hügel
seit Jahrhunderten vergessen
nicht ändert die Zeit
diese vergessene Urne
menschliche Blicke
fliegen nichtswissend darüber hinweg
wie eine Monade
die einsame Hummel
kommt zu Besuch.
hukwa

Freitag, 1. März 2019

Der Mensch- ein lebendes Fossil

Während sich die menschliche Biologie in den letzten 50 000 Jahren nicht verändert hat, wir haben immer noch die selbe Anatomie wie die Menschen aus der Steinzeit, hat sich unsere Umwelt unter dem Druck von Technik und Technologie drastisch verändert. Und zwar so stark dass wir Maschinen besitzen, die uns im gewissen Sinne überlegen sind. Im Vergleich Mensch-Roboter muss man sich fragen ob wir eigentlich nur noch ein "lebendes Fossil" sind, dass sich selbst überflüssig gemacht hat?
hukwa

Donnerstag, 8. November 2018

Historisches Wissen ist immer Mitwissen am Mythos - Von der metaphysischen Geschichte der Menschheit

Wir alle tragen ein Geschichtsbild in uns (das Geschichtsbild des Einzelnen), das in der Regel von dem Geschichtsbild der professionellen, institunionalisierten Geschichtswissenschaft abweicht. Diese Geschichtsbild des Einzelnen ist in der Regel kein so „trockenes“ wie das der Geschichtswissenschaft. Es ist spekulativ. Ein Mensch wie Schliemann hatte gewiß ein großes Geschichtswissen dennoch verließ er sich bei seiner Suche nach Troja nicht auf das Geschichtsbild der damaligen Geschichtswissenschaft sondern er zog den niedergeschriebenen Mythos in seine Suche mit ein und wurde fündig. Hätte er sich nur auf die Fakten damaliger historischer Erkenntnisse verlassen er hätte niemals seine großen Entdeckungen gemacht.
Echtes historisches Wissen ist immer auch „Mitwisserschaft“ am Mythos der aus dem Reich der Archetypen zu uns dringt. Schliemann las den Homer nicht als mythische Überlieferung für ihn war dieses Schriftum ein frühgeschichtliches geistiges Dokument das zum Teil auf Tatsachen beruhte.
Denn der Mythos ist zu einem Teil objektive Wahrheit und zum anderen Spekulativ. Was Schliemann erkannt hat war dass neben der äußeren Geschichte noch eine „Innere Geschichte“ existiert, diese hatt man mit dem Kleid des Mythos umhüllt.
Bachofen hat dies korrekt ausgedrückt:
„Was nicht geschehen sein kann, ist jedenfallls gedacht worden. An die Stelle der äußeren Wahrheit tritt also die innere. Statt der tatsächlichkeiten finden wir Taten des Geistes“.
Der Mythos der ja die Innere Geschichte des Menschen beschreibt ist die Metaphysische Geschichte der Menschheit. Zwischen dieser metaphysischen Geschichte und der historischen Geschichte besteht immer eine Verbindung. Der mythos erzählt also die älteste gedachte Geschichte des Menschen. Das mythische Denken ist ein vorsokratisches Denken. Das Alte Testament ist hierfür ein Beispiel. Man kann davon aus gehen das Moses eine historische Person war seine „Taten“ allerdings sind mythisch. Hier kannn man deutlich die Verbindung zwischen innerer und äußerer Geschichte erkennen. Die metaphysische Geschichte des Menschen ist so alt wie seine Evolution. Mit dem Aufdämmern der Logik, mit der Philosophie des Sokrates der die Wurzeln der Logik gepflanzt hat, wurde der Mythos ins menschliche Unbewusste verdrängt. Dort führt er als „psychische Realität“ eine eigenständige existenz, die der Kontrolle unseres Ich-Bewusstseins nur bedingt erfahrbar ist. 

hukwa 



Dienstag, 14. November 2017

Die Vergangenheit in uns

Der romantisch veranlagte Mensch, der Romantiker, hat einen unmittelbaren
Zugang zur Vergangenheit. Er will nicht der Gegenwart entfliehen, er fühlt sich
einfach mit den Tiefen der Zeiten verbunden.
Er erkennt das Ewige das in seinen eigenen Tiefen schlummert.
hukwa

Freitag, 3. November 2017

Uralter Hauch der Ewigkeit

Von weitem schon höre ich es rauschen
was einstmals auf dem Berg geschah
wo Trümmer im Dickicht verborgen
aus alter Zeit ich sah.

Hier hatten Kelten ihren Hain
und Römer strömten hin zum Berg
hier oben werd ich selbst Geschichte
hier kehre ich ein.

So oft ich komm um hier zu lauschen
dem Ruf aus der Vergangenheit
er rauscht mir zu aus den Eichbäumen
uralter Hauch der Ewigkeit.
hukwa

Freitag, 16. September 2016

Die Heimat der Göttin oder am Quell der Diana

Es gibt Historiker die haben zwei Geschichtsbilder im Kopf. Das eine ist das Reale der Geschichte, wie wir sie aus Urkunden, archäologischen Funden und aus den Geschichtsbüchern kennen. Ich nenne es das blutige Bild unserer geschichtlichen Vergangenheit. Mord, Krieg und Totschlag. Ein Bild von Schlachten und Kriegen die oft genug in den Büchern noch heroisch dargestellt werden. Das zweite Bild das ich von der Geschichte in meinem Geist mit mir trage ist der Mythos. Er ist die Alternative zu jenem realen Geschichtsbild, das mir oftmals den Weg aus der Geschichte zeigt und in gewißen Sinne eine Art Hoffnung in mir aufkeimen lässt.
Auch in der Heimatforschung kommt zu dem Forschenden der Moment, wo das historisch-wissenschaftliche sich mit dem Mythos verbindet.
Nach Jahren des Studiums historischer Bücher, nach Forschungen in Urkunden und vor Ort, beginnt der Mythos selbst im Heimatforscher zu leben. Man kann den Mythos weder bestellen noch abbestellen, irgendwann beginnnt er in uns zu leben. Es ist wohl der Moment, da die Göttin ihre Energie in einem entfaltet. Gewiß, hat der Forschende durch seine intensive Beschäftigung mit dem Geist der Vergangenheit das große Geheimnis des Mythos in seiner Seele erweckt und nun muss er dem Mythos dienen, wie ein alter keltischer Priester, der er vielleicht in einem früheren Leben einmal war.
Der Mythos hat nichts mit Esoterik oder Religion zu tun, er ist ein Fluss der in uns fließt, wir können von seinen klaren Wassern kosten doch bis zu seinen Quellen werden wir wohl nie gelangen, denn diese Quelle ist jene unendliche Kraft die das ganze Universum durchzieht. Der Mythos ist die Verbrüderung mit der Allseele. So wie sich der Historiker mit dem Stammbaum eines adligen Geschlechtes beschäftigt, so sucht der Mythologe seine Wurzeln im Mythos. Die Beschäftigung mit ihm ist Realität und Traum zur gleichen Zeit. Dieses Gefühl Teil eines großen Wirklichkeitserlebnisses zu sein hat Jorge Louis Borges in wunderbaren Worten ausgesprochen:

„Wenn nämlich die Welt der Traum eines Jemand ist, wenn es Jemanden gibt, der uns in diesem Augenblick träumt und der die Geschichten der Welten träumt... dann hat die Vernichtung der Religionen und der Künste, dann hat die Allgemeine Verbrennung der Bibliotheken nicht viel mehr zu bedeuten als die Verbrennung der Einrichtungsgegenstände eines Traumes. Der Geist der sie einmal geträumt hat, wird sie abermals träumen. Und so lange dieser Geist zu Träumen fortfährt, so lange ist nichts verloren“.

