Freitag, 19. April 2019

Der Urschmied Tibets

Garbanagpo ist einer der göttlichen Urschmiede Tibets. Seine Wurzeln hat er in der uralten Bon-Religion Tibets. Er ist also die Inkarnation eines noch älteren Urschmiedes. Die Darstellung des Garbanagpo in der tibetanischen Ikonographie zeigt ihn auf einer Ziege reitend, in seiner rechten hält er einen Hammer in der linken einen Blasebalg. Nach der tibetischen Mythologie werden Dämonen vertrieben durch die Funken die vom Amboß des göttlichen Schmieds herabfallen. Wahrscheinlich ist Garbanagpo auch Feuer- und Erdgott, ähnlich wie Hephaistos in der griechichen Mythologie oder Vulcanus in der römischen. Zum perfekten Schmied gehörte die Beherrschung des Feuers. Der Erdfeuergott Hephaistos weist in seiner Tätigkeit als Schmied auf das gebändigte Feuer hin. Feuer bedeutet in der Mythologie oft zeugende Kraft. So in Tibet als auch in Griechenland.
hukwa

Mittwoch, 17. April 2019

Vom Urschmied

Seit Wochen arbeite ich an meinem Manuskript "Mythos Schmied", dass diesen Sommer noch in Druck gehen soll. Es gibt ein Geheimnis um den Schmiedeberuf, das jenseits des Handwerks liegt, darum geht es mir in dieser recht umfangreichen Abhandlung. Es handelt sich um eine spirituelle Initation, eine Einweihung in einen uralten Mythos. Dieser Mythische Hintergrund beim Schmied steht auf drei Fundamenten: Metallurgie, Alchemie und Schamanismus. Wenn ich vom mythischen Schmied berichte spreche ich von lang schon vergangenen Zeiten, von dieser Zeit weiß man nur noch sehr wenig. Dennoch: Wenn man den Mythos durchforscht, erwacht eine schattenhafte Wirklichkeit. Durch das Studium des Mythos, gewinnt die Vergangenheit so etwas wie neues Leben. Den als Gestaltlose Macht lebt der Mythos in uns weiter. Schon im Zeitalter der Bronze bildete der Stand der Schmiede eine geheimnisvolle Kaste. Mit den Mächten der Unterwelt in Verbindung stehend galt der Schmied als Herr über das Gestein. Bis ins frühe Mittelalter erscheint er nun in Märchen und Mythen als Zauberkundiger, als Alchemist, als Geomant.
hukwa

Sonntag, 14. April 2019

Die Esche als Weltenbaum

 
Esche im Trippstadter Schlosspark - Foto©UteKW


Ich weiß, das ich hing,
am windigen Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selbst mir selbst,
an jenem Baum,
da jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.

Sie spendeten mir
nicht Speise noch Trank;
nieder neigt ich mich,
nahm auf die Runen,
nahm sie rufend auf;
nieder dann neigt ich mich.

Zu wachsen begann ich
und wohl zu gedeihn,
weise ward ich da;
Wort mich von Wort
zu Wort führte,
Werk mich von Werk
zu Werk führte.
 
Aus der Edda





Die Esche kann bis zu 40 m hoch werden. Sie ist vor allem an den schwarzen , zwiebelspitzigen Knospen, ihren gefiederten Blättern und der silbrigen bis asch –
grauen Rinde zu erkennen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa
bis nach Vorderasien. Wenn viele unserer einheimischen Bäumen, schon ihr neues
Blattkleid tragen, trägt die Esche oft noch kein einziges Blatt. Dies ist auf ihre Frost-
empfindlichkeit zurückzuführen. Sie wartet ab bis auch tatsächlich kein Frost mehr
zu erwarten ist. Wohl deshalb schrieb die Baum – und Kräuterkundige Hildegard v.
Bingen mit Recht : „ Sie ist ein Sinnbild der besonnenen Einsicht „. Wenn sie dann im April oder Mai ihre schwarzen Knospen sprengt , hängen kleine, violette Blüten-
büschel heraus, die ihre Bestäubung dem Wind anvertrauen. Bei der Esche gibt es
männliche,weibliche und gemischt –geschlechtliche Bäume.
Das Holz der Esche ist hart, zäh und besonders elastisch.Schon in der Antike verwandte man es zur Herstellung von Handwaffen wie Armbrüste, Speere, Lanzen und Bögen. Der bekannteste Eschenholzspeer ist der des Kentauren Chiron.
Diese Sagengestalt halb Mensch, halb Pferd bewohnte den sagenumwobenen Berg
Pelion in Thessalien. Auf diesem heiligen Berg wuchsen die berühmten Eschen und
Eichen, eine davon fällte Chiron und fertigte daraus jenen Speer, mit dem Achilles
Hektor besiegte. Natürlich ist die Esche auch im Keltischen Baumalalphabet ver –
treten. „ Nion „ hießen Baum und Laut. Sie war eines der Symbole für Nacht und Wasser. Was uns nicht zu wundern braucht, denn die Esche liebt feuchte Standorte.
Die Eschen gaben den Kelten Schutz vor der zerstörerischen Kraft der Wasser –
dämonen. Die Druiden benutzten Eschenholz als Regenzauber. In der germanischen Mytologie ist die Esche der wichtigste Baum – hier steigt sie zum Weltenbaum empor. Ygdrasil-so wird die Esche in der germanischen Mytologie genannt – ist der schönste aller Bäume und heiligste der Germanen.Seine Zweige erstrecken sich über alle Welten hinaus und erreichen den Himmel. Er hat drei Wurzeln die ihn aufrecht erhalten; sie sind außergewöhnlich groß. Eine taucht in den Äsir, die Unterwelt der Asen, der Götter hinunter, die zweite zu den Frostriesen
den Vorgängern, der Menschen, die dritte greift nach Niflheim, dem Reich der Toten. Bei dieser letzteren Wurzel entspringt der Brunnen Hvergelmir, die Quelle aller rauschenden Flüsse die, die Erde bewässern und sie für den Menschen be –
wohnbar macht. Neben der zweiten Wurzel sprudelt die Quelle von Mimir. Dem der
dort die Lippen netzt, schenkt sie Wissen und Weisheit, aber ihr Besitzer, dessen Name „ Meditation „ bedeutet, hat es verboten, sich ihr zu nähern; er selbst ist voll tiefsten Wissens, dass er täglich aus diesem Wasser schöpft. Unter der ersten Wurzel, die der Überlieferung zufolge entweder die unterirdische Behausung der Götter oder ihren himmlischen Wohnort erreicht – die übrigens durch Bifrost, den
Regenbogen verbunden werden-gibt es eine dritte Quelle, die heiligste von allen:
den Brunnen über den Urd die älteste der Nornen wacht. Als Hüterinnen der Ge –
setze und alten Bräuche sind nur die Nornen in der Lage, die Geschicke der Menschen und sogar der Götter selbst zu lenken, die nicht ewig sind und dem Los, das alle trifft, nicht entrinnen können. Ursprünglich war Urd, die älteste unter ihnen, deren Name Schicksal bedeutet, wahrscheinlich allein. Möglicherweise waren die Legenden von den drei spinnenden Nornen, als sie uns erreichten, schon
von den Moiren ( dem Personifizierten Schicksal ) und den Parzen der griechischen
und der römischen Mytologie beeinflusst. Wie diese stellten auch jene die drei Mondphasen-zunehmend-voll-abnehmend dar, deren Rhythmus das Leben der Natur bestimmt und die auch den drei menschlichen Lebensaltern, Jugend, Reife, Alter entsprechen. Jeden Tag schöpfen die Nornen aus dem Brunnen Wasser und schlamm und begießen damit die Esche, damit ihre Zweige weder vertrocknen noch
verfaulen. Was immer in die Quelle fällt, wird so weiß wie das Häutchen im Innern der Eierschale, das heißt, es kehrt zu seiner früheren Reinheit zurück, zu seinem Vorgeburtlichem Ursprung.Dieses Makellose Weiß kleidet auch das paar Schwäne, die die Quelle bewohnen und von denen die Vögel dieses namens abstammen. Urds
Quelle ist also ein Jungbrunnen. Bei ihr versammeln sich die Götter, um Rat zu halten, Streitigkeiten zu schlichten und Recht zu sprechen.Dieser Schicksals –
brunnen verkörpert die Welt der Möglichkeiten, der Samen, der Keime, eine nächt-
liche Welt aus Wasser und Erde , aus der alle Lebewesen hervorgegangen sind.
wenn es Ygdrasil dank seiner Wurzeln den drei übereinandergeschichteten Reichen
dem der Götter, dem der prähistorischen Riesen und dem der Vorfahren des Menschen gestattet, an der Erdoberfläche zu erscheinen, so erstreckt sich der Stamm der Esche, durch das Zwischen Himmel und Erde gelegene mittlere Gebiet
das Midgart, wo die Menschen leben und ihr Wipfel erhebt sich bis zu Asgard, dem
Domizil der Götter. Trotz seiner Mächtigkeit ist der Kosmische Baum stets bedroht.
Die riesige Schlange Schlange Nioggrh nagt heimlich an der dritten Wurzel, wird aber selbst Tag für Tag vom Adler angegriffen, der in seinen höchsten Zweigen wohnt. Vier Hirsche kommen und gehen im Gezweige und fressen die jungen Triebe
kaum das sie erschienen sind. Ygdrasils Laub beherbergt noch weitere Tiere, die aber nützlich sind, so die Ziege Heidrun, die mit ihrer Milch Odins Krieger ernährt
oder das Eichhörnchen Ratatosk, das am Stamm hinauf und hinunterläuft und die
wechselseitigen Auseinandersätzungen zwischen Schlange und Adler vermittelt. Letzterer weiß viele Dinge und beobachtet von seinem hohen Standpunkt aus den
Horizont, um die Götter zu warnen, wenn ihre Uralten Widersacher, die Riesen, sich zum Angriff anschicken.In manchen Versionen sitzt ein goldener Hahn im Baumwipfel: er hat die selbe Aufgabe. Man könnte nicht, bilderreicher Ausdrücken
, das die Welt der Spielball in einem unablässigen Kampf zwischen den Mächten des Lebens und deren Zerstörung ist.
Nun ist der Kosmische Baum Heute aktueller denn je, denn gerade Heute, da die Katastrophale Ausmaße des Waldsterbens nicht mehr zu übersehen sind, ist es für
die Menschheit wichtig, wieder einen Bezug zu dem Wesen Baum aufzubauen. Und
die Esche ist in diesem Sinne ein wirklicher Lebensbaum. 
 
