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Sonntag, 18. Oktober 2020

Die alte Krähe - eine Erzählung

 

In den hohen Kronen einer mächtigen Buche war das Nest der alten Krähe Konk. Viele Jahre thronte sie dort oben im wilden Geäst und beobachtete von dort aus ihre Umgebung. Von hier  ging sie auf ihre Streifzüge, stahl den Hühnern und Tauben ihr Futter und war die Herrin über die besten Kompostplätze in den Gärten des nahe gelegenen Dorfes. Sie lebte immer in Saus und Braus, doch jetzt war Konk alt geworden. Ihre Kräfte ließen nach, in den Flügeln steckte Rheuma so dass es ihr an feuchten Tagen schwer fiel den Flug zu ihrem Nest zu finden. Sie fand auch nicht mehr genügend Futter. Wenn sie zu den Tauben flog oder zum Hühnergehege wurde sie davongejagt. An den Komposthaufen hatten sich nun junge Krähen breitgemacht und auch die machten ihr das Futter streitig. Konk wusste ihre Zeit war gekommen. Am Boden lauerte der Fuchs auf sie und in den Lüften der Habicht. Es fehlte ihr an Kraft und Energie ihnen auszuweichen. Eines Morgens saß sie auf dem höchsten Ast im Gipfel der Buche. Noch einmal zog ihr Krähendasein an ihr vorbei. Sie dachte an ihre vielen Kinder, an vergangene Sommer und Winter und an vieles mehr. Noch einmal schaute sie über die Landschaft die ihr so lange Heimat war. Dann stieß sie ab und flog davon. Immer höher und  höher flog die alte Konk, so hoch wie sie noch nie in ihrem bisherigen Leben geflogen war. Bald war sie über den Wolken und sogar die Flugzeuge flogen tief unter ihr dahin. So hoch flog kein Adler und kein Habicht dachte sie, aber eine alte Krähe. Der Fuchs braucht sich ihrer nicht zu erbarmen und kein Huhn wird mehr nach ihr hacken. Und so flog sie immer höher und dachte: Wenn die Zeit gekommen ist sollte sich eine alte Krähe auf den Weg machen und zu neuen Horizonten fliegen, weil irgendwo immer etwas Neues wartet. 

©hukwa


Dienstag, 28. November 2017

Ewiger Augenblick

Am Wegrand sammelt sich das Regenwasser
in den Blattlosen Eichen
summt der  Novemberwind wie Geisterschar
rief da nicht Jorinde
das sie der Geliebte finde
ewig ist der Augenblick
in Gedicht und Sagenzeit
hier im Wald
im Wurzelstock
schaue ich Kentaurengestalt.
hukwa

Samstag, 3. November 2012

Das andere Denken der Kelten


Die zentrale Rolle in der Welt der Kelten spielten die Druiden und dies nicht nur in religiöser Hinsicht. Wir wissen heute das es in der keltischen Gesellschaft nicht den geringsten Unterschied zwischen dem Bereich des Sakralen und des Profanen gab. Gegenüber dem griechisch – römischen Denken war die Geisteshaltung der Kelten eine vollkommen andere. Die Kelten hatten ein anderes Wertesystem, eine andere Wirklichkeitsauffassung, eine ganz andere Art zu denken und zu empfinden, als die Griechen und Römer. Dieses „andere Denken“ der Kelten beruhte unter anderem auch auf der Philosophie der Druiden. Es waren die Griechen die den Druiden die Bezeichnung Philosophen gaben. Sie sahen das druidische Denksystem als eine philosophische Schule an, obwohl sie dieses wohl nicht begreifen konnten. Das dass Denken der Kelten so völlig anders war als dass der Griechen und Römer geht vor allem aus der Rolle der Frau in der keltischen Gesellschaft hervor. Allein das es nicht nur Druiden sondern auch Druidinnen gab, also auch „Philosophinnen“, war bei den Griechen und Römern undenkbar. In seinem Buch die „keltische Frau“, schreibt der Keltologe Prof. Markale:
„Die Druiden stellten für den römischen Staat eine absolute Bedrohung dar, weil ihre Wissenschaft und Philosophie der römischen Orthodoxie in gefährlicherweise widersprach. Die Römer waren materialistisch, die Druiden spirituell. Für die Römer war der Staat eine monolithische Struktur, der sich über bewusst hierarchisch  organisierte Territorien erstreckte. Für die Druiden stellte er eine auf freier Übereinkunft beruhende moralische Ordnung mit einem rein mythischen zentralen Grundgedanken dar. Das römische Recht basierte auf privatem Grundbesitz, wobei die Eigentumsrechte ausschließlich in den Händen der Familienoberhäupter lagen, während für die Druiden Eigentum immer etwas kollektives war. Die Römer betrachteten Frauen lediglich als Gebärmaschinen und Lustobjekte, die Druiden bezogen sie in ihr politisches und religiöses Leben mit ein. Daraus lässt sich ermessen wie sehr das subversive Gedankengut der Kelten die römische Ordnung bedrohte, obwohl dies nie offen ausgedrückt wurde. Der Eifer, den die Römer bei ihrer Abschaffung der gallischen und britischen Eliten an den Tag legten, wird immer wieder bestaunt; dabei lässt man jedoch die Tatsache außer acht, dass es sich hier für die römische Gesellschaft um eine Frage von Leben und Tod handelte“.

Wir sollten uns immer Bewusst vor Augen halten dass die alten klassischen Berichte, allen voran Cäsar, antikeltische Propaganda  des römischen Imperiums waren. Noch heute herrscht in der Fachwelt die Tendenz vor, diese Quellen als nicht anzuzweifelnde Tatsachen zu akzeptieren. Als dann die Kelten endlich damit begannen ihre eigene Geschichte schriftlich zu skizzieren, waren aus ihnen bereits Christen geworden, weshalb die Druiden in diesen Dokumenten nicht mehr so dargestellt wurden wie sie wirklich waren.  Hier muss auch einmal dem Vorurteil, die Kelten seien Analphabeten gewesen, ein Riegel vorgeschoben werden. Die Elite der Kelten war schon des Schreibens kundig, es waren wohl die Druiden von denen es ausging, das Wissen nicht schriftlich weitergegeben werde durfte. So ist es auch nicht verwunderlich das die Ausbildung zum Druiden fast zwanzig Jahre in Anspruch nahm. Die Kelten waren das europäische Volk dass am meisten romantisch verklärt wurde, wohl und vor allem weil wir bis heute noch nicht genau ihre Mythologie verstanden haben. Hier darf man vor allen Dingen nicht vergessen das fast der gesamte europäische Märchenschatz auf der Mythologie der Kelten beruhte. Joseph Campbell schreibt zu recht:

„Fast alle Einzelheiten seines Märchenlandes entnahm Europa der Phantasiewelt der Kelten. Die  Jugend Siegfrieds, Brunhilds Schlaf, das Schwert im Baum und das zerbrochene Schwert sind aus der keltischen Tradition übernommene Motive…verzaubert schlafende Prinzessinnen, einsame Schlösser im gefährlichen Wald, rauschende Drachen in reifbedeckten Höhlen, der Merlinzauber, die Fee Morgane und kichernde alte Hexen die durch einen Kuss in die schönste Jungfer der Welt verwandelt wurden“. 