Der Pfälzerwald in dem ich lebe ist altes Keltenland. Zahlreiche längst vergessene Höhenheiligtümer verbirgt dieser dunkle Wald, der einst von den Vogesen bis in die Eifel reichte. „Wassichin“, nannten die Kelten dieses große Waldgebiet was soviel bedeutet wie „Auerochsengebirge“, die Römer nannten es „Vosagus“, nach einem alten Waldgott der hier hauste. Die realistische Geschichtsforschung hat uns die Kelten und Römer als Völker dargestellt wie sie auch tatsächlich waren: Kriegslüsterne Eroberer!
Doch es gibt noch eine „zweite Geschichte in der Geschichte“, nämlich jene der Muttergottheiten die in diesen Wäldern an vielen Quellen verehrt wurden, Plätze die das Volk zum Teil heute noch aufsucht. Und die Verehrung dieser Matronen das ist der Mythos von dem ich hier schreibe.
Diese Landschaft mit seinen dunklen Wäldern, seinen geheimnisvollen Woogen und Wildbächen, die von der Natur erschaffenen steinernen Gebilde, die Menhire von denen es hier noch einige gibt und die geheimnisvollen Felsbilder versteckt im Dickicht der Wälder das ist die Heimat der großen Göttin und es ist die Heimat des dunklen Waldgottes Vosegus – im Mythos existieren beide immer noch.
Es sind noch nicht einmal 2000 Jahre vergangen, seit man der Göttin hier Opfer brachte und sie an den heiligen Quellen verehrte. Was sind schon 2000 Jahre im Lauf der Geschichte; es ist noch nicht einmal der halbe Wimpernschlag des alten Vogesengottes.
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, der Mythos hat die Geschichtsschreibung immer begleitet und immer wieder werden wir ihm begegnen.
Gerade in diesem Gebiet der Mediomatriker und Treverer, deren Hauptstätte Trier und Metz waren, pflegte man die alten heiligen Kultplätze. In der Regel lagen sie in den weiten Wäldern der Mittelgebirge, von den heutigen Vogesen über den Pfälzerwald in den Hunsrück bis hinein in die Eifel und Ardennen. Die alten keltischen Naturkulte verbanden sich mit römischen Steinbauten, Stelen und Steinreliefs aus Buntsandstein, wie wir sie aus dem Pfälzerwald kennen. Noch heute findet der Kundige Reste dieser alten Weihedenkmäler von denen der alte Zauber der Göttin noch auszugehen scheint. So errichteten sie die Treverer für Diana, die römische Göttin der Jagd und des Wildes, die man mit der keltischen Arduinna gleichsetzte, der Gottheit des Gebirges der Ardennen, ähnlich wie eben Vosegus der Waldgott des Pfälzerwaldes und der Vogesen war.
Ein besonderer Kult genossen die Matronen (Mütter) die man vorwiegend an Quellheiligtümern, wie beim Gutenborn im pfälzischen Kindsbach verehrte. Diese Fruchtbarkeitsgötttinen genossen eine herausragende Verehrung. Gerade der Kult dieser Quellgottheiten war unter den romanisierten Germanen und Kelten stark verbreitet und stellte eine Vermischung aus römischen mit keltischen und germanischen Traditionen dar.
Auch der Name Pfalz stammt letztendlich von einer Göttin ab. Die Sprachforschung sagt uns dass „Pfalz“ aus dem lateinischen Wort „Palatium“ abgeleitet sei. Das „Palatium“ oder die „Pfalz“ steckt auch in dem Wort Palst oder Haus in dem die Herrscher wohnten, der Regierungssitz denn das Mittelalter als „Königspfalz“ bezeichnete. Aber auch andere festummauerte Wohnsitze nannte man damals Pfalz. Vom römischen Altertum haben sich die Abwandlungen des Wortes „Palatium“ allesamt weit entfernt. „Palatium“ so nannten die Römer in Rom einen Hügel. Nämlich einen der sieben Hügeln auf denen Rom erbaut war hieß so. Der älteste Siedlungsteil der „ewigen Stadt“ stand genau auf diesem Hügel. In vorrömischer Zeit stand auf diesem Hügel ein Tempel der der altitalischen Schutzgöttin „Pales“ geweiht war. „Pales“ war ähnlich der „Diana“ eine Naturgöttin.


In seinen „heroischen Leidenschaften“ schreibt Gordano Bruno über die Göttin Diana:

Die Wahrheit wird gesucht wie ein unzugängliches Ding, wie ein Gegenstand, der nicht nur unbegreiflich, sondern auch nicht zu vergegenständlichen ist, denn niemand hält es für möglich, in die Sonne zu schauen, den allerleuchtenden Apollo, in das durch seine höchste und vorzüglichste Wesensgestalt absolute Licht; wohl aber in ihren Schatten, ihre Diana,die Welt, das Universum,die Natur, die in den Dingen ist, das Licht, das in der undurchsichtigen Materie ist, jenes nämlich,das in der Finsternis leuchtet. Von den vielen also,die auf den genannten und auf noch vielen anderen Wegen in diesem wüsten Walde dahineilen, lassen sich nur ganz wenige am Quell der Diana nieder.Viele geben sich mit der Jagd auf wilde und unedle Tiere zufrieden; der größte Teil aber fängt gar nichts, denn er stellt die Netze nach dem Wind und hat schließlich nichts als Fliegen in der Hand. Selten gibt es, meine ich, einen Aktaion, dem vom Schicksal gewährt ist, Diana nackt zu schauen und dahin zu kommen, dass die schöne Liebesgestalt der Natur ihn ganz verzaubert, und der dann, durch die beiden Augen, durch die er den Glanz göttlicher Güte und Schönheit wahrgenommen, in den Hirsch verwandelt wird und fortan nicht mehr Jäger, sondern gejagtes Wild ist. Denn das letzte und endgültige Ziel dieser Jagd ist eben das, jene flüchtige und wilde Beute zu erreichen, durch die der Erbeuter selbst zur Beute, der Jäger zum gejagten Wild wird. Denn bei allen anderen Arten der Jagd, die man auf einzelne Dinge richtet, gelangt der Jäger schließlich dazu, diese anderen Dinge an sich zu reißen,indem er sie mit dem Munde der eigenen Erkenntnis erfaßt; bei jener göttlichen und allumfassenden Jagd aber vollzieht sich das Fangen so,dass auch er notwendigerweise gefangen,aufgesogen und geeint wird. Dadurch wird er aus einem gewöhnlichen,durchschnittlichen und dem alltäglichen Volk angehörenden Menschen zu einem wilden Wesen, wie ein Hirsch oder ein Bewohner der Wildnis; gleichsam göttlich lebt er in der erhabenheit des Waldes, in den nicht nur Menschenkunst gestaltezten Gemächern höhlenreicher Berge, wo er den Ursprung der großen Ströme bewundert, wo er von den gewöhnlichen Begierden unberührt und rein dahinlebt, wo die Gottheit freier umgeht...So verschlingen die Hunde, die Gedanken göttlicher Dinge, diesen Aktaion, töten ihn für das rohe Volk und die Menge, lösen ihn aus den Verstrickungen der verwirrten Sinne, befreien ihn aus dem Leibeskerker der Materie, so dass er nun nach seiner Diana nicht mehr wie durch Ritze und Fenster zu spähen braucht, sondern die trennende Wände niederwirft und angesichts der ganzen Weite des Horizonts ganz Auge wird. So schaut er das ganze wie ein Einziges und sieht nicht mehr durch Unterscheidung und Zählung, wie sie sich aus der Verschiedenheit der Sinne ergibt, durch die man wie durch Ritzen nur in verworrener Weise wahrnehmen kann. Er sieht Amphitrite, denn Urquell aller Zahlen, aller Arten, aller Begriffe: Sie ist die Monade, die wahre Wesenheit im Sein aller Dinge; und wenn er sie auch nicht in ihrer Wesenheit selbst, in absolutem Lichte sieht, so sieht er sie in ihren Hervorbringungen, welche ihr ähnlich, ihre Abbilder sind. Denn aus jener Monade, welche die Gottheit ist, geht diese Monade hervor, welche die Natur, das Universum, die Welt ist...

Es ist nur eine der vielen Metamorphosen der großen Göttin die Giordano Bruno hier beschreibt. Wir finden sie versteckt in den Märchen und Sagen, aber auch als christliche Heilige kennen wir sie. So nahm die alte Göttin im Laufe der Jahrtausende viele Gesichter und Persönlichkeiten an. Auf einigen der Steinreliefs auf denen die Göttinnen abgebildet sind, erkennt man auch Pflanzen und Bäume. Dies führt in die Zeiten zurück da die Göttin noch kein „Gesicht“ hatte, und die Kelten sie noch in den heiligen Baumhainen verehrten.

hukwa












Donnerstag, 11. Februar 2016

Stand in Trippstadt einmal ein Menhir?

Nachdem ich in Trippstadter Wald im tiefsten Gebüsch zwei behauene Steine gefunden habe, die verblüffende Ähnlichkeit mit einem Menhir haben, habe ich diese kurze Recherche aufgestellt.
Dabei habe ich immer darauf geachtet, dass der Wunsch nicht Vater des Gedanken wird.
Bei einem der Steine, die ich gefunden habe, könnte es sich um den von Kurt Knebel erwähnten Hitzstein handeln, der 1348 im Wilensteiner Burgfriedensbrief als Eck- und Grenzpunkt genannt wird, was aber nicht ausschließt, dass es sich um einen Menhir handelt. Im Mittelalter wurden oft Menhire als Grenzsteine genutzt. Erläuterungen zu diesem Stein finden sich im Sonderheft „Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt“ - Flurnamen von Trippstadt.