hukwa

Kosmischer Reigen

Jetzt ist die Zeit da man in der wiedererwachten Natur viel beobachten kann. Jetzt stimmt die Altmutter ihr großes Schöpfungslied an. Die Art die Natur zu beobachten sollte die teilnehmende Beobachtung sein. Man muss regelrecht mit den Geschöpfen der Natur verschmilzen um ihr Dasein miterleben zu können. Die Natur spricht jetzt sehr intensiv in ihrer eigenen Sprache. Jetzt ist die Zeit den Anschluss an den kosmischen Reigen zu suchen.
hukwa

Sonntag, 31. März 2019

Die Waldaxt - von der Waldaxt der Römer zur Waldaxt der Freiherren von Hacke

Doppelsinnigkeit bei gallo–römischen Grabsteinen am Beispiel der Axtdarstellungen auf der Heidelsburg bei Waldfischbach–Burgalben und der Heidenburg in Oberstaufenbach bei Kusel.
Waldaxt - Zeichnung©UteKW


Die symbolische Waldaxt ist uns vor allem aus der Literatur über die pfälzischen Haingeraiden bekannt. Axtdarstellungen finden wir schon bei den Kelten, wie etwa dem tau gallicum, Symbol der Doppelaxt, die auch als Abwehrmittel gegen den bösen Blick und die Pest verwendet wurde. Noch in christlicher Zeit wurden solche Zeichen auf den Mauern der Stadt Clermont abgebildet, um die Bewohner vor der Pest zu schützen. Die bekanntesten Axtdarstellungen sind die beiden Steinreliefs von der Heidelsburg bei Waldfischbach. Der Großteil der pfälzischen Heimatforscher ging bisher davon aus, dass es sich bei den Axtdarstellungen von der Heidelsburg um die einzigen Steindenkmäler dieser Art in unserem Raum handelt.
Vor einiger Zeit entdeckte ich bei Recherchen einen weiteren Stein, bei dem es sich ebenfalls, wie bei den Denkmälern von der Waldfischbacher Heidelsburg um einen Grabstein mit Grabinschrift sowie zwei Ritzzeichnungen von einer Axt und einem Dechsel handelt. Der Stein der sich heute im Historischen Museum in Speyer befindet, stand einst auf dem Friedhof der Heidenburg bei Oberstaufenbach im Landkreis Kusel. Während der Römerzeit wurde die Dechsel als Attribut der Zimmerleute dargestellt. Die Axt hingegen war das Attribut des römischen Försters, eines saltuarius.


Der Stein von Oberstaufenbach enthält neben den Werkzeugdarstellungen nur noch ein Inschriftenfragment, welches ihn als Grabdenkmalfragment erkennen lässt, da die Mutter des Verstorbenen als Stifterin in der Inschrift erwähnt wird. Zusätzlich zur Inschrift trägt der Stein die bereits erwähnten Attribute der Werkzeuge die anzeigen, dass der Verstorbene in der Holzverarbeitung tätig war.
Darstellungen von Äxten auf Grabdenkmälern gelten auch als apotropäische (Übel abwehrende) Zeichen. Auch in der Antike wurde schon Grabräuberei und Grabschändung betrieben.
Mit der römischen Okkupation des gallisch–germanischen Raumes gelangt auch die Sitte, Grabinschriften zu setzen, in diese Region. Für die Römer war es von großer Bedeutung zu zeigen wem dieses Grabmal errichtet wurde und wer es errichten ließ. Dadurch findet man Informationen die allein durch das Bildmaterial nicht erschlossen werden können.
Relief Heidelsburg - Foto©UteKW


Als Beispiel hier die Grabschrift für den Dendrophoren L. Sabinius Cassianus in Lyon:
D/is) M(anibus) et quieti aeternae / L(uci) Sabini Cassiani / dendrophoro Au/ gustal(i) q(uaestori) corporis e/iusd(em) duplicario ex/ consensu univer/sorum omnibus ho/noribus apud eosd (em)/ functo homini op/timo et incompara/ bili Flavia Livia/ coniugi rarissi/ mi exempli er/ Priscius Eustochius/ collliberto sans/ tissimo inscriben/dum curaverunt / Priscius Eustochius/ colliberto sanc/tissimo inscriben/dun curaverunt/ et sub ascia dedi/ caverunt.

Den Manen und der ewigen Ruhe des Lucius Sabinius Cassianus, aus dem Collegium der Dendrophori Augustales, Quaestor desselbem Collegiums, mit Einverständnis aller Mitglieder mit doppelter Besoldung, der alle Ehrenämter bei ihnen durchlaufen hat, dem besten und unvergleichlichen Menschen, Flavius Livia, ihrem Gatten seltenen Beispieles, und Priscius Eustochius, seinem makellosestem Mitfreigelassenen. Sie haben dafür gesorgt, dass ihm die Inschrift geschrieben wurde und haben ihn unter der Axt geweiht.

Die Grabschrift des Freigelassenen L. Sabinius Cassianus wurde von seiner Gattin Flavia Livia und von seinem Mitfreigelassenem Priscius Eustochius besorgt. Sabinius war Quaestor des Vereines der augustalischen Dendrophoren gewesen, einer Handwerkerzunft die mit dem Magna – Mater – Kult in Lyon verbunden war. Er hatte in diesem Verein alle Chargen durchlaufen und war von den Mitgliedern zum Vereinskassierer mit doppelter Besoldung gewählt worden, eine besondere Auszeichnung für die Ehrlichkeit des Verstorbenen. Was die religiöse Formel sub ascia dedicare bedeutet, welcher Ausdruck auf vielen gallo–römischen Grabsteinen vorkommt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Einige sehen in dieser Axt das Symbol des gallischen Unterweltgottes, andere halten sie für eine Androhung göttlicher Strafe gegen Grabschänder.
Bemerkenswert ist auch noch das Eseus, der bei verschiedenen keltischen Stämmen als ein Unterweltsgott gilt, in der Regel ebenfalls mit einer Axt dargestellt wird.

Die Axt als Symbol des Försterberufes dürfte wohl eindeutig auf den beiden Steinreliefs von der Heidelsburg bei Waldfischbach-Burgalben zu erkennen sein. Die Inschrift saltuarius bestätigt diese Annahme. Verwunderlich ist der Vergleich mit heutigen Äxten, die fast identisch sind. Otto Roller schreibt zu recht: „Der Nachweis weiterer solcher Beispiele technischer Kontinuität scheint mir ein gewichtiger Beitrag zu unserer noch immer relativ geringen Kenntnis vom Vorgang der Landnahme zu sein, der wohl häufig ein Prozess der Übernahme bestehender Einrichtungen, wie Grenzen, Siedlungsstellen und vor allem Anwendungstechniken aus den Bereichen Landwirtschaft und Handwerk war“.
Gerade die Hortfunde von Werkzeugen auf der Heidenburg bei Kreimbach und auf der Heidelsburg bei Waldfischbach bestätigen die Annahme von Roller.
Der Hortfund von Waldfischbach zeigt gemischtes Inventar. Darunter Werkzeuge, Geräte aus der Landwirtschaft, Beschläge für Wagen oder Küchengerät. Während in dem Waldfischbacher Fund Werkzeuge zur Holzbearbeitung überwiegen, fanden sich im Kreimbacher Depot vorwiegend Schmiedewerkzeuge. Die Grabungsleiter verwiesen damals auf die Ähnlichkeit des gefundenen Werkzeuges mit dem der Gegenwart. Der formale Unterschied sei so gering, dass ein Laie, der die Fundumstände nicht kenne, zur Meinung komme, er habe moderne Eisensachen gefunden.

