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Dienstag, 16. Dezember 2025

Kröte oder Stoiker

Im Garten unter dem alten Sandstein 
stoisch wie ein Buddha 
die alte Kröte. 
hukwa 
Die Kröte ist ein uraltes Erdsymbol. Die chinesische Mythologie hat eine dreibeinige Kröte auf den Mond verbannt. In der deutschen Volkskunde ist sie ein guter Hausgeist. Im mittelalter steht sie symbolisch für Geiz und Wollust. In der Alchemie ist die Kröte der dunkle, fruchtbare Bodensatz" und Symbol der chymischen Hochzeit. 
hukwa

Sonntag, 17. März 2019

Über die Wurzeln des pfälzischen Pfingstquack im Vergleich zu europäischen Frühlingsbräuchen


Foto©Hans Wagner

Wenn man intensiver über alte Frühlingsbräuche forscht kommt man James George Frazer und seinem Monumentalwerk der „Goldene Zweig“ nicht vorbei. Dieses Werk ist eine volkskundliche Odyssee, ein Nachschlagewerk auf das heute noch jeder Volkskundler zurückgreift.
Forscher wie Frazer aber auch Mannhard schenkten ihre besondere Aufmerksamkeit den mit dem Ackerbau zusammenhängenden Fruchtbarkeitsbräuchen. Hier vermuteten sie die Überreste alter kelto-germanischer Fruchtbarkeitskulte. Daher ist es wohl angebracht anhand einiger aus diesem Bereich entlehnten Beispielen das Frühlingsbrauchtum zu untersuchen. Dieses hat seine Wurzeln in heidnischen Zeiten. Doch die Vermischung mit christlichen Lehren, vor allem Elementen aus dem katholischen Glauben war unvermeidlich. Statt die althergebrachten Bräuche ganz zu zerstören versuchte die katholische Kirche sie in ihre Lehre zu integrieren. So wurde aus dem altgermanischen Julfest unser Weihnachtsfest aber auch Ostern, Allerheiligen und andere Jahresfeste wurden von der Kirche unterwandert. Auch die Quellen und Brunnen wurden mit christlichen Heiligen in Verbindung gebracht obwohl diese bereits heidnische Kultorte waren. Johannes der Täufer wurde zu einer auf die Sommersonnenwende bezogenen Gestalt.
Uns heutigen erscheint die magische Welt sogenannter primitiver Völker als eine in sich geschlossene aber nicht mehr erfahrbare Einheit. Wir können das Denken dieser Völker überhaupt nicht mehr nachvollziehen und doch begegnen wir immer wieder den alten Mythen die sich verkleidet auch heute noch in einigen meist ländlichen Brauchtumsfesten verstecken. Das beste Beispiel hierfür ist der Fasching der ja in seinen Wurzeln ein Frühlingsfest ist nämlich dass der Winteraustreibung. Je tiefer man nun in diese Welt des alten Brauchtums, der Mythen und Jahresfeste vordringt desto tiefer treten wir in eine Welt des Traumhaften und Imaginativen ein in der Kausalgesetze keine Gültigkeit haben. Ob Frühlingsfest, Ostern, Maifest oder Pfingsten die volkskundliche Forschung will immer zur Urform des jeweiligen Festes vorstoßen. So führen Nachforschungen bis in die Zeit des Neolithikums zu einer auf dem Matriachat aufgebauten ackerbauenden Gesellschaft. Seit Jahrhunderten erlebt unsere zivilisierte Welt eine Entmagisierung der Sprach und Vorstellungswelt. Für den modernen Menschen gibt es die Beseelung der Natur nicht mehr. Für unsere Vorfahren aber war die ganze Natur ein einziger beseelter und organischer Kreislauf. Über dieses Heidentum schrieb Jacques Brosse in seinem Buch „Mythologie der Bäume“: „Ein komplexes und differenziertes kosmologisches System, das sich auf die Vielfalt und auf gegenseitige Ergänzung gründete, das System des „Heidentums“ wurde durch einen dogmatischen, intoleranten und manichäischen Monotheismus verdrängt.“.
Der Glaube an den einen Weltenherrscher, der aus irgendeinem Himmelreich die Welt regiert, die ihm untertan ist, verdunkelte schließlich das Bild der alten Erdmutter, die- wie ein pflanzliches Wesen in der Natur lebt und sich um ihre Kinder sorgt die von dieser Natur leben.
Ein altes pfälzisches Brauchtumsfest ist der Pfingsquark der in verschiedenen Gegenden der Pfalz jeweils am Pfingstmontag gefeiert wird. Der „Quackreiter“ soll einen Fruchtbarkeitsdämon darstellen, den man ins Dorf holt und der dafür sorgen soll dass die Ernte reichhaltig ausfällt und das Vieh in den Ställen gesund bleibt. Die Gaben der Bauern und Dorfbewohner an den Quackreiter sind somit Opfer damit der Dämon der Ernte günstig sei. Das Quackfest findet in den pfälzischen Dörfern frühmorgens gegen 6 Uhr seinen Höhepunkt (in heutiger Zeit etwas später). Bereits am Pfingstsonntag versammelt sich die männliche (nicht mehr berufschulpflichtige) Jugend des Dorfes im Wald an einem bestimmten Platz, um aus Ginsterbüschen und Laubzweigen den „Quack“, eine Art Gestell, das dann noch mit Wildblumen ausgeschmückt wird, anzufertigen. Nach dem Abendessen treffen sich die jungen Leute an gleicher Stelle wieder, tragen Holz und Reiser herbei und zünden ein Feuer an. Einige bringen dann Kisten mit Bier herbei oder ein Bierfass das über die Nacht getrunken wird. Dann bringt man ein Pferd herbei dem man das geschmückte Gestell, den „Quack“ aufzäumt. Der „Quackbube“ setzt sich in diesen Quack und reitet, begleitet von der munteren Schar ins Dorf. Hier stimmen die jungen Leute nun folgendes Lied an:

„Quack, Quack, Quack
siwwe Eiser sin geback
siwwe sin gesore
der Quack,Quack soll gut gerore.

Stab aus, Stab aus
Im Winter geht de Jäger aus.
Feier in den Blume
Bringt eh gure Summe

Ri, ra, ro
Heit iwwers Johr simmer wirrer do

Und als die Nacht geendet
war die Finsternis vorbei
wacht alles was am Abend spat
zu seiner Ruh geeilt.

Hört die Schlissel klingele
s werd uns ebes bringele

Ri ra ro
Heit iwwers Johr
simmer wirrer do.“

Dieses Lied wird in jedem Winkel des Dorfes gesungen, während einige der Quackbegleiter Eier, Speck oder auch Geld sammeln. Rührt sich in einem Haus niemand werden die Leute wach geklopft. Ist der Umzug zu Ende, wird gemeinsam in die Kneipe gezogen, getrunken und Eier und Speck verzehrt.

Beim pfälzischen Pfingsquack haben wir es mit der Nachahmung eines wohltätigen Vegetationsgeistes zu tun. Im „Goldenen Zweig“ führt Frazer einige solcher Beispiele an. Er schreibt von Pfingstkönig, Maikönig, Pfingstlümmel, Blattmännchen, Blattkönig genannt. Man findet also „Ausleger“ des pfälzischen Pfingstquack in ganz Europa. Einige Beispiele:
„In Fricktal in der Schweiz gehen die Knaben zu Pfingsten in den Wald und hüllen einen von ihren Gefährten in belaubte Zweige. Er wird der Pfingstlümmel genannt und zu Pferde, mit einem grünen Zweig in der Hand, ins Dorf zurückgeführt. Am Dorfbrunnen wird haltgemacht, und der blättergeschmückte „Lümmel“ wird vom Pferde geholt und in den Trog getaucht. Damit erwirbt er das Recht jedermann mit Wasser zu bespritzen, und er übt dieses Recht besonders an Mädchen und Strassenjungen aus. Die Jungen und Mädchen marschieren in Trupps vor ihm her und bitten ihn, er möchte ihnen eine Pfingstdusche geben“.
Man könnte diesen Vorgang auch als „Pfingsttaufe“ bezeichnen.
„In Ruhla (Thüringen) versammeln sich, sobald die Bäume im Frühling grün werden, des Sonntags die Kinder und gehen in die Wälder hinaus, wo sie einen ihrer Gespielen dazu bestimmen, das „Blattmännchen“ zu sein. Sie brechen Zweige von Bäumen und winden sie um das Kind, bis nur noch seine Schuhe aus dem Blättermantel hervorlugen. Es werden Löcher hineingemacht zum Durchsehen, und zwei der Kinder führen das Blättermännchen, damit es nicht stolpert oder fällt. Singend und tanzend führen sie es von Haus zu Haus und bitten um Gaben in Gestalt von Eiern, Sahne, Wurst und Kuchen. Endlich besprengen sie den Blättermann mit Wasser und tun sich gütlich an dem, was sie eingeheimst haben.
Was an solchen „Bettelgängen“ immer wieder auffällt ist das Sammeln von Eiern. Diese waren früher als auch heute in jedem Haushalt vorhanden sie sind aber auch Teil eines Fruchtbarkeitsrituals. Das Ei ist ein Symbol der Erneuerung des Lebens und es ist in dieser Bedeutung in den ältesten Kulturen bezeugt.
Weiter berichtet Frazer: „Im Fricktal in der Schweiz, wird ein ähnliches Flechtwerk aus Zweigen der „Pfingstkorb“ genannt. Sobald die Bäume zu knospen beginnen, wird eine Stelle im Wald ausgewählt, und hier machen die Dorfburschen in alller Heimlichkeit den „Korb“, damit nicht andere ihnen zuvorkommen. Belaubte Zweige werden um zwei Reifen gewunden, deren einer auf der Schulter desjenigen, der den Korb tragen soll, ruht,während der andere um seine Waden gelegt ist. Man macht Löcher für Augen und Mund, und ein großer Blumenstrauss krönt das ganze. In dieser Vermummung erscheint er plötzlich im Dorfe zur Vesperzeit. Vor ihm marschieren drei Knaben, die auf Hörnern aus Weidenrinde blasen. Das große Ziel seiner Anhänger ist, den Pfingstkorb auf dem Dorfbrunnen aufzustellen und ihn sowie seinen Träger dort zu halten, trotz der Anstrengungen der Burschen aus den Nachbardörfern, die versuchen den Pfingstkorb fortzutragen und auf ihren eigenen Brunnnen aufzustellen.“
Frazer schreibt hierzu: „Häufig ist das in Blättern gehüllllte Geschöpf unter dem Namen König oder Königin bekannt....Dieser Titel bedeutet wie Mannhardt bemerkt, dass der in der Vegetation verkörperte Geist ein Herrrscher ist, desen schöpferische Kraft weit verbreitet ist.“
Natürlich wurden jegliche Art von heidnischen Festen von der Kirche aufs häufigste verdammt. So schrieb im Jahre 1698 Pfarrrer Geysel aus dem Holzland: „Abgesehen von anderen haarsträubenden Gattungen und Arten von Aberglauben, über die ich schweigen will, wird die Feier der vier Samstage nach Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Johannistag festgehalten. Man hält dafür, durch einen solchen Aberglauben Hagelschäden von sich abzuwenden und solches ist ein sehr hartnäckiger Irrtum gewesen. Ich bin mit Gottes Hilfe diesem beizeiten entgegengetreten, sobald ich davon Kenntnis erhielt und habe solche Gebräuche ausgerottet“.
Letztlich konnte die Kirche die althergebrachten Bräuche nicht rigoros beseitigen, so dass sie sich schließlich genötigt sah, die heidnischen Riten zumindest teilweise in ihr Brauchtum zu integrieren.


©hukwa




Lit.Hinweise: Ernst Christmann: Pfälzer Frühlingsbräuche.
J.G.Frazer: Der Goldene Zweig.
Wilhelm Mannhardt: Mythologische Forschungen.
Wilhelm Mannhardt: Feld und Waldkulte.
Jacques Brosse: Mythologie der Bäume.
Hans Wagner: Der pfälzische Pfingstquack und seine Wurzeln im Hain der Diana von Nemi.
Heinz Friedel: Chronik von Schopp.
Otto Wenz: Zur Volkskunde des Pfälzer Holzlandes.