Dieser riesige Märchenschatz der vor allem in Irland und England in Sammlungen wie dem „Mabinogion“ enthalten sind, das ist dass „andere Denken“ der Kelten, ja, das ist die „Anderswelt“ der Kelten. Auch in den Märchen der Brüder Grimm tauchen immer wieder Motive aus der keltischen Mythologie auf. Sie haben sich im Lauf der Jahrhunderte mit Motiven anderer Völker vermischt, doch das Gerüst dieser Märchen entstammt dem denken der Kelten. Mathew Arnold hat es so beschrieben:

„Ein mittelalterlicher Geschichtenerzähler plündert ein Vorratslager von Antiquitäten aus, ohne den Sinn dessen, was er da vorfindet, immer voll und ganz zu begreifen. Erist wie ein Bauer, der seine Hütte auf der Stelle errichtet, auf der einst Halicarnassus oder Ephesus gestanden haben.
Er baut, und in das Mauerwerk gehen Materialien mit ein, deren Geschichte und Wert er nicht genau kennt.
Er sieht Steine und Quadern, aber zu welchem Bauwerk sie ursprünglich gehörten, das weiß er nicht. Sie stammen aus einer älteren Epoche der Architektur, in Formen und Strukturen größer, komplizierter und majestätischer als alle Formen seines Vorstellungsvermögens“.

Es wurde viel darüber geschrieben das die Kelten und vor allem ihre Philosophen die Druiden romantisch verklärt wurden, das ist auch vollkommen richtig, aber wenn wundert dies bei einem Volk dass einen solchen Märchenschatz hervorgebracht hat und eine der geheimnisvollsten Mythologien besitzt. Diese Mythologie ist sehr naturalistisch geprägt.

Man kann mit Sicherheit annehmen dass Naturobjekte, wie etwa Berge und Höhen, Quellen und Flüsse, Bäume, aber auch die Megalithbauten von altersher Gegenständer der Verehrung und des Kultes bei den Kelten waren. Vor allem Baum- und Quellenkulte sind bis in eine sehr späte Zeit aus den gallischen Heiligenriten bekannt, und heute noch werden den Dolmen und Menhiren Frankreichs geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben, die den Ausgangspunkt eines  ganzen Abergläubischen Handlungskomplexes bilden.
Man muss Jacques Moreau recht geben wenn dieser schreibt:

„Die seltsame Mischung von Irrealem und Übernatürlichem, von Märchenhaften und gesunden Wirklichkeitssinn spiegelt das träumerische Wesen wider, das so charakteristisch für das keltische Volk ist“. 

In seinem Buch „die Welt der Kelten“ schrieb Moreau zum Abschluss:

„Man hat zuweilen die Frage aufgeworfen, was der Welt dadurch verlorengegangen sei, dass Rom die keltische Kultur auf dem Festlande vernichtet hat, ehe sie zu ihrer vollen Entfaltung gelangen konnte. Es ist ziemlich müßig, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen und sich zu überlegen, wie anders die Entwicklung unserer Kultur verlaufen wäre, wenn Vercingetrix Cäsar besiegt hätte. Auch nach einem Sieg der Vercingetorix wäre Gallien ebenso wie alle anderen keltischen Provinzen schließlich doch unterlegen. Die Kelten waren nicht dazu geschaffen, der Welt das Beispiel eines großen, durch feste Gesetze regierten Reiches zu geben und durch eine einheitliche zielbewusst gelenkte Machtpolitik in der Geschichte nachhaltige Spuren ihres politischen Könnens zu hinterlassen. Aber wer wagt es zu entscheiden, ob Martha oder Maria den besseren Entscheid gewählt hat? Wenn die Tat mit recht die Schwester des Traums heißt, dann setzt sich alle Kultur aus den beiden zusammen, und unsere europäische Kultur schuldet dann wohl einige ihrer höchsten Werte jenen, die einst in Gold und Bronze unendliche Kurven – Spiegelungen ihrer ins unendlich schweifende Träume – einritzten oder in einem Grashalm das Bild des Universums erblicken konnten“. 
hukwa

Freitag, 28. September 2012

Eine Wanderung durch den Altweibersommer


Es ist die Zeit da der Sommer dem Herbst nicht mehr den Weg versperren will, der Augenblick, wo der Wald jene Farben zaubert, wie sie selbst auf der Palette eines Landschaftsmalers nicht entstehen können: Altweibersommer!

Wer jetzt durch die Wälder streift, der wird wahrlich eine reiche Ernte nach Hause tragen. Es ist die Zeit in der jeder einzelne Baum sich zu einer eigenen Persönlichkeit zu färben scheint. Stark ist der Frühherbst und beruhigend der Geruch seiner Früchte.