Eine weitere kontinuierliche Symbolik lässt sich bei der Waldaxt auch als Statussymbol erkennen.
Irgendwie hat die Waldaxt zu den Haingeraidenschultheißen der frühen fränkischen Siedlungen gefunden und war schließlich bis in die Neuzeit Forstsymbol. Eine Möglichkeit wäre, dass nachdem die Römer die Pfalz verlassen hatten, in der Abgeschiedenheit der Wälder einige gallo-römische Siedlungen weiterexistierten und diese Bewohner ihr Wissen um die Symbolhaftigkeit der Waldaxt an die Franken weitergaben. Ihre besondere Symbolik fand die Waldaxt in den Haingeraidenwäldern der fränkischen Eroberer der Pfalz.
Zu jeder fränkischen Ansiedlung gehörte ein ungeteilter Anteil an der gemeinen Mark, der das Recht auf Nutzung von Wald, Weide und Jagd umfasste. Dadurch bildeten sich im 7. Jahrhundert Markgenossenschaften die man „Haingeraide“ nannte. Auch das Gebiet dieser Genossenschaften nannte man Haingeraide. Jeder Genosse besaß das gleiche Maß des Nutzungsrechtes und der allgemeine Nutzen reichte hin, um sämtliche Bedürfnisse, der in den Geraidedörfern wohnende Einwohner zu decken.
Zur Aufrechterhaltung der Geraideordnungen wuren Geraideschultheißen, Zentmeister, Waldmeister und Waldknechte ernannt. Das Geraidegericht oder der Geraidestuhl setzte sich aus dem Geraideschultheiß oder Zentschultheiß, dem Ortsschultheiß und einer Anzahl von Schöffen zusammen. An bestimmten Geraidelagen wurde vom Geraidegericht am Geraidestuhl nach der Geraideordnung in Geraidedingen verhandelt und der Geraidespruch gefällt. Als wichtigstes Symbol der Geraideordnung überhaupt galt die Geraide– oder Loogaxt. Der Geraideschultheiß war berechtigt die Waldaxt zu tragen und zu nutzen, also damit Bäume zu markieren. Die Axt wurde niemals am Ort aufbewahrt an dem der Geraideschultheiß wohnte, sondern immer in einem anderen Dorf. Benötigte der Schultheiß die Axt,musste er sie nach der Geraideordnung anfordern.
Die Auflösung der Haingeraiden geschah um 1825.

Bis in die Zeit hinein wo vermehrt Grenzsteine gesetzt wurden, war die Loog- oder Lochaxt das unentbehrliche Werkzeug des Försters und seiner zuständigen Herrschaft. Als Loch – oder Loogbäume, auch Markbäume genannt, bezeichnete man auf oder an der Grenzlinie stehende Bäume, die beiderseits mit der Lochaxt gefitscht, angeschalmt wurden, indem man ein Stück Rinde entfernte. Auf die Lache, die freigelegte Stelle, wurde das Symbol der jeweiligen Herrschaft eingeschlagen. Wenn man auch bevorzugt wegen ihrer langen Lebensdauer Eichen als Lochbäume aussuchte, hatten diese Grenzzeichen dennoch eine beschränkte Dauer und mussten immer wieder durch neue Lochbäume ersetzt werden.
Das Recht eine eigene Waldaxt zu führen, stand nicht jeder Herrschaft zu. Auch durfte der jeweilige Loogaxt Inhaber nicht einfach außerhalb seines Waldes seine eigene Loogaxt zum Bäumezeichnen nutzen. Ein Beispiel dafür erwähnte der Heimatforscher Karl Munzinger aus Trippstadt in seiner Abhandlung über die „Trippstadter Waldungen der Freiherren von Hacke“ hier schreibt Munzinger: „Im Dezember 1777 ordnete die kurpfälzische Verwaltung an, dass künftig im Meiser und Harderwald, beides Hackescher Wald, aber im Amte Fischbach und damit im Kurpfälzischen Hoheitsgebiet gelegen, künftig die kurpfälzische und nicht die Hackesche Axt zu verwenden sei“.
Franz Karl Joseph v. Hacke richtete daraufhin im Januar 1778 eine Bittschrift an den Kurfürsten, in der er bat, das uralt hergebrachte Recht der eigenen Waldaxtung bestehen zu lassen und ihm zu gestatten, weiterhin ruhig und ungestört wie seine Vorfahren in seinem „adeligen, ritterschaftlichen Meißer- und Haderwald“ seine eigene Waldaxt gebrauchen zu dürfen, „wann einiges Holtz“ darin gefällt werden sollte. Dass dies immer so gehandhabt wurde, könnte der kurpfälzische Forstmeister zu Lautern, Herr Rettig, bestätigen, nicht alleine für seine Amtszeit, sondern auch für die Zeiten seines Vaters, Groß- und Urgroßvaters. Auch andere Adelsgeschlechter, die Waldungen in kurpfälzischen Gebieten besäßen, würden ihre eigenen Waldäxte gebrauchen, ebenso die Herzöge von Zweibrücken im Holzland, obwohl es kurpfälzisches Gebiet sei. Bei Keiper können wir nachlesen, dass in der kurpfälzischen Zeit die Oberforstmeister, also auch die Freiherren von Hacke, als Zeichen ihrer Würde eine Waldaxt aus Elfenbein trugen, die von der linken Schulter zur rechten Hand herabhing.

Die Symbolik der Axtdarstellung reicht zurück bis in schriftlose Zeiten der Geschichte. Die Worte Beil und Axt sind mesopotamischer Herkunft. Das Wort Axt entspricht dem griechischen axine, lateinischen ascia, gotisch aquizi. Assyrisch heißt es chasinu, hebräisch chasin und sumerisch cha-zi. Das Wort ist von Mesopotamien nach Kleinasien gebracht worden und ist im Reich der Hethiter, in Ägypten und im Berberischen ein Fremdwort.
Das Wort Beil, griechisch pelekys stammt auch aus dem akkadischen Wort pillaku. In akkadischen Zeiten, zwischen 2350 und 2200 v.Chr., gab es wohl nahe Beziehungen des Vorderen Orients ins indoeuropäische Europa. Vor allem in Kreta hat die Axt große Symbolik erlangt, so dass das Zeichen der Doppelaxt welches griechisch labrys heißt, oft an Häusern, Steinen und Geräten erscheint.
Die Griechen nennen nach diesem Zeichen den Palast des Minos auf Kreta das „Labyrinth“.
Mit dem Heraufdämmern der Bronzezeit und der Erfindung der Bronzeaxt verbreitet sich das Symbol der Axt vor allem als Verehrung des Donnergottes. Diese Verehrung der Axt findet man in Kreta, Mykenä, in den Balkanländern, wie auch im germanischen Norden. In Skandinavien fand man im Jahre 1864 zwei besonders schöne Bronzeäxte die reichlich mit Bronze und Bernstein verziert waren. Sie waren nicht massiv sondern nur aus dünner Bronze gegossen, die einen Kern aus Ton hatte. So kann man davon ausgehen, dass sie niemals als Werkzeug genutzt wurden sondern dass es sich um einen symbolischen Ritualgegenstand handelt. Äxte dieser Art sind auch auf einem Wandstein der Grabkammer von Kivik in Schonen dargestellt dort findet sich auch ein weiteres Bild (Felszeichnung) das einen phallischen Mann zeigt mit einer riesigen Axt über dem Kopf.
Wir können daraus schließen, dass die Axt in Europa genau wie in Vorderasien kultische Verehrung genoss. Diese kultische und magische Bedeutung der Axt lässt sich bis in unsere jüngste Vergangenheit verfolgen. Beispiele findet man hierfür in der Volkskunde:
In Dänemark und Schweden werden am Vorabend des Gründonnerstag Beile auf die Saatfelder geworfen. Dies geschieht zu ehren Thors, der ja unter anderem auch ein Gott der Fruchtbarkeit ist.
Der Axtwurf des Gottes hatte einst den Donner zur Folge und sollte somit den befruchtenden Regen bewirken. Vor allem in der pfälzischen Volkskunde findet man immer wieder den sogenannten „Dunnerkeil“ (Donnerkeil). So schreibt Albert Becker in seinem Standartwerk über „Pfälzische Volkskunde“: „Wenn der Pfälzer Bauer das steinzeitliche Beil...auch als Dunnerkeil bezeichnet, der mit dem Blitz auf die Erde niedersaust, bei jedem Einschlag sieben Klafter tief in die Erde fährt und bei jedem Donnerschlag oder auch alle sieben Jahre um eine Klafter in die Höhe steigt, wenn er den Donnerkeil zu abergläubischen Zwecken verwendet oder damit „braucht“, so huldigt er heute noch fetischistischem Steinkult. Widersteht der Donnerkeil einem Schlag mit dem Hammer so ist er echt, leistet das Gespinst eines Fadens, mit dem man ihn umwindet, dem Feuer widerstand, so ist seine überirdische Herkunft erwiesen...
Als Ausdruck des Fluches ist das Wort „Donnerkeil“ noch heute allgemein gebräuchlich- „Herrgott Dunnerkeil“ so in der Pfalz.
Das Symbol der Axt war also vor allem ein Symbol der Fruchtbarkeit. So wurden im alten England die Ehen nochmal zusätzlich mit der „heidnischen Axt“ geweiht, diese symbolische Weihung findet man auch in der Thrynskvida in der Edda:

