Samstag, 4. Juli 2020

Lebensnetz

Foto©UteKW
Es scheint als hätte die Spinne der dieses Netz gehört es bewusst so gesponnen das sich die untergehende Sonne darinnen spiegelt. Auch dort wo die Natur nach menschlicher Planung überhaupt nicht vorgesehen ist, spiegelt sie uns ihre Wunder vor Augen. Im Spinnennetz, im Grashalm, im Kieselstein. Geben und Nehmen das ist der Kreislauf der Natur. Wir Menschen setzen in dieser, unserer Zeit nie zuvor dagewesene Rahmenbedingungen ohne zu fragen nach den Umweltverträglichkeiten, dabei könnten wir alles viel umweltgerechter Gestalten- die Mittel dazu besitzen wir. Wir müssen uns nur vor Augen halten dass wir selbst in einem Netzwerk existieren das uns verbindet mit der Amöbe als auch mit der Biosphäre - in einem Lebensnetz.
hukwa

Der "Zuspruch des Feldwegs"

Foto©UteKW
Es war wohl ein Feldweg ähnlich diesem hier, bei dem der deutsche Philosoph Martin Heidegger den "Zuspruch des Feldwegs" empfing. Jener Moment wo in ihm vielleicht der Gedanke der "Seinsvergessenheit" das erste mal aufleuchtete.
Der "Zuspruch des Feldwegs" ist Heideggers Antwort auf die Weglosigkeit des heutigen Menschen gewesen. Hier am Feldweg kann man noch einmal dem Rauschen der alten Obstbäume lauschen, einen Wert in der Welt erkennen. In unserer heutigen globalisierten Weltverdüsterung ist der Ruf des Feldwegs etwas heimisches in einer Unheimischen Zeit. Heimat als nicht naiver Begriff beinhaltet schon die Seinsvergessenheit, die ja nichts anderes ist als die Naturvergessenheit des modernen Menschen.
hukwa

Freitag, 3. Juli 2020

Schmetterlinge im Trippstadter Schlosspark

Foto©UteKW
Schmetterlinge fliegen besonders gern in offenen, blütenreichen Ruderal- und Grasfluren. Um diese Jahreszeit zieht viele Arten besonders der Sandthymian an. So finden sich derzeit im Trippstadter Schlosspark Bläulinge ein. Aber auch der Mauerfuchs, eine Schmetterlingsart die sich vorwiegend in trockenen, grasigen Parkanlagen aufhält. Zwischen ihnen fliegt oft die gelb-schwarz gefärbte Wollbiene, die Pflanzenhaare sammelt, um hiermit ihre Niströhren auszukleiden. Auch Zitronenfalter und Kohlweißling finden sich jetzt im Heumond regelmäßig hier ein. Gäbe es im Park ein paar Wildblumeninseln wäre die Artenvielfalt auch größer.
Unsere Schmetterlinge erfüllen nicht nur als Blütenbestäuber eine wichtige Funktion im Ökogefüge, sondern stellen als Haupnahrungsmittel für Fledermäuse einen sehr wichtigen Faktor im Gleichgewicht der Nahrungsketten innerhalb der Biotope dar.
hukwa

Donnerstag, 2. Juli 2020

Biotopvernetzung in Trippstadt


Ein Stück Wegrain so zu sehen als ob es ein Kontinent wäre
einen Tümpel zu sehen als ob es ein Ozean wäre
das ist Ökologie.
H.W.
Foto©UteKW

Während einer ausgiebigen Wanderung durch die Trippstadter Flur fallen bezüglich der biologischen Vielfalt die vielfältigsten und unterschiedlichen Lebensräume in der Region auf. So finden sich:
Felsen und Gesteinshalden
Gewässer und Ufer mit kleinen Sumpfgebieten
Wege, Äcker und Trockenmauern
Wiesen und Weiden
Wälder und Gebüsche (Feldflur mit altem Baumbestand)
Parkanlage (Schlosspark)
Alte Obstbaumbestände in der Feldflur

Diese recht unterschiedlichen Lebensräume und ihr teilweise dichtes Nebeneinander sind für die Umgebung von Trippstadt ein ganz besonderes Beispiel für die biologische Vielfalt der Lebensräume.
Betrachtet man die Tier- und Pflanzenarten die hier existieren etwas näher, so fallen einige Besonderheiten ins Auge, vor allem von seltenen Arten, die ich in Kürze extra auflisten werde.
Bedingt durch die großen Waldgebiete die Trippstadt umschließen sind die einzelnen Lebensräume stark vernetzt und ergeben somit einen gesamtökologischen Verbund.
Man spricht in diesem Fall von einer Vernetzung der Biotope zu Biotopsystemen und versteht darunter ein räumliches Gefüge von Biotopen, das den Ansprüchen der Arten und ihren Vergesellschaftungen gerecht wird. Auch das Arteninventar ist verschiedentlich noch recht stabil.
Sie sind daher unabdingbar zu erhalten und nachhaltig zu pflegen.
Vor allem einige Wiesen, darunter nahezu alle Feucht- und Nasswiesen der Quellen und Bachtäler (Moosalbtal, Neuhöfertal), haben eine sehr wichtige Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz.
Sie beherbergen nicht nur eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Pflanzengesellschaften sondern sind für eine große Anzahl von Kleintieren und Säugetieren ein unverzichtbarer Lebensraum.
Je höher die Zahl der Blütenpflanzen steigt (Aussaat-Nachpflanzung), desto stärker nimmt die Artenvielfalt der Insekten zu und dies fördert wiederum die Singvögel.
Welche Pflanzenvielfalt auf einer Wiese im Verbund mit angrenzendem Wegrain existiert
zeigt eine Auflistung vom Juni 2020:
Wiese:
Scharfgarbe, Kuckuckslichtnelke, Wilde Möhre, Aufrechte Trespe, Knäuelgras, Margerite, Wiesenstorchenschnabel, Wiesenkerbel, Spitzwegerich, Wiesensalbei, Raygras, Wiesenschaumkraut, Kamille,Weißklee, Rotklee, Rainfarn, Klatschmohn, Beifuß, Zittergras u.a.

Angrenzender Wegrain:
Taubenkropf-Leimkraut, Johanniskraut, Waldgeißblatt, Hornklee, Weißstrahl, Sauerampfer, Habichtskraut, Frauenmantel, Wilde Karde, einige verwilderte Kulturpflanzen, verschiedene Gräser u.a.

Besuch von Tagfaltern:
Großer Kohlweißling, Zitronenfalter, kleiner Heufalter, verschiedene Bläulinge, Kleiner Fuchs.

Bei dieser Wiese mit Wegrain handelt es sich zwar um Kleinbiotope, doch stellen sie wichtige Bindeglieder für die Biotopvernetzung in Trippstadt dar. Für viele Kleintiere ist diese Wiese mit Wegrain nicht nur Lebensraum sondern auch Wanderpfad: Molche, Kröten, Frösche, Blindschleichen und Eidechsen sowie viele Insekten können hier von einem Biotop zum nächsten gelangen.
Foto©UteKW

Gleich hinter der Wiese steht ein kleines Schlehenwäldchen das wiederum ein eigenes Biotop darstellt. Wissenschaftler haben über 100 verschiedene Insekten an einer einzigen Schlehenhecke gezählt. Allein sieben Tagschmetterlingsarten benötigen den Strauch als Futterpflanze für ihre Raupen. Von den 40 in Hecken lebenden Vogelarten fressen 80 Prozent die Schlehenfrüchte. Damit ist die Vogeldichte mit zehn Arten je 100 Meter zehnmal so groß wie im Waldinnern.
Solche Feldgehölze wie diese Schlehenhecken bilden ein „tragendes Netzwerk“ unseres heimischen Artenreichtums. Sie vernetzen die Biotope miteinander und dienen somit als Ausbreitungsbahnen für viele Tierarten.


hukwa


Mittwoch, 1. Juli 2020

Mauerbienen und Mauerpflanzen in Trippstadt


Die Ökologie beschreibt eine dynamische und verwobene Welt der Beziehungen. Gewollt oder ungewollt spielen auch wir unsere Rolle in diesem Netzwerk, sind Verursacher oder Betroffene.
Trippstadt verfügt nicht nur über zahlreiche Trockenmauern außerhalb des Ortes sondern auch über eine große Anzahl von Sandsteinmauern innerhalb der Ortschaft. Diese zum Teil sehr alte Mauern beherbergen eine reiche Artenvielfalt, die sich auf diesen besonderen Lebensraum eingestellt haben.