Jetzt sollte der Wanderer seinen Rucksack schultern und losziehen denn keine Macht kann einen Wanderer halten wenn der Herbst naht.
Früh am Morgen funkeln Abertausende von silbrig glänzenden Spinnweben in Gräsern, Büschen und Bäumen. Dick und fruchtig glühen die Früchte der Eberesche und schwarz blinken die Holunderbeeren am Waldrand.
Die letzten Schwalben lockern ihr Gefieder, prüfen es emsig, wissend, dass ihnen eine weite Reise bevorsteht. Auch den übrigen Zugvögeln ist ihre Unruhe anzumerken und an den kühleren Abenden, in der frühen Dämmerung, hört man nun immer öfters das Schnattern der Wildgänse am Himmel. Überall herrscht Aufbruchstimmung. An den Waldhängen tauchen vereinzelte Rehe auf, die Abende sind manchmal noch lau doch die Nächte schon recht kühl. Bald werden die ersten Brunftschreie der Hirsche durch die Wälder hallen manchmal auch übertönt vom Ruf des Dachses.
Wer noch nie das Naturschauspiel einer Hirschbrunft erlebt hat, der hat ein Versäumnis in seinem Leben anzumelden. In den Nächten blinken nun die Sterne eiskalt, klar und funkelnd wie Diamanten und der Septembervollmond hat seinen besonderen Reiz. Wer unter ihm wandert den trifft der Bannstrahl seines mystischen Zaubers. Die Sternenwelt am Nachthimmel dient als Kompass und der unruhige Mond wird dem Wanderer mit einem Male zum Wandergesellen. Im Unterholz knackt es geheimnisvoll, Fuchs und Marder streifen umher… oder sind es die Elfen dieses Waldes, Kobolde und Trolle die uns aus einiger Entfernung beobachten? Der Phantasie einer vollkommenen Vollmondnacht im Herbst sind keine Grenzen gesetzt. Der Waldkauz lockt und dazwischen hört man ein unheimliches mörderisches Geschrei, es ist der Dachs der nervös durchs Dickicht streift. Es sind die Nachtstimmen des Waldes denen der Wanderer nun lauschen kann und in der geheimnisvollen Umgebung durch die er sich bewegt erscheinen sie ihm wie eine große Herbstsinfonie. Wie Gestalten aus fernen Urzeiten ,wie Zentauren und Riesen erscheinen nun Büsche und Bäume.
Eine Vollmondnacht hat ihre eigene nicht beschreibbare Magie man kann sie mit Worten nur andeuten will man sie begreifen muss man sich von ihr verzaubern lassen.
Ob in den Nächten oder am Tag, der Frühherbst ist die Jahreszeit im Pfälzerwald, in der uns die Landschaft am farbenprächtigsten erscheint. Besonders das Karlstal zeigt sich dem Wanderer nun von seiner lieblichsten Seite. Schon früh im September knistert hier die rote Fackel des Herbstes im Laub. Die Abende sind bereits kühl und feuchter, silberner Nebel steigt kurz vor der Dämmerung aus der Moosalb auf. Der Altweibersommer hat seinen Namen nach den vielen Jungspinnen, die jetzt an einem Flugfaden hängend den Ort ihres Heranwachsens verlassen. In Nordamerika beginnt zur gleichen Zeit der Indian Summer, er entspricht unserem Altweibersommer, nur sind seine Farben noch prunkvoller was damit zu tun hat, dass es in Nordamerika mehr Laubbäume als bei uns gibt. Jetzt lassen sich viele Wildfrüchte sammeln und überall sprießen nun die „Blumen des Herbstes“, die Waldpilze.

Noch einmal zeigt der vergehende Sommer seine volle Kraft, das ist die Magie des Altweibersommers. Scheiding hieß der September im verschwundenen deutschen Kalendarium, weil er den Sommer vom Herbst scheidet. Scheiden tun auch in diesem Monat die Zugvögel, die sich nun überall sammeln, man spürt regelrecht eine Aufbruchsstimmung in den umliegenden Wald und Feldgehölzen und für den Wanderer beginnt nun der farbenprächtigste Monat des Jahres.

hukwa

Samstag, 4. Februar 2012

Die alte Krähe - Ein Märchen

In den hohen Kronen einer mächtigen Buche war das Nest der alten Krähe, Krah. Viele Jahre thronte sie dort oben im wilden Geäst und beobachtete von dort aus ihre Umgebung. Von hier aus ging sie auf ihre Streifzüge, stahl den Hühnern und Tauben ihr Futter und war die Herrin über die besten Kompostplätze in den Gärten des nahe gelegenen Dorfes. Sie lebte immer in Saus und Braus, doch jetzt war Krah alt geworden. Ihre Kräfte ließen nach in den Flügeln steckte Rheuma so dass es ihr schwer fiel an feuchten Tagen den Flug zu ihrem Nest zu finden. Sie fand auch nicht mehr genügend Futter. Wenn sie zu den Tauben flog oder zum Hühnergehege wurde sie davon gejagt. An den Komposthaufen hatten sich nun junge Krähen breitgemacht und auch die machten ihr das Futter streitig. Krah wusste ihre Zeit war gekommen. Am Boden lauerte der Fuchs auf sie und in den Lüften der Habicht. Es fehlte ihr an Kraft und Energie ihnen auszuweichen. Eines Morgens saß sie auf dem höchsten Ast im Gipfel der Buche, sie wusste ihre Zeit war gekommen. Noch einmal zog ihr Krähendasein an ihr vorbei. Sie dachte an ihre vielen Kinder, an vergangene Sommer und Winter und an vieles mehr. Noch einmal schaute sie über die Landschaft die ihr so lange Heimat war. Dann stieß sie ab und flog davon. Immerhöher und immer höher flog die alte Krah, so hoch wie sie noch nie in ihrem bisherigen Leben geflogen war. Bald war sie über den Wolken und sogar die Flugzeuge flogen tief unter ihr. So hoch flog kein Adler und kein Habicht dachte sie, aber eine alte Krähe. Der Fuchs braucht sich ihrer nicht zu erbarmen und kein Huhn wird mehr nach ihr Hacken. Und so flog sie immer höher und dachte: Wenn die Zeit gekommen ist sollte sich eine alte Krähe auf den Weg machen und zu neuen Horizonten fliegen, weil irgendwo immer etwas Neues wartet.