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Zwölf Nächte

Die entlaubte Buche vor meinem Arbeitszimmer
in ihrem Geäst eine einsame Krähe
ein Morgen im Dezember.
hukwa 

Heute ist Stephanstag. An diesem Tag beginnen die Rauhnächte: 
Es ist wie ein Singen
Flüstern und Klagen
es schwebt durch die Lüfte
ein einsames Klagen
lange zwölf Nächte
es ist wie ein Heer
so braust es umher
tut sich Offenbaren
in Regen und Wind
in diesen zwölf Nächten
kehrt Wotan zurück
zieht einsam umher
zwölf lange Nächte
schafft sich einen neuen Erdenleib
reitet auf seinem Ross
zur uralten Quelle
wo Mimir haust
wo der Erde entquillt
Nebel und Rauch
wo die Seherin noch wacht
wo der Zwerg das Erz bewacht
das heidnische Echo kehrt zurück
Wotan ist aus Walhall entrückt.
hukwa

Sonntag, 31. Januar 2016

Im Buchenwald

Die Buche (Fagus sylvatica) wird wegen ihres rötlichen Holzes auch Rotbuche genannt. Wir finden sie in unseren Breitengraten auch in großem Bestand vor. Nur in den östlichen Gebieten und in höheren Lagen des Hochgebirges ist das Klima für den Baum nicht warm genug. Er verlangt außerdem nährstoffreichen, tiefgründigen Boden. In Parkanlagen wird er oft angepflanzt. Am häufigsten findet man dort zwei Arten, die rötliche Blutbuche und die Trauerbuche mit hängenden Zweigen. Vor der kath. Kirche Trippstadt findet sich ein wunderschönes Exemplar einer mächtigen Rotbuche und auch im Trippstadter Schlosspark kann man einige dieser Bäume bewundern.
Vom glatten, silbergrauen Stamm der Buche stehen die stärksten Äste steil nach oben, die von ihnen abgehenden neigen sich und die feinsten Zweige stehen fast waagrecht. Auf diese Weise entsteht eine dichte Krone, die an die Spitzbogengewölbe gotischer Dome erinnert. Die eiförmigen, glanzrandigen Blätter sind anfänglich am Rand zottig bewimpert. Sie liegen meist in einer Ebene und ordnen sich an den Zweigen so, dass keines dem anderen das Licht raubt. Die Staubblüten bilden langgestielte, hängende, fast kugelige Büschel, während die Stempelblüten aufrecht stehen. Je zwei Stempelblüten sind von einer gemeinsamen Hülle umgeben, aus der sich später der stachelige Fruchtbecher entwickelt. Er öffnet sich bei der Reife mit vier Klappen so das die beiden dreikantigen Früchte, die als Bucheckern oder Bucheln bezeichnet werden, herausfallen. Wenn sie im Frühjahr keimen, entstehen junge Buchenpfänzchen, die durch ihre grünen, faltigen und dunklen Keimblätter auffallen. Aus den Bucheckern lässt sich ein gutes Speiseöl gewinnen. Wertvoll ist das Holz des Baumes, das nur mäßig hart aber sehr haltbar ist. Es hat außerdem einen hohen Heizwert. Das Holz dient vor allem zur Herstellung von Möbeln, Treppenstufen, Dielen, Werkzeug und vielem mehr! Auch Holzkohle, Holzessig und Buchenholzteer lässt sich daraus gewinnen.
Auch in der Volks- und Heimatkunde findet sich interessantes über die Buche. In einem alten „Forstlichen Conversationslexikon“ von 1816 kann man lesen: „Die Blätter der Buche sind ein gutes Material zum ausstopfen der Matratzen und Bettsäcke. Sie sind dazu weit vorzüglicher als Stroh. Die mit Buchenblättern gefüllten Matratzen gewähren im Sommer angenehme Kühle. Ihre Lebensdauer beträgt sieben bis acht Jahre.“
Im gleichen Buch steht: „ Aus den Bucheln kann man ein vortreffliches, sehr wohlschmeckendes Öl pressen, das zu allem brauchbar ist. Es hält sich viele Jahre und wird mit jedem Jahr womöglich noch besser.“
Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg zogen Frauen, Männer und Kinder in die Buchenwälder, so in das Waldgebiet des südlich von Trippstadt gelegenen Rotenberges und sammelten die begehrten Bucheln. So berichtete Karl Munzinger im Heft Nr. 14 der „Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt“ über das Buchensammeln im Herbst 1946: „ Jeder, der laufen konnte, eilte in den Wald, um einen möglichst großen Anteil des Segens für sich zu sichern. Das war keine leichte Aufgabe..... Kalter Regen und Schneegestöber ließen rasch die ungeschützten Finger steif und gefühllos werden, dazu kam, dass der Rücken vom ständigen Bücken schmerzte, der Magen knurrte wegen der spärlichen Verpflegung.“
Das erwähnte alte Lexikon berichtet auch über die Buchelmast: „ Die Bucheckern leisten in der Ökonomie mannigfaltigen Nutzen. Sie dienen zur Mästung des Viehs, vorzüglich der Schweine, deren Speck aber davon etwas schwammig und nicht so haltbar wird als der von der Eichelmast.“
Im alten Weistum von Trippstadt können wir dazu folgendes lesen: „ Wenn in den Wäldern Mast vorhanden ist, darf jeder, der im Wilensteiner Gericht wohnt, soviel Schweine in die Mast treiben als er auf seinem Mist gezogen hat. Doch ist dem Herrn der Oberburg (Wilenstein) der Dehem zu entrichten, nämlich von jedem Schwein sechs Pfennig und ein Heller, wovon der Förster den Heller erhält. Wer fremde Schweine eintreiben will, mus die selbe Gebühr bezahlen wie Auswärtige.“ Als Hinweis hierzu: In der alten deutschen Rechtssprechung wurde die Buche zu den „arbores fructi ferae“, den fruchttragenden Waldbäumen gezählt!

Wenn unter dem warmen Hauch des Lenzes die Knospen an Bäumen und Sträuchern springen, trägt auch der Boden des Buchenwaldes sein buntes Frühlingskleid. Wohl raschelt noch an Ästen und Zweigen vereinzelt das dürre Laub vom Vorjahr im leichten Wind, aber Sonnenlicht flutet zwischen den Stämmen hindurch und zaubert einen Blumenflor hervor, den wir hier im Sommer vergeblich suchen. Wilde Veilchen und Schlüsselblumen, Leberblümchen und Windröschen, Waldmeister, Lungenkraut und Sauerklee schmücken nach und nach den braunen Waldboden. So groß ist das Sehnen dieser Frühlingskinder nach Licht, dass einzelne von ihnen die schwarze, modernde Blätterschicht durchwachsen haben, da sie sich nicht beiseite schieben lässt!
Doch bald schwindet der Farbenzauber, die Buchen haben sich unterdessen mit zartem Grün belaubt und die Frühlingsblumen vergehen aus Mangel an Licht. Wie herrlich ruht es sich dafür an heißen Sommertagen imm kühlen Schatten des Buchenwaldes! Lebenden Säulen gleich steigen die glatten, grauen Stamme empor. Ihre dichtbelaubten Kronen verwehren dem grellen Sonnenlicht den Zugang zum Waldgrund. Nur da und dort dringen durch Lücken des Laubwerkes vereinzelt Sonnenstrahlen und rieseln über Stämme und Blätter hernieder wie flüssiges Gold oder tanzen als kleine Sonnen über den Waldboden dahin. Neben den alten Bäumen streben die Stämme junger Buchen in die Höhe. Noch ist es ihnen nicht vergönnt mit ihren Wipfeln den Himmel zu grüßen, dafür strecken sie ihre unteren Äste nach allen Seiten weit aus, um im Halbdunkel soviel Licht wie möglich aufzufangen. Die Blätter sind so angeordnet, dass keines dem anderen das spärliche Licht wegnimmt. Während des Tages verändert sich mit dem Stand der Sonne die Beleuchtung im Wald. Die Buchenblätter aber stellen sich mit Hilfe ihrer Blattstiele immer so ein, dass sie ihre breite Fläche dem einfallenden Licht zuwenden. Nur so ist es den im Schatten lebenden Bäumen möglich, auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen zu gedeihen, Blüten zu bilden und die öligen Samen in den Fruchtkapseln reifen zu lassen. Am schönsten freilich entwickelt sich die Buche wenn sie alleine in einer Waldlichtung steht. Dann wölbt sich über dem kerzengeraden Stamm eine mächtige halbkugelige Krone.
Im Vergleich zum Eichenmischwald herrscht im artenarmen Buchenwald eine weniger reiches Tierleben. So fehlen hier z.B. viele Insekten, besonders Schmetterlinge denen nur der vielgestaltige Eichenmischwald die ihnen zusagenden Lebensbedingungen bieten kann. Andererseits finden in der modernden Laubdecke viele Würmer und zahlreiche Larven Nahrung und Aufenthalt. Da bei dem Verwesen der Blätter fortgesetzt Wärme entsteht, herrscht hier auch im Winter meist eine Temperatur über 0°. Deshalb ist die Laubschicht für viele Kleintiere zum Winterschlaf geeignet. Amseln und Drosseln verstehen es aber wohl, sie hier aufzustöbern! Im Frühjahr ist hier und da im trockenen Laub das backofenförmige Nest des Weidenlaubsängers zu finden. Buchfinken und Rotkehlchen lassen sich im Buchenwald oft hören, ohne allerdings auf ihn beschränkt zu sein. Der Jungwuchs gewährt dem Rotwild guten Unterschlupf.
Da die Buche kalkhaltigen Boden liebt und das Waldesinnere ziehmlich feucht ist, sind Schnecken aller Art, hauptsächlich die auf Kalk angewiesenen Gehäuseschnecken, häufig vertreten.
Zu jeder Jahreszeit lässt sich im Buchenwald die Anmut der schlanken Bäume bewundern. Eine besonders schöne Stelle, ein Buchenhain mit vielen Altbäumen, findet sich im Trippstadter Wald am Osterheldbrunnen. Ein steinerner Tisch und eine grobgehauene Holzbank zieren die Quelle, die moosüberwachsenen Waldmöbel laden zum Verweilen ein! Hier kann man dem Geflüster der Baumwipfel lauschen und hören, was das plätschernde Wasser des Brunnens zu erzählen hat. Alt ist die Quelle und viel hat sie zu berichten. Wieviele einsame Wanderer mögen hier schon gesessen haben? Ihr Leid und Glück den Baumriesen mitgeteilt haben? Wieviele Liebespaare habe sich hier im Laufe der Jahreszeiten ewige Liebe geschworen? Ein Herz und zwei Buchstaben, wohl schon vor langer Zeit in den Stamm einer dicken Buche eingeritzt, wo mögen sie sein, die Liebenden von einst?
Die Wintersonne wirft ihre Strahlen durch die blätterlosen Buchenkronen, wie ein Abglanz der Allseele erscheinen die wärmenden Sonnenstrahlen und man kann hier eine tiefe Beziehung zu den Bäumen spüren. Hier ist man unter Freunden. Man spürt, dass die Bäume leben, um das Schönheitsverlangen der menschlichen Seele zu stillen.
Literaturhinweise
Schmeil - Pflanzenkunde
Erich Bauer - Der Stadtwald in Kaiserslautern
Kosmos Naturführer – Der Wald
Karl Munzinger – Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt, Heft 14
Forstliches Conversationslexikon von 1816
Hans Wagner – Die Buche – Zeitschrift: Der Lebensbaum