Fotos©UteKW

In vielen Mauerritzen rankt der zierliche Mauerrauten-Farn, Zimbelkraut und Mauerpfeffer finden sich ebenso. Efeu und Wilder Wein klettern an den Wänden hoch. Vor allem im Efeu sammeln sich gerne Vögel zum Schlafen, weil er ein geschützter Schlafplatz ist.
Das gilt vor allem für Mauern an den Wald- und Feldrändern. Die alten Steine sind nicht nur heimatgeschichtlich interessant, sondern zwischen ihnen, in zahllosen Ritzen und Fugen befinden sich die Wohnstätten von Eidechsen und anderen Kleintieren.
An diesen Mauern finden sich auch Wildbienen ein. In Trippstadt findet sich noch recht häufig die „Mauerbiene“ (Osmia rufa). Sie bewohnt vorhandene Hohlräume in Mauerfugen oder besiedelt verlassene Fraß- und Bohrlöcher anderer Insekten in Zaun und Weidepfählen. Nach dem Eintragen von Pollen als Nahrungsvorrat für die später dort aufwachsenden Larven und der Eiablage mauert diese Wildbienenart mit einer Art Mörtel, bestehend aus Lehm und ihrem Speichelsekret, die Brutkammer zu. Anschließend legt sie die nächste Zelle an, dann wird das Nest der einzeln lebenden Biene endgültig vermauert.
Ideal für diese Wildbienen sind Mauern an Wegrändern bei denen Wildblumen wachsen, so dass sie die Nahrung vor der „Haustür“ finden.
Die „Zweifarbmauerbiene“ (Osmia bicolor) baut ihre Wohnung in alte, leere Schneckenhäuser in denen sie ihren Pollenvorrat anlegt. Sie sammelt diese wie alle Mauerbienen nicht mit den Beinen, wie unsere Honigbiene, sondern mit dem Bauch, deshalb nennt man diese Wildbienenart auch „Bauchsammlerbienen“. Beide Arten Osmia rufa und Osmia bicolor finden sich in Trippstadt im Schlosspark sowie an den Felsen der Burgruine Wilenstein.
An verschiedenen Trippstadter Altmauern, wie beim alten Kindergarten, finden sich Brombeerbüsche, hier lebt die Lehm-Pillenwespe (Odynerus laevipes). Sie zeigt eine den Mauerbienen ähnliche Nestbauweise.
Im Gegensatz zu den Wildbienen ist sie ein Raubinsekt und trägt für ihre Brut gelähmte Beutetiere heim. In einer Brutzelle im hohlen Brombeerstengel bringt sie fünf bis sechs Raupen ein, die sie durch einen Stich gelähmt hat. So wird der Nahrungsvorrat für die Larven immer frisch gehalten. Den Brombeerstengel mörtelt sie zu.
An der „Pletschenmauer“ findet man die Kreiselwespe. Sie braucht ein offenes Areal mit Mauern und Verbuschung. Ihre Höhle baut sie am Boden. Im Gegensatz zu anderen Wespenarten betreibt sie aktive Brutpflege. Der Erdbau wird immer wieder aufgegraben und mit frischen Schwebefliegen die sie erbeutet bestückt. Auch diese Art wird immer seltener da es oft an geeigneten Nistmöglichkeiten fehlt.

Ein weiterer Bewohner der Trippstadter Trockenmauern ist die Steinhummel (Bombus lapidarus) sie beginnt im Frühjahr mit dem Nestbau und im Spätsommer ist ein Staat entstanden der bis zu 300 Einwohner haben kann.
Für Wildbienen und seltene Wespenarten wie die hier beschriebenen ist es wichtig, dass man an Wegböschungen, Trockenmauern und Rainen auch über Winter einen Teil der dort wachsenden Pflanzen überwintern lässt, damit ihre Brut im darauffolgenden Frühjahr ausfliegen kann. Wenn diese sensiblen Ökonischen dem grauen Beton und Einheitsgrün weichen müssen, sieht die Zukunft unserer Kleinlebewesen düster aus.
 hukwa

Montag, 29. Juni 2020

Naturschutz und angewandte Ökologie in Dorf und Stadt

Fotos©UteKW


Naturschutz in kleineren Kommunen ist meistens keine Frage der Kosten sondern des Wollens und des Ideals und dies hat in der Regel die stärkeren Energien.
Das Klagen über den Artenschutz hilft nichts wenn keine Maßnahmen folgen.
Jede noch so kleine Gemeinde besitzt Habiate, Biotope und kleinere Ökosysteme die es zu erhalten gilt und nach Möglichkeit zu vergrößern.
Ein besonders heimtückischer Feind der Artenvielfalt ist die „chemische Sense“ (Unkrautvernichter), auch das flämmen mit der Gasflasche wodurch nicht nur Wildkräuter sondern auch Kleinstlebewesen ausgerottet werden ist verwerflich. Allzu starke Sauberkeitsideale und einseitige Ordnungsvorstellungen schädigen der Artenvielfalt und verhindern sie oftmals ganz. Wer alle Brennesseln entfernt, darf sich nicht wundern, wenn immer weniger Schmetterlinge fliegen. Wildkräuter wie die Brennessel sind die Futterpflanzen von Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs. Der Schwalbenschwanz der fast ganz verschwunden ist benötigt die früher aller Ort`s vorkommende Wilde Möhre als Futterpflanze für seine Raupen.
In unseren Dörfern, wie auch in unseren Städten muss nicht das letzte Grün geteert oder gepflastert werden, denn dort wo die Menschen mit dem „Aufräumen“ beginnen verschwindet in der Regel die Artenvielfalt.
Die wenigste Phantasie und Natur findet man meist in den Vorgärten moderner Wohnsiedlungen, hier herrscht in der Regel Beton und Kunststeinkult vor.
Jeder Atemzug den ein Mensch auf der Erde macht ist abhängig von den sauerstofferzeugenden Pflanzen, jede Pflanze schenkt vielfältiges Leben, je weniger Pflanzen und Bäume es in Zukunft geben wird, desto problematischer wird das Überleben der Menschen auf dem Planeten.
Deshalb ist es eine Aufgabe für jedes Dorf und jede Stadt die Natur zu schützen und sie für nachfolgende Generationen zu erhalten.
In Rheinland-Pfalz sind etwa 30 Wildbienenarten vom Aussterben bedroht. Innerhalb der letzten 25 Jahre hat die Biomasse der Insekten um 70 Prozent abgenommen. Wildbienen brauchen nicht viel zum Überleben, außer einem ausreichenden Blütenpflanzenangebot mit Pollen und Nektar und für die Larvenaufzucht geeignetes Nistmaterial und Nistmöglichkeiten, das in der Natur vorhanden ist. Eine Hummel kann beispielweise bis zu 3.800 Blüten pro Tag bestäuben. Insekten bekämpfen auch Schädlinge, fast 90 Arten werden im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt. Darüber hinaus sind Insekten Nahrungsgrundlage für andere Tiere, bauen organische Masse ab, reinigen Gewässer und erhalten die Bodenfruchtbarkeit.
Es gibt eine Reihe von Naturbereichen, in denen jeder Einzelne durch sein persönliches Verhalten gegenüber den wildwachsenden Pflanzen und wildlebenden Tieren mithelfen kann praktischen Umweltschutz zu betreiben. Aber vor allem die Kommunen stehen in der Verpflichtung Umweltschutz umzusetzen.
So an den ungenutzten Flächen wie Hohlwegen, Böschungen, Wegrändern, Steinriegeln und Trockenmauern. Die oft die letzten Refugien für seltene Pflanzen und Tiere sind. Diese besonders wertvollen Standorte stellen empfindliche Habitate und Biotope dar. Die Bemühungen derartige Ökostrukturen zu bewahren, können die Kommunen unterstützen, indem sie den Bestand so wie er wild und natürlich gewachsen ist erhalten. Somit tragt man zur Stabilisierung der Ökosysteme insgesamt bei.