hukwa

Sonntag, 29. Januar 2012

Die böse Alte - ein Märchen

Einst lebten in einem lichten Birkenwald der in der Nähe eines finsteren Zauberwaldes wuchs ein alter Holzmacher mit seiner Frau. Sie bewohnten eine armselige Hütte und es fehlte ihnen an allem. Auch gab der Birkenwald nicht genug Klaubholz her, so dass die beiden oftmals nur mit Mühe ihr kärgliches Mahl kochen konnten. Eines Tages als wieder einmal ein Mangel an Holz bestand sagte die alte zu ihrem Mann, er solle doch in den Zauberwald gehen und dort einen Baum abhauen. Der alte Mann wollte das nicht tun und wehrte sich lange gegen das Anliegen der Alten. Doch diese redete immer wieder auf ihn ein und so geschah es das er sich eines Tages auf den Weg machte und den finsteren Zauberwald aufsuchte. Tatsächlich konnte er das grüner verwucherte Tor des geheimnisvollen Waldes passieren und stand schließlich im Zauberwald. Er suchte sich einen geeigneten Baum aus und holte gerade zum ersten hieb aus, als eine raue, krächzende Stimme aus dem Dickicht zu ihm sagte: „Was tust du hier“? Der Holzmacher erschreckte so tief das ihm die Axt aus der Hand fiel. Ängstlich starrte er in das Dickicht hinein aus dem nun eine seltsame Gestalt hervortrat. Es war eine uralte Frau. Auf ihrem Rücken trug sie dünne Äste von Holunderholz, sie trug eine Tasche mit grünen Kräutern bei sich und auf ihrer Schulter saß ein pechschwarzer Rabe. Mit glühenden, stechenden Augen starrte sie den Holmacher an. Dieser zitterte am ganzen Körper und erzählte der Hexenhaften Gestalt, das seine Frau ihn losgeschickt hatte um hier Feuerholz zu schlagen.
Die Hexe hörte ihm zu und sprach dann: „Geh jetzt heim, alter Mann, dort wirst du genug Holz vorfinden um einen ganzen Winter lang zu heizen.“ Und der Rabe sprach zu ihm: „Und sage deiner Alten sie soll nicht zu gierig sein sonst wird sie selbst zu Holz!“
Und schon waren die beiden verschwunden. Als der Holzmacher sich auf den Heimweg machte dachte er über die seltsame Erscheinung nach und plötzlich wusste er das es sich um die berüchtigte Holunderhexe handeln musste.
Zuhause angekommen fand er soviel Klaubholz vor das es für zwei Winter zu reichen schien. Er erzählte seiner Frau sein Erlebnis und deren Augen wurden immer gieriger. So überlegte sie sich dass sie ihren Mann am nächsten Tag wieder in den Zauberwald schicken würde.
Als der neue Morgen hereinbrach, sagte die Alte zu ihrem Mann er solle sich auf den Weg in den Zauberwald machen und wenn er der Holunderhexe begegnen würde diese um eine Kiste voll Gold bitten. Der einfältige Holmacher tat wie er geheißen wurde nahm seine Axt und lief zum Zauberwald. Als er den Baum vom Vortage aufsuchte und zum Hieb ausholen wollte stand plötzlich die Hexe neben ihm.
„Was tust du schon wieder hier?“ fragte sie den Holzmacher. Dieser erzählte ihr was seine Frau ihm aufgetragen hatte und die Holunderhexe sagte: „Geh jetzt heim alter Mann dort wirst du unter deinem Bett eine Kiste voller Gold vorfinden.“ Und der Rabe krächzte ihm nach: „Und sage der alten sie soll nicht so gierig sein sonst wird sie selbst zu Gold“.
Der Holzmacher eilte gleich nach Hause und groß war die Freude der beiden als sie die Goldkiste tatsächlich unter ihrem Bett vorfanden. Aber die Gier ließ der Frau des Holzmachers keine Ruhe. Am nächsten Tag sagte sie zu ihrem Mann: „Geh wieder in den Zauberwald und sage der Hexe sie soll in unserem Garten einen Apfelbaum wachsen lassen an dem in jedem Herbst goldene Äpfel hängen“.
Sehr widerwillig lief der Holzmacher in den Zauberwald und erzählte der Hexe vom Wunsch seiner Frau. Diese sprach zu ihm: „Geh jetzt heim alter Mann, in deinem Garten wirst du den Baum vorfinden“. Und der Rabe krächzte: „und sage deiner Frau sie soll nicht so gierig sein sonst wird sie selbst zu einem Apfel!“
Auch dieses Mal überhörte der Mann die Worte des Raben und lief nach Hause. Dort angekommen war seine Frau nirgendwo zu sehen. Der Mann ging in den Garten um nachzusehen ob die Hexe den Wunsch erfüllt hatte. Tatsächlich stand ein Apfelbaum im Garten an dem ein einziges zerknittertes Äpfelchen hing. Seine Frau war nirgendwo zu sehen. Der Holzmacher pflückte neugierig das Äpfelchen, da entdeckte er plötzlich, dass dieser Apfel das faltige, gierige Gesicht seiner Frau war. Als er zu jammern begann, flog ein pechschwarzer Rabe aus dem Baum hervor und krächzte: „Wärt ihr nicht so gierig gewesen, dann wäre deine Frau jetzt noch da.“
hukwa

Sonntag, 16. Oktober 2011

Märchen und Landschaft

Wer das Märchen ganz begreifen will, wer seine Rätsel, seinen Sinn erfassen will der muss die Landschaft in der das jeweilige Märchen zu Hause ist kennen denn das Märchen und die Sage sind ja die Stimme einer Landschaft. Wer die dunklen Waldtäler des Pfälzerwaldes erwandert hat, die romantischen Burgruinen dieses großen Waldgebietes aufgesucht hat und in die geheimnisvollen Quellen, Bäche und stille Waldwooge hineingeschaut hat dem tut sich vielleicht die Wunderwelt des pfälzischen Märchens auf.
hukwa

Freitag, 14. Oktober 2011

Heimatkunde und Märchen

Die Märchen und Sagen einer Landschaft sind die Stimme von dieser. Sie berichten uns von Bergen, Steinen, Quellen, Burgen, Bäumen und Höhlen die sich in ihr befinden. Wenn wir uns Heute nach Unterhaltung sehnen genügt ein Mausklick um in irgend ein Video Spiel einzusteigen. Nichts gegen diese moderne Technologie die zweifelsohne eine Errungenschaft ist wenn man mit ihr umgehen kann, sie gehört schließlich in diese Welt, doch die Geschichte, also die Märchen und Sagen einer Landschaft gehören ebenso in unsere Welt. Das Virtuose und nicht überschaubare Reich des Internets ist zweifelsohne die wichtigste Erfindung des 21. Jahrhunderts und wir müssen unsere Kinder sorgfältig hineinführen doch sie dürfen die Gaben die uns unsere lebendige Erde täglich schenkt darüber nicht Vergessen. dazu gehören die Märchen und Sagen der Landschaft in der wir leben. Diese gehören zu unserer Heimatgeschichte. Gerade durch das Märchen und die Sage die an einen bestimmten Landstrich gebunden ist wird uns klar das Heimatkunde keine Einzelwissenschaft ist denn sie berührt durch die Erfassung der Beziehungen des Menschen zu seinem Lebensraum fast alle Wissensgebiete. Dadurch dass sie auf einen Wirklichkeitsausschnitt gerichtet ist zieht sie Fülle von Einzelwissenschaften an sich. Erwähnen braucht man nur die Geologie, die Biologie und die Sozialkunde. Die Heimatkunde ist vielleicht die letzte Wissenschaft in der ähnlich wie in der praktischen Philosophie noch das Ganze lebt. Es war gewiß kein pädagogisches Glanzstück als man vor vielen Jahren die Heimatkunde als Schulfach verabschiedete.
hukwa