Foto © Ute Knieriemen-Wagner


Sonntag, 21. Dezember 2014

Vom Julblock und Raunächten - Eine heidnische Weihnachtsmythologie

Das Julfest war das große Winterfest der Germanen, ursprünglich den Seele der Verstorbenen geweiht, die nach germanischen Glauben um die Zeit der Wintersonnenwende ihren Umzug hielten und an Schmaus und Gelage teilnahmen. Das Fest dauerte in der Regel 12 Tage. Im norden wurde an diesem Fest neben den Geistern auch den großen Göttern, besonders Thor und Freyr, geopfert und Erntesegen für das kommende Jahr erfleht. Ein alter Brauch war es, am Julfest einen großen Eber, das dem Freyr heilige Tier, Gullinborsti, in die Halle zu führen und auf dessen Haupt Gelübde abzulegen. An Stelle des Julfest, trat später unser Weinachtsfest; aber noch heute erinnern, besonders im skandinavischen Norden, verschiedene Gebräuche an das alte heidnische Fest: der Julklap (Weihnachtsgeschenk), das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus geworfen wird, der Juleber oder Julbock, ein feines Gebäck, dem ein Eberkopf aufgedrückt ist, Julgrütze, Julbrot, Julfeuer ect.
Wir sehen also auch das backen von Süßigkeiten geht auf einen alten heidnischen Brauch zurück, wie unsere Weihnachtsgeschenke auch. Die Kirche hat es geschickt verstanden, die alten heidnischen feste zu assimilieren, um den heidnischen Kult mit der christlichen Lehre zu versöhnen.
Trotz Geselligkeit und Festgelage hatte das germanische Julfest einen düsteren Charakter. Es war ja ein Totenfest dessen Wurzeln fest verankert im Ahnenkult der Germanen war. Die toten erschienen in dieser Zeit aus ihren Hügelgräbern (Bezug zu Samhain und Allerseelen). Auch Odin kehrte in dieser Zeit zur Erde zurück. Als Anführer der „wilden Jagd“ tobte er die eine Furie durch die Lüfte. Für Christen war es besonders gefährlich wenn sie die „wilde Jagd erblickten. Die Zeit von der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag nennt man auch heute noch die Zwölften, den 12 Tage währte die „wilde Jagd“. Landschaftlich unterschiedlich benennt man diese Zeit auch „Raunächte“.
Die Rituale des Julfestes fanden im heiligen Hain statt. Hier wurde dann ein Rad, das mit seiner Achse in einem Eichenstamm stand, unter feierlichen Gesängen und Beschwörungen gedreht, bis die Achse durch die Reibung glühend geworden war und das Stroh das man um das Rad gestreut hatte Feuer fing. An diesem Feuer entzündete man nun den Julblock, einen dicken Eichenstamm, der unbedingt glühend gehalten werden musste. Man kann davon ausgehen das dieses verbrennen des Julblocks den Sinn hatte, der im Todeskampfe liegenden Wintersonne zu helfen, ihr scheinbar erlöschendes Licht wieder neu zu entzünden. Wir haben es hier also auch mit einem Sonnenritual zu tun. Der Julblock wir so gelegt, dass er langsam und lange schwellt und wird dann mit Saatgut vermischt für die nächste Aussaat, der Julklotz ist also auch Talisman und Glücksbringer.
Trotz seiner Düsterheit hatte das Fest auch seine fröhliche Seite. Zwölf Tage lang wurde nun gefeiert.
Noch lange lebte der germanische Mythos der Raunächte, also der „wilden Jagd“, im Volksglauben weiter. In dieser zeit glaubte man gingen die Geister um, man sah Werwölfe, Hausgeister tauchten auf und nächtens fuhr Odin mit seinem Anhang heulend und mit Getöse durch die Lüfte.
In Süddeutschland ist es die Bercht, oder auch Percht, die das wilde Heer anführt.
Sie ist eine Erscheinungsform der Göttin Freya, wie Frau Holle auch.
Berchta leitet sich aus dem althochd. Von Berahta ab, was „die Glänzende“ bedeutet. Sie galt ursprünglich als himmlische Sonnengöttin und regenspendente Wolkenfrau und war des Sturmgottes Wotan Gemahlin. Selbst Spinnerin, wie Frau Holle schützt sie die entsprechende weibliche Arbeit, und als Herrin über Wolken und Wind fördert sie das Gedeihen der Frucht. In den Sagen erscheint sie oft als Ahnmutter berühmter Königsgeschlechter, so auch in der Karolingersaga, wo ihr ein eigentümlich großer Fuß nämlich der Schwanenfuß der Göttin Freya beigelegt wird. Die Ähnlichkeiten zu Frau Holla sind eindeutig. Wie diese hütet sie als chthonische Gottheit die Seelen aller Ungeborenen und zu früh verstorbenen Kinder.
In anderen Gegenden wird die Berchta durch Frau Holle ersetzt. Dort saust sie mit der „Windsbraut“ durch die Lüfte. Allerdings ist die Gestalt der Frau Holle weitaus schillernder und ausgeschmückter als die der Berchta. Wenn sie mal gerade nicht durch die Lüfte saust hat sie ihre Behausung an einsamen Quellen, Brunnen und abgelegenen Waldseen. Dort sitzt sie oft und kämmt ihr „goldenes Haar“. Aber schon im Märchen der Brüder Grimm zeigt sich der ambivalente Charakter dieser ehemaligen Totengöttin. Sie belohnt und bestraft die Menschen, ist manchmal mild und manchmal grausam, ist Kinderfreundlich dann wieder eine Kinderschreckgestalt. Am bekanntesten ist sie wohl als Wind- und Schneedämonin. Wenn es schneit, heißt es im Volksmund: Frau Holle schüttelt ihre Bettwäsche oder Frau Holle rupft Gänse.
Der „Frau Holle Tag“ ist der letzte in den zwölf Raunächten, die Nacht vor dem Dreikönigstag. An diesem Tag und in dieser Nacht muss alle Arbeit ruhen.
Nach den Raunächten begann das langsame Hoffen das der Frühling bald wiederkehrt.

hukwa

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Die Wurzeln von Halloween

Inzwischen ist Halloween auch bei uns zu einem modernen Brauchtumsfest geworden. Inwiefern Halloween keltische Wurzeln hat, dürfte umstritten sein. Das Fest wurde ursprünglich in Irland, Schottland und Wales gefeiert und gelangte etwa Mitte des 19. Jahrhunderts mit irischen Einwanderern in die USA.

Wie viele Brauchtumsfeste hat auch Halloween heidnisch-christliche Wurzeln. Der Nacht vor Allerheiligen, also dem Fest der christlichen Märtyrer und Heiligen ging nach dem Volksglauben eine Nacht voraus, in der die Seelen von Verstorbenen, sowie Gespenster und Geister das Jenseits verlassen und ihren Spuk treiben. Eine Verbindung zum keltischen Samhain ist nicht direkt nachweisbar. Die irischen und amerikanischen Wurzeln von Halloween gehen allerdings auf die Sage von „Jack -o- Lantern“ zurück. Samhain war ja kein „Lichterfest“, im Gegenteil, in der Nacht auf Samhain wurde auf Anweisungen der Druiden im vorchristlichen Irland sämtliche Feuer- und Fackelstellen gelöscht bis zum frühen Morgen. Erst dann wurden die „Neujahrsfeuer“ angezündet. Samhain, das am 1. November gefeiert wurde war das keltische Neujahrsfest, mit ihm begann das neue Jahr. Die keltischen Priester (Druiden) rechneten mit aller Wahrscheinlichkeit mit dem Mondjahr, nach dem ihnen der Lauf des Nachtgestirns als Grundlage für die zwölf Monate und die notwendigen Schaltmonate galt.

Die sagenhafte Überlieferung des „Jack-o-Lantern“ berichtet uns folgendes:
Dieser war ein stets betrunkener Schmied der seine Seele an den Teufel verkauft habe. (Ein typisch christliches Bild des Mittelalters). In der Gaststätte, die Jack immer besuchte, überlistete dieser den Satan, der nun auf die Seele des Trunkenbolds verzichten musste. Nach seinem Tod wollte aber auch der Himmel nichts mit dem Sünder zu tun haben, so dass Jack nun dazu verdammt war als Untoter bis in die Ewigkeit umher zu irren. Allerdings hatte ihm der Teufel, als er von Jack überlistet wurde, ein Stück glühende Kohle nachgeworfen. Jack steckte diese in eine ausgehöhlte Rübe, die dem Verdammten nun ein wenig Licht in der ewigen Finsternis spendete. An die Stelle der Rübe trat in Amerika der Kürbis, beide gelten im alten Volksbrauch als Symbol der verdammten Seele.

In meiner Kindheit in den 60ziger Jahren wusste man noch nichts über Halloween. Dennoch schnitzten wir Kinder am Abend des 31. Oktober aus Rüben unsere „Feuerteufel“. Eine Rübe wurde ausgehöhlt, ein Gesicht hinein geschnitzt, eine Kerze hineingestellt, angezündet und bei Dunkelheit zogen wir mit unseren „Feuerteufeln“ durch unser Dorf.

Wenn wir uns nun ein wenig tiefer in den „Glauben und Sitten der Völker“ (Frazer) vertiefen, bemerken wir alsbald, dass auch die alten Ägypter ein „Allerheiligenfest“ zu Ehren ihres Gottes Osiris im November begingen.
Wir können also davon ausgehen, dass verschieden Völker unabhängig voneinander jeweils im November ein „Jenseitsfest“ feierten. Wahrscheinlich waren alle diese Völker davon überzeugt, dass im Neblung, wie unsere Altvorderen den November nannten, die Seelen der Verstorbenen für eine Nacht an ihren ehemaligen Heimatort zurückkehrten. Das Christentum hat schon immer heidnische Festtage für die eigene Glaubensüberlieferung zu nutzen gewusst, so entstand Allerheiligen, dessen Wurzeln zweifelsohne heidnischer Herkunft sind.
In seinem „goldenen Zweig“ schreibt Frazer: „……..Nicht nur bei den Kelten, sondern auch in ganz Europa scheint Halloween der Abend, der den Übergang vom Herbst zum Winter bildet, von alters her die Jahreszeit gewesen zu sein, da die Seelen der Verstorbenen ihre alte Heimat wieder aufsuchen sollen, um sich an dem Feuer zu erwärmen und an der Heiterkeit zu erfreuen, die ihnen ihre liebevollen Angehörigen in Küche und Wohnstube bereiteten. Es war vielleicht ein natürlicher Gedanke, dass das Herannahen des Winters, die armen, klappernden, hungrigen Gespenster aus den kahlen Feldern und entlaubten Wäldern in den Schutz des Hauses mit seinem behaglichen Feuer trieb…..“

Im modernen Volksglauben wurde Halloween zu einem Fest, bei dem man durch das Anzünden von Feuern oder das Erleuchten von Kürbissen, die Hexen und Geister vertreiben will.
Aber letztendlich war es in früheren Zeiten doch so, dass man diese anlocken wollte.
hukwa

Literatur Hinweise.
James George Frazer: Der goldene Zweig
Arnulf Krause: Die Welt der Kelten

Samstag, 13. September 2014

Kleine Volkskunde des Holunders und des Würzwisch

Der Holler

Seit altersher ist der Holunder, vor allem der Schwarze Holunder, den man auch Holler nennt, ein treuer Begleiter des Menschen, der sich im Dorfe an alten Mauern, in Scheuenenwinkeln, in Gärten und überhaupt in der Nähe des Menschen wohlfühlt.
Volkssagen und Märchen ranken sich um seinen Namen. Bei den Altvorderen war der Holunder der „Baum der Holla“, er war also der Frau Holle geweiht. Seine große Berühmtheit kann man schon daran erkennen, das sich sein Name im Laufe von weit über Tausend Jahren kaum verändert hat, den der Name Holunder geht auf die altdeutsche Form „holun – tar“ zurück, wobei tar auf Baum zurückgeht und holun, der Genetiv von Hollla ist. Viele Niederschriften berichten darüber, dass der Holunder bei den alten Germanen in hohem Ansehen stand, zumal in dem Baum der gute Geist des Hofes und Gehöftes, die Hollermutter, Frau Ellhorn genannt wohne, weswegen der Baum das Haus vor Feuergefahr und die Haustiere vor Krankheit schützen würde.
In den Alpenregionen war der Holunderbaum wegen seiner vielen Verwendungsmöglichkeiten vor allem in der Volksmedizin unter ständigen Schutz gestellt worden. So drohte man in alten Zeiten in der Schweiz jedem mit der Todesstrafe, der es wagte einen Holunderbaum zu Brennzwecken abzuschneiden.
Vor ungefähr 700 Jahren behauptete Albertus Magnus, dass die Holunderrinde aufwärts geschabt Erbrechen erzeugen würde, jedoch abwärts geschabt Abführen hervorrufen würde. Im Kräuterbuch des Adamus Lonicerus, dem Artzney – Doctorn und Ordinarius Primarius Physicus zu Frankfurt, gegeben im Jahre des Heyls 1582 lesen wir:
„Die grünen Blätter gestoßen und auf grindige Haut gelegt, heilen sehr. Die Blätter in Wein gesotten und getrunken, benimmt alle überflüssige Feuchtigkeit und treibt die Wassersucht aus. Die Rinden in Wasser gesotten, wenn sie noch grün sind, das getrunken, ruft Erbrechen hervor. Die Blätter oder Frucht von Holder in Salzwasser gesotten, benehmen den damit gewaschenen Füßen die Geschwüre. Gegen Schlangen- oder Natternbiß sind darüber gelegte Blätter des Holders gut. Das Holderblütenwasser ist gut gegen das Zittern der Hände, welche Morgens und Abends damit bestrichen werden sollen und die man selber trocken werden lassen soll, ist auch gut zu alten und kalten Schäden, welche mit Holderblütenwasser gewaschen und Tücher darüber gelegt, diese heilet...“
Noch vor fünfzig Jahren sangen die Kinder im Westrich einen Reim auf den Holunder:

Ringele, ringele, reihe -
sind der Kinder dreie,
sitzen unterm Hollerbusch,
schreien alle husch, husch, husch!