Wie kann man Schmetterlingen und Insekten helfen:

Heimische Sträucher anpflanzen.
Teilbereiche in Garten und Park ihren natürlichen Lauf lassen.
Nicht alle Grünflächen auf einmal Mähen. Wildnisinseln stehen lassen.
Wichtig: Brennesselinseln stehen lassen.
Im Herbst in Garten und Park einige Reisghaufen liegen lassen. Sträucher ökologisch Beschneiden.
Auf Pestizide verzichten. Alternativen Pflanzenschutz betreiben.
Anlegen einer Schmetterlingsoase.




hukwa



Sonntag, 28. Juni 2020

Mensch und Natur eine ontologische Differenz - oder vom Mehrwert der Pflanzen


In seinem Buch Nanna oder über das Seelenleben der Pflanzen (1848) fragt der Naturphilosoph und Physiker Gustav Theodor Fechner: „Warum soll es zu den Seelen, die da laufen, schreien und fressen, nicht auch Seelen geben, die still blühen, duften, im Schlürfen des Thaues ihren Durst, im Knospentriebe ihren Drang, im Wenden gegen das Licht noch eine höhere Sehnsucht befriedigen? Ich wüßte doch nicht, was an sich das Laufen und Schreien vor dem Blühen und Duften für ein Vorrecht voraus hätte. Träger einer Seelenthätigkeit und Empfindung zu sein; nicht wiefern die zierlich gebaute und geschmückte Gestalt der reinlichen Pflanze minder würdig sein sollte, eine Seele zu hegen, als die unförmliche Gestalt eines schmutzigen Wurmes? Sieht den ein Regenwurm uns seelenvoller an, als ein Vergißmeinnicht?“
Fechner schreibt weiter: „Warum sollten wir glauben, daß eine Pflanze sich ihres Hungers und Durstes weniger bewußt ist als ein Tier? Dieses sucht Nahrung mit seinem ganzen Körper, die Pflanze nur mit einem Teil, nicht von Nase, Augen oder Ohren geführt , sondern mit anderen Sinnen“?
Fechner verkündete auch, dass einer der Hauptzwecke des menschlichen Körpers letztendlich vielleicht nur der sei, der Entfaltung des pflanzlichen Lebens zu dienen, indem der Kohlendioxid ausstößt und sich nach dem Tode als Nahrung anbietet.
Diese Ansichten sind zweifelsohne eine Umwertung der Werte: warum nahm man so ohne weiteres an, dass die Pflanze für den Menschen geschaffen worden war und nicht umgekehrt?
Als das aus sich heraus und für sich Bestehende ist Natur auch ohne den Menschen vorstellbar, der allerdings nicht ohne sie zu existieren vermag und ihr als Naturwesen zugehört, sich aber gegen die Natur stellt. Der Mensch als Teil der Natur hat sich von dieser ihn umgebenden Natur abgewendet und sein Dasein der Technik angegliedert.
Die ontologische Differenz zwischen beiden Sphären wird deutlich wenn man sich Gedanken über die „Naturvergessenheit“ der Menschen macht. Naturvergessenheit bedeutet letztendlich das Menschen glauben auf die Naturbasis ihrer eigenen Existenz verzichten zu können und eine Art von technisch-robotischen Dasein leben zu können. Indem er die Technik über die Natur stellt entfernt sich der Mensch nicht nur von seiner Naturbasis, er entfernt sich vom kosmischen Sein.
Wenn man die Frage stellt was ist mehr Wert, ein Gänseblümchen oder ein Auto, wird man zweifelsohne für verrückt erklärt, dennoch ist die Frage angebracht. Eine Pflanze ist etwas das man oberflächlich behandelt, man tritt auf sie drauf oder beseitigt sie mit Unkrautvernichter. Ein Auto wird gepflegt und man liebt es förmlich. Das Auto trägt zur Belastung unserer Umwelt bei, die Pflanze sorgt für das nötige ökologische Gleichgewicht auf unserem Planeten. Was hat also Mehr-wert?
Die Pflanzen kommen entwicklungsgeschichtlich aus dem Meer und haben in Millionen von Jahren den ganzen Planeten erobert. Sie haben sogar die Zusammensetzung der Erdatmosphäre so verändert, dass wir Menschen hier leben können. Und das alles soll weniger Wert sein als ein paar Tonnen Blech?
Abstammungsgeschichtlich stammen wir sowohl aus dem Pflanzen- als auch aus dem Tierreich, was bedeutet wir sind Pflanzen, wir sind Tiere, beide Elemente sind im Menschen tätig. Dies belegt unser Mitsein für die Natur die wir schon lange vergessen haben. Doch wir können sie nicht hinter uns lassen, die Natur aber uns.
Hukwa

Samstag, 27. Juni 2020

Alles im Fluss oder die Natur liebt die Abwesenheit des Menschen




Der vorsokratische Philosoph Heraklit sah sich als Teil einer waltenden Weltvernunft, die er in der Einkehr zu sich selbst zu finden wusste. Philosophisch ging es ihm weniger um Wissen als um innere Einsicht. Der Mensch stand bei Heraklit nicht im Vordergrund, sein Schicksal war in die Weltvernunft verstrickt der er nicht entgehen konnte. In seinen Fragmenten hinterließ uns dieser „Dunkle“ Denker, wie er auch genannt wurde, eine tiefsinnige ökologische Weltsicht. Seine Suche nach einer kosmischen Einheit und Verbundenheit der natürlichen Vielfalt der Dinge und Wesen können wir als einen ersten Ansatz zum ökologischen Denken sehen. Er glaubte an eine Welt ständigen Wandels, des „ewigen Werdens“. Für ihn war alles „Statische“ eine Täuschung und er lehrte den ständigen Wandel aller Dinge. Diesen „Wandel“ brachte er in seinem berühmtesten Fragment zum Ausdruck: „man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen“.
Das erste Fragment des Heraklit lautet:
Die Natur liebt es sich zu verbergen“.
Dieser Satz ist eine ökologische Tatsache. Was in der Natur vor sich geht kann man oft nicht erkennen, ihre tieferen Vorgänge finden im Verborgenen statt. Viele Symbiosen der Natur, wie die zwischen Pilzen und Bäumen, Insekten und Pflanzen sind für das Auge des Menschen meistens nicht erkennbar.
Fragment 5 und 6 sagt aus:
5 Das Feuer ist Mangel und Sättigung“.
6 Alles wird das Feuer, wenn es hereinbricht, richten und ergreifen“.
Wir können jedes Jahr verheerende Waldbrände beobachten, die in den großen Wäldern der Erde ausbrechen. Für uns Menschen ist dies eine Katastrophe, für die Wälder langfristig aber eine notwendige Erneuerung und Verjüngung. In den Nadelwäldern des Nordens sammeln sich große Mengen unverotteter Nadelstreu an. Schlägt ein Blitz ein, (Fragment 4: Der Steuermann des Weltalls ist der Blitz“) kann es sich entzünden und die Wälder gehen in Flammen auf. Denn zuviele Nährstoffe werden im Lauf vieler Jahre festgelegt und auch der Baumbestand ist vielleicht überaltert und macht nach dem Feuer jungem Wuchs neuen Platz.
Die Natur ist Geschehen, Zyklus- alles ist im Fluss! Nichts ist starr und unbeweglich, alles ist Prozess von Werden und Vergehen.
Heraklit war der erste Philosoph der ökologische Gedanken in die Philosophie einführte. Sein Ausgangspunkt war die exakte Naturbeobachtung, so heißt es in Fragment 16:
verbindungen gehen ein: Ganzes und Nichtganzes; Übereinstimmmendes und Verschiedenes. Akkorde und Dissonanzen; und aus Allem wird Eines und aus Einem Alles“.
Stoffkreislauf und Energiefluss bilden das Fundament der Ökosysteme. Diese Systeme, und mit ihnen die Natur selbst, sind deshalb aus sich heraus immer in Veränderung (Wandel). Die Natur kennt keine Stagnation, stets ist sie im Wandel begriffen. Der heutige Tag ist einmalig und gleicht in seinem Ablauf keinem anderen Tag; kein Jahr gleicht dem vorausgegangenen; selbst die Ozeane ändern sich ständig, jeder Organismus befindet sich in einer dauernden Dynamik, denn: „Jedes mal wenn wir in den Fluss steigen führt er neues Wasser!“
Ökologisch gesehen scheint die Natur die Abwesenheit des Menschen zu lieben, denn er ist der einzige der sich keinem Kreislauf anpassen kann. Vielleicht könnte er es wenn er dazu bereit wäre dies zu lernen. Wir Menschen müssen uns mit den dynamischen Abläufen der Natur vertraut machen uns anpassen und akzeptieren.
Die beobachtung der ökologischen Gegebenheiten der Natur darf für die Menschen nichts weltfremdes sein sondern eine lebensnotwendige Strategie für eine Erde, die, wenn es sein muss auch ohne den Menschen weiterexistieren wird.