Da sagte Thrym,
Der Thursen König:
Bringt den Hammer,
die Braut zu weihn!
Leget Mjölnir
Der Maid in den Schoß
Mit der Hand der War
Weiht uns zusammen.“


Literatur Hinweise:
W. Liebenam: Zur Geschichte und Organisation des römischen Vereinswesens. Leipzig 1890.
Otto Roller: Axtdarstellungen auf den Förstergrabsteinen der Heidelsburg. Mitteilungen des
Historischen Vereins der Pfalz. Band. 84.
Karl Moersch: Geschichte der Pfalz.
Hans Wagner: Die pfälzischen Haingeraiden.
Karl Munzinger: Die Trippstadter Waldungen der Freiherren von Hacke 1716 – 1833
Blätter z. Heimatgeschichte v. Tripppstadt Sonderheft.
Bilfinger,E.: Johanniskreuz eine Pfälzerwaldgeschichte. 1904
Eitelmann, W: Rittersteine im Pfälzerwald.
Herbert Kühn: Die Felsbilder Europas. Kohlhammer Verlag Stuttgart. 1952.
Albert Becker: Pfälzer Volkskunde. Schroeder Verlag Bonn. 1925. 


 hukwa
 

Samstag, 30. März 2019

Ungeheuer die ihre eigene Kinder auffressen

Mit dem Hintergrund der weltweiten Klimakatastrophe (nicht Klimawandel, das wäre was natürliches) und der täglichen Zerstörung unserer Ökosysteme müssen unsere Kinder und Enkelkinder groß werden. Was sind wir doch für eine armselige Spezies? Wir nehmen uns mehr als wir brauchen und das was wir nicht brauchen machen wir meistens noch unbrauchbar. Wir zerstören mutwillig die Ökosysteme aus purer Gier nach immer mehr Wohlstand. Unter allen lebenden Arten sind wir die grausamsten. Die Konzerne die unseren Planeten ausbeuten und eine Wüste aus unserer Erde machen sind in den Händen einiger Wenigen die über Leichen gehen. Jene die sich dagegen wehren sind in der Minderzahl. Die konsumierende Masse wird gelenkt, wird gefüttert mit dem Versprechen des ewigen Wohlstands. Wenn diese Masse nicht anfängt ökologisch nachzudenken kommt der Kollaps bald. Sie sind die kleinen Kronose dieser Welt.
Ungeheuer die ihre eigenen Kinder auffressen.
hukwa

Götzendienst

"Wir verehren heute das, was vom Menschen gemacht ist. Dass ist der eigentliche Götzendienst."
Theodor Roszak

Mittwoch, 27. März 2019

Rennt weiter, ich sitze am Wegrand und beobachte euch

Wer mit Autobahntempo durchs Leben rast, muss die Welt zwangsläufig mit anderen Augen sehen als jener der in seinem Leben meditative Ruhepunkte findet. Die Menschen sind mehr "Autofahrer" als "Fußgänger". Es ist ja so dass viele ihre eigene Zeit nicht selbst bestimmen sondern von der Gesellschaft bestimmen lassen. Ich ziehe das ruhige Gehen vor. Beobachte vom Rand der Straßen und Wege eine Welt die an mir vorbei rast.
hukwa

Montag, 25. März 2019

Wo Gedanken fliegen lernen

Die Natur ist immer schöpferisch und verzaubert die Landschaft täglich aufs Neue mit ihren Mustern. Wahrnehmung und Sehen das ist die Losung die wir benötigen wenn wir in die Wälder gehen. Das Antlitz der Natur ist ehrenhafter als dass eines Menschen. Es ist weder verschlagen noch hinterlistig nur in der Natur finden wir unseren Frieden. Zu viel Gesellschaft macht stumpfsinnig. Für unseren Geist herrscht in der Natur immer eine gewisse Schwerkraft vor so dass unsere Gedanken dass fliegen lernen.
hukwa

Sonntag, 24. März 2019

Als wäre ich dabei gewesen

Jeder Wald hat seine eigene Geschichte, eine Naturgeschichte und eine Geschichte die der Mensch in ihm hinterlassen hat. Auf meinen Wanderungen durch die Wälder begegne ich immer wieder dieser Geschichte. Unterm Laub finde ich einen alten Köhlerplatz wo Köhler vor zwei hundert Jahren gekohlt haben. oft fand ich schon Hufeisen aus dem Mittelalter. Diese Fundstücke erzählen mir von der Geschichte des Waldes. Einmal fand ich auf einem alten Römerweg, Sandalennägel, die ein römischer Legionär vor 2000 Jahren verloren hat. So ist der Wald eine historische Fundgrube. Wenn ich einen solchen Fund in der Hand halte eilen meine Gedanken Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit. Manchmal sind sie wie Erinnerungen so als wäre ich dabei gewesen.
hukwa

Mittwoch, 20. März 2019

Allein auf einsamer Flur

Es ist ein großartiges Bild gewesen das sich mir heute Morgen bot. Der Vollmond, ganz orangefarben, verschwand gerade hinter den Bäumen. Um 5.30 Uhr war es noch eiskalt draußen. Die Mystik des Morgen ist eine andere wie die am Abend. Mein ganzes Sein war von der Natur durchdrungen an diesem herrlichen Frühlingsmorgen. Deutlich spürte ich meine Entfernung zur Gesellschaft. Die Wiesen und Äcker waren voll von Eisreif. Solch einen Morgen muss man ganz durchdringen.
hukwa

Dienstag, 19. März 2019

Gefängnishof

Als Mystiker und Naturphilosoph, als leidenschaftlicher Waldgänger, komme ich wenig in die Stadt. Doch wenn ich einmal dort hinkomme, bekomme ich das Gefühl nicht los dass ich mich in einem Gefängnishof bewege.
hukwa

Montag, 18. März 2019

Mein Leben gehört mir selbst

Mein Leben gehört mir selbst. Und ich achte darauf dass ich meine Stunden vor allem mit mir selbst verbringe. Ich meide die Langeweile meiner Mitmenschen. Jetzt im März lasse ich mich von diesem Monat ganz durchdringen. Ich ziehe die Gesellschaft der Wälder der menschlichen Gesellschaft vor.
hukwa

Sonntag, 17. März 2019

Über die Wurzeln des pfälzischen Pfingstquack im Vergleich zu europäischen Frühlingsbräuchen