Sonntag, 20. Februar 2011

Keltische Wurzeln im Pfälzer Märchen

Die wichtigste Rolle im Leben der keltischen Stämme, ja die zentrale Rolle, spielten die Druiden. So überliefert uns Cäsar in seiner De bello gallico: „In ganz Gallien gibt es zwei Klassen von Menschen, die Geltung und ehre genießen, denn das niedere Volk nimmt beinahe die Stellung von Sklaven ein…Die eine Klasse ist die Klasse der Druiden, die andere Klasse die der Equites. Die Druiden versehen den Götterdienst, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzungen aus. Bei ihnen finden sich junge Männer in großer Zahl zur Unterweisung ein, und sie genießen hohe Verehrung, denn sie entscheiden bei fast allen öffentlichen und privaten Streitigkeiten. Sie sprechen das Urteil, wenn ein Verbrechen begangen wurde, ein Mord geschah, Erbschafts- oder Grenzstreitigkeiten ausbrechen, sie setzen Belohnungen und Strafe fest. Fügt sich ein Einzelner oder ein Volksstamm ihren Entscheidungen nicht, so schließen sie die Betroffenen vom Götterdienst aus. Dies stellt bei den Galliern offenbar die härteste Strafe dar…An der Spitze aller Druiden steht derjenige, der bei ihnen das größte ansehen genießt…Die Druiden ziehen gewöhnlich nicht in den Krieg und zahlen auch keine Abgaben wie die übrigen Gallier. Sie sind vom Waffendienst befreit und haben keine anderen Verpflichtungen“.

(De bello gallico, VI, 13/14)

Wenn wir die Autoren der klassischen Antike lesen und ihre Überlieferungen über die Druiden so bemerken wir schnell dass sie in den Druiden keine primitiven Zauberer sahen sondern mit großer Bewunderung von diesen sprachen und schrieben.

Cicero der sich öfters mit dem Druiden Diviciacus traf schrieb über diesen:

„Er behauptete, die Naturgesetze zu kennen- das, was bei den Griechen Physiologie heißt-, und er besaß die Fähigkeit, durch Beobachtung und Deutung der Zeichen die Zukunft vorauszusagen…“ (De Divinatione, I, 40)

Wir wissen das man in Griechenland das Druidentum als ein vollständiges philosophisches System ansah, manche sahen sogar einen Zusammenhang zwischen den Lehren des Pythagoras und den geheimen Überlieferungen der Druiden. Clemens von Alexandria berichtet uns von einer Überlieferung, nach der Pythagoras nicht nur Schüler der Brahmanen, sondern auch ein Schüler der Druiden der Galater gewesen sei.

Die „Hinterlassenschaften“ der Druiden finden sich vor allem in den Märchen. Da die Druiden ihre Lehren nur mündlich und an auserwählte Schüler weitergaben, ist es nicht möglich auf irgendwelche Texte zu verweisen, außer eben jener der griechischen und römischen Historiker und Zeitzeugen.

Ausgrabungen und historische Stätten beweisen das dass Gebiet des Pfälzerwaldes eine bedeutungsvolle keltische Vergangenheit besitzt. Nun wissen wir zwar wenig über das gesellschaftliche Leben der Kelten, über die lehren der Druiden wissen wir so gut wie gar nichts und somit auch fast nichts über die Religion der Kelten, denn diese war ja das Druidentum.

Der keltenforscher Jean Markale bemerkt in seinem Buch „Die Druiden- Gesellschaft und Götter der Kelten“ : Das Druidentum hat keinerlei Bedeutung oder Existenzgrundlage außerhalb der keltischen Gesellschaft, aus deren geist es geboren wurde. In gewisser Weise ist das Druidentum sowohl die Grundlage der keltischen Gesellschaft als auch ihre Folgeerscheinung. Daraus ergibt sich die gesellschaftliche Funktion des Druiden“.

Die soziale Stellung des Druiden stand noch über der des keltischen Fürsten oder Königs. In der bekannten irischen Erzählung vom „Rausch des Ulates“, lesen wir: Die Ulates durften nicht sprechen, bevor der König das Wort ergriffen hatte, und der König durfte nicht sprechen, bevor die Druiden das Wort ergriffen hatten“.

Dion Chrysostomos, ein Zeitgenosse von Plutarch, Tacitus und Plinius dem Jüngeren schreibt: „Die Kelten nannten ihre Priester Druiden; sie beherrschten die Kunst des Weissagens und jede andere Wissenschaft; ohne ihre Zustimmung durfte der König weder handeln, noch eine Entscheidung treffen, so dass in Wirklichkeit sie die Herrscher waren, während die Könige nur wie Diener ihren Willen vollstreckten“.

Über die Philosophie und das Wissen der Druiden ist uns nichts überliefert. In den Märchen jedoch finden wir Bruchstücke, dieses alten druidischen Wissens.

Mit dem Untergang des Keltentums, dass im Jahre 52 unserer Zeitrechnung eingeleitet wurde durch die tragische und verheerende Schlacht bei Alesia, trat auch eine Änderung im denken der europäischen Völker ein. Die griechisch- römische Geisteshaltung der Logik begann sich durchzusetzen und die heidnisch – spirituelle Welt der Kelten geriet in Vergessenheit. Ein winziger Teil des religiösen Denkens der Kelten erhielt sich in den Schatztruhen der europäischen Märchenwelt, wo es seither ein geheimnisvolles Leben führt und das dass Unbewusste der Menschen bis heute auf seine ganz eigene Art Inspirierte. Joseph Campbell schrieb daher zu recht:…“das aus dem keltischen Feenreich eine wilde Wunderwelt heraufbeschwor: verzaubert schlafende Prinzessinnen, einsame Schlösser im gefährlichen Wald, rauschende Drachen in reifbedeckten Höhlen, der Merlinzauber, die Fee Morgane und kichernde alte hexen, die durch einen Kuss in die schönste Jungfer der Welt verwandelt wurde. Fast alle Einzelheiten seines Märchenlandes entnahm Europa der Phantasiewelt der Kelten. Die Jugend Siegfrieds, Brunhilds Schlaf, das Schwert im Baum (und Stein, Anmerkung des Verfassers) und das zerbrochene Schwert sind aus der keltischen Tradition übernommene Motive“. (Joseph Campbell – Der Flug der Wildgans).