Lit.Hinweise:
Nestle: Die Vorsokratiker- Fragmente des Heraklit.
J. Reichholf: Leben und Überleben.

hukwa

Freitag, 26. Juni 2020

Biene, Blume, Baum und Mensch

Bienen und Blumen gehören nicht nur zueinander sondern sie bilden ein gemeinsames System das dass ökologische Fundament vieler ländlicher Lebensräume ist. Unsere Wildbienen haben die größte gesamtökologische Bedeutung für die Landschaft unter allen Tiergruppen. Die Beziehung zwischen Blume und Biene ist symbiotischer Art, die Blütenpflanze braucht die Biene und umgekehrt. Ebenso benötigt der Mensch die Natur. Die Beziehung Mensch-Baumist eine Überlebensbeziehung ohne Bäume, also ohne die großen Wälder kann der Mensch auf Dauer nicht überleben. Wir täten gut daran uns dass immer wieder in Erinnerung zu rufen.
hukwa

Mittwoch, 24. Juni 2020

Wir sollten immer wieder daran denken...

Bäume sind unsere wichtigsten Sauerstoffproduzenten. Ohne ihre ausgleichende und regenerierenden Leistungen gäbe es auf Dauer kein höheres Leben auf unserem Planeten. Dies sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, denn wir sind dabei diese wichtige Lebensgrundlage zu vernichten.
hukwa

Montag, 22. Juni 2020

Kleine Wunder am Wegesrand


Foto©UteKW

Ich bin immer wieder erstaunt, welche Pflanzenvielfalt, trotz ökologischer Krise in der Umgebung von Trippstadt noch zu finden ist. Vor allem auch einige Pflanzenarten die auf der Roten-Liste-Rheinland-Pfalz stehen. Vom "Aussterben" bedroht, "gefährdet" sogar zwei Pflanzen die als "Verschollen" gelten. So war ich nicht besonders erstaunt als ich vor einigen Tagen die "Felsen-Johannisbeere" in einem steinigen Gebüsch beim Waldrand entdeckte. Es handelt sich dabei um eine Wildform unserer Garten - Johannisbeere. Die Felsen-Johannisbeere ist noch seltener als die Wilde Schwarze Johannnisbeere, die früher recht häufig in der Pfalz zu finden war.
hukwa

Samstag, 20. Juni 2020

Käferleben an der Wegböschung

Foto©UteKW


Insekten sind interessante Lebewesen. Mich interessiert vor allem ihr Sein im Gesamthaushalt der Natur. Ihre Symbiose zu Pflanzen und Bäumen. An der Wegböschung die ich seit dem Frühjahr genau beobachte habe ich eine gute Möglichkeit sie zu studieren.
Heute habe ich den Bienenwolf in einer Dolde erkannt, kurz darauf den Ameisenbuntkäfer auf einem Grashalm. Er lebt ausschließlich in Fichtenwäldern und kam wohl vom Waldsaum herüber geflogen. Seine Nahrung sind die Brut und die Larven des Borkenkäfers, somit hat er eine wichtige Funktion im Kreislauf der Natur. Auch den "7. Punkt-Marienkäfer" konnte ich hier genau anschauen. Manchmal kommt auch ein Verwandter von ihm hier vorbei der "14.Punkt-Marienkäfer", dieser ist meist gelb mit schwarzen Punkten. Weitere heimische Marienkäferarten sind der "13.Punkt-Marienkäfer" und der "21.Punkt-Marienkäfer". Ein besonders schöner Marienkäfer ist der Augenmarienkäfer der etwa 1cm groß wird und vorwiegend unter Fichtenbäumen zu finden ist. Alle Marienkäferarten sind äußerst nützliche Lebenwesen, die auch zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden.
hukwa

Freitag, 19. Juni 2020

Seltener Rittersporn in Trippstadt


Fotos©UteKW
Der Gewöhnliche Feldrittersporn, eine sehr gefärdete Pflanzenart, konnte ich heute das erste Mal in Trippstadt entdecken.
hukwa

Während des botanisierens

Heute Morgen während des botanisiernes setzte ich mich für einige Zeit unter den alten Holunderstrauch bei der Waldwiese. Dort las ich diesen wunderbaren Spruch von Loren Eiseley:
"...Mir ist längst klar, dass das Leben anders geartet ist, als es gemeinhin dargestellt wird, und das die Natur- mit den klugen Worten eines schottischen Theologen- gar nicht so natürlich ist, wie sie aussieht. 
hukwa

Donnerstag, 18. Juni 2020

Blütenvielfalt an Wegböschung

Pflanzenexkursion; 18.6.2020- Trippstadt- Pletsche Mauer:
Heute Morgen habe ich entlang der Pletschen-Mauer in Trippstadt eine weitere Pflanzenexkursion unternommen. Auf einer Länge von 45m und 80cm breite entlang der Wegböschung habe ich folgende blühende Wildpflnzen/blumen gezählt:
Taubenkropf-Leimkraut, Klatschmohn, Johanniskraut, Waldgeißblatt, Wilde Möhre, Schafgarbe, Beifuß, Hornklee, Weißstrahl, Sauerampfer, Löwenzahn, Kamille, Rainfarn, Wiesenmalve, Kuckuckslichtnelke, Weißklee, Frauenmantel, Rotklee, Habichtskraut, Dost, verwilderter Schlafmohn, Wilde Karde, Waldbingelkraut, Nickendes Leimkraut, Acker Witwenblume.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich der Kuckuckslichtnelke, sie zeigt besonders deutlich die für die Nelkengewächse typische Verzweigungen. Die Zerteilung der Blütenblätter soll die Lockwirkung auf Insekten erhöhen. Sie wird unter anderem von Bienen und Schmetterlingen angeflogen, doch vor allem von Nachtfaltern. Die Larven der Schaumzikade benötigen diese Nelke zum überleben. also eine absolut schützenswerte Pflanze die unsere Fluren zudem auch noch verschönert.
hukwa

Mittwoch, 17. Juni 2020

Eine ökologische Vorzeigewiese in Trippstadt


Foto©UteKW
Eine Besonderheit stellen in diesem Jahr einige Waldwiesen in Trippstadt dar. Es ist das erste Mal dass sie nicht zu früh gemäht wurden, dadurch konnte sich eine besondere Artenvielfalt entwickeln. Hinzu kommt noch eine enge ökologische Verzahnung mit dem angrenzenden Waldgebiet, was den Ansprüchen vieler Arten entgegen kommt. An den nahen Wegböschungen kann man einige Pflanzen entdecken, die in der Roten-Liste-Rheinland-Pfalz aufgeführt sind, hier findet sich der seltene Ackerkohl, der Schöne Pippau, Lein-Lolch, die Flockige Königskerze und das Sandsteinkraut, alles Pflanzen die als sehr gefährdet gelten.
Dies zieht natürlich wiederum eine Artenreiche Insektenwelt an die mit diesen Pflanzen in Symbiose leben und auf Dauer werden diese Insekten wieder seltenere Vogelarten anlocken.
Durch ein falsch verstandener Sauberkeitswahn und zu frühes Mähen werden also nicht nur die Pflanzen in ihrem Wachstum gehemmt sondern auch einige Tierarten werden vertrieben und so zum Aussterben verdammt. Insgesamt findet überall eine Verarmung unserer Flora und Fauna statt. Auf diesen Trippstadter Wiesen findet in diesem Jahr eine Bereicherung statt. Das ist natürlich sehr Positiv für unsere Notleidende Natur. Solche Wiesen werden immer seltener.
hukwa