Der Menhir von der Breitenau – Gedanken zu einem alten Stein



Um alte Steine ranken sich immer Geschichten, Märchen und Sagen. Die Geschichten die man sich gewiss einst um den hier beschriebenen Menhir erzählte, sind lange schon vergessen. Und so steht dieser „lange Stein“, dies bedeutet das Wort Menhir, einsam im Stelzenberger Wald.
Die kleine Siedlung Breitenau ist eine Annexe der Gemeinde Stelzenberg.
Dass dieser uralte Stein von Menschen errichtet wurde, davon können wir mit Sicherheit ausgehen. Ebenso, dass es sich um keinen Grenzstein handelt. Das Material besteht aus rotem Sandstein wie er in der Umgebung vorkommt.
Seine Abmessungen sind folgende: Höhe zum Hang 1,25m, zum Berg 1,15m, Breite und Dicke am Boden 65x35cm, an der Spitze 58 x 26cm.
Dem pfeilartigen Stein entströmt etwas archaisches, aber man muss ihn wohl in keltischer Zeit suchen. Wenn man die weitere Umgebung der Breitenau vorgeschichtlich betrachtet, findet man weitere Zeugnisse aus der keltischen Zeit. So stand beim Dansenberger Friedhof einst ein weiterer Menhir und in Hohenecken stand einst eine Jupitergigantensäule.
Diese Säulen sind ein ausgezeichnetes Zeugnis für die Verschmelzung von römischer und keltischer Kultur. Diese Art der Jupiterdarstellung kannte man in Rom nicht, sie war typisch für die ostgallischen Gebiete.
Warum der Stein gerade hier steht, lässt sich leider nicht mehr einordnen. 20m östlich des Berges befindet sich ein Hügel der einem Gräberfeld ähnelt. Er wurde allerdings nie archäologisch untersucht. Würde es sich um ein Gräberfeld handeln, dann könnte man den Stein dem Totenkult zuordnen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass wir einen schon zur Römerzeit gesetzten Grenzstein vor uns haben. Denn der an den Menhir angrenzende Flurname heißt Breitfeld und dieses Wort bedeutet eine nach römischem Muster vermessene Flur. Das heißt, der ganze Bezirk war in gleich große Rechtecke eingeteilt. So kann man auch nicht ausschließen dass die heutige Annexe Breitenau, bereits in gallo – römischer Zeit als Hofgut bestanden hat.
Der alte Hohlweg, der von der Breitenau aus auf die Höhe zum Breitfeld führt, um von hier aus Stelzenberg zu erreichen, kann durchaus eine Höhenstraße darstellen, da an der Breitenau auch ein uralter Keltenweg von der Sickinger Höhe kommend vorbeiführt.
Auf irgendeine Weise haben die Menhire miteinander in Verbindung gestanden. Der erwähnte Keltenweg, der von der Sickinger Höhe kommt, verläuft westwärts zum Menhir von Rentrich im Saarland und zum Golenstein bei Blieskastel.
Der Menhir von der Breitenau muss in alter Zeit viel höher gewesen sein. „Gekürzt“ wurde er wahrscheinlich von christianisierten Volksstämmen die durch das Gebiet zogen. Diese alten Steine sind die letzten Zeugen einer bäuerlichen Siedlungsgemeinschaft zur gallo – römischen Zeit. In unserem Landkreis wurde sie ganz vom Keltentum getragen.
Stand in Trippstadt einmal ein Menhir?
Wir wissen nicht ob in Trippstadt einmal ein Menhir stand, allerdings deutet einiges darauf hin.
In Trippstadt gibt es den Flurnamen „Am Hinkelsacker“. In der Pfalz sind die Standorte von 29 Menhiren bekannt, die in Gewannen stehen, deren Flurnamen am Hinkelsacker heißt.
Flurnamen sind ein Spiegelbild von Dorf, Stadt und Landesgeschichte. Sie trugen zur Orientierung von Grenzen und Eigentum bei. Ohne Flurnamen wären Aufzeichnungen von Klöstern und jeweiligen Herrschenden überhaupt nicht möglich gewesen. In der Regel tragen sie historische Überlieferungen in sich, besonders die Namen Hühner- und Hinkelsacker.
Weitere Flurnamen in der Pfalz, an denen Menhire stehen oder einstmals gestanden haben, sind:
Langer Stein, Weißer Stein, Am Dicken Stein, Markstein und Malstein.
Auch die Flurnamen Heyer, Heyst, Heygeren, Heiden, werden mit Menhiren in Verbindung gebracht. In Gewannen dieses Namens wurden einige Menhire gefunden, meist Begräbnisstätten aus fränkischer Zeit des 6. und 7. Jahrhunderts.
Zwar waren um diese Zeit die Franken bereits „Christen“, die sich nach dem Gesetz der

Heerbanntreue dem Beispiel ihres Königs folgend taufen ließen, aber sie blieben noch Jahrhunderte lang „halbe Heiden“ und deswegen auch besonders anfällig für die heidnischen Sitten der Ureinwohner.
Als die Franken in die Pfalz kamen waren die Kelten lange schon mit den Römern fortgezogen, aber ihre Hinterlassenschaften. vor allem die Menhire. waren noch gut sichtbar in der Landschaft vorhanden.

Trippstadter Menhir – Foto Hans Wagner

Trippstadter Flurnamen die in Verbindung mit einem Menhir stehen könnten:
Weißer Stein, Hinkelsäcker, Heyster, Breidenstein, Hitzstein, Heid, Heyd, Heydenhübel, Heidenkopf, Bielerstein, Walbertstein.

Wichtig sind auch frühgeschichtliche Zeugnisse in der Nähe von Tripppstadt.
So zum Beispiel:
Johannniskreuz – römisches Pflaster, Nähe Hügelgräberfeld
Johanniskreuz – Hügelgräberfeld.
Schopp – Hügelgräberfeld.
Stelzenberg – mögliches Hügelgräberfeld.


In Dansenberg und Mölschbach standen ebenfalls Menhire, Dansenberg war um ca. 900 v. Chr. von Kelten besiedelt.
Trippstadt ist also „umringt“ von Menhiren, daher ist es möglich, dass auch hier einmal ein Menhir stand. 
 
Bilfinger schreibt von einem Harbsbild röm. Legionäre im Haderwald. Siehe hierzu:
Trippstadter Flurnamen : Hitzstein. K. Knebel. 
 
Um meine These, dass in Trippstadt einmal ein Menhir stand, zu erhärten, hier eine kleine Aufstelllung von Menhiren im Landkreis Kaiserslautern.
Schneckenhausen
Erlenbach
Landstuhl – Bildschacherhof
Bann
Mittelbrunn
KL – Bännjerrück Stein versetzt
KL – Erzhütten Stein ausgegangen
Rodenbach
Bruchmühlbach
Otterberg
Martinshöhe 
 
Auch der Otterberger Menhir steht in einer Gewanne die den Flurnamen Hinkelsacker hat. 
 
Vor allem die Hochfläche der Sickinger Höhe ist eine reiche Fundgrube „steinerner Zeugen“ aus der Vergangenheit. Sie gehörte in römischer Zeit zur „Provincia Gallia Belgica“. Ihre Bevölkerung gehörte dem keltischen Stamm der „Mediomatriker“ an, dessen Siedlungsgebiet sich zwischen der Maas im Westen und dem Westrand des waldigen Pfälzer Berglandes im Osten mit den Flusstälern der Steinalb und der Lauter ausdehnte.
Ein weiteres Indiz für mögliche keltische Spuren in der Pfalz ist der Bachname „alb“.
Der Namensbestandteil – alb, für Bach- und Flussnamen in unserer Gegend, stellt eine altwestische (vorindogermanische) Bezeichnung für Fluss- und Bachbette sowie Weißwasser dar, die sich im keltischen Sprachschatz als albis ebenfalls wiederspiegelt.
Von den die Völkerwanderung überlebenden Resten der heidnischen Urbevölkerung, erfuhren die neuen Siedler die keltischen Namen der Albbäche Moosalb, Burgalb, Steinalb.


Literatur-Verzeichnis:
Kurt Knebel: Flurnamen in Trippstadt. Sonderheft, Blätter zur Heimatgeschichte von Tripppstadt.
Arnulf Krause: Die Welt der Kelten. Nikol Verlag.
Heinz Denig: Mündliche Information über römisches Strassenpflaser bei Johanniskreuz.
Daniel Häberle: Ein Beitrag zum Kapitel „Hinkelsteine“, in Pfälzisches Museum 21 1904
Ernst Christmann: Menhire und Hinkelsteine in der Pfalz.
Otto Gödel: Menhire, Zeugen des Kults, Grenz- und Rechtsbrauchtums in der Pfalz 1987
Karlwerner Kaiser: Der große Berg bei Kindsbach im Landkreis Kaiserslautern.
Martin Dolch, Albrecht Greule: Die Westricher Hochfläche als galloromanische Reliktzone, in, Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern. Bd. 24/25.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Hieronymus Bock