Diese Motive sind auch Teil unseres kollektiven Unbewussten, anhand solcher Motive lässt sich tatsächlich eine Art „geistiger Stammbaum“ errichten, denn es müsste ja richtig sein, das immerwiederkehrende Motive einer bestimmten durchgehenden Linie entstammen, so dass Einzelne auf Berufung ihrer Träume herausfinden können, wo ihre vorgeschichtlichen Wurzeln zu finden sind. So kann man mit Heinrich Zimmer übereinstimmen wenn dieser schreibt:…Es ist die Sphäre des Ewig – Weiblichen, Stätte der Zeitlosigkeit und des unerschöpflichen Lebens. Quelle des Todes, aus dem das Leben sich ständig wiedergebiert. Es ist der geheimnisumwobene ort, von zahllosen Helden in Märchen und Legenden der ganzen Welt aufgesucht, unter vielen historischen Verwandlungen wiederzuerkennen: er gehört zu unserem universalen Vorrat archetypischer Sinnbilder. Die Fassung, die uns die keltischen Märchen und der Artuszyklus übermitteln stammt aus dem mythischen Bilderschatz der altertümlichen mütterrechtlichen Ordnung, wie sie der vorkeltischen Kultur des westlichen Frankreichs und der britischen Inseln eigen war“.

Als die keltische Welt unterging, ging auch das Druidentum und somit die alte Religion der Kelten unter. Die Druiden wurden zu Zaubermeistern erklärt und lebten wohl noch längere Zeiten abgelegen in den Wäldern wo sie ihren Riten nachgingen und diese auch zelebrierten. Diese untergegangenen Druiden sind es vor allem die uns in den Märchen als zaubergewaltige Hexen und Zauberer begegnen.

Das pfälzische Märchen ist in seiner Poesie sehr karg, nicht besonders ausgeschmückt und oft endet es abrupt oder man hat das Gefühl ihm fehlt etwas, als sei es manchmal unvollständig. Das keltische Material im pfälzischen Märchen ist nur sehr schwer Fassbar, weil wir eben überhaupt nichts mehr wissen über die religiösen Überlieferungen aus dieser keltischen Zeit und somit den Druiden die ja die Bewahrer der keltischen Religion und Spiritualität waren.

Um mit Jean Markale zu sprechen: „Die griechisch – römische Geisteshaltung, die auf dem Glauben an den Universalismus und an die Logik des ausgeschlossenen Dritten basiert, begann langsam, aber sicher das sogenannte „barbarische“ Denken der Kelten zu verdrängen.

So vergaßen die Westeuropäer allmählich, dass sie Söhne der Kelten und Erben der spirituellen Tradition der Druiden sind.

Vor der Katastrophe von Alesia sah die Welt ganz anders aus: Es gab ein anderes Wertsystem, eine andere Wirklichkeitsauffassung, eine andere Art zu Denken und zu Empfinden, andere geistige Konzepte. Das alles ist nicht spurlos verschwunden; von dieser Vergangenheit zeugen Spuren in Museen und Bibliotheken, und es gibt darüber hinaus noch lebendige Keime, die nur des geeigneten Bodens harren, um sich wieder zu entfalten“.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen das Markale mit „entfalten“ nicht eine Widerbelebung des Druidentums meint, wie wir dies Heute vielfach in oft hausbackener und kindischer Aufmachung vorfinden, sondern hier sind die keime des kollektiven Unbewussten gemeint, wie dies auch Heinrich Zimmer gesehen hat.

Hukwa

Der erste Teil dieses Artikels findet ihr in meinem Gesamtkunstwerkblog unter dem Titel:

Die Kelten im Pfälzerwald.

hukwa

Montag, 29. März 2010

Die Schlüssel des Frühlings

Heute habe ich eine schöne Wanderung durch die frühlingshafte Pfälzerlandschaft unternommen. Überall kann man nun die Frühlingsboten bewundern. Blaue Krokusse, die gelbe Blüte der Korneskirsche auch die Schlüsselblume blühte schon. In den Waldwogen haben Frösche abgelaicht und laut drang der Ruf des Schwarzspechts durch den Forst. Die Ganze Natur befindet sich in Frühlingsstimmung. Am meistem aber erfreute mich die Blüte der Schlüsselblume. Sie öffnen die Tore des Frühlings. Der Volksmund nannte sie Himmelsschlüssel, denn Germanen glich der Büschel gelber Schlüsselblumenblüten einem Schlüsselbund. Sie waren der Freya geweiht und sie allein hatte die Schlüsselgewalt, mit der die kosmischen Zeiträume geöffnet und wieder geschlossen werden. Für unsere germanischen Vorfahren waren diese Blumen daher Zauberpflanzen. Doch auch das Christentum wusste um das Geheimnis der Schlüsselblumen. So erzählt eine alte Sage folgendes: Eines Tages versuchte der Teufel in den Himmel zu schleichen. Ganz leise und behutsam pirschte er sich heran. Als Petrus den Schatten des Himmelsfürsten sah, erschrak er so sehr, das ihm der Schlüsselbund aus den Händen glitt und auf Erden fiel. Als die Schlüssel den Boden berührten, verwandelten sie sich in Schlüsselblumen. Auch in die Sagen und Märchenwelt fand die Schlüsselblume ihren Zugang. So erzählt ein altes Pfälzer Märchen folgendes: Einem Ziegenhirten erschien einst eine wunderschöne Frau. Sie schenkte ihm eine Schlüsselblume und sagte ihm, er könne damit einen Felsen, der hinter der Waldwiese lag wo der Hirte seine Ziegen hütete aufschließen. Alles was er darin finde, könne er behalten. "Vergiss also das "Beste" nicht!" warnte sie ihn noch ehe sie verschwand. Der Ziegenhirte berührte die Felswand und tatsächlich öffnete sie sich. Aber darinnen lagen nur alte Ziegenzähne. Einen davon steckte er launisch in seine Hosentasche und die Schlüsselblume warf er achtlos zur Seite. Dann trat er wieder ins Freie. Der Fels schloss sich wieder hinter ihm. Als er in die Tasche griff und den Ziegenzahn herausholte, merkte er, dass dieser sich in pures Gold verwandelt hatte. Aber er konnte nicht mehr in die verschlossene Felshöhle eintreten, denn die Blume, das "Beste", hatte er dort gelassen. Immer wieder kehrt in Sage und Märchen die Schlüsselblume als Helferin und Öffnerin geheimer Schatztruhen und Felshöhlen auf. Und nach einem langen harten Winter öffnet sie uns auch heute immer noch verborgene Schatztruhen, vor allem denn größten und schönsten Schatz denn es zu entdecken gibt- denn Schatz der Natur.