Dienstag, 16. Juni 2020

Geschichte der Verlierer


Die Natur lehrt uns schon immer, dass Ordnung durch Veränderungen erhalten werden kann – nötigenfalls durch katastrophale Veränderungen.
Wenn die Natur nicht mehr zur Sprache kommt, wenn sie nur noch ausgebeutet wird, wenn nur genommen wird, geht unser unabhängiges Denken und somit die Philosophie als Spekulation über das uralte Verhältnis Mensch – Natur verloren. Die Zerstörungskräfte unserer hochtechnokratisierten Gesellschaft sind so entfesselt, dass sie auf ein Finale zulaufen.
Die Politik tut in dieser Krise was sie kann, doch sie agiert mit einer instrumentalisierten Vernunft.
Das gegenwärtige Zeitbewusstsein hat jeden Bezug zum Sein verloren. Es ist als ob die Menschen ihre Wurzeln zum Sein selbst vernichtet hätten.
Die menschliche Daseinswelt ist von einem robotischen Daseinsapparat verschlungen, das ganze Individuum ist aufgelöst und irrt wie ein unkontrollierter Roboter umher. Was Jahrtausende den Menschen begleitet hat, das Sein, ist zusammengebrochen und existiert nicht mehr. Alles versinkt in der augenblicklichen Bedürfnisbefriedigung. Der Mensch ist zur bloßen Funktion einer ihn diktierenden Apparatur geworden.
Die menschliche Lebenswelt, die einst Seinsfundament war, ist in die Sinnlosigkeit eines Daseins der Seinsvergessenheit eingetreten.
Wir nähern uns in Riesenschritten dem point of no return.
Und wenn wir einst die Entwicklung des ökologischen Gedankens in die Geschichtsbücher aufnehmen, wird es wohl eine Geschichte der Verlierer sein.
hukwa

Samstag, 13. Juni 2020

Wahre Freundschaft

Heute Morgen beobachtete ich den Gemeinen Heidewiesenbläuling, ein recht seltener etwas unscheinbarer Schmetterling bei der Eiablage auf einem kleinen Ameisenhaufen bei der "Pletschen Mauer" in Trippstadt. In diesem Jahr blüht die Wiese dort besonders schön und bringt eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren hervor. Es war das erste mal dass ich diese Bläulingsart hier beobachen konnte. Bemerkenswert an diesem Falter ist die enge Beziehung (Symbiose) zu Ameisen. Er legt die Eier in ihrem Haufen ab, hier in einem kleinen Hügel der kleinen Schwarzen Waldameise. Nach dem Schlupf werden die Raupen von den Ameisen umsorgt und geschützt. Die Schmetterlingsraupen besitzen Drüsen die eine Flüssigkeit produzieren, die den Ameisen als Nahrung dient. Als Gegenleistung erhalten die Raupen schutz vor Fressfeinden und Parasiten. Das nenne ich wahre Freundschaft.  Die Gefährdung, denen diese zarten, unberührbaren Lichtwesen ausgesetzt sind, bilden den Anlass auf die Bedrohtheit der Natur insgesamt hinzuweisen.
hukwa

Donnerstag, 11. Juni 2020

Der ökologische Schlüssel

Wir müssen den Versuch unternehmen den Menschen aus dem Objektivitäsprinzip zu befreien, dies gelingt nur durch eine Überwindung auf einer höheren, transzendentalen Ebene. Die derzeitige objektive, mechanistische Sicht nahm ihren Ausgang bereits in der griechischen Antike, als sich die Philosophie in zwei Schulen spaltete. In eine die die reale Welt nur verstandesmäßig auffasste und eine die sie "organisch" sah, also im Sinne von Thales, Anaximander und Heraklit, die den gesamten Kosmos als lebendig ansahen. In dieser Philosophie liegt der "ökologische Schlüssel" nicht in der Technologiebesessenheit der Gegenwart.
Die Natur lehrt uns gerade jetzt das sie ihre Ordnung durch Veränderungen erhalten kann- wenn nötig durch katastrophale Veränderungen!
hukwa

Montag, 8. Juni 2020

Naturrecht

In uns Menschen kommt die Natur zu Bewusstsein. Deshalb sollte es uns eine Verpflichtung sein, den Tieren und Pflanzen ihre Rechte zurückzugeben, die wir ihnen genommen haben.
hukwa

Sonntag, 7. Juni 2020

Trippstadter Wiesen und Wegränder


Fotos©UteKW


Der Artenreichtum einiger Trippstadter Wiesen und Wegböschungen ist in diesem Jahr beeindruckend. Hier findet man bist zu 30 verschiedene Pflanzenarten auf kleinstem Raum. Einige spielen eine wichtige Rolle wie der Wiesensalbei, die Wilde Karde oder der Glanzhafer. In diesen Wildpflanzen stecken genetische Informationen, die für Forschung und Medizin noch einmal von großer Bedeutung sein werden. Aber vor allem für unsere heimischen Insekten sind sie überlebenswichtig.
hukwa

Freitag, 5. Juni 2020

Stilles Waldtal

Silbernebel stehn im Tal
Sonnenleuchten auf der Höhe
majestätisch schwebt der Reiher
einsam durch das Tal
am Bachufer die Weiden blinken
neigen sich in dusterem Schweigen
in den Jahreskreis mit ein
ein letzter Schrei des Habichts durchs Blaue
eine blasse Wiese
darauf eine einsame Birke
Stille im Tal.
hukwa

Montag, 1. Juni 2020

Abendstimmung

Hier dringt kein Laut der Städte her, 
so tief im Wald  ist alles schattenleicht 
und bernsteinfarben färbt der Mond 
das Wolkenmeer 
ich bin allein 
versinke in meinem Gedankenmeer. 
hukwa
 

Sonntag, 31. Mai 2020

Botanische Seltenheit - Campanula baumgarten

Fotos©UteKW


Die nur im Odenwald und Pfälzerwald vorkommende Lanzenblättrige Glockenblume, hat mehrere Standorte im Trippstadter Wald.

hukwa

Nachmittag im Wald

Die alten Kiefern 
atmen Zeit 
Sandsteinblöcke 
erscheinen 
wie gehauene Buddhaköpfe 
zwischen mächtigen Eichen 
alt und grau 
das Lied der Amsel 
der Duft von Fichtenharz 
weht über die Wiese 
in flehenden Erwarten  
der gelbe Ginster 
am Wegrand blüht. 
hukwa

Samstag, 23. Mai 2020

Seinsvergessenheit und Nihilismus

Foto©UteKW

Am Ende wird es offenbar,
was Wachslicht und was Talglicht war“.
A. Schopenhauer

Lasciate ogni speranza voi chèntrate“. Dante

Im Einklang mit dem Zeitgeist der Konsumgesellschaft zu stehen, bedeutet, den obigen Satz von Dante zu bejahen, der lautet: „Die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren“.
Die Konsumsucht die in unserer Gesellschaft vorherrscht sprengt lange schon alle moralische und ethische Grenzen. Sie bedroht und vernichtet jeden aufkeimenden Seinsgedanken schon im Anfangsstadium. Die Religionswissenschaftlerin Joanna Macy schrieb vor einigen Jahren: „Viele Menschen erleben die Welt als ein Schlachtfeld auf dem Gut und Böse gegeneinander angetreten sind und die Kräfte des Lichts mit den Kräften der Finsternis ringen“.
Es scheint als ob das Sein der Menschen in einem schwarzen Loch verschwindet, verschluckt von den Gespenstern des Nihilismus. Denn wo das Sein vergessen wird beginnt die Herrschaft des Unmenschen.
Das Sein ist symbiotisch – es verbindet die Einzelnen mit dem kosmischen Band, mit der Weltfamilie, mit allen natürlichen Erscheinungen des Planeten und des Kosmos.
Der Materialismus ging aus der Entwicklung des Rationalismus hervor und führte schließlich zur Wissenschaftsgläubigkeit des 19.Jahrhunderts. Damals ist es soweit gekommen das dass philosophische Denken einen Rückfall erlitt der in den „finsteren Cartessianismus“ führte. Ihm folgte der Triumph des Positivismus unter dem die Natur und der freie Geist noch noch heute leiden.
Der einzige zeitgenössische Hegelbiograph und Schüler von Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Karl Rosenkranz, schrieb in seinem Vorwort zu „Hegels Leben“, 1844: „Scheint es nicht, als seien wir Heutigen nur die Totengräber und Denkmalsetzer für die Philosophen, welche die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts gebar, um in der ersten des jetzigen zu sterben? Kant fing 1804 dies Sterben der deutschen Philosopühen an. Ihm folgten Fichte, Jacobi,Solger, Reinhold, Krause, Schleiermacher, W.v.Humboldt, Fr. Schlegel, Hebart, Baader, Wagner, Windischmann, Fries und so viele andere... Sehen wir Nachwuchs für jene Ernte des Todes? Sind wir fähig, in die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts ebenfalls eine heilige Denkerschar hinüberzusenden? Leben unter unseren Jünglingen die , welchen platonischer Enthusiasmus und aristotelische Arbeitsseligkeit das Gemüt zu unsterblicher Anstrengung für die Spekulation begeistert...?
Die Philosophen die nun antraten Marx, Feuerbach, Strauß u.a. versuchten nun jeder auf seine materialistisch-denkerische Art dem dahinsiechenden Idealismus den letzten Todesstoß zu versetzen. Wir brauchen ihnen nur jene Namen gegenüberzustellen die zu Beginn des 19. Jahrhunderts leuchteten Goethe, Schiller, Fichte, Schelling, Hegel um den Weg der in den Materialismus führte nachzuvolllziehen, um zu erfassen was Wachslicht und was Talglicht ist.