In der Pfälzischen Volkskunde von Albert Becker lesen wir.


„Besondere antidämonische Kräfte besitzt im Volksglauben auch der Holunder (Holler). Sollen die Holunderblüten als Arznei wirksam sein, so müssen sie am Johannistag mittags 12 Uhr gepflückt werden (Potzberg). Auch der Holunder wehrt der Pest; in den Boden gesteckt vertreibt er Mäuse und Maulwürfe.“






Der Würzwisch

Eine besondere Pflanzenverehrung in der Pfalz, galt von jeher die Kräuterweihe des „Pfälzer Würzwisch“, die noch bis in jüngste Zeit besonders in katholischen Gegenden ausgeübt wurde. Beim Würzwisch verschiedentlich auch Würzbüschel genannt, handelt es sich um ein Kräuterbündel das je nach Region zwischen 7 und bis zu 77 unterschiedliche Kräuter enthalten kann. Bereits aus vorchristlicher Zeit liegen uns Überlieferungen vor die von diesem heidnischen Kult berichten. Im Jahre 745 n. Chr. Wurde der Brauch verboten dann aber christianisiert weil er einfach unausrottbar für die Kirchenväter war. Man begann damals die Heilwirkung des Würzwisch vor allem auf Maria zurückzuführen. Im Sachsenspiegel aus dem 13. Jh. lesen wir:
„Dat is to Krudemisse unser liben Frawn as sei to Himmel voer – was wir etwa so übersetzen können: Am Tag, als Maria zum Himmel fuhr, wird die Kräutermessse gehalten“.
Also zu Mariä Himmelfahrt (15. August).
Peter Weisrock beschreibt das Brauchtum um den Würwisch in der allgemeinen Zeitung Mainz wie folgt:

„Wenn in früheren Jahren an Mariä Himmelfahrt der Würzwisch geweiht wurde, dann konnte man in den tagen vorher etliche Kindergruppen beim Pflücken großer Feldsträuße in der Gemarkung beobachten. Meist war ein Erwachsener oder ein Jugendlicher dabei, die sich mit der Auswahl der Pflanzen auskannten. Die Kräutersträuße wurden im sonntäglichem Hochamt feierlich gesegnet und zu Hause auf dem Dachboden oder in der Scheune aufgehängt.
Der Brauch der Kräutersegnung war in den katholischen Regionen weit verbreitet und geht bis in das 10. Jahrhundert zurück. Es waren ausschließlich Heilkräuter, die gesammelt und getrocknet wurden, um als Hausapotheke zu dienen. Ursprünglich waren es vierzehn Kräuterarten, die von der Zahl der vierzehn Nothelfer herrührten. Mit der sich immer weiterentwickelten Kenntnis über die Heilkräfte von Pflanzen, wurde die Art und Zahl des Kräuterstraußes immer vielfältiger. So gab es früher auch in unserer Gemarkung eine erstaunlich große Zahl echter Heilkräuter, von denen die meisten erst im August zum Blühen kamen. Mit dem Aufkommen pharmazeutischer Heilmittel nahm die Bedeutung der Heilkräuter immer mehr ab, jedoch blieb der Brauch des Würzwisch Sammelns lange erhalten. In unserer bis Mitte der 1960er Jahre weitgehend bäuerlich geprägten Welt diente der geweihte Strauß nicht nur zur gesundheitlichen Hilfe. In Dachböden und Scheunen aufgehängt kam ihm eine besondere Schutzwirkung gegen Blitz- und Hagelschlag zu, also gefahren, die Haus und Ernte vernichten konnten. Heute sind es meist die Landfrauenvereine , die diese alte Tradition noch pflegen.“

Das Brauchtum um den Würzwisch ist von Region zu Region oft recht unterschiedlich. Interessant ist natürlich auch was Albert Becker dazu schreibt. In seiner Pfälzischen Volkskunde lesen wir:

„Mitte August, am Tag Mariä Himmelfahrt, der als Geburtstag Napoleons I. In der Pfalz selbst dann noch gefeiert wurde, als die Revolution alle Heiligen tage weggefegt hatte, findet in katholischen Ortschaften die Kräuterweihe statt. Wie am Palmsonntag die „Palm“ eingesegnet wurde, wird jetzt der Würzwisch (mund. Werzwisch) geweiht. Neben Feldfrüchten (Hafer, Hanf, Nüsse, Weizenähren, Zwiebeln) sind im Würzwisch allerhand alte Heilkräuter nachweisbar: Johanniskraut, Muttergottes Bettstroh, Dausendgillekraut, Abnemmekraut, Frauenflachs oder Hasemailcher, Odermännelcher, die als Tee gegen Hämorhoiden gebräuchlich sind, Fleeschknepp, Blutkneppcher oder Blutstrepple, Wurmmehl oder Rainfarn; die weiße Himberknepp werden als Tee gegen Husten getrunken... „

Was an diesem Bericht interessant ist, das ist die Tatsache das man immer wieder Wege fand das alte Brauchtum aufleben zu lassen. Wurde das heidnische verboten wurde es von der Bevölkerung christianisiert, verbot man das katholische Brauchtum lebte es wie bei Mariä Himmelfahrt im Geburtstag Napoleons I . weiter.

Das in der Pfalz ein recht großes Wissen über Pflanzenbrauchtum und Volksheilkunde überliefert ist hängt ohne Zweifel auch mit drei großen Gelehrten des Mittelalters zusammen die hier wirkten: Hildegard von Bingen, Hieronymus Bock und Tabernaemontanus. Der Strom klösterlicher Heilkräuterkunde hat sich im Laufe der Jahrhunderte mit mit heidnischen Überlieferungen vermischt und so entstanden die oft seltsam an zumutende Kräuterbräuche. Dazu kam das durch die Erfindung der Buchdruckerkunst Geistesgut praktisch jedermann der Lesen konnte zugänglich wurde. Zu den meist gedruckten und bestverkauften Verlagsobjekten gehörten die Kräuterbücher. So auch das bedeutendste Kräuterbuch des 16. Jahrhunderts, das „New Kreuterbuch“ von Leonhart Fuchs“ (1501 – 1566).
hukwa








Dienstag, 10. Dezember 2013

Die Kornmutter - Ein volkskundlicher Beitrag zum alten Feenglauben

Wenn ich als Kind im Hochsommer durch das Küchenfenster den vom Wind bewegten Weizen auf dem Feld des alten Bauern Müller beobachtete sagte meine Großmutter oft zu mir: „Die Kornmutter geht durch das Feld“. Das war in den 1960er Jahren. Es ist verblüffend wie lange sich der alte Feenglaube erhalten hat. Grund genug für mich ihm ein wenig intensiver auf den Grund zu gehen.
Allgemein verbreitet war dieser Glauben. Er zog sich über ganz Europa. Mit einer Vielzahl lokaler Namen bezeichnet waren Feen für die Landbevölkerung anscheinend real existierende Wesen. Sie waren meistens von kleinem Wuchs und man sagte ihnen nach das sie über Zauberkräfte verfügen würden. Sie hausten unter der Erde im Wald, im Wasser oder auf dem Feld. Auch gab es spezielle Hausgeister. So fütterte meine alte Großmutter, Gott sei ihrer Seele gnädig, regelmäßig eine Kreuzspinne über Jahre hinweg, die unter unserem alten Küchenherd hauste. Für sie war die Spinne der gute Hauskobold. Als Kind waren für mich Winds-braut und Frau Holle ebenfalls reale Wesen.
In den volkskundlichen Überlieferungen über Feen und Naturgeister kommen widersprüchliche Einstellungen zum Ausdruck. So gibt es böswillige und gefährliche Zauberwesen, die dem Menschen Schaden beibringen und es gibt die gute Fee und den guten Kobolden.
In dieser Abhandlung geht es um den Korngeist.
In vielen Teilen Europas war die Auffassung verbreitet das im heranreifenden Getreide ein Korngeist hause. In vielen Gegenden stellte man sich darunter ein weibliches Wesen vor dass wahrscheinlich auf die alte Demeter zurückzuführen ist. „So hat Mannhardt behauptet, das der erste Teil von Demeters Namen von einem angeblich kretischen Worte „deai“, Gerste, hergeleitet sei, und das demnach Demeter nicht mehr und nicht weniger bedeute als Gerstenmutter oder Kornmutter, denn die Wurzel des Wortes scheint von den verschiedenen arischen Stämmen auf verschiedene Getreidearten angewendet worden zu sein“, so lesen wir bei Frazer in seinem „Goldenen Zweig“.
In anderen Gegenden wiederum stellte man sich dieses Kornwesen als Ziege, Kalb, Katze oder Kaninchen vor. Eben so wie für meine Großmutter eine Kreuzspinne zum Hauskobolden wurde.
Der Vorgang des Getreideschneidens und Dreschens wurde als „Tötung“ der Kornmutter angesehen.
So sah man in dem langsamsten Schnitter, also dem der die letzte Garbe schnitt den „glücklichen Schnitter“ und stellte ihn in den Mittelpunkt von Ernteritualen. Die zu letzt geschnittene Korngarbe wurde zu einem Kranz gewunden und meist im Stall oder an der Haustür angebracht. Sie sollte Haus und Hof Glück bringen, das Vieh vor Krankheit schützen und vor allem im nächsten Jahr eine gute Ernte einbringen. Frazer als auch Mannhardt sahen in diesem Ritual ein uraltes, archaisches Opferritual. Bestimmt haben sie recht doch die Rituale um den Korngeist oder die Kornmutter hatten noch einen weiteren realen Sinn. Die Funktion des Korngeistes diente auch als Schreckgespenst. Es sollte ganz einfach verhindern das jemand das reifende Korn niedertrat. So wurde unter anderem die „Roggenmutter“ als ein furchtbares Wesen geschildert. Eine Variante der Roggenmutter die in Deutschland beheimatet war sah man als Furcht einflößende Hexe mit eisernen Brüsten, der man nachsagte sie schlage kleine Kinder tot wenn diese dass Roggenfeld betreten würden.
In der russischen Folklore finden wir die „Polewiki“, sie trug eine Sichel bei sich mit der sie Trunkenbolden die in das Getreidefeld trampelten den Bauch aufschlitzte. In Schweden finden wir den „Kornbock“, einen Geist in Ziegengestalt, der im laufe des Jahres immer größer wurde und jenen die ins Kornfeld hinein trampelten aufspießte. In Schlesien schärfte man den Kindern ein: „Der Wolf sitzt im Kornfeld und wird euch in Stücke reißen“.
Insgesamt aber galt die Kornmutter als fruchtbringender Geist und die Ahnin dieses Korngeistes dürfte zweifelsohne Demeter sein. 
hukwa

Literaturhinweise:
James Frazer: Der goldene Zweig
Paul Herrmann: Deutsche Mythologie
W. Mannhardt: Die Korndämonen.
J. Simpson: Volkstümliche Erzählungen und Bräuche.