hukwa

Dienstag, 26. Januar 2010

Das Märchen vom Beilstein

Märchen und Sagen vom Beilstein
Zwischen Kaiserslautern und Hochspeyer, versteckt im Wald steht auf dem Beilsteiner Kopf die uralte Ruine der Burg Beilstein. Märchen und Sagen ranken sich um das geheimnisvolle Gemäuer im Pfälzerwald. Still und Dunkel war einst der Wald um den Beilstein und nur ganz mutige wagten zu später Stunde noch, den Weg von Kaiserslautern nach Hochspeyer zu laufen, der nahe der Burg verläuft. Die hohen Bäume die die Burgruine umgaben ließen mit ihren ineinander verfilzten Zweigen kein Sonnenlicht durch so das immer eisiger und finsterer Schatten hier vorherrschten. Die Mönche und Geistlichen aus Kaiserslautern sagten über diesen Wald Aures sunt nemoris, was bedeutet, die Wälder haben Ohren. Auch die Köhler und Holzfäller mieden diesen Ort, da es dort nicht mit rechten Dingen zu gehen sollte.
Einst, im tiefen eisernen Mittelalter, trug sich folgende Geschichte zu: Ein Junker der bei Kaiserslautern lebte, hörte von einem wunderschönen Fräulein das auf der Beilstein wohnen sollte und alle Freier abweisen würde die um seine Hand anhielten. Der Junker schmiedete nun einen Plan wie er das Fräulein entführen wollte. In einer Vollmondnacht näherte er sich mit zwei Knechten der Burg. Sie schafften es in den Burgsaal einzudringen doch dort überkam sie ein tiefer Schrecken. An einem großen Tisch saß das Burgfräulein, doch links und rechts neben ihm saß je ein unheimlich aussehender Geist. Die Knechte ergriffen vor Furcht die Flucht und der Junker fiel vor Schrecken kurze Zeit in eine tiefe Ohnmacht. Als er wieder erwachte, waren die Geister verschwunden, nur das Fräulein saß noch am Tisch. Der Mut kehrte zu ihm zurück und er nahm die junge Frau als seine Gefangene mit auf seine Burg in der Nähe von Lautern. Doch die Jungfrau konnte ihm alsbald wieder entfliehen und kehrte zurück zur Beilstein. Erneut drang der Junker in die Burg ein um sich die Jungfrau ein zweites mal zu entführen. Wieder fand er sie im Burgsaal mit den beiden Geistern vor. Als er sich ihr näherte flogen die beiden Geistwesen auf ihn zu und berührten ihn sachte, genau in diesem Moment fiel der Junker tot zu Boden. Von nun an traute sich niemand mehr die Jungfrau zu entführen.
In einer lauen Frühlingsnacht saßen in Lautern im Wirtshaus zum fliegenden Pferd einige Handwerksburschen beisammen. Die Walzbrüder hatten sich hier getroffen und ihre Gemüter waren vom Wein und Bier schon recht erhitzt. Ein Schuhmachermeister aus der Stadt der bei ihnen saß, erzählte den Burschen von den geistern die auf der Beilstein hausten. Je mehr Bier und Wein floss desto mutiger wurden die Handwerksgesellen, einer wettete das er mit einer Fackel dreimal um die Burg laufen würde ohne das ihm etwas Geschehen würde. Die Wette ward geschlossen und man machte sich noch in der selben Nacht auf zur Beilstein. Zweimal ging er um die Burg herum, doch beim dritten Mal, flogen zwei geisterhafte Wesen auf ihn zu und berührten ihn leicht, der Handwerksbursche fiel wie vom Blitz getroffen tot zu Boden.
Unter der Burg Beilstein soll es tiefe unterirdische Gänge geben. Eine alte Frau aus Lautern sammelte regelmäßig Holz bei dem alten Gemäuer. Eines Tages, sie hatte ihr Holzbündel schon geschnürt stand plötzlich ein Zwerg vor ihr. Es war das Hellbeermännchen vom Heiligenberg, eines Berges in der Nähe vom Beilstein. Der Zwerg deutete auf das damals schon verfallene Schloss und sagte":Sie hin zum Schloss"! Als sie hinschaute erkannte das sich dort ein Stein gelöst hatte der einen tiefen Gang freigab. Der Zwerg sagte nur: Geh!" Die Alte nahm ihr Bündel und verschwand in dem dunklen Tunnel. Als sie wieder an das Tageslicht gelangte befand sie sich auf dem Kaiserberg.
Dem Ritter vom Beilstein war der geheimnisvolle Gang der von der Beilstein zum Kaiserberg führte wohl bekannt. Auch wusste er von Abzweigungen in dem unterirdischen Labyrinth, die tief hinunter unter den Kaiserberg führten wo sich der sagenhafte Saal des Kaiser Barbarossas befand. Hier schlief der Alte bis zu seiner Wiederkunft einen tiefen Schlaf vor einem steinernen Tisch. Alle hundert Jahre wurde er kurz wach und fragte ob die Raben noch zwischen dem Berg und der Barbarossaburg fliegen würden. Sagte ihm sein Diener das die Raben immer noch umherfliegen, schlief er gleich wieder für weitere hundert Jahre ein. Der Ritter vom Beilstein der auch von dieser legende gehört hatte wollte sich selbst davon überzeugen und stieg den dunklen Gang unter seiner Burg hinunter. Er lief so lange durch den Gang bis er im Saal des alten Rotbart angekommen war. Dieser saß schlafend an dem großen steinernen Tisch. Auf diesem lagen die Reichsinsignien, das Schwert, der Reichsapfel, das Kreuz und die Krone. An der feuchten Buntsandstein Wand hing ein großer Schild darauf war ein blutrotes Herz das von einem weißen Pfeil durchbohrt war aufgemalt. Der Kaiser öffnete die Augen und sah den Beilsteiner an. Dann fragte er ihn":Fliegen die Raben noch?" Dieser bejahte die Frage und der alte schloss die Augen um für weitere hundert Jahre in Schlaf zu versinken.
hukwa

Freitag, 25. Dezember 2009

Geheimnisvoller Berwartstein

Märchen, Sagen Legenden um den Berwartstein


In den dunklen Wäldern des Pfälzerwaldes gibt es viele Burgen um die sich Sagen und Legenden gebildet haben. Von vielen dieser uralten Burgen stehen heute nur noch die Grundmauern, andere stehen als Ruinen trutzig auf den Bergkuppen der pfälzischen Landschaft, tief in sich selbst versunken scheinen sie ihre Geheimnisse nicht preisgeben zu wollen, ganz wenige davon haben sogar die Zeiten überdauert und wurden nie ganz zerstört.