Literaturhinweise:

A. Schopenhauer: Gesammelte Werke.

Dante: Göttliche Komödie.

Joanna Macy: Die Welt als Geliebte.

Karl Rosenkranz: Hegels Leben.

hukwa

Donnerstag, 21. Mai 2020

Triumphierende Orks

Es sind die Schmutzwässer der Zivilisation, des Konsums und des turbokapitalistischen Bewusstseins die Sinn und Geist verunreinigen. Es fehlt der Respekt vor dem Daseienden, dem naturmäßigen Gewordenem. Die Menschen sind gefesselt an ihr eigenes Unvermögen, aus dem letzten Stück Natur werden Industrielandschaften gemacht. Kurzum: die Orks triumphieren! Es sollte Aufgabe jeden Einzelnen sein, durch Denken den Geist in alller Kreatur zu finden, wir erfahren die Natur dadurch dass wir sie durch-denken.
hukwa

Dienstag, 19. Mai 2020

Naturkreislauf

Die Natur erkennt sich in un zu sich selbst, sie kommt in uns zu sich Selbst. Unser Dasein ist nur im Naturzusammenhang denkbar, nur mit ihr zusammen ist der Mensch ganzheitlich.
Im Sinne Goethes:
Natur! 
Wir sind von ihr umgeben und umschlungen - 
unvermögend aus ihr herauszutreten, und  
unvermögend tiefer in sie hineinzukommen... 
Ungebeten und ungewarnt nimmt uns die Natur in ihren Kreislauf auf. Dies sollte man immer vor Augen haben.
hukwa

Sonntag, 17. Mai 2020

Abseits der großen Städte

Hier lebe ich 
ABSEITS
der großen Städte
die Forelle lehrete mich
das SCHWEIGEN
in diesem Waldtal
lehrte mich
gegen die STRÖMUNG
zu laufen
ich fand die Spuren im Wald
doch ich SCHWEIGE
über die Zeichen
es ist leichter für die Masse
sich DENKEN zu lassen
als SELBERZUDENKEN 
mit ein Grund meines Schweigens
zieht weiter
mit der Karawane des Konsums 
weg von hier
wir brauchen euch hier nicht
mit ihren Siegen und Niederlagen
lebe ich meine eigene Geschichte
eure ist mir zu Ohnmächtig
ich bleibe hier
ziehe nicht mit
höre was die Steine sagen
und frage mich:
wohin der Reiher fliegt.
hukwa

Donnerstag, 14. Mai 2020

Mensch-Natur-Verhältnis

"Man kann sich schwerlich Vorstellen,
dass die Zahlen und Gleichungen,
mit denen wir an unserem Schreibtisch spielen,
etwas mit der wirklichen Welt zu tun haben".
    Steven Weinsberg, Nobelpreisträger der Physik  

Wir müssen das Gesamte Mensch-Natur-Verhältnis neu transformieren, es auf einem neuen Fundament wieder aufstellen. Etwas hat sich verändert und will wahrgenommen werden. Das "Haus des Seins" hat Risse bekommen und steht kurz vor dem Zusammenbruch. Es ist an der Zeit dass der Mensch damit beginnt sich mit der ganzen Ökosphäre zu identifizieren.
hukwa

Mittwoch, 13. Mai 2020

Vor einer Akelei stehend

Heute Morgen stand ich einige Zeit vor der wunderschönen Akelei im Schattengarten. Seit vielen Jahren wächst sie hier im Verbund mit Schöllkraut und Farn. Nur die langrüsseligen Hummeln kommen an ihren Nektar, den Bienen ist der Zugang zu ihren Blüten verboten, es sei denn sie brechen sie auf. Die Akelei ist eine uralte Heilpflanze. Etwas Märchenhaftes strahlt von ihr aus, ein Glanz der mich irgendwie in die Vergangenheit führt. Mir scheint immer dass sie in ihrer Blütenhaften Offenbarung ein geheimnis verbirgt.
Seltsamerweise bedeutet das lateinische Wort für "Offenbarung", revelatio, nichts anderes als Wieder-Verschleierung.
hukwa

Montag, 11. Mai 2020

Gartenwunder

Mein erster Weg am frühen Morgen führt in den Garten. Das geballte Grün nehme ich mit allen Sinnen auf. Jetzt blühen Akelei und Schöllkraut. Die Krähe Kra sitzt im Ahorn und wartet auf ihr Frühstück. Unter einem vermoosten Stein haust seit Jahren eine Unke, ich besuche sie fast täglich. Meisen und Grasmücken, Sperling und Zaunkönig zwitschern fröhlich. Der kleinste Garten ist ein Wunder, ein einziger Kosmos wenn man sich Mühe gibt ihn zu entdecken.
hukwa

Samstag, 9. Mai 2020

In Wahrheit sind wir alle nur Schatten


Foto©UteKW

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
und zuletzt des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.
Goethe

In der Regel schreibe ich immer im gleichen Raum, in meinem Arbeitszimmer. Mir scheint, dass dieser Raum sich in vielen Jahren mit meinen Gedanken angefüllt hat. Als ich gestern Abend in den Tagebüchern von Nathaniel Hawthorne gelesen habe wunderte ich mich nicht über einen Abschnitt den er im Jahre 1840 geschrieben hat: „Hier bin ich in meinem gewohnten Zimmer, wo ich immer zu sein scheine. Hier habe ich viele Geschichten abgeschlossen, viele,die ich später verbrannt habe, viele, dieses Flammenschicksal zweifellos verdienten. Es ist ein verhexter Raum, weil Tausende und Abertausende von Visionen ihn bevölkert haben, von denen einige nun der Welt sichtbar geworden sind...Heute fange ich an zu begreifen, warum ich so lange Jahre ein Gefangener dieses einsamen Zimmers gewesen bin und warum ich seine unsichtbaren Gitter nicht zerbrechen konnte. Wenn mir der Ausbruch früher geglückt wäre, so wäre ich heute hart und spröd, und mein Herz wäre bedeckt mit Erdenstaub...In Wahrheit sind wir alle Schatten“.
Ich kenne solche Gedanken und habe sie oft selbst. Mein Interesse an diesen Aufzeichnungen gilt vor allem dem letzten Satz: „In Wahrheit sind wir alle nur Schatten“.
Vielleicht sind wir alle nur der Schatten von etwas größerem, das hinter uns steht und das erkannt werden will. Etwas das sich dieses Schattens bemächtigen will und somit unser wahres Wesen- unser Menschsein gebären will.
Eine Art von Entelechie, die nach Aristoteles zugleich ein Formprinzip und ein Entwicklungsprinzip ist. Zweck jeden Wesens ist die Selbstverwirklichung seiner Form anders würden wir hart und spröde bleiben, in den Worten Goethes ausgesprochen: „geprägte Form, die lebend sich enwickelt“. Es ist das werde der du bist im großen Spiel des Stirb und werde – der Weg vom Schatten zum Menschsein.
Wir müssen ins Unendliche denken, wollen wir das Endliche erkennen oder in den Worten Goethes:
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
J.W. Goethe


hukwa 

Donnerstag, 7. Mai 2020

Denken in den Wäldern

Die Menschen sind so profan geworden dass sie überhaupt nicht wissen dass alles Lebendige ein Wunder ist. Heute Morgen saß ich an einer freudig sprudelnden Quelle im Wald, lauschte dem Konzert der Singvögel und bewunderte die Pracht der Wildblumen. Meine Gedanken weilten bei den Bäumen, Felsen, Tieren und Pflanzen die um mich herum waren. Reine Gedanken! Befreit von den Konsum- und Schmutzwässern der Gesellschaft. In den Wäldern soll der Mensch metaphysisch denken.
hukwa