Dienstag, 22. Oktober 2013

Halloween und Samhain

Halloween ist heute auch in Deutschland, wie seit Jahrzehnten in Amerika, zu einem Modefest von dem ein ganzer Industriezweig lebt geworden. In der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November werden allerorts Partys gefeiert, man verkleidet sich und die Kinder ziehen durch die Straßen wie in der Walpurgisnacht. Halloween hat seine Wurzeln im keltischen Samhain Fest.
Alle Sagen und Bräuche um Halloween wurden in Irland und anderen keltischen Ländern erst in den letzten 200 Jahren überliefert. Mit der keltischen Mythologie haben sie allerdings nur indirekt zu tun.
So ist das Symbol von Halloween, der Halloween – Kürbis kein keltisches Symbol sondern Jack o Lantern, so bezeichnet man in den USA diesen Kürbis, geht auf eine alte Sage zurück die irische Auswanderer mit nach Amerika brachten.
In Irland erzählte man sich die Sage von Jack O Lantern, einem ständig betrunkenen Schmied, dessen Seele sich der Teufel schon gewiss war. Doch Jack überlistete den Teufel und konnte seine Seele behalten. Nach seinem Tod wollte aber auch der Himmel nichts mit diesem Sünder zu tun haben, so das Jack gezwungen war in einem Zwischenreich (Anderswelt) umherzuirren. Der Teufel hatte Mitleid mit ihm und warf ihm ein Stück brennende Kohle zu, die ihm Licht spenden sollte. Jack steckte es in eine ausgehöhlte Rübe, an dessen Stelle in Amerika der Kürbis trat – beide gelten als Symbol der verdammten Seele.
In Irland haben keltische Bräuche und Symbole bis heute zum Teil überlebt. Im frühen Mittelalter, als man dort das Allerheiligenfest einführte stand man den damals schon zersplitterten Resten der keltischen Mythologie noch näher. Denn Allerheiligen fiel so mit der Feier des wichtigsten altirischen Festes zusammen, nämlich mit Samhain. An diesem Tag begann nach keltischem Glauben der Winter und das neue Jahr. Zum gleichen Termin feierten die alten Iren auch noch ihr Erntedankfest. Man beging diese Nacht und den darauffolgenden Tag mit einer Reihe von Festlichkeiten.
Die alten Kelten wussten, dass sich zu Samhain die Tore zur keltischen „Anderswelt“ öffneten. Aus den Hügeln strömten Elfen und Geister und die Tür zum keltischen Jenseits öffnete sich in dieser Nacht einen Spalt. Zweifelsohne besteht hier auch eine Analogie zum Allerheiligen- und Allerseelenfest.
Samhain bedeutet etymologisch „Ende des Sommers“ also Winteranfang.
Am Samhain Fest mussten alle Mitglieder der Gemeinschaft teilnehmen. In der Samhain Nacht wurde für die Kelten ihre Mythologie zur Realität. Ihre Druiden reisten in dieser Nacht in die „Autre Monde“ – die keltische Anderswelt. Am Vorabend vor dem Fest wurden in ganz Irland sämtliche Feuer gelöscht, ein Zeichen dafür, dass das alte Jahr „gestorben“ war. Die Wiedergeburt des „neuen Jahres“ begann in dem Augenblick wenn die Druiden neue Feuer entzündeten.
In dieser Nacht verbindet sich die Welt der Götter mit der Welt der Menschen.
Das Samhain Fest dauerte drei Tage und drei Nächte. 
hukwa

Freitag, 18. Oktober 2013

Die Morchel - kleine Pilzvolkskunde

In Schlesien glaubte man, dass der Teufel, als er einmal sehr übel gelaunt war, eine alte Frau gepackt, sie in Stücke zerrissen und diese überall in der Gegend verstreut habe. Wo immer eines dieser Stücke den Boden berührte, soll eine Morchel gewachsen sein, die der alten Frau mit ihrem verrunzelten Gesicht ähnlich sah.
hukwa

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Die Stinkmorchel - kleine Pilzvolkskunde

Wenn man sie nicht sieht riecht man sie, pflegte mein Großvater zu mir zu sagen wenn wir in die Pilze gingen . Gemeint ist die Stinkmorchel. In einigen Teilen Deutschlands glaubten die Jäger, dass die phallusähnlichen Pilze an den Brunstplätzen der Hirsche wüchsen. Ihre eigenartigen "Eier", ihre Gestalt und ihr widerlicher Geruch machten es nur natürlich dass man sie mit Hexen und bösen Geistern in Verbindung brachte.
Die Stinkmorchel wurde aber auch regelmäßig als Zutaten zu Liebestränken oder als Aphrodisiakum benutzt. Man verfütterte auch diesen Giftpilz ans Vieh, um so seine Fruchtbarkeit zu vermehren. Im Mittelalter verwendete man Stinkmorcheln auch als Zubereitung eines Öles, das Gichtschmerzen lindern sollte. Es wurde auch zur Behandlung von Rheuma und sogar Epilepsie verwendet.
hukwa

Kleine Pilzvolkskunde

"Schwämme und Pilze wachsen bis zum Allerheiligenfest" habe ich Gestern in einem alten Kalender gelesen. Nun eigentlich wachsen sie ja das ganze Jahr über.
Pilze haben die Menschen jahrhundertelang fasziniert. Sie waren Symbole des Verfalls und entwickelten sich an feuchten, ungemütlichen Stellen, an denen sich auch Kröten, Fledermäuse und Schlangen gerne aufhielten. Da Schlangen oft giftig sind, hielt man Pilze und Schwämme ebenfalls für böse. In Wales nennt man Giftpilze heute noch "Fleisch der Gnome".
Wegen ihrer Eigenschaft, urplötzlich und auf Wunderbare Art aufzutauchen, brachte man sie in Verbindung mit den Göttern, mit dem Donnerschlag, mit Blitz und mit dem Mond. 

Wenn der Mond voll ist,
kannst du Pilze jederzeit ernten;
ist er jedoch abnehmend,
so warte besser, bis du sie wieder nimmst,
sagt eine alte Volksweisheit.

In einigen Teilen Europas erzählt man sich folgende Geschichte: Eines Tages ging Petrus mit Christus durch einen Wald und aß von dem Brot, das ihm die Einwohner eines Dorfes gegeben haben. Dabei spuckte er etwas davon auf den Boden. Daraus wurden Pilze. Der Teufel, der den beiden folgte, spuckte ebenfalls aus. Sofort wuchsen auf dem Platz, wo sein Speichel die Erde berührt hatte, die Giftpilze. Es heißt in alten Schriften das Manna des alten Testaments seien Pilze gewesen, da sie wie durch ein Wunder über Nacht aus dem Boden schießen.
hukwa

Montag, 25. März 2013

Der Baum als Ort des Austauschs

Der Baum steht auch als Symbol für Kommunikation und Austausch des Menschen. Noch heute trifft man sich in vielen Dörfern "unter der Linde" oder bei "der Eiche". In alten Zeiten wurde unter diesen Bäumen Gerichtsurteile gefällt und die ältesten des Dorfes hielten hier ihre Beratungen ab. Solche Thingbäume standen meistens auf dem Marktplatz, beim Dorfbrunnen, bei Burgen und Klöstern. Doch vor allem war der alte Dorfbaum ein Symbol für Freude und Frieden. Und Martin Luther sagte nicht nur:..."ginge Morgen die Welt unter würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen". Er sagte auch: "Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken, tanzen und fröhlich zu sein".
hukwa

Samstag, 23. März 2013

Der Baum als Freund und Helfer

Der Baum war schon immer Zufluchtstätte für den Menschen. Ob im Märchen wie bei Aschenbrödel, das auf das Grab der geliebten Mutter einen Haselbaum pflanzte oder in Kriegszeiten wo sich Menschen in den Wäldern unter Bäumen versteckten vor mordender und raubender Soldateska. Der Baum gilt als Helfer und Glücksbringer. In schlechten und in guten Zeiten stand der Baum dem Menschen immer als Freund, Helfer und Ernährer nahe.
hukwa

Sonntag, 9. Dezember 2012

Weihnachten ein Fest des Glaubens und des Aberglaubens


Pflanzen in Brauchtum und Aberglaube und ihre verborgenen volkskundliche
Überlieferungen.

Aberglaube und Bräuche im Zusammenhang mit Pflanzen bieten eine besonders reiche Fundgrube an Beispielen für die Verflechtungen christlicher Lehren mit Elementen des Volksglaubens, von denen einige sich eindeutig als vorchristlichen Ursprungs identifizieren lassen.
Vor allem in den Riten der Sommer- und Wintersonnenwende begegnen wir immer wieder Zeremonien in deren Mittelpunkt Pflanzen stehen.
In den dunkelsten Zeiten des Jahres, in den Tagen vor und nach Weihnachten, traten in früheren Zeiten die Pflanzen in ein besonderes inniges Verhältnis zu den Menschen die in ländlichen Regionen wohnten. Um das Weihnachtsfest legte sich ein Kranz volkstümlichen Brauchtums. Nach der Christianisierung der Germanen sind in die Feiern der Weihnachtstage mit der Zeit auch Bräuche aus dem heidnischen Fest der Wintersonnenwende eingeflossen. Sie nahmen christlichen Inhalt an.
Das Wissen um die geheimnisvollen Naturkräfte zur Zeit der Wintersonnenwende lebt zum Teil auch heute noch in den Menschen die in ländlichen Regionen zu Hause sind gefühlsmäßig weiter.
Das Landwirtschaftliche Jahr beginnt nicht wie das astronomische mit dem 1. Januar, sondern mit dem Kirchenjahr also mit der Adventszeit. Zwar ist um diese Zeit die Pflanzenwelt noch erstarrt, doch die Menschen früherer Zeiten, spürten damals wohl noch intensiver als wir heutige dass das Licht nun die Dunkelheit bald besiegt hat. Die Natur selbst mit ihrem Jahresablauf gab zu diesem Gedanken Anstoß. Die Tage waren in dieser Zeit immer kürzer geworden, die Nacht hatte schon fast die Vorherrschaft gewonnen. Aber am 21.Dezember, dem Wendekreis des Krebses, hat es dann das Licht endlich geschafft die Dunkelheit zu besiegen. Langsam werden die Tage wieder länger. Schon seit frühester Zeit haben die Menschen in dem Monat, in dem wir heute unser Weihnachtsfest feiern, den Sieg des Lichtes über die dunklen Mächte mit Freude und meditativer Besinnung gefeiert.
In diese Zeit fällt auch der Brauchtum der Barbarazweige. 
Am Tag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, schneidet man auch heute noch Zweige von Obstbäumen und Sträuchern um sie in eine mit Wasser gefüllte Vase zu stellen. Wenn diese dann um die Weihnachtstage aufblühen sah man darin ein Zeichen das dem Haus oder Hof Glück, Wohlstand und Gesundheit bescheren sollte. Noch bis vor etwa hundert Jahren war dieser Brauch besonders bei heiratsfähigen Mädchen sehr beliebt. In aller Heimlichkeit schnitten sie sich drei Barbarazweige, stellten sie in einen mit Wasser gefüllten Krug und gab
En jedem Zweig einen bestimmten Wunsch mit auf den Weg, oder gaben ihm den Namen ihres Liebsten oder der Person die sie gerne heiraten würden. Blühten sie zum Weihnachtsfest auf, so dachten sie gingen ihre Wünsche in Erfüllung. Nach Weihnachten nutzte man diese Zweige als „Lebensruten“, Menschen die damit „gepeitscht“ wurden, schenkten sie frische Kraft für das kommende Jahr. 
Die Zweige des immergrünen Wachholders verwendete man in den Dörfern des Westrichs als „Lebensruten“. Sie zeigten auch in der Winterzeit allen sichtbar die unbesiegbare, nicht völlig ruhende Vegetationskraft. Nach den Weihnachtsfeiertagen wurden mit Wachholderzweigen , die Kühe in den Ställen leicht geschlagen, damit sie auch im kommenden Jahr wieder Milch geben.
Der Wachholder dem man auch die Namen Quickholder, Queckholder, Weckholder, Wacholder gab galt im Volksglauben als ein Wach – halter, ein Lebendig – macher, der die Sterbenden am Leben erhalten kann. Zu Zeiten der großen Pestepidemien im Mittelalter glaubte man durch Wachholderzweigen könnte man sich vor Ansteckung schützen.
In vielen Dörfern brannte man damals Notfeuer die mit Wachholderholz geschürt wurden. Heute wissen wir das dieser Baum eine stark desinfizierende Wirkung hat, und das der Brauch also gar nicht so unnütz war.
Die Vögel sollen die Heilwirkung des Wachholders einst von den Dächern gepfiffen haben: Eßt Kranewitt (Wachholder) und Bibernell, dann sterbts nit so schnell.“ Kranewitt wurde der Wachholder nach dem Volksnamen der Wachholderdrossel genannt, die vorwiegend von den Früchten des Strauchs lebte.
Auch zu St. Martin gab es einen Wachholderbrauch. In manchen Orten war die Matinsgerte, ebenfalls eine „Lebensrute“ oft aus Wachholderzweigen gebunden. Am St. Martinstag zog der Dorfhirte mit der Martinsgerte von Haus zu Haus und steckte einen Zweig davon an die Stalltür. Dieser Zweig sollte das Vieh vor Krankheit schützen und auch Fruchtbarkeit erwirken. Die bösen Geister, die das Vieh verhexen könnten, sollten vor dem Wachholderzweig Reißaus nehmen. Während der Hirte den Uzweig aufsteckte sprach er dazu:     „Kimmt der Martini mit seiner Gert;