Auch der Berwartstein bei Erlenbach hütet viele solcher alten Geheimnisse. Einige davon haben sich im Volksmund erhalten und wurden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben.

Einst lag die Burg in Trümmern und ihre Mauerreste waren von Efeu, Farn und Brombeerhecken so überwuchert, dass es müßig war sich einen Weg in ihren Innenhof zu bahnen. Zu diesen Zeiten suchte eine alte Frau dort nach Brombeeren. Sie war sehr verwundert darüber als sie im Gestrüpp Rossäpfel fand. Sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass sich durch solch ein dorniges Dickicht ein Pferd einen Weg bahnen konnte. Doch über das Sammeln der dicken, fruchtigen Beeren vergaß sie schnell die Rossäpfel. Als sie am späten Nachmittag mit einem Korb voller mostiger Beeren nach Hause kam und mit der Zubereitung der Marmelade begann, fielen ihr die Pferdeäpfel im Dickicht wieder ein. Sie erzählte dies verwundert ihrem Mann. Als dieser ihre Geschichte gehört hatte, beschimpfte er seine Frau aufs Übelste. Denn, so meinte er, diese Rossäpfel seien nur scheinbar Dung, sie würden vom Pferd des wilden Jägers stammen und nimmt man sie mit, verwandelten sie sich zu Hause in Goldklumpen.
Eine weitere Legende um den Berwartstein berichtet von einem Jungen der am Abhang der Burg Ziegen hütete. Als er in der Umgebung der Burg umher streunerte fand er eine seltsame gelbe Kugel, mit der er den ganzen Nachmittag über spielte. Am Abend rollte ihm die Kugel einfach davon und verschwand in einer Erdspalte. Als er das Geschehen in seinem Heimatdorf erzählte, sagte man ihm, dies sei die Goldkugel vom Berwartstein gewesen, nach der schon viele gesucht hätten, doch keiner hatte sie bisher finden können.
Die Kinder vom Dorfe Erlenbach zogen gerne hinauf zur alten Burg um dort Versteck zu spielen. Ein kleines Mädchen wusste um einen geheimnisvollen Eingang, welcher in die unterirdischen Gänge des Berwartsteins führte. Schon öfters hatte sie diese dunklen Gewölbe aufgesucht, aber als das Mädchen diesmal durch den engen Spalt, der tief in das innere der Erde führte, schlüpfte, war alles anders als sonst. Ihre Umgebung war in ein seltsames Licht getaucht und in einer Nische im Mauerwerk fand sie eine seltsame Flasche deren Inhalt grünlich leuchtete. Das besondere aber war, dass sich um diese Flasche eine Schlange wand, die das Mädchen giftig anzischte. Schreiend verließ das Kind den unterirdischen Gang. Als sie wieder die Oberwelt erreicht hatte kamen gerade ein paar Waldarbeiter, die auf dem Weg zu ihrem Holzschlag waren, vorbei. Das Mädchen berichtete diesen von seinem Erlebnis. Die Holzknechte suchten den Gang auf konnten aber nichts entdecken, denn geheimnisvolle Schätze, Schlangenköniginnen oder gar Elfen offenbaren sich nur unschuldigen Kindern.
Wie so viele alte Burgen und Schlösser im Pfälzerwald hat auch der Berwartstein seine weiße Frau. Einst wurde die als uneinnehmbar geltende Burg von wilden Horden erobert. Als der Kampf um die Burg beendet war, waren alle Verteidiger gefallen. Versteckt an einem sicheren Ort in der Burg, saß das Burgfräulein mit ihrem Kinde. Die Burgeroberer legten Feuer und die mächtige und trutzige Festung brannte lichterloh. Die Burgfrau wollte sich auf keinen Fall in die Hände des Feindes begeben, sie blieb in ihrem Versteck bis nur noch Schutt und Asche über waren. Sie und ihr Kind wurden nie wieder als Lebende gesehen. Doch einmal im Jahr, in tiefster dunkler Nacht, holpert eine uralte Kutsche durch die Strassen von Erlenbach hinauf zur Burg. Darinnen sitzen das Burgfräulein und sein Kind. Lange schaut sie vom Burgberg über ihr geliebtes Pfälzerland, um sich dann mit ihrem Kind in den Armen in die Tiefe zu stürzen.
hukwa

Freitag, 24. Juli 2009

Die Schätze zu Wilenstein - ein Trippstadter Märchen

Bei der Burgruine Wilenstein im Karlstal bei Trippstadt zeigt sich manchmal den dort spielenden Kindern eine Schlangenkönigin mit einer wunderschönen goldenen Krone auf ihrem Haupte. Es heißt in den unterirdischen verschütteten Gewölben der uralten Burg, steht eine vermoderte Kiste in der wertvolle Schätze aufbewahrt sind. Ein Hund mit feurig glühenden Augen sitzt auf der Truhe und hält den Schlüssel in seinem Rachen. Ein Knecht vom nahen Wilensteinerhof unternahm einmal den Versuch die Schätze zu heben. Aber vor lauter Angst vor der Bestie flüchtete er und betrat die Burgruine nie wieder. Manchmal lässt sich in Vollmondnächten statt des Hundes auch ein schwarzer Mann in den uralten Ruinen sehen. Die seit vielen Jahrhunderten verschütteten Kellergewölben sollen auch einen besonders kostbaren Wein bergen, der in seiner eigenen Haut liegt.
PS.
Dieses bekannte Trippstadter Märchen spielt auf der Burgruine Wilenstein erbaut im 12.Jahrhundert.
nacherzählt von hukwa