Hieronymus Bock Botaniker, Pfarrer und Arzt war zweifelsohne einer der bekanntesten Kräuterkundigen seiner Zeit. 1498 geboren ist sein wirklicher Geburtsort nicht mehr sicher nachzuweisen. Gleich drei Orte beanspruchen sein Geburtsort zu sein: Heidersbach im Odenwald, Heidelsheim bei Bruchsal und Queidersbach im Pfälzerwald. Das Bock tatsächlich aus Queidersbach stammt versuchte 1968 Gerhard Staat im „Heimatkalender für die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern“ nachzuweisen. Dieser interessante Artikel ist nicht ganz ohne Logik, Bock könnte tatsächlich in Queidersbach das Licht der Welt erblickt haben. Auch viele zeitgenössischen Autoren und Hieronymus Bock Experten sehen die Heimat dieses großen Botanikers und Arztes im „westlichen Pfälzerwald“. Bock gab im Jahre 1546 ein Kräuterbuch heraus, das zu den besten seiner Zeit zählt, dieses Buch enthält neben der medizinischen Verwendung der Pflanzen auch Angaben über Fundorte im westlichen Pfälzerwald.
Über die Jugend von Hieronymus Bock ist wenig bekannt, sicher ist dass seine Eltern zwischen 1519 und 1530 in Schifferstadt lebten. Bock studierte in Heidelberg wo er sich 1519 immatrikulierte. 1522 finden wir ihn als Lehrer und Botaniker in Zweibrücken, damals Residenz Herzog Ludwig II, bei dem er eine Anstellung bekam. Im März 1532 wurde Bock Leibarzt Ludwigs, für den Fürsten konnte er allerdings nichts mehr tun dieser starb noch im selben Jahr an den folgen seines jahrelangen schweren Alkoholmissbrauchs. In Zweibrücken begegnete er Johann Schwefel dem späteren Reformator der Stadt. Diese Begegnung wurde für Bocks weiteren Lebensweg sehr prägend.
Er heiratete die Zweibrücker Bürgerstochter Eva Victor, betätigte sich als Alchimist und legte einen botanischen Garten für herzog Wolfgang des Sohnes von Ludwig II an. 1533 erhielt er als verheirateter Laie eine Pfründe im Hornbacher Fabiansstift. Diese bekam er wohl um ihm eine Lebensgrundlage zu geben aber auch um ihn in Zweibrücken halten zu können. Zu dieser Zeit galt Hieronymus Bock schon als renommierter Wissenschaftler und Kräuterkundiger. Seinen Pflichten als Stiftsherr kam er nur mäßig nach was schließlich zu Streiterein mit den anderen Stiftsherren führen musste. Der Streit wurde 1536 für ihn in einem Vergleich günstig beigelegt woraus man schließen kann dass er beste Beziehungen zum Fürstenhaus pflegte. Er wurde von den Lehrverpflichtungen an der Schule befreit und musste auch am Chorgebet (Stundengebet) und den Kapitelsitzungen nur teilnehmen wenn es seine öffentliche Pflichten und botanische Studien erlaubten.
Um 1538 übernahm Bock das Pfarramt der Gemeinde Hornbach.
Mit dem Augsburger Interim von 1548 erlitt die Reformation einen herben Rückschlag, nach dem verlorenen Schmalkaldischen Krieg gerieten die evangelischen Fürstenstände und Reichsstädte in arge Bedrängnis. Das Interim stieß auf protestantischer als auch auf katholischer Seite auf heftigen Widerstand. In den süddeutschen protestantischen Gebieten wurde es mit staatlichem Zwang, in den norddeutschen Gebieten nur oberflächlich durchgeführt. Bereits 1552 wurde das Augsburger Interim nach Protesten der protestantischen Fürsten wieder zurückgenommen und die konfessionelle Spaltung des Reiches wurde angenommen.
Während des Interims musste der mit Hieronymus Bock befreundete Abt des Klosters Hornbach Kintheuser dem katholischen Johann Bonn von Wachenheim seinen Platz räumen. Dieser sperrte Bock und den anderen lutherischen Stiftsherren und Pfarrern die Einkünfte und forderte sie auf dem protestantischen Glauben zu entsagen. Hieronymus Bock verließ Hornbach und ende Juli 1550 finden wir ihn in Saarbrücken als Leibarzt von Graf Philipp II. Dieser war Hieronymus sehr verbunden hatte dieser ihn doch einst von einer lebensgefährdeten Krankheit geheilt. Auch hier legte er gleich nach seiner Ankunft einen großen Kräutergarten an.
Das Saarbrücker Exil dauerte zwei Jahre von hier aus schrieb er seinen bekannten Sendbrief an seine ehemalige Gemeinde in Hornbach. In diesem Schreiben, seinem einzig überlieferten theologischen Text, das nur handschriftlich erhalten ist wendet er sich an seine Gemeinde und mahnt sie an fest an den Werten des lutherischen Glaubens sich zu halten.
1552 kehrte er nach Hornbach zurück. Vermutlich gleich nach dem Passauer Vertrag, der den Interimsbestimmungen ein Ende setzte. Er setzte nun seine Predigertätigkeit wieder fort und konnte sich auch ungehindert wieder seinen botanischen Studien widmen.
Hieronymus Bock starb am 21. Februar 1554 und wurde in der Stiftskirche St. Fabian beigesetzt. Die lateinische Grabschrift lautet in der Übersetzung: Am 21. Februar im Jahre des Herrn 1554 entschliefen Seele und Körper von Hieronymus Bock, der Arzt und Stiftsherr dieses Hauses war, im Herrn Jesus; dessen Seele Ruhe in der Gemeinschaft der Seligen. Amen.

hukwa

Sonntag, 21. Dezember 2014

Vom Julblock und Raunächten - Eine heidnische Weihnachtsmythologie

Das Julfest war das große Winterfest der Germanen, ursprünglich den Seele der Verstorbenen geweiht, die nach germanischen Glauben um die Zeit der Wintersonnenwende ihren Umzug hielten und an Schmaus und Gelage teilnahmen. Das Fest dauerte in der Regel 12 Tage. Im norden wurde an diesem Fest neben den Geistern auch den großen Göttern, besonders Thor und Freyr, geopfert und Erntesegen für das kommende Jahr erfleht. Ein alter Brauch war es, am Julfest einen großen Eber, das dem Freyr heilige Tier, Gullinborsti, in die Halle zu führen und auf dessen Haupt Gelübde abzulegen. An Stelle des Julfest, trat später unser Weinachtsfest; aber noch heute erinnern, besonders im skandinavischen Norden, verschiedene Gebräuche an das alte heidnische Fest: der Julklap (Weihnachtsgeschenk), das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus geworfen wird, der Juleber oder Julbock, ein feines Gebäck, dem ein Eberkopf aufgedrückt ist, Julgrütze, Julbrot, Julfeuer ect.
Wir sehen also auch das backen von Süßigkeiten geht auf einen alten heidnischen Brauch zurück, wie unsere Weihnachtsgeschenke auch. Die Kirche hat es geschickt verstanden, die alten heidnischen feste zu assimilieren, um den heidnischen Kult mit der christlichen Lehre zu versöhnen.
Trotz Geselligkeit und Festgelage hatte das germanische Julfest einen düsteren Charakter. Es war ja ein Totenfest dessen Wurzeln fest verankert im Ahnenkult der Germanen war. Die toten erschienen in dieser Zeit aus ihren Hügelgräbern (Bezug zu Samhain und Allerseelen). Auch Odin kehrte in dieser Zeit zur Erde zurück. Als Anführer der „wilden Jagd“ tobte er die eine Furie durch die Lüfte. Für Christen war es besonders gefährlich wenn sie die „wilde Jagd erblickten. Die Zeit von der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag nennt man auch heute noch die Zwölften, den 12 Tage währte die „wilde Jagd“. Landschaftlich unterschiedlich benennt man diese Zeit auch „Raunächte“.
Die Rituale des Julfestes fanden im heiligen Hain statt. Hier wurde dann ein Rad, das mit seiner Achse in einem Eichenstamm stand, unter feierlichen Gesängen und Beschwörungen gedreht, bis die Achse durch die Reibung glühend geworden war und das Stroh das man um das Rad gestreut hatte Feuer fing. An diesem Feuer entzündete man nun den Julblock, einen dicken Eichenstamm, der unbedingt glühend gehalten werden musste. Man kann davon ausgehen das dieses verbrennen des Julblocks den Sinn hatte, der im Todeskampfe liegenden Wintersonne zu helfen, ihr scheinbar erlöschendes Licht wieder neu zu entzünden. Wir haben es hier also auch mit einem Sonnenritual zu tun. Der Julblock wir so gelegt, dass er langsam und lange schwellt und wird dann mit Saatgut vermischt für die nächste Aussaat, der Julklotz ist also auch Talisman und Glücksbringer.
Trotz seiner Düsterheit hatte das Fest auch seine fröhliche Seite. Zwölf Tage lang wurde nun gefeiert.
Noch lange lebte der germanische Mythos der Raunächte, also der „wilden Jagd“, im Volksglauben weiter. In dieser zeit glaubte man gingen die Geister um, man sah Werwölfe, Hausgeister tauchten auf und nächtens fuhr Odin mit seinem Anhang heulend und mit Getöse durch die Lüfte.
In Süddeutschland ist es die Bercht, oder auch Percht, die das wilde Heer anführt.
Sie ist eine Erscheinungsform der Göttin Freya, wie Frau Holle auch.
Berchta leitet sich aus dem althochd. Von Berahta ab, was „die Glänzende“ bedeutet. Sie galt ursprünglich als himmlische Sonnengöttin und regenspendente Wolkenfrau und war des Sturmgottes Wotan Gemahlin. Selbst Spinnerin, wie Frau Holle schützt sie die entsprechende weibliche Arbeit, und als Herrin über Wolken und Wind fördert sie das Gedeihen der Frucht. In den Sagen erscheint sie oft als Ahnmutter berühmter Königsgeschlechter, so auch in der Karolingersaga, wo ihr ein eigentümlich großer Fuß nämlich der Schwanenfuß der Göttin Freya beigelegt wird. Die Ähnlichkeiten zu Frau Holla sind eindeutig. Wie diese hütet sie als chthonische Gottheit die Seelen aller Ungeborenen und zu früh verstorbenen Kinder.
In anderen Gegenden wird die Berchta durch Frau Holle ersetzt. Dort saust sie mit der „Windsbraut“ durch die Lüfte. Allerdings ist die Gestalt der Frau Holle weitaus schillernder und ausgeschmückter als die der Berchta. Wenn sie mal gerade nicht durch die Lüfte saust hat sie ihre Behausung an einsamen Quellen, Brunnen und abgelegenen Waldseen. Dort sitzt sie oft und kämmt ihr „goldenes Haar“. Aber schon im Märchen der Brüder Grimm zeigt sich der ambivalente Charakter dieser ehemaligen Totengöttin. Sie belohnt und bestraft die Menschen, ist manchmal mild und manchmal grausam, ist Kinderfreundlich dann wieder eine Kinderschreckgestalt. Am bekanntesten ist sie wohl als Wind- und Schneedämonin. Wenn es schneit, heißt es im Volksmund: Frau Holle schüttelt ihre Bettwäsche oder Frau Holle rupft Gänse.
Der „Frau Holle Tag“ ist der letzte in den zwölf Raunächten, die Nacht vor dem Dreikönigstag. An diesem Tag und in dieser Nacht muss alle Arbeit ruhen.
Nach den Raunächten begann das langsame Hoffen das der Frühling bald wiederkehrt.