             Glück ins Haus, Unglück raus!
             So viel Krametsbia (Wachholderbeeren) soviel Kälberküh!
             Nehmt die Martinigert und steckts ober d Tür.“

Auch als Gegenzauber wurde der Wachholder verwendet. Gegen das Verhexen der Milch, rührte man diese einmal mit einem Wachholderstöckchen um, und in die Weinfässer legte man ebenfalls gerne ein Stück Wachholderholz damit der Wein nicht durch die Sprüche eines Neiders schlecht werde.
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit konnte man besonders in der Nordpfalz noch sehen, dass Obstbäume in der Christnacht oder an Silvester mit einem Strohseil umwickelt wurden: Ein sehr alter und früher häufig geübter „Fruchtbarkeitszauber“ unserer Vorfahren. Man hoffte dadurch im kommenden Jahr auf eine besonders reiche Obsternte. Das Gegenteil wurde erreicht wer es wagte in der Christnacht Brot zu backen: denn die Obstbäume in der Gegend, durch die der Rauch zog, würden dann im kommenden Jahr keine Frucht tragen.
Noch im vergangenen Jahrhundert gab es im ländlichen Raum keinen Hausgarten in dem nicht die Christrose (schwarze Nieswurz) angepflanzt war. Blühte sie in der Christnacht, konnte man mit einem reichen Obst- und Getreidejahr rechnen. In der Vorderpfalz sah man darin das Zeichen für ein besonders gutes Weinjahr.
Jedes Jahr musste der Ackerboden bevor man mit dem Pflücken beginnen konnte „“gereinigt“ werden. In verschiedenen ländlichen Gegenden wurden am Neujahrsmorgen vor Tagesanbruch eine aus Weißdornzweigen zusammengerollte Kugel auf dem Acker verbrannt., damit sollten böse Geister vertrieben und ein Befall des Getreides mit Brandpilz verhindert werden. Diese Kugel war jeweils ein Jahr zuvor am Neujahrstag gesteckt worden und hatte das Jahr über als Glücksbringer im Haus gehangen. Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie im Brauchtum versucht wurde, eine ungebrochene Folge fruchtbarer Jahre zu symbolisieren und sicherzustellen; es gibt unzählige Bräuche, in denen ein Gegenstand auf rituelle Weise präpariert und gesegnet ein Jahr lang zur Schau gestellt um dann schließlich ebenfalls auf ritualisierte Weise vernichtet wird, um sogleich von einem anderen gleichartigen ersetzt zu werden. Was das Verbrennen betrifft, so steckt dahinter natürlich der uralte und weltweite Glaube an die Fähigkeit des Feuers, böse übernatürliche Kräfte zu vertreiben, aber daneben kam darin auch eine- von der modernen Wissenschaft nicht geteilte- Auffassung zum Ausdruck, Krankheiten resultierten aus „schlechter Luft“, und Feuer und Rauch (Ausräucherung), könnten hier vorbeugen. 
Das Pflücken selbst begann mit einem Zeremoniell , meist unmittelbar nach dem Dreikönigstag. In der Zeit zwischen Weihnachten und diesem Tag pflegte man die Pferde ruhen zu lassen und besonders gut zu füttern; in manchen europäischen Ländern wurde ihnen am Stephanstag, dem 26. Dezember, Blut abgezapft, wohl gemäß der mittelalterlichen Auffassung dies stärke den Organismus.
Auch die Mistel ist eine Pflanze die eine geheimnisvolle Aura umgibt. Schon bei den Feiern der altgermanischen Wintersonnenwende, spielten Misteln eine wichtige Rolle. Und noch heute brennt während der Weihnachtsfeiertage in ganz Skandinavien der hölzerne Julbock, dessen ausgekohlte Reste früher zum Schutz für das Haus aufbewahrt wurden. Das Holz stammt von einem Baum, in dessen Zweigen die Mistel wächst. In der englischen Grafschaft
Staffordshire würde man kleinen Bissen vom Weihnachtspudding genießen, wenn die darunter brennende Flamme nicht von Mistelzweigen genährt würde. Nach einer Legende soll die Mistel einst ein Baum des Waldes gewesen sein, der das Holz für das Kreuz Christi geliefert hatte. Es heißt, dass der Baum vor Schmach, auf seine jetzige Größe zusammengeschrumpft, sonst aber zum Wohltäter verwandelt worden sei, der auf alle Vorrübergehende Güte und Reinheit ausschüttet. Über kaum eine Pflanze gibt es eine solch ausgedehnte Mythologie wie über die Mistel. Den Germanen und Kelten galt die Mistel als zauberkräftig und war neben dem Eisenkraut, die wichtigste Zauberpflanze. Sie war die geheimnisvolle Zauberpflanze der keltischen Druiden. Als Amulett getragen bringt sie Glück, man verwendet sie als Heirats- und Liebessegen. Die immergrüne Pflanze gilt als Symbolpflanze der Wintersonnenwende überhaupt. Ihr Brauchtum zur Wintersonnenwende und Weihnachten hat bis in unsere Tage überlebt. 
Die wohl bekannteste Sage die sich um die Mistel rankt ist die von Baldur einem nordischen Vegetationsgott. Dieser träumte Nacht für Nacht er würde einmal ermordet werden. Seine Mutter Freya, nahm das für ein böses Vorzeichen. Sie suchte die gesamte Beseelte und unbeseelte Natur auf. Steine und Metalle, Wasser und Feuer, Tiere und Pflanzen und ließ sich von allen Versprechen, dass sie Baldur nichts antun würden. Den Mistelzweig ließ sie aus. Als der eifersüchtige Gott Loki davon erfuhr, gab er Baldurs blindem Bruder Hödur einen Pfeil aus Mistelholz, der Baldur traf und tötete.  Die Sage stellt eine Allegorie zwischen Winter und Sommer dar, zwischen sterbender und auferstehender Vegetation.
Heute ist die heidnische  Mistel ein beliebtes Symbol das man sich zur Weihnachtszeit über die Tür hängt. 
Die Vermischung christlicher Lehren mit Elementen eines aus vorchristlicher Phase oder einer nichtchristlichen Kultur stammenden Aberglauben war im Grunde unvermeidlich, und schon die Missionare selbst begannen damit: Statt die althergebrachten Bräuche ganz zu zerstören, versuchten sie in der Regel eher, sie in das Christentum zu integrieren, in dem sie ihnen eine für die Kirche akzeptablere Bedeutung gaben. Geschichten die man sich über alte heidnische Götter oder Volkshelden erzählte, wurden nun mit christlichen Heiligen in Verbindung gebracht; geheiligte Stätten (Bäume, Quellen, Höhlen usw.) erhielten eine christliche Interpretation; und Dinge, die bei kultischen Zeremoniellen verschiedenster Art eine Rolle spielten, vom Mistelzweig bis zu den „Lebensruten“, vom Lebkuchen – Lebe – Kuchen bis zum Christstollen und Freudenfeuer wurden unter christlichen Vorzeichen neu legitimiert. 
Weihnachten war in alter Zeit ein Fest des Glaubens als auch des Aberglaubens.
Eine himmlische Gestalt, die im tiefsten Winter zur Erde kommt und den Menschenkindern Geschenke bringt, findet sich in mehreren nichtchristlichen Mythen. Im christlichen Glauben erscheint diese Figur als Nikolaus, als Christkind.
In den Rauhnächten kehrte Allvater Wotan zur Erde zurück. Zwölf Nächte lang reitet er nun mit seinem Pferd durch die Lüfte. Er beschützt jedes Haus das ihm und seinem Pferd Nahrung bot. Auch in den Rauhnächten brachte die ländliche Bevölkerung dem „alten Gott“ Opfer.
Schon immer war Weihnachten nicht nur ein Fest des Glaubens sondern auch des Aberglaubens.

Lit. Hinweise.
James George Frazer: Der Goldene Zweig
Susanne Fischer: Blätter von Bäumen; Irisiana Verlag.
Jacqueline Simpson:  Volkstümliche Erzählungen und Bräuche: Büchergilde Gutenberg.
Alfred Kloos: Pflanzen in Brauchtum und Aberglaube: Heimatkalender des Landkreises KL.
Hans Wagner: Die Mistel. Zeitschrift Runenstein
Hans Wagner: Die Mistel eine alte Zauberpflanze; Zeitschrift: Der Lebensbaum
Hans Wagner: Die Mistel: Hans Wagners Naturseite – heimatpfalz. de


hukwa

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Die Linde als Kulturbaum


Volkstümlicher Aberglaube und volkstümliche Bräuche als integraler Bestandteil des ländlichen Lebens, am Beispiel der Linde.