Foto©Hans Wagner

Wenn man intensiver über alte Frühlingsbräuche forscht kommt man James George Frazer und seinem Monumentalwerk der „Goldene Zweig“ nicht vorbei. Dieses Werk ist eine volkskundliche Odyssee, ein Nachschlagewerk auf das heute noch jeder Volkskundler zurückgreift.
Forscher wie Frazer aber auch Mannhard schenkten ihre besondere Aufmerksamkeit den mit dem Ackerbau zusammenhängenden Fruchtbarkeitsbräuchen. Hier vermuteten sie die Überreste alter kelto-germanischer Fruchtbarkeitskulte. Daher ist es wohl angebracht anhand einiger aus diesem Bereich entlehnten Beispielen das Frühlingsbrauchtum zu untersuchen. Dieses hat seine Wurzeln in heidnischen Zeiten. Doch die Vermischung mit christlichen Lehren, vor allem Elementen aus dem katholischen Glauben war unvermeidlich. Statt die althergebrachten Bräuche ganz zu zerstören versuchte die katholische Kirche sie in ihre Lehre zu integrieren. So wurde aus dem altgermanischen Julfest unser Weihnachtsfest aber auch Ostern, Allerheiligen und andere Jahresfeste wurden von der Kirche unterwandert. Auch die Quellen und Brunnen wurden mit christlichen Heiligen in Verbindung gebracht obwohl diese bereits heidnische Kultorte waren. Johannes der Täufer wurde zu einer auf die Sommersonnenwende bezogenen Gestalt.
Uns heutigen erscheint die magische Welt sogenannter primitiver Völker als eine in sich geschlossene aber nicht mehr erfahrbare Einheit. Wir können das Denken dieser Völker überhaupt nicht mehr nachvollziehen und doch begegnen wir immer wieder den alten Mythen die sich verkleidet auch heute noch in einigen meist ländlichen Brauchtumsfesten verstecken. Das beste Beispiel hierfür ist der Fasching der ja in seinen Wurzeln ein Frühlingsfest ist nämlich dass der Winteraustreibung. Je tiefer man nun in diese Welt des alten Brauchtums, der Mythen und Jahresfeste vordringt desto tiefer treten wir in eine Welt des Traumhaften und Imaginativen ein in der Kausalgesetze keine Gültigkeit haben. Ob Frühlingsfest, Ostern, Maifest oder Pfingsten die volkskundliche Forschung will immer zur Urform des jeweiligen Festes vorstoßen. So führen Nachforschungen bis in die Zeit des Neolithikums zu einer auf dem Matriachat aufgebauten ackerbauenden Gesellschaft. Seit Jahrhunderten erlebt unsere zivilisierte Welt eine Entmagisierung der Sprach und Vorstellungswelt. Für den modernen Menschen gibt es die Beseelung der Natur nicht mehr. Für unsere Vorfahren aber war die ganze Natur ein einziger beseelter und organischer Kreislauf. Über dieses Heidentum schrieb Jacques Brosse in seinem Buch „Mythologie der Bäume“: „Ein komplexes und differenziertes kosmologisches System, das sich auf die Vielfalt und auf gegenseitige Ergänzung gründete, das System des „Heidentums“ wurde durch einen dogmatischen, intoleranten und manichäischen Monotheismus verdrängt.“.
Der Glaube an den einen Weltenherrscher, der aus irgendeinem Himmelreich die Welt regiert, die ihm untertan ist, verdunkelte schließlich das Bild der alten Erdmutter, die- wie ein pflanzliches Wesen in der Natur lebt und sich um ihre Kinder sorgt die von dieser Natur leben.
Ein altes pfälzisches Brauchtumsfest ist der Pfingsquark der in verschiedenen Gegenden der Pfalz jeweils am Pfingstmontag gefeiert wird. Der „Quackreiter“ soll einen Fruchtbarkeitsdämon darstellen, den man ins Dorf holt und der dafür sorgen soll dass die Ernte reichhaltig ausfällt und das Vieh in den Ställen gesund bleibt. Die Gaben der Bauern und Dorfbewohner an den Quackreiter sind somit Opfer damit der Dämon der Ernte günstig sei. Das Quackfest findet in den pfälzischen Dörfern frühmorgens gegen 6 Uhr seinen Höhepunkt (in heutiger Zeit etwas später). Bereits am Pfingstsonntag versammelt sich die männliche (nicht mehr berufschulpflichtige) Jugend des Dorfes im Wald an einem bestimmten Platz, um aus Ginsterbüschen und Laubzweigen den „Quack“, eine Art Gestell, das dann noch mit Wildblumen ausgeschmückt wird, anzufertigen. Nach dem Abendessen treffen sich die jungen Leute an gleicher Stelle wieder, tragen Holz und Reiser herbei und zünden ein Feuer an. Einige bringen dann Kisten mit Bier herbei oder ein Bierfass das über die Nacht getrunken wird. Dann bringt man ein Pferd herbei dem man das geschmückte Gestell, den „Quack“ aufzäumt. Der „Quackbube“ setzt sich in diesen Quack und reitet, begleitet von der munteren Schar ins Dorf. Hier stimmen die jungen Leute nun folgendes Lied an:

Quack, Quack, Quack
siwwe Eiser sin geback
siwwe sin gesore
der Quack,Quack soll gut gerore.

Stab aus, Stab aus
Im Winter geht de Jäger aus.
Feier in den Blume
Bringt eh gure Summe

Ri, ra, ro
Heit iwwers Johr simmer wirrer do

Und als die Nacht geendet
war die Finsternis vorbei
wacht alles was am Abend spat
zu seiner Ruh geeilt.

Hört die Schlissel klingele
s werd uns ebes bringele

Ri ra ro
Heit iwwers Johr
simmer wirrer do.“

Dieses Lied wird in jedem Winkel des Dorfes gesungen, während einige der Quackbegleiter Eier, Speck oder auch Geld sammeln. Rührt sich in einem Haus niemand werden die Leute wach geklopft. Ist der Umzug zu Ende, wird gemeinsam in die Kneipe gezogen, getrunken und Eier und Speck verzehrt.

Beim pfälzischen Pfingsquack haben wir es mit der Nachahmung eines wohltätigen Vegetationsgeistes zu tun. Im „Goldenen Zweig“ führt Frazer einige solcher Beispiele an. Er schreibt von Pfingstkönig, Maikönig, Pfingstlümmel, Blattmännchen, Blattkönig genannt. Man findet also „Ausleger“ des pfälzischen Pfingstquack in ganz Europa. Einige Beispiele:
In Fricktal in der Schweiz gehen die Knaben zu Pfingsten in den Wald und hüllen einen von ihren Gefährten in belaubte Zweige. Er wird der Pfingstlümmel genannt und zu Pferde, mit einem grünen Zweig in der Hand, ins Dorf zurückgeführt. Am Dorfbrunnen wird haltgemacht, und der blättergeschmückte „Lümmel“ wird vom Pferde geholt und in den Trog getaucht. Damit erwirbt er das Recht jedermann mit Wasser zu bespritzen, und er übt dieses Recht besonders an Mädchen und Strassenjungen aus. Die Jungen und Mädchen marschieren in Trupps vor ihm her und bitten ihn, er möchte ihnen eine Pfingstdusche geben“.
Man könnte diesen Vorgang auch als „Pfingsttaufe“ bezeichnen.
In Ruhla (Thüringen) versammeln sich, sobald die Bäume im Frühling grün werden, des Sonntags die Kinder und gehen in die Wälder hinaus, wo sie einen ihrer Gespielen dazu bestimmen, das „Blattmännchen“ zu sein. Sie brechen Zweige von Bäumen und winden sie um das Kind, bis nur noch seine Schuhe aus dem Blättermantel hervorlugen. Es werden Löcher hineingemacht zum Durchsehen, und zwei der Kinder führen das Blättermännchen, damit es nicht stolpert oder fällt. Singend und tanzend führen sie es von Haus zu Haus und bitten um Gaben in Gestalt von Eiern, Sahne, Wurst und Kuchen. Endlich besprengen sie den Blättermann mit Wasser und tun sich gütlich an dem, was sie eingeheimst haben.
Was an solchen „Bettelgängen“ immer wieder auffällt ist das Sammeln von Eiern. Diese waren früher als auch heute in jedem Haushalt vorhanden sie sind aber auch Teil eines Fruchtbarkeitsrituals. Das Ei ist ein Symbol der Erneuerung des Lebens und es ist in dieser Bedeutung in den ältesten Kulturen bezeugt.
Weiter berichtet Frazer: „Im Fricktal in der Schweiz, wird ein ähnliches Flechtwerk aus Zweigen der „Pfingstkorb“ genannt. Sobald die Bäume zu knospen beginnen, wird eine Stelle im Wald ausgewählt, und hier machen die Dorfburschen in alller Heimlichkeit den „Korb“, damit nicht andere ihnen zuvorkommen. Belaubte Zweige werden um zwei Reifen gewunden, deren einer auf der Schulter desjenigen, der den Korb tragen soll, ruht,während der andere um seine Waden gelegt ist. Man macht Löcher für Augen und Mund, und ein großer Blumenstrauss krönt das ganze. In dieser Vermummung erscheint er plötzlich im Dorfe zur Vesperzeit. Vor ihm marschieren drei Knaben, die auf Hörnern aus Weidenrinde blasen. Das große Ziel seiner Anhänger ist, den Pfingstkorb auf dem Dorfbrunnen aufzustellen und ihn sowie seinen Träger dort zu halten, trotz der Anstrengungen der Burschen aus den Nachbardörfern, die versuchen den Pfingstkorb fortzutragen und auf ihren eigenen Brunnnen aufzustellen.“
Frazer schreibt hierzu: „Häufig ist das in Blättern gehüllllte Geschöpf unter dem Namen König oder Königin bekannt....Dieser Titel bedeutet wie Mannhardt bemerkt, dass der in der Vegetation verkörperte Geist ein Herrrscher ist, desen schöpferische Kraft weit verbreitet ist.“
Natürlich wurden jegliche Art von heidnischen Festen von der Kirche aufs häufigste verdammt. So schrieb im Jahre 1698 Pfarrrer Geysel aus dem Holzland: „Abgesehen von anderen haarsträubenden Gattungen und Arten von Aberglauben, über die ich schweigen will, wird die Feier der vier Samstage nach Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Johannistag festgehalten. Man hält dafür, durch einen solchen Aberglauben Hagelschäden von sich abzuwenden und solches ist ein sehr hartnäckiger Irrtum gewesen. Ich bin mit Gottes Hilfe diesem beizeiten entgegengetreten, sobald ich davon Kenntnis erhielt und habe solche Gebräuche ausgerottet“.
Letztlich konnte die Kirche die althergebrachten Bräuche nicht rigoros beseitigen, so dass sie sich schließlich genötigt sah, die heidnischen Riten zumindest teilweise in ihr Brauchtum zu integrieren.


©hukwa




Lit.Hinweise: Ernst Christmann: Pfälzer Frühlingsbräuche.
J.G.Frazer: Der Goldene Zweig.
Wilhelm Mannhardt: Mythologische Forschungen.
Wilhelm Mannhardt: Feld und Waldkulte.
Jacques Brosse: Mythologie der Bäume.
Hans Wagner: Der pfälzische Pfingstquack und seine Wurzeln im Hain der Diana von Nemi.
Heinz Friedel: Chronik von Schopp.
Otto Wenz: Zur Volkskunde des Pfälzer Holzlandes.