hukwa

Donnerstag, 13. Februar 2014

Reinkarnation und Geschichte

Es gibt die rationale, historische Geschichte und es gibt jene Geschichte die in den Gewölben unseres Unbewussten verborgen ist. Goethe sagte einmal, dass nur "der nicht im Dunkel lebt, der sich von 3000 Jahren Rechenschaft zu geben weiß".
Wie eine Schattenhafte Wirklichkeit lebt die Geschichte tief in uns drinnen. In dem wir sie in unserem Unbewussten aus dem Zauberschlaf der Vergessenheit erwecken, tauchen wir in uns selbst hinab und können jene Existenzen wiederfinden die wir einstmals waren. Die Vergangenheit die so an neuem Leben gewinnt verschwindet niemals völlig. Als gestaltende Macht wirkt sie in uns weiter. Und wenn wir einen Zugang zu ihr finden beginnt sie zu sprechen.
hukwa

Montag, 13. Januar 2014

Die Kelten – Europas erste Umweltsünder oder über Keltomanie und Keltologie

Wenn wir uns mit dem Geheimnis des keltischen Geistes beschäftigen müssen wir sehr behutsam
vorgehen sonst landen wir schnell in Fantasien.
Jean Markale schrieb einmal: … „seit dem Jahre 52 unserer Zeitrechnung haben die Völker Westeuropas vergessen, wer sie einmal gewesen sind. Denn genauen Ort der Niederlage von Vereingetorix bei Alesia kennt heute niemand mehr, und doch trat dort dort große Wende ein: Die griechisch – römische Geisteshaltung, die auf dem Glauben an den Universalismus und an die Logik des ausgeschlossenen Dritten basiert, begann langsam, aber sicher das sogenannte „barbarische“ Denken der Kelten zu verdrängen. Dadurch vergaßen wir Westeuropäer allmählich, das wir Töchter und Söhne der Kelten und vor allem die Erben der spirituellen Tradition dieses Volkes sind“.
Das sind schöne Worte die aber nur zum Teil der Wahrheit entsprechen.
Die heutige „Keltomanie“ die sehr unrealistisch und keinesfalls auf historisch – archäologischer Forschung beruht hat dennoch einen kleinen Vorteil, nämlich: Die Kelten gelten als Fürsprecher der Natur, ja, direkt als Naturweise, dies hat für unsere heutige Zeit zweifelsohne einen großen Vorteil, nämlich denn, dass sie uns aus der Vergangenheit, einen Wegweiser in die Zukunft weisen mit dem harmonischen Umgang mit unserem bedrohten Planeten.
Dass die Kelten aber auch ein Volk waren, dass man in ihren religiösen Ritualen mit den Azteken vergleichen kann, darf man nicht außer acht lassen.
Wir dürfen uns von diesem Volk nicht zu Wunschvorstellungen verleiten lassen, denn dies ist der Fallstrick der keltischen Mythologie der so oft falsch ausgelegt wird.
Ich möchte sogar behaupten, die Kelten waren die „ersten Umweltsünder Europas“!
Ein Beispiel:
Die Kelten rodeten riesige Waldgebiete, weil sie Holzkohle zur Eisenschmelze benötigten. Dazu kommt noch, dass die keltischen Schmiede bei der Schmelze dem Erz Blei beifügten. Dieses hochgiftige Metall ist noch heute, also nach über 2000 Jahren an seinen hohen Konzentrationen nachweisbar.
Die Ausbeutung der Wälder bildete tatsächlich eine Haupttätigkeit der Kelten/Gallier. Sie benötigten Unmengen von Holz auch für Hausbau, Schiffsbau und Wagenbau.
hukwa



Samstag, 11. Januar 2014

Der Menhir von der Breitenau Gedanken zu einem alten Stein

Um alte Steine ranken sich immer Geschichten, Märchen und Sagen. Die Geschichten die man sich gewiss einst um den hier beschriebenen Menhir erzählte sind lange schon vergessen. Und so steht dieser „lange Stein“, dies bedeutet das Wort Menhir, einsam im Stelzenberger Wald.
Die kleine Siedlung Breitenau ist eine Annexe der Gemeinde Stelzenberg.
Das dieser uralte Stein von Menschen errichtet wurde davon können wir mit Sicherheit ausgehen. Ebenso dass es sich um keinen Grenzstein handelt. Das Material besteht aus rotem Sandstein wie er in dieser der Umgebung vorkommt.
Seine Abmessungen sind folgende: Höhe zum Hang 1,25m, zum Berg 1,15m, Breite und Dicke am Boden 65x35cm, an der Spitze 58 x 26cm.
Dem pfeilartigen Stein entströmt etwas archaisches, aber man muss ihn wohl in keltischer Zeit suchen. Wenn man die weitere Umgebung der Breitenau vorgeschichtlich betrachtet finden wir weitere Zeugnisse aus der keltischen Zeit. So stand beim Dansenberger Friedhof einst ein weiterer Menhir und in Hohenecken stand einst eine Jupitergigantensäule.
Warum der Stein gerade hier steht lässt sich leider nicht mehr einordnen. 20M östlich des Berges befindet sich ein Hügel der einem Gräberfeld ähnelt. Er wurde allerdings nie archäologisch untersucht. Würde es sich um ein Gräberfeld handeln, dann könnte man den Stein dem Totenkult zu ordnen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass wir einen schon zur Römerzeit gesetzten Grenzstein vor uns haben. Denn der an den Menhir angrenzende Flurname heißt Breitfeld und dieses Wort bedeutet eine nach römischen Muster vermessene Flur. Das heißt der ganze Bezirk war in gleich große Rechtecke eingeteilt. So kann man auch nicht ausschließen dass die heutige Annexe Breitenau, bereits in gallo – römischer Zeit als Hofgut bestanden hat.
Der alte Hohlweg der von der Breitenau aus auf die Höhe zum Bergfeld führt um von hier aus Stelzenberg erreichend, kann durchaus eine Höhenstraße darstellen, da an der Breitenau auch ein uralter Keltenweg von der Sickinger Höhe kommend vorbeiführt.
Auf irgend eine Weise haben die Menhire miteinander in Verbindung gestanden, der erwähnte Keltenweg der von der Sickinger Höhe kommt verläuft Westwärts zum Menhir von Rentrich im Saarland und zum Golenstein bei Blieskastel.
hukwa




Donnerstag, 1. August 2013

Großer Berg

Von weitem schon hör ich es raunen
was einstmals auf dem Berg geschah
wo Trümmer im Dickicht verborgen
aus alter Zeit ich sah.

Hier hatten Kelten ihren Hain
und Römer strömten hoch zum Berge
hier oben wird man selbst Geschichte
hier kehre ein.

So oft ich komm um hier zu lauschen
dem Ruf aus der Vergangenheit
es rauscht mir zu aus den Eichbäumen
uralter Hauch der Ewigkeit.
hukwa

Freitag, 19. Juli 2013

Über den Kirchturm hinaus oder die pfälzische Ohnmacht

Ein paar persönliche Gedanken eines Heimatforschers zur pfälzischen Geschichte
von Hans Wagner