Mittwoch, 6. Mai 2020

Pantha rei oder das Symbolon

Am frühen Morgen saß ich im Auwald und las in Vladimirs Soloukhins Buch "die Pflanzen". Darinnen diesen Abschnitt gefunden: "Wir zertrampeln die Kräuter zu Staub, wir entblößen die Erde durch Bulldozer und Traktoren, wir bedecken sie mit Beton und glühendem Asphalt. um uns von den Abfällen zu befreien, den unsere Höllenmaschinen übrig lassen übergießen wir sie mit Öl, Asphalt, Säuren, Alkalis und anderen Giften. Verfügen wir über so viele Pflanzen? Ich kann mir vorstellen das der Mensch gezwungen ist irgendwann in einer Wüste zu leben, weil er allles Lebnswerte vernichtet".
Die alte griechiche Weisheit pantha rei, alles fließt - zog durch meine Gedanken nach dem Lesen. Ich betrachtete die wunderschöne Blütenpracht und der Logos Gedanke des heraklit kam mir in den Sinn, demzufolge der Logos sich als ein und derselbe sowohl in unserer Seele als auch in der Welt befinde und es deshalb dem Menschen möglich sei, mit seinem Verstand zu deuten, was die Sinne ihm andeuten. In solchen Momenten werden die philosophischen Symbole (symbolon) zur äußeren und inneren Wirklichkeit.
hukwa

Dienstag, 5. Mai 2020

Morgenstimmung im Auwald in Trippstadt

Foto©Hans Wagner
hukwa

Früh am Morgen

Am frühen Morgen noch vor Sonnenaufgang in den Wald gegangen. Eine Stunde lang dem Vogelkonzert gelauscht.
Auferwacht aus den Wirren 
einer Traum durchtränkten Nacht  
will der Morgen uns versöhnen 
mit dem Schattenland der Nacht. 

In der frühen Morgenstunde 
scheinst du uns in roter Pracht 
und in dem verklärten Scheine 
eine andere Welt erwacht. 
hukwa
 

Montag, 4. Mai 2020

Schmetterlingstraum

Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wusste von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig er selbst. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei obwohl doch zwischen Dschuag Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.
Auszug: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

Sonntag, 3. Mai 2020

Maiblüte beim Haselbrunnen

Früh am Morgen war ich in dem kleinen Auwäldchen beim Haselechterbrunnen. Die Sumpfdotterblummen stehen in voller Blüte, ein gelbes sonniges Meeer mitten im Wald, wunderschön. Ich achtete mal genau daruf was hier so alles wächst und blüht und wurde überrascht. So fand ich. Scharbockskraut, Aronstab, Maiglöckchen, Wiesenschlüsselblume, Rasenschmiele, Gelber Eisenhut, Gemeine Waldrebe und Bärlauch auf engstem Raum.
hukwa

Samstag, 2. Mai 2020

Geist und Natur


Foto©UteKW



Wie dieses Wesen beschaffen ist,
werden wir an geeigneter Stelle darlegen,
-insbesondere, dass es in der Kenntnis
jener Vereinigung besteht,
die der Geist mit der
Gesamtheit der Natur eingeht.
Benedict Spinoza – Die Ethik


„Zwischen uns und die Natur“, sagte Bergson, „legt sich ein dichter Schleier gewebt aus den Notwendigkeiten unseres praktischen Lebens“.
Wenn wir Natur in ihrem metaphysischen Grunde schauen, offenbart sie sich uns als eine höhere Wirklichkeit. In unserer oberflächlichen Erkenntnis der Naturerscheinungen, erkennen wir nicht die Wirklichkeit der Natur sondern nur einen deformierten Begriff von ihr. Wir erkennen nicht mehr die „schaffende Kraft“ die in ihr wirkt (Schelling). Auch nicht die Intelligenz die als Natur wirkt (Kant). Das Begreifen des Ganzen, der Natur in ihren Zusammenhängen, die für den Menschen Bedingung seiner Existenz sind, ist für Schelling nur im Wesensbegriff des Naturganzen denkbar.
In diesem „Naturschauen“ enthüllt sich dem der sich mit der Natur auf metaphysischer Basis auseinandersetzt, die wahre Realität und vermittelt eine Intensivierung des Lebensgefühls.
Metaphysik ist die erkenntnistheorethische Betrachtung der inneren Natur, das Gegenteil zur heutigen sinnfälligen und grobstofflichen „Außenseite“, die es ja in der Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Metaphysisches Denken ist das Erfassen des Wesenskern der Dinge, das - über das mechanische hinaus-gehende. Unter der Herrschaft dieses ausschließlich mechanischen Denkens verliert man den Blick dafür, dass sich unser Dasein in jedem Augenblick aus unserem Geist heraus und somit aus den Tiefen der Natur heraus erneuert. Schließlich ist der Geist mehr als die Summe unseres Denkens, er ist die Idee, das Eidos, das objektive Weltprinzip wie es Plato nannte. Dies hat besonders Hegel betont in dem er versuchte Geist und Natur zu verbinden. Am Schluss des ersten Bandes seiner „Enzyklopädie“ von 1830 über die „Wissenschaft der Logik“ schreibt er über diese Verbindung das ihm bewusst ist, dass Wirklichkeit sich im Denken konstituiert, so das wir entweder in gedankenloser Unmittelbarkeit eins mit der Natur sein können oder dass wir dazu verurteilt sind, wollen wir uns der Natur gedanklich annähern, uns über sie Gedanken zu machen.
Die Einheit mit der Natur ist also für den denkenden Menschen nichts anderes als uns in der Idee, dem Eidos wiederzufinden. Zu recht betonte Hegel immer wieder dass dem Menschen die Natur als Ganzes zu sehen nicht möglich ist. Dass Große Ganze ist nicht ganz schaubar doch es lässt sich er-ahnen. So kritisiert er auch die Unzulänglichkeit der physikalischen Erkenntnis und stellt ihr die Erfahrung der Natur entgegen, die von der kosmischen Einheit und Ganzheit ahnt. So begreift er die Natur als einen Spiegel des Geistes, der sich in der Natur selbst wiederfindet und in ihr einen Teil seiner selbst entdeckt. Hier besteht die Verwandtschaft zur platonischen Ontologie. Nach Hegel also erkennt der Geist in der Natur seine Freiheit und auf dem gleichen Weg gelangt die Natur ebenfalls zu ihrer Befreiung.
Dem großen Teil der Menschen ist es versagt geistig in die Natur einzudringen. Nachdem der menschliche Geist in der Evolution entstanden war, muss vom Menschen eine neue Evolution ausgegangen sein. In dieser begann er damit die Herrschaft über die Natur auszuüben und wie er den Planeten mit seinem Giftschleim überzogen hat wird uns heute Alptraumhaft bewusst. Der Gnadenstoß den man gegen die Natur führt wurde schließlich von den Positivisten durchgeführt. Diese angebliche „Erkenntnistheorie“, Positivismus genannt, besteht im wesentlichen in der Aussage, dass man in der Wissenschaft und der Philosophie sich nur auf Tatsachen stützen dürfte. Allgemeine metaphysische Begriffe und die Frage nach dem Sein lehnt der Positivismus strikt ab.
Bernhard Bavink, ein Gegener des Positivismus hat einmal gesagt: „Aller Positivismus sollte richtiger Negativismus heißen, denn er lebt ausschließlich von der Negation“ (1).
Der Positivismus will uns also das „Hohelied des Intellekts“ lehren, aber kein Mensch kann ein Leben führen das auf den reinen Intellekt reduziert ist:
Der reine Intellekt, von der Wesenheit des Menschen getrennt, bedeutet dessen Tod. Der Intellekt, der sich überschätzt indem er an sich selbst zu große Anforderungen stellt, der sich in anmaßendes Sich-Selbst-Genug-Sein flüchtet, veredelt den Menschen nicht; vielmehr demütigt und entpersönlicht er ihn“.
Durch diesen seelenlosen Intellekt den der Mensch als reines Denkvermögen gebraucht und nicht als ganzheitliches Organon, hat er die Naturvorgänge auf der Erde zum großen Teil zerstört.
Der Intellekt der ja nur ein Werkzeug des Geistes ist, hat sich von seiner Quelle abgeschnitten und lebt seither ein robotisches Dasein.
Selbst Bertrand Russel der Begründer des „logischen Atomismus“, hat dieses Gefühl so stark empfunden, dass er schrieb: „...ich muss, bevor ich sterbe, irgendeinen Weg finden, das Wesentliche zu sagen, das in mir steckt und das ich bislang noch niemals gesagt habe- etwas, dass weder Liebe noch Hass noch Mitleid noch Verachtung ist, sondern der Atem des Lebens selbst, wild und von weither kommend, der in das menschliche Leben die Unermesslichkeit und die schrecklich leidenschaftslose Gewalt des Nichtmenschlichen bringt“ (3).
Wohl jeder der sich etwas intensiver mit der Geschichte der Philosophie beschäftigt hat kennt das berühmte Fresko von Raffael: Die Schule von Athen. In diesem Gemälde zeigt Platon mit dem Finger zum Himmel, Aristoteles deutet in die Welt. Der Gegensatz tritt deutlich hervor. Platon, hat die Welt von „dem Einem“, vom Geist her zu denken versucht. Aristoteles geht den Weg andersherum: er hält sich an die empirische Realität, an die Sinneswahrnehmung, um von dort zur Idee aufzusteigen. Beide gehen zwar verschiedene Wege doch das Ziel ist dass gleiche: Die Einheit des Ganzen durch den einen Geist.
Friedrich Cramer schrieb einmal: „Wie und Warum ist Denken entstanden? Warum hat der Kosmos eine Gestalt und eine Physik, die auf uns Menschen passt? Wir werden solche Fragen nicht mit Hilfe der Physik beantworten können, aber die Physik hat uns geholfen, sie klar zu formulieren“(4).
Letzendlich kann diese Fragen nur die Philosophie beantworten.