Natur - Mittelpunkt unseres Denken

Noch schweigt der Gesang der Singvögel, noch hat ihr Frühlingskonzert nicht begonnen. Nur manchmal am frühen Morgen der leise Schlag einer Amsel. Doch in den nächsten Tagen werden sie wohl loslegen. Im weltweiten Konzert der Elemente und Naturkräfte stimmt der Wald seine Stimme mit vielen Naturkräften ab. In seiner ganzen "Funktionalität" zeigt uns der Wald, dass wir nur überleben können, wenn wir uns auf das Ganze besinnen, uns neu orientieren und unsere natürliche Mitwelt in den Mittelpunkt unseres Denkens stellen.
hukwa

Dienstag, 12. März 2019

Ein dunkler Laut

Der dunkle laut einer knisternden Kerze
in dem Moment da der Tag erwacht
und die Nacht in sich zusammenfällt
der Puls des neuen Tages
ist noch feucht von der Erinnerung an die Träume
doch es ist nicht die Zeit sich zu Entblättern
wie der Baum da draußen
im eisigen Raureif des frühen Tages
jetzt da die Morgenröte sich über die Landschaft streckt
die letzten Schatten frisst
bricht langsam der um mauerte Fluss der Seele
verweilen an einem Ort
bei den Nebelkindern der Nacht 
die das Siegel brechen
im schwarzen Land der Träume
der nackten Träume die dem Schweigen entwachsen
von der Tiefe her
klingt ein Ruf
oder ist es ein Lied
das einer schweigenden Minderheit gehört
die in Hypnose verweilt
lauschend
dem dunklen Laut einer knisternden Kerze.
hukwa

Samstag, 9. März 2019

Des Frühlings Stimme

Und wieder grünt das weite Land
des Dichters Glut ist neu entbrannt
Demeter hat es an den Tag gebracht
das Feuerwerk des Frühlings entfacht
Worte rauschen aus tiefen Brunnen
der Fuchs schleicht heimlich über die Wiese
die Weiden am Bachrand laden uns ein
Aurora zu ehren und sich in die Wälder zu begeben
der Märzgeist hat dies Wunder vollbracht.
hukwa

Freitag, 8. März 2019

Stimme der Natur

Es bedarf um die Stimme der Natur bewusst zu hören, um ihre Sprache zu verstehen, einer besonderen Atmosphäre und bei dem Suchenden muss eine gewisse Sensibilität vorhanden sein. Ist beides vorhanden ist es möglich in das Mysterium einzudringen.
hukwa

Sonntag, 3. März 2019

Insektenschutz ist Mitschöpflichkeit



Foto©UteKW
Langfristig gesehen gibt es ohne Bienen auch keine Landwirtschaft. Die Bauern die sich gegen Blühstreifen auf ihren Feldern stellen sind letztendlich ökologische Analphabeten. Es ist aber an der Zeit dass sich nicht nur die Landwirte über ökologische Solidarität informieren, auch der Rest der Bürger ist in der Pflicht der gefährdeten Natur durch Umdenken zu helfen, sonst blüht bald gar nichts mehr. Es gibt den ethischen Ansatz der Mitschöpflichkeit. Der Mensch ist verpflichtet gegenüber der Natur- und die Natur hat Rechte für die wir Menschen als denkende Wesen eintreten müssen. Wer sich heute keinen Gedanken um Umweltschutz macht schadet den nachfolgenden Generationen. Jeder Bürger hat die Möglichkeit zum Insektenschutz beizutragen.
Die Vernichtungen die seit Jahren weltweit im Tier und Pflanzenreich stattfinden sind schon mehr als gravierend. Bräuchte man einen Vergleich, um die Zerstörungen von Leben zu ermessen, die sich gegenwärtig auf unserem Planeten vollziehen so müsste man 65 Millionen Jahre bis zur Saurierkatastrophe zurückgehen. Leider haben es die meisten Menschen noch nicht kapiert, das der Schaden den sie in der Natur anrichten, groß genug geworden ist, dass er der gesamten Menschheit bald zum Verhängnis wird.

hukwa

Samstag, 2. März 2019

Märzhimmel

Foto©UteKW
©hukwa

Frühlingsgedanken

Heute Morgen sehr früh aufgewacht. Durch das geöffnete Fenster drang die kühle, feuchte Luft des März. Mein erster Gedanke war das ich jetzt aufpassen muss dass ich nichts versäume. Frühling bedeutet die Augen offen halten und beobachten. Die Krötenwanderungen beginnen jetzt und in der Natur gibt es nun täglich neues zu beobachten. Den Märzgeist muss man in seiner Ganzheit schauen.
hukwa

Freitag, 1. März 2019

Der Mensch- ein lebendes Fossil

Während sich die menschliche Biologie in den letzten 50 000 Jahren nicht verändert hat, wir haben immer noch die selbe Anatomie wie die Menschen aus der Steinzeit, hat sich unsere Umwelt unter dem Druck von Technik und Technologie drastisch verändert. Und zwar so stark dass wir Maschinen besitzen, die uns im gewissen Sinne überlegen sind. Im Vergleich Mensch-Roboter muss man sich fragen ob wir eigentlich nur noch ein "lebendes Fossil" sind, dass sich selbst überflüssig gemacht hat?
hukwa

Donnerstag, 28. Februar 2019

Der große Tanz

Nichts in der Natur geschieht unabhängig voneinander. Alles ist verbunden. Die Meere, die Wälder, die Pflanzen, die Minerale, der Kosmos all dies ist eine gemeinsame große Resonanz. Dies ist der Tanz des Lebens. Der Mensch ist das einzige Wesen in dieser großen Gemeinschaft dass aus der Reihe tanzt. Denn "in Systemen ist das Ganze mehr als die Summe der Teile". Tiefenökologisch gesprochen: In der Eichel ist bereits der Eichbaum und seine Verbindungen enthalten.
hukwa

Montag, 25. Februar 2019

Der Stein auf dem Grund

Ein Fluss aus glühender Lava
bricht das Eis der Seele
wie die klare Wasserfläche des Waldweiher
in den du den Stein wirfst
und die Ringe beobachtest
die sich auf der Oberfläche bilden
sie sind schön
sind eine Illusion
deshalb
vergiss nicht den Stein der auf den Grund gesunken ist
den die Wellen sind nur Schatten der Seele
und das Küken das im Ei pickt
will dir etwas von draußen erzählen
von den Bildern in den verwunschenen Gärten
wo dich der Lohn erwartet für deine ungelebten Leben
die wie verlorene Träume
in den dunklen Wassern des Waldteichs schwimmen
du nimmst sie wahr im Flügelrausch der Realität
die nun in dich eindringt
und mit einem mal weißt du
der Stein auf dem Grund
ist das Spiegelbild deiner Seele.
hukwa

Samstag, 23. Februar 2019

Jetzt naht die Zeit

Jetzt naht die Zeit wo es in der Natur besonders viel zu beobachten gibt. Um das große Schöpfungslied der Natur mit nach Hause zu nehmen müssen wir im Schöpfungsalphabet der Erdmutter lesen. Gerade jetzt kann man ihre Geheimnisse von Anfang an beobachten.
hukwa

Freitag, 22. Februar 2019

Die Schlafen ohne es zu wissen

Je intensiver ich mich in der Gesellschaft bewege, desto tiefer wird mein Schweigen. 
Das ist doch etwas! 
H.W.  

Die knisternde Flamme aus Eis
erhellt für einen kurzen Moment
den zwiespältigen Übergang zwischen Nacht und Morgen
gelockt von des Nachtspechts Ruf
reitet die Ahnin auf dem grünen Einhorn
durch die Zeiten
ein blauer Himmel leuchtet ihr
auf ihrer reise durch die kupfernen Räume
sich Erinnern bedeutet tiefer zu schürfen
in der Archäologie der Seele zu lesen 
und Madeleine anzurufen
sich überwinden und die schwätzenden Chimären
keines Blickes zu würdigen
den im Purpurkleid der Illusionen
versteckt sich nur ein geistloser Körper
der an den ewigen Versuch gekettet ist
die Erinnerungen aus den
Angeln der persönlichen Zeit zu entfernen
gebunden an den Tagtraum der Nächte
wird die Nacht zum Spiegel
in dem das Vergessen ruht
so fern der Lügenhaften Existenz der Massen
die Schlafen ohne es zu wissen.
hukwa

Dienstag, 19. Februar 2019

Dichterisches Erinnern

Jedes Leben ist verflochten mit anderen Leben. So ist das Leben eines Dichters mit anderen Dichtern und deren Leben verflochten. Dies ist Teil der Ursubstanz dichterischen Erinnerns.
hukwa