Es war kein geringerer als der Altmeister unserer pfälzischen Volkskunde, Kulturhistoriker und Paulskirchenabgeordneter Wilhelm Heinrich von Riehl der einmal schrieb: „Geschichtslosigkeit in der Familie erzeugt Geschichtslosigkeit in Staat und Gesellschaft.“
Wohin ein unkritisches Geschichtsbewusstsein führen kann erleben wir seit vielen Jahren in unserem Land durch den immer wieder aufkeimenden Rechtsextremismus.
L..A.Doll sagte einmal über Heimatforschung: „Um zu wissen, wo man steht und wie man weitergehen soll, muss man sich auch klar darüber sein, woher man gekommen ist, soll menschliches Leben nicht blindes umherirren in der Zeit sein. So ist jede Beschäftigung mit der Heimatgeschichte gut und heilsam, um den eigenen Standort festzustellen und den Weg in die Zukunft festlegen zu können.
Wer sich mit der Geschichte seiner Region beschäftigt bemüht sich nicht nur um historische Erkenntnis sondern er fragt sich oftmals gleichzeitig: Wo liegen meine Wurzeln und die meiner Familie? Jedenfalls ist es in der Regel so. So gehen heimatgeschichtliche Forschungen und Familienforschung oft nebeneinander einher. Wenn wir mit den Forschungen beginnen ist es am Anfang der Ort, das Dorf, die Stadt in der ich wohne, deren Vergangenheit uns interessiert. Doch nach einiger Zeit kommen wir nicht umhin über „den Kirchturm“ hin auszuschauen und uns der Landesgeschichte zuzuwenden, denn nur so vermeiden wir das wir in eine isolierte Heimatgeschichtsforschung fallen. Denn egal wo ich in der Pfalz wohne es gibt so etwas wie ein „pfälzisches Gemeinschaftsbewusstsein“ mit dem sich der Heimatforscher verbunden fühlt.
Dieses Bewusstsein hat nichts mit den üblichen „Weck, Wurscht un Woi“, Schlagwörtern zu tun, dieses Bewusstsein hat seine Wurzeln in der Geschichte unseres Pfälzer Landes. So unter anderem im Hambacher Fest und in der 1849er Revolution. Aber es hat noch tiefere Wurzeln aus denen es entsprungen ist wie Sprache, Dialekt, Brauchtum, kulturelle Gemeinsamkeit u. a. m. Diese Gemeinsamkeiten sind im Bewusstsein der pfälzischen Bevölkerung verankert und geben dem Pfälzer ein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Schauen wir tiefer in die Geschichte unserer Pfalz so müssen wir Carl Zuckmayer recht geben, der die Pfalz als die „Kelter Europas“ bezeichnete und sie eine große Völkermühle nannte. Und Riehl schrieb 1857 in seinem Buch „die Pfälzer“: „ziehen wir die Summe unserer pfälzischen Völkertafel, so ist der erste Eindruck ein verwirrendes Gemisch: Kelten, Vangionen, Nemeter, Burgunder, Römer, Juden,- der verwüstend durch streifenden Alanen, Hunnen usw. gar nicht zu gedenken- Alemannen, zweierlei Franken, Slawen, Friesen, moderne Franzosen, Holländer, Zigeuner und so fort“.
Wir können diese Liste bis zum heutigen Tag erweitern, die Migration hat nie aufgehört, unsere Pfalz ist also ein buntes Völkergemisch, alle diese Kulturen haben ihre Spuren hinterlassen, darauf sollten wir Pfälzer auch stolz sein dass wir irgendwie „international“ sind. Für viele war dieses Land nur Durchgangsstation andere wiederum sind geblieben, die Pfälzer haben vieles von diesen Kulturen übernommen, vor allem in der Sprache. Dies sollte man in der Heimatforschung unbedingt berücksichtigen.
Nun, die Weltachs dreht sich gewiss nicht in der Pfalz und wenn uns Paul Münch in seiner „pfälzisch Weltgeschicht“ glaubhaft machen will: „was nit in der Palz baseert, ist Newesach un hat kee Wert“, dann widerspreche ich natürlich aufs heftigste. Solche Sprüche habe ich noch nie gemocht aber sie passen eben bestens in das Klischee von „Weck, Wurscht un Woi“. Es waren eben Menschen wie Paul Münch die dafür sorgten das die geschichtsträchtige Pfälzer Landschaft zum Teil eine „Saumagen Aura“ erhielt.
Nun, eine solche „Pfalzmentalität“ habe ich nie gemocht und mag sie heute noch nicht.
Das Leben eines Volkes im Verlauf seiner sehr bewegten Geschichte und die hat die Pfalz gehabt spiegelt sich natürlich auch nicht in den Überlieferungen und Erzählungen berühmter Adliger wieder sondern vor allem im Leben des einfachen Volkes.
Der Schriftsteller Ludwig Harig spricht über die Pfalz von einer biblischen Landschaft, nun ich möchte ihm nicht widersprechen, die Pfälzische Landschaft ist eine Geschichtslandschaft die besonders stark mit Blut und Tränen getränkt wurde. Für diese Landschaft könnte der Ausspruch von James Joyce stehen: „Die Geschichte ist ein Albtraum aus dem ich zu erwachen versuche.“
Die Pfalz ist geschichtlich ein von Kriegen heimgesuchtes Land. Ein Krieg nach dem anderen durchzog dieses Land das Norbert Schreiber „die Toscana Deutschlands“ nannte.
Vor allem war es der dreißigjährige Krieg der die Pfalz aufs übelste heimsuchte. Es war das „Winterkönigtum“ des Kurpfälzers Friedrich V. Der die Pfalz zum Aufmarschfeld des Dreißigjährigen Krieges machte. Dieser „Lump“ (so nannte ihn mein Geschichtslehrer) hinterließ ein von Kaiserlichen, von Protestanten, von Schweden, Spaniern, Kroaten, Franzosen und Deutschen aus den verschiedenen Regionen ausgebeutetes Land. Dieser Krieg zusammen mit der Pest hat nach dem dreißigjährigen Sterben dafür gesorgt das nur noch weniger als die Hälfte der Bevölkerung der Pfalz lebte. „Fame, bellum, peste“ - Hunger, Krieg und Pest! Diese drei Worte umschreiben das Elend der Pfalz im Dreißigjährigen Krieg, der natürlich auch im ganzen Reich wütete. Nach dem „westfälischen Frieden“ war für die Pfalz der Krieg noch lange nicht zu Ende; die spanische Besetzung von Frankenthal dauerte bis 1652, der französisch – spanische Krieg war erst 1659 zu Ende. Wenn man von der Geschichte der Pfalz spricht kommt man nicht umhin von der „pfälzischen Ohnmacht“ zu sprechen.
Es ging weiter mit Krieg und Besatzung bis zum zweiten Weltkrieg.
Die Identität der Pfalz spiegelt sich für den Heimatforscher eben nicht in „Weck, Wurscht un Woi“ sondern in Fame, belle, peste.
hukwa

Dienstag, 5. März 2013

Auf keltischen Pfaden

Die keltische und vorkeltische Zeit meiner Heimat hat mich schon immer in ihren Bann gezogen. Es liegt ein Zauber über dieser Zeit sonst würde sie mich nicht so interessieren. Schon als Kind zogen mich die mysteriösen Steingebilde meiner heimatlichen Region magisch an. In einer Gewanne die "Sprungfeld" (Flurname) hieß fand man ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit. Wenige Meter von diesem Fundort entfernt stand ein "Hinkelstein", wohl aus vorkeltischer Zeit. Hier fand man auch einen Eisenbarren der Heute in Kaiserslautern im Theodor Zink Museum aufbewahrt wird. Es gehört zur eigenen Wurzelsuche das man sich mit solchen Dingen beschäftigt. Somit wird Heimatgeschichte zur lebendigen Geschichte, weil sie nicht abstrakt ist man kann sie fassen. Auf meinen Wanderungen durch die Wälder bewege ich mich oft auf uralten Wegen, von denen nachgewiesen ist dass bereits Kelten und Römer sie nutzten. Wenn ich einsam auf diesen Wegen wandere scheint es mir als trenne mich nur eine kleine Nebelwand von der uralten Vergangenheit dieser Landschaft.
hukwa

Montag, 4. März 2013

Über meine Wurzeln

Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich? Drei Fragen die mich mein Leben lang schon beschäftigen. Wohl werde ich niemals darauf eine genaue reale Antwort finden. Vielleicht aber eine "ahnende". Ich kann meine Vorfahren bisher bis 1680 zurückverfolgen, dies gibt mir eine gewisse Zufriedenheit. Ich weiß dadurch das ich ein Mensch bin der mit einer Landschaft verbunden ist, mit der Landschaft in der ich lebe, alle meine Vorfahren entstammen zum großen Teil diesem Landstrich. Ich bin also sehr verwurzelt mit dieser Gegend. Dies ist wohl auch der Grund warum ich mich schon sehr früh mit Heimatgeschichte beschäftigte. Auf einen alten Stammbaum zurückzublicken ist mir auch ein Halt, ein Anker im Leben. Wenn man Wurzeln schlägt verliert man das Gefühl ein Blatt im Sturme zu sein.
hukwa

Freitag, 15. Februar 2013

Waren Hinkelsteine und Megalithen Teil eines steinzeitlichen Wallfahrtpfades?

Eine heimatkundliche Spurensuche
Von Hans Wagner

„Nur der lebt nicht im Dunkel, der sich von 3000 Jahren Rechenschaft zu geben weiß“.
Goethe

Aus Caesars Kommentaren wissen wir das die Kelten bereits über ein gutes Wegenetz verfügten aus dem später zum Teil Römerstrassen wurden. Wahrscheinlich bestand im Bereich des Pfälzerwaldes und vor allem des Reichslandes bei Kaiserslautern ein frühsteinzeitliches Wegenetz. Auf Ansätze eines solchen „Verkehrswesens“ weist schon Ernst Christmann mit Berechtigung hin. Christmann vermutet, dass die neolithischen Menhire (u.a. Gollenstein bei Blieskastel, der Menhir östlich der Martinshöhe, Menhir auf dem Bännjerück, der „Hinkelstein“ nördlich des Grafenthaler Hofes bei Otterberg eine neolithische Höhenstrasse begrenzten, die vermutlich als Vorläufer der späteren „Römerstrasse“: Lothringen – Einöd – Schwarzenacker – Martinshöhe - Bann – Kaiserslautern – Otterberg/ Heiligenmoschel - Kreuznach gelten kann. Wir wissen das schon in der jüngeren Steinzeit hier ein Höhenweg verlief. Mehrere Funde ergänzen dieses Bild unter anderem ein geschliffenes Steinbeil aus dem Neolithikum, gefunden bei Lambsborn. Auch Beispiele außerhalb der Pfalz sprechen dafür, dass an Altstrassen Menhire stehen oder gestanden haben. Es scheint also vieles auf einen Zusammenhang hinzuweisen dass bereits in der Zeit der Errichtung der Jungsteinzeitlichen Kultdenkmale in unserem Gebiet Hochwege entstanden sind. Wohl waren diese Kultpfade die wahrscheinlich einem Fruchtbarkeitskult gedient haben, bereits Steinzeitliche „Wallfahrtspfade“.
Wir wissen das der Pfälzerwald bereits in der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) zumindest vorrübergehend bewohnt war und das die Buntsandsteinhöhlen, von denen wir im Pfälzerwald einige Hunderte vorfinden, als vorrübergehender Wohnplatz dienten und wohl unter anderem auch kultisch genutzt wurden. Steinerne Bodenfunde, wie Projektile für Pfeilschäfte, meißelartige Stücke, Teile von Rückenmessern, Kratzer, Klingen, u.a.m. belegen dies deutlich. Man fragt sich nun natürlich zu Recht wieso bisher keine Felsritzzeichnungen aus der Steinzeit gefunden wurden. Dazu schreibt Erwin Cziesla, der die Ausgrabungen an der Weidenthal – Höhle bei Wilgartswiesen leitete: „…erstens werden sich in vergleichbaren Buntsandstein – Formationen grundsätzlich keine altsteinzeitliche Felsgravierungen finden lassen, da diese falls überhaupt einst vorhanden, vor Jahrtausenden bereits Opfer der Verwitterung geworden sind. Zweitens wird der Nachweis altsteinzeitlicher Besiedelung in diesen natürlichen Unterkünften kaum gelingen, da diese Höhlen nicht mehr vorhanden, bzw. mit den heutigen nicht identisch sein können. Potentielle altsteinzeitliche Fundobjekte wurden an jenen Stellen abgelagert, die heutzutage nicht mehr als ehemalige Höhlen erkennbar sind: ihre Auffindung wird somit überaus zufällig“.