Wenn man versucht sich über die Volkskunde und Ethnologie in das Leben unserer Vorfahren hinein zu versetzen muss uns klar sein das vor allem die Bewohner der ländlichen Räume in einem Spannungsfeld von Kräften lebten, die für uns heutige nur schwer verständlich sind. Was wir Volksüberlieferung nennen, ist ein System von Überzeugungen, das Erklärungen sowohl für natürliche als auch vom Menschen herbeigeführte Ereignisse und Phänomene bot, ein Orientierungsrahmen also, den der Landbewohner sich zu eigen machen konnte und der ihm scheinbar ein gewisses Maß an Sicherheit einräumte. Wir missverstehen das Wesen dieser Überzeugungen, wenn wir in ihnen nichts anderes als Märchen oder eine falsch überlieferte romantische Erzählung sehen. Hervorzuheben  ist auch dass die systematische wissenschaftliche Beschäftigung mit der Volksüberlieferung und der mit ihr einhergehenden Volkskunde die im 19. Jahrhundert einsetzte und ihren Schwerpunkt von Anfang an ausschließlich auf dass Studium des ländlichen und nicht städtischen Materials konzentrierte.. Eine volkskundliche Überlieferung der Städte bedarf einer extra Abhandlung.  Im Mittelpunkt dieses Textes steht natürlich die Beziehung Mensch – Baum aus der Sichtweise der volkskundlichen Überlieferung. Es geht hier natürlich nicht um den zeitgenössischen Landbewohner selbst, sondern um dessen Vorfahren. Dennoch ist eine gewisse  Aktualität vorhanden, da ich in den letzten zwei Jahrzehnten durch Gespräche mit älteren Menschen erfahren konnte das über die Linde als „Kulturbaum“ immer noch Reste auch in unserer heutigen „modernen dörflichen Landschaft“ existieren. Man könnte also von verborgenen Funktionen volkskundlicher Überlieferungen sprechen, die heute noch in uns als eine Art „archaisches Überbleibsel“ existieren.
Wer die Landschaften der Pfalz  erwandert sei es der Westrich, das Nordpfälzer Bergland oder auch den Pfälzerwald dem werden immer wieder einzelstehende Flurbäume auffallen die dieses Landschaftsbild ästhetisch prägen.  Sie sind ein altes Kulturgut und haben eine starke Wirkung auf das Landschaftsbild. Solche Bäume haben natürlich auch eine ökologische Funktion als Grenz und Flurbäume haben sie aber ihre besondere Werte und Bedeutungen.
Von jeher haben Bäume eine besondere Beziehung zu uns Menschen, sie galten Jahrhunderte lang als Symbole des Lebens, der Geborgenheit und des Schutzes. Hatten ihre Funktion als Gerichtsbäume bei der alten Thingstätte aber auch als Dorfbaum (Dorflinde) worunter sich die Bevölkerung traf um sich auszutauschen, solche Dorfbäume hatten eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion in der dörflichen Gemeinschaft. Ihre Funktion war auch religiöser und mythologischer Natur. So kennen wir den Weltenbaum, den Lebensbaum, den Baum der Erkenntnis um nur auf einige symbolische Bedeutungen des Baumes hinzuweisen. Auch heute sind die Bäume unserer Landschaft noch immer Mittelpunkte. In einer bedrohten Umwelt sind sie uns Ausdruck des Beharrens und der Hoffnung,
Schon Karl der Große forderte in seiner „Capitulare de villis“von 812 die Anpflanzung von Linden in allen Dörfern, auf den Marktplätzen um die Kirchen und bei den Königshöfen „zum Wohle aller“.
Vom frühesten Mittelalter bis in unsere Zeit pflanzte man die Linde zur Erinnerung an Gedenktage oder zur Ehrung von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur.
Einzelbäume dienten oftmals als Wegzeichen und stehen bevorzugt an Weggabelungen, wo sie heute noch immer das Landschaftsbild verschönern. Sie waren einst rechts- oder Territorialgrenzen oft markierten sie auch den schon erwähnten Gerichtsplatz.
Vor allem im Volksglauben und der Mythologie der Germanen nimmt die Linde einen hervorragenden Platz als „Kulturbaum“ ein. Das beweisen uns die vielen Sagen, Legenden und Flurnamen die mit diesem Baum verbunden sind. Noch heute ist in einigen Ortschaften die Dorflinde Zierde und Stolz des ganzen Dorfes. Unter ihr versammelten sich einst ausgewählte Männer zu Beratungen um das Wohl und wehe des Ortes um Hilfesuchenden zu helfen und vor allem um das Recht zu sichern. Über besonders schlimme verbrechen musste manchmal auch der „Stab gebrochen werden“, dies bedeutete sie wurden zum Tode verurteilt. In solchen Urteilen aus dem Mittelalter heißt es oft in alten Urkunden: „gegeben unter der Linde, oder gegeben unter der Linde vor der Kirch auch gegeben unter der Linde vorm Schloss“.
Wohl die beiden berühmtesten „Gerichtslinden“ sind die von Ferdinand Freiligrath (1810-1876) besungenen  „Femelinden“ bei Dortmund (Feme= geheimes Gericht). Ihre von den Freischöffen gefällte Urteile waren gefürchtet und wurden vom Volke sagenhaft ausgeschmückt und verklärt.
Unter der Linde huldigten und leisteten die Untertanen ihrem Herrn den Treueeid. So ließ sich Bischoff Siegfried III., von Speyer am 9. Juli 1478 in Klingenmünster im Klosterhof vor der Kirche „unter der Linde“ huldigen. Am 11. August 1560 schworen die Bewohner von Udenheim und Umgebung (bei Mainz) dem neugewählten Bischoff „unter der Linde“ vor dem Schloss die Treue. Am 16. August 1560 leisteten die Untertanen aus den Dörfern um Lauterburg ihrem Bischoff den Treueid und versprachen Gehorsam „unter der Linde im Schlosshof von Lauterburg“. Neben den historischen  „Femelinden“ kennt die Sage auch „Blutlinden“. Die bekannteste steht vor der Kirche zu Frauenstein bei Wiesbaden. Sie soll eine mächtige tausendjährige Linde mit weitausladender Krone sein. Der Glaube an blutende Bäume war im Mittelalter nicht selten.

Allein schon an der Linde erkennen wir welch tiefer Bezug unsere Vorfahren einst zu Bäumen hatten. Und noch bei Goethe erkennen wir welch tiefe Bedeutung Bäume für ihn hatten. So schrieb er in „Dichtung und Wahrheit“: „Schon den Knaben hatte das heilige Geheimnis des Waldes angezogen, und als er das einem älteren Freund gestand, war es ihm eine Offenbarung, zu hören, das die Germanen in den Wälder wohnend gedacht, und ihnen Bäume geweiht hatten“.
Bäume erfüllen unser Bedürfnis nach Schönheit im Landschaftsbild und das verschwinden der alten Flur- und Feldbäume, das wir in den letzten Jahren immer öfters beobachten konnten ist ein ökologischer, kultureller und ästhetischer Verlust. Solche Bäume in der offenen Flur sind das dringliche Gedächtnis an vergangene Ereignisse und sind meistens mit der lokalen Geschichte eines Ortes- und einer Landschaft verbunden. Somit schaffen sie auch regionale Identität. 
Die bäuerliche Kulturlandschaft wie wir sie vor allem im Westrich und der Nordpfalz vorfinden ist ohne den „Kulturbaum“ nicht denkbar.
Unter Weidbäumen fand das Weidevieh Schutz, das Jungvieh in den hausnahen Baumgärten. Unter Eichen fanden die Schweine neben Schatten auch Nahrung. Auch das Ackerland war reichlich mit Bäumen ausgestattet, denn Bäume waren für Mensch und Zugvieh als Schattenspender für die Feldarbeit unverzichtbar. Bäume lieferten Nahrung und Holz. Gepflanzte Flur und Grenzbäume sind geradezu ein Merkmal der dörflichen Kulturlandschaft. Wo gesiedelt wurde, wurden Bäume gepflanzt. Bauernhöfe waren in der Regel immer von Bäumen umgeben und aller Orts fanden sich „Hofbäume“. Diesem wurden segensreiche Wirkung und schützende Kräfte vor Blitzschlag- und Unwetter zugeschrieben. Vom landschaftlichen Standpunkt betrachtet haben die großen Hofbäume und die Bäume um die Wirtschaftsgebäude einst das Gehöft oder den Weiler in die Landschaft harmonisch eingebunden.
Es gab den Brauch der Hochzeits- und Geburtsbäume. Ein traditioneller Brauch der nicht nur auf dem Dorf üblich gewesen ist, wo Hofübergabe, Heirat und Baumpflanzen oft zusammengehörten. Die Heiratserlaubnis war nach der Not des 30jährigen Krieges in etlichen Ländern mit einer Baumpflanzung verknüpft, so unterhielt beispielweise die Reichsstadt Rothenburg einen Baumhain als sogenannten Hochzeitswald. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war es in vielen Orten üblich bei Geburt eines Kindes im Garten einen Obstbaum zu setzen. Im allgemeinen wählte man bei der Geburt eines Mädchens einen Apfelbaum, bei einem Jungen einen Birnbaum.
Anlässe und Gründe, einen Baum zu pflanzen, gab es immer genug: zur Erinnerung an ein ausgewandertes Familienmietglied, zum Dank für eine glückliche Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft. 
Der „Kulturbaum“ gehörte schon immer in menschliche Ansiedlungen. Seine Behandlung in den verschiedenen Regionen unseres Landes bezeugt dass einst ein weitaus besseres und natürlicheres Verhältnis zwischen Mensch und Baum bestand. Im Banne der Dichtung lebt dieses Verhältnis bis heute fort. Aber auch in den Mythen, Sagen, Legenden Und Aberglauben, in Erlassen von Fürsten und Bischöfen, in den Waldforschungen nachmittelalterlicher Forstleute.
Nach dem die Kirche massiv das verehren heiliger Bäume verboten hatte und Zuwiderhandlungen unter drastische Strafen gestellt hatte, waren es die Linden, die als einzige der alten Baumheiligtümer in die neue Zeit hinübergerettet wurden. Nachdem an der alten Gerichts- oder Freya Linde ein Kreuz oder eine Mariefigur befestigt worden war, sah der Klerus in den Bäumen nichts mehr gefährliches mehr, und sie durften weiterhin im Mittelpunkt des dörflichen Lebens stehen bleiben.
So wurde die Linde zu unserem wichtigsten Kulturbaum. Sie blieb auch in christlicher Zeit der Schutz- und Familienbaum der den Familien und der Gemeinde Schutz und Gesundheit bescheren sollte.
Anscheinend mag auch die Linde die Menschen, den nirgendwo breitet sie sich so stark und mächtig als Einzelbaum aus wie in der Mitte der Dorfplätze. Ganze Bücher voller Gedichte und Lieder sind geschrieben worden was sich einst unter der alten Dorflinde ereignet hat. Junge Paare tanzten im Mittelalter begleitet von der Handtrommel und der Flöte um den Baum. Vor allem im Wonnemonat Mai löste in alter Zeit ein Tanzfest das andere ab.
Unter der Linde, soll Zwergenkönig Laurin die Schwester Dietrichs von Bern geraubt haben, und hier besiegte Siegfried den Drachen.
Walther von der Vogelweide bereitete sein berühmtes Liebeslager aus Heidekraut und Rosen unter der Linde, wohl folgten diesem Beispiel viele Liebespaare nach Walther.
So sind die meisten Lindengeschichten oft auch Liebesgeschichten, denn die Linde ist der Baum der Liebe. Bei den Germanen galt Freya als die Göttin der Liebe und ihr war die Linde geweiht. Die Kirche Vereinnahmte die Linde dann als „Maria Linden“. Der alte Kulturbaum lebte somit in seiner uralten Symbolik weiter. Doch es sollte so nicht bleiben. Die friedliche Koexistenz zwischen dem katholischen Glauben und den überlieferten Volksbräuchen, die der Landbevölkerung so viele tröstliche Rituale zum Schutz vor überirdischen Gefahren und zur Einteilung und Markierung der Stationen ihres Jahresablaufs lieferte, erfuhr eine unsanfte Störung durch die Reformation. Von heute auf Morgen war der Gebrauch von Heiligenbildchen, Weihwasser, geweihten Palmzweigen, anbringen von Kreuzen an Lindenbäumen usw. verboten; die meisten Feiertage zu Ehren irgendwelcher Heiligen wurden abgeschafft, Wallfahrtsstätten wurden geschlossen. Diese Erfahrung muss ein tiefes Trauma gewesen sein. Was an volkstümlichen Riten aus den Jahrhunderten danach überliefert und gesammelt ist, strotzt nur so vor pathetischen Versuchen, das wenige an spirituellen Kräften, das der Landbevölkerung in verschiedenen Regionen noch zur Nutzung übrigblieb, aufzugreifen und in den Dienst ihrer materiellen Bedürfnisse zu stellen.
Doch auch diesen Angriff sollte der alte Kulturbaum überstehen. So sehen wir am Beispiel der Linde das bis in die jüngste Zeit volkstümlicher Aberglaube und volkstümliche Bräuche ein integraler Bestandteil des ländlichen Lebens in allen seinen materiellen, sozialen und religiösen Aspekten gewesen ist aus dem die Bevölkerung zweifelsohne kulturellen Sinn und Werte bezogen hat. So hat sich bis in die jüngste Zeit hinter dem „Kultbaum“ Linde die alte germanische Göttin Freya versteckt und als aus der Linde ein „Kulturbaum und Tanzbaum“ wurde, war dies auch nichts Neues, schließlich tanzte man schon in archaischen Zeiten um Bäume, die Bräuche haben im Wechsel der Kulturformen nur immer wieder neue Bedeutungen angenommen. So auch der Freiheitsbaum, der ja oft von einer Linde repräsentiert wurde. Der Baum gemeinhin mit dem Maifeiertag in Verbindung gebracht, wurde zu einem Symbol der Freiheit. So auch das Tanzen um diesen Baum, wie auch das Tanzen um die Tanzlinde. In unserer Gesellschaft hat sich das Tanzen auf der einen Seite zu einer trivialen Freizeitvergnügung, auf der anderen Seite zu einer Kunstform entwickelt. In den frühen Kulturen war der Tanz jedoch eine äußerst wichtige kollektive Handlung der mit existenziellen und symbolischen Bedeutungen wie Ernte und Aussaat zu tun hatte. 
Man kann also davon ausgehen das die ländlichen volkskundlichen Überlieferungen, wenn auch in einer zersplitterten Form in verschiedenen Gegenden immer noch existieren. Für die Volkskundliche Forschung ist es wichtig diese letzten Zeugnisse von Menschen die einfach ausgesprochen noch um die „Linde tanzten“ aufzuzeichnen.