Montag, 18. Februar 2019

Vor dem Diana Bildnis stehend

Ist es der Mythen Licht
dies schweigsame Lächeln
im Schatten der Fichten
versteckt zwischen Brombeeregebüsch
im Heidekraut
Gedankenschwer
blickt sie hinab ins Tal
gestützt auf ihren Speer
dringt ihr Blick tief hinein
ins Wäldermeer
ein Hauch vom Dasein der Geschichte
umhüllt ihre Einsamkeit
gehauen in den Sandstein
leuchtet ihre Ewigkeit.
hukwa

Freitag, 15. Februar 2019

Donnerstag, 14. Februar 2019

Judasohr - Holunderpilz

Fotos©UteKW

Diesen schönen Frühlingspilz habe ich heute im Garten entdeckt, er ist übrigens ein vorzüglicher Speisepilz und wächst vorwiegend am Holunder.
hukwa

Mittwoch, 13. Februar 2019

Erwachende Natur

Langsam neigt sich der Winter dem Ende zu und die ersten Vogelstimmen sehnen den Frühling herbei. Es ist noch kein Gesang was da aus Busch und Baum zu mir herüber dringt, doch das Piepsen wird von Tag zu Tag drängender und trägt in sich schon die Botschaft der erwachenden Natur. Im Park begrüßen mich die ersten Silber blinkenden Weidekätzchen und die Holunderbüsche und Birken haben auch schon dicke Knospen. Lange wird es nicht mehr dauern bis sie aufbrechen. Jeden Tag strecken sich die kurzen Triebe mehr dem Licht entgegen, dem uralten Gesetz von Mutter Natur des Werden und Vergehens folgend, wenn auch späte Frostnächte dem vorzeitigen Wachsen manchmal für einige Zeit noch Einhalt gebieten. In der Karlstalschlucht empfängt mich rauschend die Moosalb, dieses unruhige und ungebändigte Wässerlein. Von den Höhen herab dringt der Ruf des Schwarzspechts zu mir. Überall spürt man nun das Erwachen der Natur, die uns von der unsterblichen Kraft ihrer immerwiederkehrenden Wesen erzählt, von den sich ewig gleichbleibenden Kräften des daseins.
hukwa

Samstag, 9. Februar 2019

Die Heimat des Dichters ist das Gedicht

Die gründunkelnde Landschaft des Februar
der nachhall der Träume am frühen Morgen
begleitet mich durch den Wald
Farbe des Februarwaldes
Traumpfad zur Lichtung
in Regen Nebel Dämmerung
Einäugiger Kreis am Weißdornbusch
in der Stille seines Schweigens
findet er die Harmonie
im anbrechenden Tag
nur hier 
spürbar
im Mysterium des eigenen Selbst
wartet er
im Glauben er sei in einem verwunschenen Garten
so das die Trugbilder verschwinden
und weißes Licht
in seine geheime Landschaft fällt
er weiß
die Heimat des Dichters ist das Gedicht.
hukwa

Donnerstag, 7. Februar 2019

Frühlingsahnen

Nun dauert es nicht mehr lange bis die ersten Frühlingsblüher erscheinen. Sobald der Frost nachlässt werden sie der Erde entsprießen. Die Vögel werden mit dem Nestbau beginnen. Die Natur in sich verbirgt die Grundgeheimnisse des Daseins. wir können sie nur Deuten, wenn wir unser eigenes Wesen von unserem tiefsten Innern her in lebendigen Bezug zu den Naturkräften eingestellt wissen. In der Natur herrscht eine Kraft von der alle ihre Kinder erfüllt sind wir stehen nicht neben ihr wir sind eine Lebensform von ihr. Jetzt im nahenden Vorfrühling spüren wir dies besonders, vorausgestzt wir sind bereit dazu.

Frühlingshaiku
Beim alten Waldbach
schauen mich an
die Weidekätzchen.

Im alten Laub
die gelbe Knospe des Winterlings
Frühlingsahnen.
hukwa

Mittwoch, 6. Februar 2019

Uralte Nacht

In den Wäldern Schneetreiben
die Mondsichel erleuchtet die alte Buche
noch einmal zieht das Alte vorüber
der Spalt in der Zeit verdunkelt sich
und mit ihm
die Welt der Erscheinungen
schattenhaftes Sein
Seinsvergessenheit
wir haben uns selbst vergessen
der neue Tag
nur ein Spiegel der Erinnerungen
der uns den unersättlichen Hunger des Kronos zeigt
wir wollen Götterähnlich sein
doch wurden wir zu Dämonen
Stille und Schweigen
im Schneetreiben der Wälder
so vollendet sich die alte Zeit
viele Verse kehren wieder
wie Treibgut aus vergangenen Jahrhunderten
jetzt da sie spricht
die uralte Nacht
mit Worten der Macht.
hukwa

Sonntag, 3. Februar 2019

Treibgut

Es ist die traumhafte Wirklichkeit
der Schneelandschaft
die mich heute Morgen empfängt
wie ein weißes gläsernes Meer
liegt sie vor mir
knisterndes Eis
erweckt die Erinnerungen
das rote Kleid des Dompfaffs
leuchtet im Geäst der Birke
Gedanken an ein Gedicht von Puschkin
schwer fallen die Flocken
in die Abgeschiedenheit des frühen Morgen 
das Treibgut vergangener Zeiten
der winterliche Greis
die Sprache des Februar
fließt in das Schweigen hinein
während die Bäume Zeit atmen
werden die Gedanken plastisch
und die Wirklichkeit der Schneelandschaft
wird zur winterlichen Abstraktion.
hukwa

Donnerstag, 31. Januar 2019

Glorie des Morgen

Grau düster kalt
ist dieser Morgen in seiner absoluten Stille
es ist als verströme er eine heimliche Energie
Eiskristalle
Schnee
schöner und wertvoller als Diamanten
Eisglühender Januarmorgen
Luft der Frühe
Duft des Winters
jetzt da der Geist der Ahnin
durch den verwunschenen Garten streicht
da das grüne Einhorn in den Wäldern schläft
und die Poesie der Reinheit
die Landschaft verzaubert
erwacht das Feuer der Geschichte
verbrennt den Moder der Gegenwart.
hukwa

Mittwoch, 30. Januar 2019

Wahrnehmung am Morgen

Um vier Uhr früh aufgewacht und nach draußen gegangen. Kälte und Neuschnee empfing mich. Ein wunderschöner Landmorgen. Reine Wahrnehmung.
Der materialistische Nützlichkeitsgeist des Menschen ist eine Entwürdigung der Seele. Die Menschen entfernen sich immer mehr von ihrem Selbst. So wird das Dasein zu einem Gefängnis und der Mensch zu einem Roboter.
hukwa

Montag, 28. Januar 2019

Nachtlied

Die vielen Nächte die ich rief
sie sind ein Teil der Ewigkeit
und viele Zeilen die ich schrieb
sind Verse die Nachts in meiner Seele glühen
ich warte auf den einen Brief
mit goldener Schrift und Silberrand
doch ob er kommt
ich weiß es nicht
ich warte schon zu lang
nur in der tiefen dunklen Nacht
fühl ich mich noch daheim
ein Blatt Papier so rot wie Glut
eine Rose die nie welken tut
nur so kann Dichtung sein.
hukwa (1999)

Sonntag, 27. Januar 2019

Alter Heidenbaum

Am Wegrand die alte Eiche steht
wieviel Zeitgeist hat sie schon erlebt
von Gewittern gezeichnet
von der Sonne gebrannt
doch der alte Baum hat festen Stand
der Waldkauz der hier haust
kennt sich mit der Signatur des Baumes aus
was könntest du uns erzählen
alter Heidenbaum
doch keiner ist da der dir zuhören kann.
hukwa

Samstag, 26. Januar 2019

Heimgang in die uralten Wälder

Der Fluss aus glühender Lava
bricht das Eis der Seele
am Ufer des Waldweihers
empfängt mich der Neuschnee
als würden weiße Hostien vom Himmel fallen
still liegt der See
wie ein Altar
kein Engel läuft über gefrorenes Wasser
doch dort im Schilf
die Nymphe wacht
den der Anfang des Jahres birgt in sich schon Tiefe 
jetzt in der Frühe
da das Licht des Morgens
blinzelnd seine Wimpern öffnet
und die Schlange der Nacht
ihre schwarze giftige Traumkugeln versteckt
atme ich tief ein
Einsamkeit Wolken Wind und Nebelschwaden
Heimgang in die uralten Wälder.
hukwa

Mittwoch, 23. Januar 2019

Das wahre Lied der Zeit

Noch flüstern die nächtlichen Geister
 doch der Nachtgeist sucht schon den anbrechenden Tag
durchs Fenster dringt noch Dunkelheit
so lange sie nicht weicht
dringt von der alten Buche herüber Dryadengeflüster
die Wunden der Bäume sind noch nicht vernarbt
lauschend dem Geflüster
während die Träume noch wachsen
senkt sich langsam
das Tageslicht auf die Erde herab
die Traumwelt verblasst
es nahen die Tages Geister
die Glocke vom nahen Kirchturm
kündet die Gewöhnlichkeit
doch von der Buche her schallt
das wahre Lied der Zeit.
hukwa