Wahrscheinlich ist das einzig sichere dass wir über die Menhire und Hinkelsteine sagen können dass sie kultisch genutzt wurden. In Deutschland finden wir einzelstehende Menhire und Hinkelsteine vor allem in Rheinland – Pfalz und in Hessen. Wahrscheinlich waren sie mit einem Fruchtbarkeitskult verbunden und hatten somit ökonomisch- soziale – und religiöse Bedeutung.
Die Griechen kannten eine „Geographie der Kultorte“, dabei ging es um Geomantie, warum sollten die Erbauer der Megalithen nicht auch einer solchen „Geographie“ gefolgt sein und ihre Steingebilde bewusst so angelegt haben, das man sie wie in einer Prozession ablaufen konnte? Nichts spricht gegen die These eines solchen „Wallfahrtspfades“.
hukwa

Dienstag, 12. Februar 2013

Mythos Schinderhannes

Als der Hammelhannes in Trippstadt sein Unwesen trieb.
Über das Räuberunwesen im Pfälzerwald


 
Es ist immer wieder sehr interessant, wenn man beim Studium über heimatgeschichtliche Texte, alte Chroniken und Urkunden auf Personen stößt, die vor ein paar hundert Jahren gelebt haben. Man entdeckt plötzlich das Leben eines einfachen Menschen, eines Arbeiters, Bauern oder auch eines Menschen den die Umstände der damaligen Zeit aus dem gesellschaftlichen Leben herausgerissen haben. Manchmal taucht solch ein Mensch in verschiedenen Aufzeichnungen immer wieder auf und schon hat man eine kleine Teilbiographie seines Lebens. Dadurch, dass diese Menschen durch irgendeinem Zufall an irgendeinem Ort waren, wurde ihre Persönlichkeit, oder zumindest ein Teil von dieser, aufbewahrt. So erhält auch ein ganz unbedeutender Bauer oder Arbeiter der vor etwa 250 Jahren gelebt hat eine Geschichte. Seine Geschichte ist schließlich Teil der Geschichte insgesamt. Wenn ich solches entdecke bin ich immer wieder fasziniert. Während meiner heimatkundlichen Recherchen über den alten Pfälzer Reichswald fiel mir der Name Hammelhannes auf. Was ich über seine Geschichte herausfinden konnte habe ich niedergeschrieben.

Zwischen 1700 und 1850 herrschte im Pfälzerwald tiefe Armut unter der einfachen Bevölkerung. Der karge Boden konnte in der Bevölkerung nicht alle Menschen ernähren. Armut und Elend fand sich in allen Dörfern des Pfälzerwaldes. Die Zahl der Personen die keinen festen Wohnsitz hatten und keiner geregelten Tätigkeit nachgehen konnten war enorm. Zu den Bettlern, Vaganten und Forstfrevlern gesellten sich Landfahrer, marodierende Soldaten und allerlei lichtscheues Gesindel. Ein beliebter Aufenthalt dieser Leute war unter anderem der Reichswald zwischen Kaiserslautern und Ramstein. Dieser dunkle ,dichte Wald war auch Aufenthalt des Räubers Hammelhannes, der seine Raubzüge bis in die Wälder um Trippstadt ausdehnte.
Wie es damals zuging ist in einer alten Niederschrift von 1728 nachzulesen. So machten zu dieser Zeit eine Horde von 300 Landfahrern und Vaganten die Gegend um Kaiserslautern unsicher. Die Landfahrer waren gut bewaffnet und selbst in der Stadt Lautern fürchtete man sich vor ihnen. Die Stadtmauern waren noch durch den spanischen Erbfolgekrieg zerstört und es befand sich damals auch keine Garnison in der Stadt. Erst als Kurfürst Carl Philipp Husaren und Dragoner schickte wurde dem Treiben ein Ende gesetzt.
Es war eine Zeit schrecklicher Armut die in den Walddörfern des Pfälzerwaldes vorherrschte. Die Beschreibung des Waldorfes Appenthal von August Becker kann hier stellvertretend für viele Walddörfer der damaligen Zeit stehen:
„Die Leute sind hier sichtlich arm und in teuren Jahren ziehen des Elends bleiche Gespenster durch diese Täler und Gebirgslande mit ihren weit auseinanderliegenden abgeschiedenen Walddörfern und einzelnen Hütten. Der Winter macht sie dann öfters ganz unzugänglich, und im Frühjahr tritt dann noch der Hungertyphus auf, um zu würgen unter der ohnehin schon äußerst schwachen Bevölkerung.“