hukwa





Literaturhinweise:

1.Bernhard Bavink: Ergebnisse und Probleme der Naturwissenschaft. Zürich1949. S.88f.
  1. G.Tucci: Geheimnis des Mandala.
  2. Brief an Constance Malleson,1918, zitiert in: My Philosophical Development. S.218.
  3. Friedrich Cramer: Anthropisches und entropisches Prinzip...in „Am Fluss des Heraklit“.

Dienstag, 28. April 2020

Theophanie

Jeder Baum, jede Pflanze, jedes Tier sind eine Theophanie des grünen Gottes. Nur der Mensch scheint eine Geburt des Dämonischen zu sein schließlich empfindet er eine große Freude an der Zerstörung der Natur.
hukwa

Montag, 27. April 2020

Der Kreis schließt sich

Heute Mittag saß ich zur gewohnten Philosophen Stunde unter dem alten Holunderbaum am Dorfrand. Während ich die blühende Wiese betrachtete und die geballte Kraft des frühlingshaften Grün bewunderte gingen mir folgende Gedanken durch den Sinn die ich vor Ort niederschrieb:
Wahrscheinlich ist Zukunft nicht mehr länger das Leben unserer Nachkommen sondern ein ablaufender Prozess der einem fast schon genetisch vorprogrammiert erscheint oder eine Art Fügung der Natur die uns darauf hinweist- bis hierher und keinen Schritt weiter. Um 500 v.Chr. schrieb der vorsokratische Philosoph Heraklit: "Gemeinsam ist Anfang und Ende beim Kreisumfang". Für ihn war Leben ein Zyklus des Werdens, vielleicht schließt sich ja nun bald der Kreis weil die alte Erde sich damit abgefunden hat ohne die Menschen weiter zu existieren. Schließlich hat die Natur schon immer eine Gleichgewichts-Lösung für ihre Probleme gefunden.
hukwa

Freitag, 24. April 2020

Die tiefliegenden Dinge

Ich saß heute Morgen beim alten Apfelbaum an der "Plätschenmauer", diese Mauer ist uralt. ich bin das Jahr über öfters hier und beobachte die Erscheinungen der Natur. Von hier aus kann man wunderbar den Flug des Baumfalken betrachten. Oft steht er über den Feldern um einen Augenblick später in die Tiefe zu stoßen. Ich lausche dem Gesumm der Insekten und bewundere die Pflanzenwelt um mich herum. Da kommt mir ein Satz Platons in den Sinn:  "Die tieferliegenden und ursprünglichen Dinge kennt Gott allein", sagt Platon im Timaios: "Von den Menschen nur der, den er lieb hat". 
hukwa

Donnerstag, 23. April 2020

Auferstehung

Ich sitze am Ufer des kleinen Wildbachs, versunken in philosophischer Schau. Über mir ein wolkenloser blauer Himmel. Aus dem Dickicht dringt das Gezwitscher eines Zaunkönigs und direkt vor mir haben die ersten Sumpfdotterblumen zu blühen begonnen. Die Natur lehrt uns eine Wiederauferstehung. Täglich kann man das nun beobachten und der Mensch ist Teil dieser Auferstehung.
hukwa

Mittwoch, 22. April 2020

Flackerndes Erwarten

Am Mittag saß ich einige Zeit an der alten Mauer am Dorfrand, bei strahlendem Sonnenschein dachte ich an den Satz des Parmenides: Warum ist eigentlich Sein und nicht Nichtsein? Neben der Mauer fängt eine große Wiese an voller gelber Löwenzahnblüten und mitten auf der Wiese blüht nun auch der Ginster. Ich holte den Stift hervor und schrieb ein Gedicht:
Gelb leuchtet auf der Wiese 
der Löwenzahn 
Wind weht seinen Blütenduft heran 
ein Seelenhauch 
mir aus der Kindheit herweht   
ein Junge der über eine Wiese geht  
am blauen Himmel der Turmfalke steht 
ein leichter Windzug 
die alte Feldulme bebt 
in flackernden Erwarten 
der Ginster auf der Wiese steht. 
hukwa

Sonntag, 19. April 2020

Naturdialoge

Ich bewundere die starken Keimlinge des Knöterichs im Garten und schaue in den blauen Himmel und erwarte bald die ersten Schwalben. Der Holunder strotzt in seinem frühen Grün. Täglich blüht und grünt nun eine neue Kreatur der Natur auf. Ich lebe ganz in diesem kreatürlichen Wachstum der wahren Geschöpfe um mich herum. Eine Wollbiene lässt sich auf meinem Tagebuch nieder und ich denke: in diesen Tiefen der Natur finden die wahren Dialoge statt.

Freitag, 17. April 2020

Frühlings Flötenspiel

Abends wenn die Dämmerung naht
wenn ich auf der Waldbank sitze
und dem Nachtfalter Flügelschlag lausche
silbern die Nebelschleier in die Büsche einsinken
höre ich manchmal aus der Ferne
irgendwer der eine Flöte spielt
liebliche Traumversunkene Töne
künden mir die nahende Nacht
dieses Trauerweitenlied
ist es das in der Nacht
in meiner Seele weiterglüht.
hukwa

Donnerstag, 16. April 2020

Frühling beim alten Birnbaum

Foto©UteKW

hukwa

Nacht im Wald

Es ist die Wanderung der Wolken
die ich verfolge
in erdgewordenerzeit
vom Mond durchtränkt
in der Nacht
Schilf und Weiher
schwere Nebel
über dunkelndem Gewässer
geboren aus der Einsamkeit
entschwundener Tage
einsame Nacht im Wald.
hukwa