Samstag, 19. Januar 2019

Larvenhaftigkeit der menschlichen Existenz

Wenn man das Leben als eine Metamorphose betrachtet betrachtet kommt man nicht umhin in der menschlichen Existenz etwas Larvenhaftes zu erkennen. Als Säugling haben wir ja eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Insektenlarve. Vor allem an unserem Geist können wir dies erkennen. Ei, Larve, Verpuppung, Persona, das ist unsere Metamorphose. Geistig gesehen gibt es Menschen die ihr ganzes Leben als Larve zubringen.
hukwa

Freitag, 18. Januar 2019

Ich bin ein Anderer

Mein Schreibtisch zog Wurzeln im Äther des Geistes
von hier aus betrachte ich meine Verwandlungen 
in diesem Wachstum der Einsamkeit
öffnet sich der dunkle Vorhang
und meine Seele geht auf Reisen
durchstreift die Zone zwischen dem jetzt und der anderen Seite
begleitet von hundert Metamorphosen
besteige ich das geflügelte Ross
und Reise, reise...
hukwa

Mittwoch, 16. Januar 2019

Jener Moment

Wie eine Urne gefüllt mit Glut
die tief in schwarzer Erde ruht
in dunkler Landschaft
mit Flüssen voller Blut
in Schädelgetöse
der Traumwelt der Nacht
da nur noch der eigene Schatten wacht
Mondfülle steht über Erinnerungen ganz sacht
brennt in sich selber die blaue Flamme
leckt nach dämonischen Strahlenglanz
in stiller Halle der grüne Spiegel
darinnen ein Gesicht aus fernen Zeiten
erhellt das verlangen der Nacht
jenen Moment
der im Traum wird vollbracht.
hukwa

Samstag, 12. Januar 2019

Die Natur mag keine Roboter

 
Foto©UteKW

Ich singe dieses Lied
für mich und die Buche da draußen und für
DICH
BLAKE
BYRON
SHELLEY
für WORDSWORTH
und ganz viele andere
für die BLUTBUCHE
etwa fünfzehn Meter von meinem Arbeitszimmer entfernt
Es ist der Winter wo der Schnee ausblieb
ein unheiliges Datum
in den Himmel GEÄTZT
in jenem Jahr als die GLETSCHER schmolzen
und vom Himmel sanft schwarzer REGEN fiel
und die Augen der KRÄHEN die täglich die Buche anfliegen
gefüllt mit blutigen Tränen
die Weide schlug viel zu früh aus
und der Igel musste ohne Winterschlaf auskommen
in diesem unheimlichen Winter
sind die Zugvögel hier geblieben
als wären sie ORIENTIERUNGSLOS
die Kinder waren TRAURIG denn sie wussten
dass sie nie wieder SCHNEEMÄNNER sehen würden
und so VIELE WISSEN IMMER NOCH NICHT DAS SIE SICH SCHULDIG machten
Wir bewahren von nun an die Schönheit
weißer Winterlandschaften
in unserer ERINNERUNG auf
Wie die Märchen aus dieser Welt verschwunden sind
wird bald so vieles VERSCHWUNDEN sein
was einst bekannt war
In meinen Augen schmelzen die Tränen
sie trocknen aus wie die Gletscher der ARKTIS
durch meinen Körper strömt eine Hitzewelle
stickig wie die Sonne
über den Lagern von Äthiopien
Dennoch
DAS INNERN MEINES KOPFES IST HEUTE EIN HIMMEL VOLLER STERNE
MEIN Herz ein Glutball wie die Sonne AFRIKAS
ich bin gefüllt mit angehenden EXPLOSIONEN
ich laufe über den Waldboden
ich laufe über den Feldboden
ich laufe über den Asphalt
mir ist als hebe ich ab
fliege über dem Boden dahin
Ich verliere gerade meine SCHWERKRAFT
durchbreche das MUSEUM meiner vergangenen Jahre
in meinem INNERN schmelzen die STERNE
meines einzigarteigen UNIVERSUMS
ich trotze der Depression dieser WELT
denn das Leben soll WAHRHAFTIG sein
wie der sonnige Wintermorgen eines frühen Tages
der mich an den Anfang der GEZEITEN erinnert
der alle Schwere von uns nehmen kann
wie das GEÄDER in den Sandsteinen
erkennbar ist
ERKENNE ich die SCHICHTEN der EVOLUTION in meinem GEIST und meiner SEELE
Tote in BAGDAD
HUNGER in ÄTHIOPIEN
DURST in ganz AFRIKA
ARMUT AUSBEUTUNG überall
Wann endlich:
DURCHBRECHEN wir das MUSEUM
dieser längst schon nicht mehr aufrecht zu erhaltender WELT
Wann Schreien wir laut
SODOM NINIVE NEW YORK MOSKAU BERLIN BOMBAY DEHLI TOKIO PEKING
all diese Menschenschluckende LEVIATHANE
schon HEUTE sind eure Namen nur noch ERINNERUNGEN
an eure Verfehlbarkeiten
aus dem Herzen dieses kleinen Dorfes
grüß ich die STRANDGÜTER der Großstädte
Brüder und Schwestern in den Slums dieser verkommenen WELT
der ORGANISIERTEN ARMUT
Huren und Strichjungen die ihr euch verkauft
weil ihr den FESSELN DER ARMUT nicht entfliehen könnt
Koksschnüffler Alkoholleichen Penner
STADTNEUROTIKER auf eurem wiederkehrenden WEG ins VERDERBEN
irrend in den Betonschluchten und im Großstadtdschungel
wann endlich beginnt ihr mit dem Feiern einer Politik der friedlichen Ekstase
Wann endlich verliert ihr eure SCHWERKRAFT und folgt mir in die
LEICHTIGKEIT der WÄLDER
das NEUE zu GEBÄREN
Hinein steigend in ein Gedicht von
Farben Geflecht Wurzeln und Spinnweben
vermoostem Laub und Unkengeschrei
Vogelgezwitscher
brechenden Ästen und brausenden Baumwipfeln
hier ist das Leben sonst nirgends
NEWS FROM NOW – HERE
"das einzige was wir über die Lage von Nirgendwo wissen, ist das es nicht da liegt wo wir sind".
Doch wir sind hier
HIER SIND WIR!
Vielleicht stimmt es und der Himmel gehört GOTT
doch die ERDE gehört UNS
UNS nicht euch
nicht eurem ausufernden TURBOKAPITALISMUS
diese betörende ERDE
die ihr täglich schändet
in eurer GIER und HABSUCHT eurer DUMMHEIT
die ihr täglich oberflächlich tötet
Oh diese betörende ERDE
deren zarte Haut wir mit Asphalt vernarben
meinen SEGEN soll sie haben
diese archaische Umgebung mit den rauschenden Bäumen
lausch ich euch doch schon ein Leben lang
dieser anmutende Sang
aus dunklem Fichtentann
dringt in mein MUSCHELOHR
wie das rauschen des salzigen OZEANS
der durch meine ADERN fließt
wie PLANETENSPHÄRENKLANG
Steig ich zu euch empor
um den GÖTTERN zu sagen
vielleicht stimmt es und der Himmel gehört euch
doch die ERDE gehört UNS
also entfernt die ROBOTER sie sind ZUHÄLTER und MORDWERKZEUGE
Steinhart ist es aufgezeichnet
im Millionen Jahren altem FELS
Wir sind die Mordwerkzeuge
in den Händen dieser ERDMÖRDER
sie lassen uns morden
täglich
oberflächlich
fortwährend
durch
INSEKTIZIDE WAFFEN AUSBEUTUNG GEWALT GELD ARROGANZ GIER
sie nennen sich Bewahrer und Verwalter
gestohlenem Reichtums
ihr die ihr die SEELEN unserer Kinder ZERSTÖRT
denn dieser PLANET ist euch eine endlose Fabrik
die produziert und die man ausbeutet bis auch das letzte weg ist
mit euren
militärischen Apparaten
unmenschlichen Betonstätten
empfindungslosen Bürokratien
Industriegiften
GEN Versuchen
RADIOAKTIVEN ABFÄLLEN
ÖLTEPPICHEN
im Namen eines WAHNSINNIGEN ÖKONOMISCHEN WACHSTUMS
habt ihr ein GIGANTISCHES CHAOTISCHES
ZERSTÖRUNGSPOTENTIAL beschworen
und auf die Menschheit losgelassen
ein FRANKENSTEINMONSTER
das mit seinen Giften
unser tägliches Gewebe durchtränkt
die Wasser die Pflanzen die Fische die Tiere
unser Fleisch und unsere Knochen
habt ihr durchtränkt und befallen
mit den zerstörerischen MUTATIONEN
eurer Bakterien und Viren
die ihr frei gelassen habt
geplant in euren mordlüsternen Phantasien
die uns zu WIRKLICHKEIT geworden sind
und der WAHNSINN ist
Wir sind die MORDWERKZEUGE in den Händen unserer MÖRDER



hukwa