Einer der schlimmsten Räuber jener Zeit war der schon erwähnte Hammelhannes. Er lebte zur gleichen Zeit wie der berühmte Hunsrücker Räuberhauptmann Johannes Bückler im Volksmund „Schinderhannes“ genannt. Hammelhannes unterschrieb seine Erpresserbriefe ähnlich wie der „Schinderhannes“ mit „Johannes durch den Wald“, setze diesem aber noch ein „im Namen der freien Waldsöhne“ hinzu. Der Hammelhannes war unehelich geboren,was damals ein großer Nachteil für einen Mensch war. Seine Mutter war eine Waschfrau welche sich mit einem Tagelöhner namens Johannes Denzer aus Zweibrücken verheiratete. Dieser gab dem Jungen seinen Familiennamen. Schon in jungen Jahren zog ihn das lichtscheue Gesindel, das in den Wäldern hauste, an. Sein Quartier bezog er in den Forsten um Münchweiler an der Rodalb. Von hier aus plante er seine Raubzüge bis in das Gebiet um Kaiserslautern und Trippstadt. Er steckte unter anderem eine Mühle in Landstuhl in Brand weil der Besitzer ihm kein Erpressergeld zahlen wollte. Auf der Sickinger Höhe stahl er bei den Bauern was nicht niet- und nagelfest war, und in Alsenborn brannte er fast das gesamte Anwesen des Landwirts und Gasthalters Theobald Krämer nieder. Auch die Mühle von Peter Schramm aus Neuhemsbach wurde von ihm niedergebrannt, weil dieser ihm kein Lösegeld zahlen wollte. Etwa um 1800 tauchte der Hammelhannes in der Gegend von Trippstadt auf.
Er hatte den Sohn des Bürgermeisters von Münchweiler entführt und schickte diesen ins Neuhöfertal zum Betteln. Die Neuhöfertaler merkten schnell, dass hier etwas nicht stimmte nahmen den Jungen in ihren Schutz und versuchten den Hammelhannes zu überwältigen. Nur mit Mühe gelang ihm die Flucht. Kurze Zeit später wurde er in der Nähe von Sembach endlich überwältigt. Im Jahre 1804, nur kurze Zeit nach der Hinrichtung des Schinderhannes, wurde auch der Hammelhannes vor den Toren von Mainz durch das Fallbeil gerichtet.
Spuren dieser Räuber finden wir auch immer wieder in unserer Gegend.
So von Peter Petri, der „Schwarze Peter“ genannt, ein berüchtigter Räuber und Mörder aus dem Hunsrück und zeitweise Weggefährte von Schinderhannes, wurde im Oktober 1798 verhaftet und in das Gefängnis nach Kaiserslautern eingeliefert, von wo er später nach Simmern in Gewahrsam kam.
Der zu seiner Zeit sehr berüchtigte Räuber Johannes Müller aus der Nähe von Wittlich stammend, wanderte als Zunderkrämer mit Frau und Kindern im Land umher. Während des Winters, machte er sich in den Dörfern Schallodenbach oder Schneckenhausen mit seiner Familie für die kalte Jahreszeit sesshaft. Man vermutete, dass der „Müller Hannes“ und ein Komplize mit dem Spitznamen „Dreckpeter“ im Jahre 1780 in Schallodenbach einen Kirchenraub verübten. Müller hatte in späteren Jahren Verbindungen zu Schinderhannes und wurde ebenfalls 1803 in Mainz hingerichtet.
Margareta Blasius, die Schwester der Räuberbraut des Schinderhannes, verbüßte in Kaiserslautern eine zweijährige Gefängnisstrafe, zu der sie im Jahre 1800 verurteilt wurde.
In den Wäldern um Kaiserslautern trieben mehrere Banden im ausgehenden 18. Jahrhundert ihr Unwesen. Aus einem Polizeibericht vom 11. Mai 1800 des Friedensrichters Johann Heinrich Vogt aus Kaiserslautern, an den Präsidenten des Kriminalgerichts Departement Donnersberg, erfahren wir einige Einzelheiten aus der damaligen Zeit. Darin heißt es:
„Bürger! Seit dem Entkommen von Ludwig Sch…scheint die Rotte der Spitzbuben sich täglich mehr zu häufen. Brandbriefe werden allen Weges gelegt, ich habe deren allein drei zu Alsenborn an dem verflossenen 8ten Floreal aufgenommen; auch werden Wege an allen Orten unsicher. Man gibt Leute an, wo man Geld vermutet; die Rotte dieses Gesindels scheint sich durch Deserteure zu vermehren, wodurch die Anschläge mehr Freiheit, Charakter und Entschlossenheit bekommen. Noch ist es vielleicht Zeit, statt den Taugenichtsen der Gendarmerie, die weder Orts-, weder Sprach- noch Personalkenntnisse besitzen, andere Personen aufzustellen, die nebst diesen Kenntnissen Diensttätigkeit besitzen, diese Waldgegenden vor großem Unglück zu schützen; schon ist die Furcht der Gemeindebewohner so weit gekommen, dass die Spitzbuben vor wenigen Tagen am hellen Tag in die Wohnung des Agenten zu Enkenbach kamen, der ihnen Wein einschenken musste, und dabei bemerkte, dass alle Ortsbewohner sich in ihre Häuser verkrochen, und dieselben hinter sich zuschlossen, damit sie weder vom Agenten gerufen, noch von den Spitzbuben belästigt werden konnten. Ohnlängst sind dreißig Deserteure hier durch, sie pochten nur an einzelnen Mühlen, wo sie sich als Ausreißer ausgaben. Vor Tag machten sie ihre Reise in dem Wald fort, alle sprachen deutsch, und der Müller zitterte an Arm und Bein. Dass er mit gesunder Haut davon kam glaubte er seiner guten Bewirtung verdanken zu können“.
Obiger Bericht ist dem „Heimatkalender des Landkreises Kaiserslautern“ entnommen, darin schreibt der in Siegelbach lebende Heimatforscher Gerold Scheuermann:
„Der Familienname des am Anfang des Berichts genannte Ludwig Sch… wurde von mir abgekürzt. Bei dem Müller handelt es sich wahrscheinlich um den Besitzer der Eselsmühle bei Enkenbach. Deutlich ist zu entnehmen, das eine große Anzahl von Deserteuren die Gegend unsicher machte. Aus weiteren Akten, die in französischer Sprache abgefasst sind, erfahren wir, das Ludwig Sch… aus Stelzenberg stammte. In diesen Schriftstücken taucht der Name Schwarz Peter auf. Ist es der bereits erwähnte berüchtigte „Schwarze Peter?
Ein weiterer Räuber der mit seiner Bande auch unsere Gegend unsicher machte war der sogenannte Hannikel. Der Räuberhauptmann Hannikel, mit bürgerlichen Namen Jakob Reinhard ist eine schillernde, wenn auch heute fast in Vergessenheit geratene Gestalt unserer Heimatgeschichte des 18. Jahrhunderts. Mehr als 20 Jahre lang stahl und raubte er in der Gegend um Pirmasens und versetzte mit seiner Bande die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Diese Räuberbande, die bevorzugt evangelische Pfarrhäuser und jüdische Mitbürger ausraubte bestand vorwiegend aus Sinti (damals Zigeuner) und Vaganten. Somit standen sie auch außerhalb der frühneuzeitlichen Gesellschaft und lebten in ihrer eigenen Kultur mit ihren eigenen Regeln und Gesetzen. Ein gefährlicher Verwandter von Hannikel war Christian Reinhard, im Volksmund „Schwarzer Jonas“ genannt, er zog auch einige Zeit mit dem berüchtigten Hunsrücker Räuber Schinderhannes durch die Landen.“
Über Schinderhannes schrieb im Jahre 1891 Rauchhaupt: „Schinderhannes ist der einzige rheinische Räuber, von dem man merkwürdigerweise heute noch an vielen Orten mit wahrer Begeisterung spricht“.
Nun, diese Begeisterung hatten seine Opfer gewiss nicht. Johannes Bückler, so sein bürgerlicher Name, war ein äußerst brutaler Mensch so dass selbst seine Richter immer wieder schockiert waren, wenn er in den Verhören darüber berichtete wie er seinen Opfern Schmerzen zufügte um aus ihnen Geld herauszupressen.
Im „Mythos Schinderhannes“ wird einfach verkannt, das er keinesfalls ein Robin Hood war, für den ihn heute noch viele halten, sondern ein ganz brutaler Verbrecher. Durch eine romantische Literatur wurde er regelrecht verklärt und der Endpunkt dieser Verklärung war zweifelsohne Käutners Film von 1957, in dem Schinderhannes von Curd Jürgens gespielt wurde. Selbst Zuckmayer hat mit seinem berühmten Buch „der rheinische Rebell“ die historische Figur des Johannes Bückler aus den Augen verloren.
Die Schinderhannes Forschung weiß über zahlreiche Personen, vorwiegend jüdischer Herkunft, die durch die Repressalien des Räubers ihre Heimat aufgaben und auswanderten.
Man weiß heute, dass es bereits zur Zeit der hier beschriebenen Räuber und Verbrecher ein ganz Mitteleuropa überziehendes Netz von hauptberuflichen Mördern, Räuber und Dieben gab. Alle zwei Jahre fand ein „Räuberkongress“ statt, so z.b. 1799 in Schupbach/Lahn, auf den alle „namhaften“ Räuber und Berufsverbrecher eingeladen wurden. Dort wurden bedeutende Überfälle im westlichen Deutschland für mehrere Jahre im voraus geplant. Seit dem dreißigjährigen Krieg hat das Räuberunwesen Südwestdeutschland und vor allem die Pfalz fast ununterbrochen geplagt. Ein 1739 zu Trarbach hingerichteter Räuber konnte „33 Mitglieder einer diesseits Rhein und Mosel auf dem Hunds – Rück herumvagierenden Räuber und Mörder und Diebesbande“ denunzieren. In Trier registrierte man eine aus 30 Personen bestehende Bande. Im Amt Bernkastel wurde 1766 eine aus 35 Personen bestehende, vagierende Diebesbande festgestellt. Um 1780 ist die Rede von einer solchen, die sich im Hochwald Gebiet angesammelt hatte.
In der Nacht vom 6. auf den 7. April 1777 überfiel die bereits erwähnte Hannikel Bande das Haus des Liebmann Levi zu Marienthal (Donnersbergkreis). Die Bauern eilten dem Juden zu Hilfe und vertrieben die Räuber.
Dieses Räuberunwesen wurde vielfach verklärt und vor allem durch den Schinderhannesmythos wurde ein lokalpatriotischer Romantizismus in die Welt gesetzt, der mit der damaligen Realität nichts gemeinsam hatte.
Um der damaligen Zeit gerecht zu werden, muss man die Zeitspanne von etwa 1550 bis 1870 und die politischen Auseinandersetzungen jener Zeit in Betracht ziehen: die Bauernkriege, das Zeitalter der konfessionellen Gegensätze, mit dem Höhepunkt des dreißigjährigen Krieges, die Expansionskriege Ludwig XIV, insbesondere der pfälzische Erbfolgekrieg, bis hin zur französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts. Solche Krisenzeiten hatten eine Verelendung der Bevölkerung zu Folge. Schließlich war der pfälzische Raum, vor allem der Pfälzerwald, wegen seiner Unwegsamkeit und tiefen Wäldern, seiner territorialen Zersplitterung sowie der Grenznähe zum französischen Gebiet, ein sehr geeignetes Ausweichareal für Räuber und Räuberbanden. 
hukwa


Lit. Hinweise:
Erich Renner - Zur Geschichte und Beheimatung der Pfälzer Zigeuner;
Pfälzer Heimat - Heft 3. Sept. 1988
Hermann Arnold - Der Schinderhannesmythos; Pfälzer Heimat; Heft 2; 1985;
Gustav Freytag - Bilder aus der deutschen Vergangenheit;
Hermann Arnold - Das Vagantenunwesen in der Pfalz während des 18. Jahrhunderts.
Mark Scheibe - Die Strafjustiz in Mainz und Frankfurt/M. 1796-1803;
Forschungsportal Schinderhannes - Schinderhannes -Forschung nach einem Forschungsprojekt an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, Stand. 2009;
Heinz Friedel - Der Hammelhannes; Heimatbuch des Landkreises Kaiserslautern;
Karl Vogt - Das fahrende Volk in der Pfalz; Würzburg 1921
Th. Zink - Hungersnot im Kanton Bergzabern;
Gerold Scheuermann - Banden im Pfälzerwald; Heimatjahrbuch des Landkreises Kaiserslautern; 1990.