Lit. Hinweise:
Jacqueline Simpson: Volkstümliche Erzählungen und Bräuche.  In: Die Bäuerliche Welt; Verlag ,; Verlag Büchergilde Gutenberg.
Susanne Fischer: Blätter von Bäumen; Irisiana – Verlag.
Jacob Grimm: Deutsche Mythologie.
Sir James Frazer: Der goldene Zweig. Rowohlt Verlag.
Alfred Kloss: Die Friedenslinde von Bruchmühlbach; Heimatkalender Landkreis Kaiserslautern 1982.
Hans Wagner: Die Eiche in der deutschen Volkskunde: Kranz der Wälder 2003.
 Dr. Hilde Nittinger: Von der Bedeutung der Bäume in der Landschaft; Zeitschrift schwäbischer Heimatbund.
Hans Wagner: Mythologie der Bäume: In Zeitschrift: Der Lebensbaum; Bad Windsheim.
Hans Wagner. Der Baum des Lebens: In Zeitschrift: Der Runenstein.

hukwa

Sonntag, 16. September 2012

Von Lochbäumen, Bannsteinen und Siebengeschworenen und ihren Geheimnissen - Eine heimatkundliche Erinnerung


Ich erinnere mich heute noch gut an einen seltsamen Brauch in meinem Heimatort. Während des Besuchs der Grundschule wanderten wir einmal im Jahr zum „großen Stein“, so nannte man im tieferen Wald einen alten Grenzstein. Einer von uns Jungen musste sich dann symbolisch mit dem Bauch auf den Stein legen und der Lehrer schlug dann mit einer Gerte leicht auf unseren Hosenboden. Ich wusste nicht was dieser Brauch bedeutete. Irgendwann fragte ich meinen Großvater der Feldgeschworener gewesen war und er erklärte mir diesen uralten Brauch:
Schon immer bestand in bäuerlichen Kulturen, die Notwendigkeit, Grenzen zu markieren. Anfangs waren es natürliche Grenzmarken die man nutzte, also Bachläufe, Flussläufe, Gesteinsformationen, einzeln stehende Bäume oder natürliche Felsen. Über die Römer kam dann die Sitte behauene Grenzsteine zu nutzen zu uns, jedoch brauchte man dazu bis ins Mittelalter um Grenzsteine einzusetzen, davor waren es die sogenannten Lochbäume die oft Grenzen markierten. Da nun Steine beständiger sind als Bäume übernahm man also die römische Art der Grenzsteinsetzungen.
Es bestand immer die Gefahr das Grenzsteine manipuliert wurden, erzählte mir mein Großvater, daher setzte man Feldgeschworene oder sogenannte „Siebengeschworene“ ein die für die Richtigkeit der Grenzsteine garantierten. Es kam im Laufe von Jahrhunderten immer wieder einmal vor das Grenzsteine heimlich versetzt wurden um sich Vorteile zu schaffen. Um solchen Frevel zu erschweren haben sich unsere Vorfahren einiges einfallen lassen. So wurden sieben Geschworene benötigt, um einen Grenzstein ordnungsgemäß zu platzieren. Wenn das Werk vollbracht war, legte man einen Jungen über den Stein und schlug ihm symbolisch ein paar Streiche auf den Hintern. Ihm wurde im Beisein anderer die Tatsache des neuen Grenzsteins regelrecht „eingebläut“. Was auch einen einfachen philosophischen Hintergrund hatte und bedeuten sollte: die Wahrheit ist nicht verrückbar! So in etwa erklärte mir mein alter Großvater den Brauchtum der „Steinstaufe“, wie wir ihn als Kinder nannten.
Er erzählte mir aber auch einiges aus dem Leben der Feldgeschworenen und ihren „Siebengeheimnissen“.
Das Setzen der Grenzsteine wurde von  Sieben Männern ausgeübt. Diese Männer waren vereidigte Personen und wurden Feldgeschworene genannt. Es gibt eine mittelalterliche  „Ordnung für Feldschieder“ und diese nennt sieben Voraussetzungen für eine Ernennung. Mein Großvater hat mir diese Voraussetzungen nie genannt doch ich habe durch eigene Nachforschungen in etwa herausbekommen was diese Ordnung besagte:

Soll jeder sein im Ort geboren und soll sein zehn Jahre Bürger, ehe man ihn zum Feldschieder machet, derweilen sich in dieser Zeit seine ganze Beschaffenheit zeiget und man erkennet, ob er ein rachsüchtiger und unverschämter Erdenwurm ist; nicht Säufer, ein Spieler, ein Streiter, ein Schwärmer ist; ein ruhiger, gelassener, bei jedem Streit gesetzter Mann ist; die Grenzen seiner Nachbarn in Dorf und Feld in Ordnung hält“.

Solche Feldgeschworenen wurden auf Lebenszeit gewählt und auch ihr Schwur währte ein Leben lang, er durfte das Siebenergeheimnis nicht weitergeben nur an seinen Nachfolger.
Nun hat mir mein Großvater dieses Geheimnis auch nicht weitergegeben doch durch Recherchen bin ich hinter einige Geheimnisse dieser alten Feldschieder gekommen.



Das Wort „Grenzstein“ ist noch gar nicht so alt. In alten Zeiten sprach man vom Bann oder einer Mark. Die Urform des Wort „verbannen“ bedeutet nichts anderes als jemanden aus einem gewissen Machtbereich auszuweisen. Selbst das Wort markieren hat seine Urbedeutung in den alten Lochbäumen und Grenzsteinen.
Auf jedem Grenzstein befinden sich spezielle Zeichen – Ortszeichen, Wappen, Jahreszahlen, laufende Nummern. Auf der Kopfseite mancher Grenzsteine befindet sich eine gekerbte Rille, die den weiteren und genauen Grenzverlauf angibt, dies ist die sogenannte „Weisung“.
Ändert eine Grenze die Richtung, dann setzte man die sogenannten Haupt- oder Ecksteine. Die dazwischen stehende Steine nennt man „Läufer“. Bei den Römern war es Brauch beim Setzen eines Grenzsteines die Münze ihres regierenden Kaisers unter den Stein zu legen. Die feldgeschworenen übernahmen sozusagen diese „römische Methode“ und legten seltsame Steine, Eisenteile ect. unter die Steine. Dies blieb ein Geheimnis unter den Siebengeschworenen, das nur an ihre Nachfolger weitergegeben wurde. Und so war es nicht verwunderlich dass ein Feldgeschworener des 20. Jahrhunderts wusste was unter einem Grenzstein lag der im Jahre 1744 gesetzt wurde. An dieser Stelle erinnere ich mich auch daran das mein alter Großvater einmal geheimnisvoll von einem „Siebenerbüchlein“ zu mir sprach ohne mir den Sinn dieses Wortes zu erklären.
Grenzen und Eigentum im Pfälzerwald zu kennzeichnen begann wohl mit der Besiedelung des „monte vosagus“ wie ihn die Römer nannten zur Zeit der Franken. Etwa im 12. Jahrhundert begann man damit die alten Haingeraiden auszuscheiden und die fränkischen Gaugrafen belehnten und beschenkten die ersten Klöster im Pfälzerwald mit Land. Gleichzeitig wurden Waldteile ausgewiesen um die errichteten Burgen belehnen zu können. Als nun auch noch Städte Wald erhielten, war der alte königliche Forst bis auf den kleinen Reichswaldrest um Kaiserslautern aufgeteilt.
Der Pfälzerwald ist durch und durch kulturgeschichtlicher Boden. In Verbindung mit der Stadt Lautern hat diese Landschaft an der Reichsgeschichte als fränkischer Königshof an der westöstlichen Magistrale von Lothringen an den Rhein Anteil genommen, als Rodungsinsel und Verwaltungsmittelpunkt des in der Merovingerzeit geforsteten Wasgau. Und zweifelsohne kann man die Wälder um Kaiserslautern als das Sanssouci Barbarossas bezeichnen. Wenn auch der Kaiser seine Burg hier vielleicht nie gesehen hat so gibt es genügend urkundliche Zeugnisse für den Aufenthalt der Mächtigen in Lautern und im umliegenden Forst. Zwischen Mai 1158 und August 1310 liegen 27 urkundlich einwandfrei bezeugte Aufenthalte römischer Könige und deutscher Kaiser in Lautern.
Wenn die Hohenstaufen von der Kaiserpfalz in Lautern zum Trifels und zur nächsten Pfalz die sich in Hagenau befand ritten, war ihr Weg immer der gleiche: Von Lautern über den Hirschgrund nach Johanniskreuz zum Eschkopf, dort bog man zum Taubensuhl ab und ritt hinunter nach Eußerthal, wo sie im Zisterzienser – Hauskloster ihrer Reichsfeste Trifels einkehrten. Barbarossa dürfte auf dieser Reise gewiss auch eine kurze Rast in seinem geliebten Jagdhaus am Jagdhausweiher in der Nähe des Aschbacherhofes gemacht haben.
Der Pfälzerwald wurde im frühen Mittelalter also vorwiegend von Mönchen besiedelt. Nach 1152, dem Jahr seiner Königserhebung, stiftete Friedrich I. in Lautern ein Marienhospital und überantwortete es Prämonstratensern aus dem oberschwäbischen Kloster Rot an der Rot, das der später Heilig gesprochene Ordensvater Norbert von Xanthen 1126 hier selbst gegründet hatte. Aufzeichnungen übermitteln uns ein Bild von den Nöten der hier abgesetzten Ordensleute in der Wildnis des königlichen Bannforstes. Wie sich die meisten der Mönche in den dunklen Wäldern fühlten vermittelt eine Anfrage des damaligen Lauterer Spitalmagisters bei der hl. Hildegard von Bingen. Er fühle sich den Belastungen seines Dienstes seelisch nicht mehr gewachsen, schrieb er, und spiele mit dem Gedanken, zur kontemplativen Lebensform in der ruhigen Klausur seines Heimatklosters zurückzukehren.


Wo so viele Klöster und Burgen standen musste es auch viele Grenzbäume und später eben Grenzsteine geben. Dort wo die natürlichen Gegebenheiten fehlten um einen Grenzverlauf zu markieren benutzte man sogenannte Lochbäume. In den alten Grenzbeschreibungen  des 16. Jahrhunderts fallen uns immer wieder solche Lochbäume in alten Schriftstücken auf. Das alte Weißtumb von der Frankenweide aus dem Jahre 1533 beschreibt solche Lochbäume:

„…von demselben Stein,…bis zum Krodenborn, da steht ein Lochbaum, von demselben Lochbaum an der alten Strasse nach bis in alte Gefälle, da steht ein Lochstein“.

Wir wissen aus der „Beforschung“ von Velmann das im Jahre 1600 in Johanniskreuz zwei Steine und dreizehn Lochbäume standen. Auch am bereits erwähnten Jagdhausweiher stand ein solcher Lochbaum. Velmann schreibt: „Vom Jagdhauser Kopf hinab zum 3. Stein in dem Rombacher Thal, ist ein liegender Fels bei der krummen Buche, oberhalb, da des Kaisers Jagdhaus gelegen, über das Thal hinüber und die Halde hinauf zum Dansenberg“.

Die Markierungen an solchen Lochbäumen wurden mit einer besonderen Axt ausgeführt, der sogenannten Waldaxt, einem fast sakralen Werkzeug, über diese Axt mehr in meinen „Aufzeichnungen über die Haingeraiden Forsten in der Südpfalz“.

Die alten Grenzsteine hüten noch manches Geheimnis. Hier möchte ich nur den seltsamen Henkmantels – Loogstein bei Johanniskreuz erwähnen. Zeichen wie die Wolfsangel auf Grenzsteinen sind wohl bestens erforscht, aber auch in unseren Trippstadter Wäldern warten noch einige dieser Steine  die ihr Geheimnis bisher noch nicht preisgaben.

Lit. Hinweise:
Walter Eitelmann – Rittersteine im Pfälzerwald
Walter Frenzel – Grenzsteine im Pfälzerwald
Daniel Häberle – Des Kaisers Jagdhaus beim Jagdhausweiher; Der Pfälzerwald Heft 6/1906
Michael Münch –Pfälzer Heimat; Heft 1, 1995