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Montag, 25. März 2013

Der Baum als Ort des Austauschs

Der Baum steht auch als Symbol für Kommunikation und Austausch des Menschen. Noch heute trifft man sich in vielen Dörfern "unter der Linde" oder bei "der Eiche". In alten Zeiten wurde unter diesen Bäumen Gerichtsurteile gefällt und die ältesten des Dorfes hielten hier ihre Beratungen ab. Solche Thingbäume standen meistens auf dem Marktplatz, beim Dorfbrunnen, bei Burgen und Klöstern. Doch vor allem war der alte Dorfbaum ein Symbol für Freude und Frieden. Und Martin Luther sagte nicht nur:..."ginge Morgen die Welt unter würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen". Er sagte auch: "Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken, tanzen und fröhlich zu sein".
hukwa

Samstag, 23. März 2013

Der Baum als Freund und Helfer

Der Baum war schon immer Zufluchtstätte für den Menschen. Ob im Märchen wie bei Aschenbrödel, das auf das Grab der geliebten Mutter einen Haselbaum pflanzte oder in Kriegszeiten wo sich Menschen in den Wäldern unter Bäumen versteckten vor mordender und raubender Soldateska. Der Baum gilt als Helfer und Glücksbringer. In schlechten und in guten Zeiten stand der Baum dem Menschen immer als Freund, Helfer und Ernährer nahe.
hukwa

Dienstag, 25. Dezember 2012

Raunächte

Es ist wie ein Singen
Geflüster und Klagen
Es schwebt durch die Lüfte
Lange zwölf Nächte
Es ist wie ein Heer
Das braust umher
Es hat sich offenbart
In Regen und Wind
In diesen zwölf Nächten
Hör des Hähers Geschrei
So alt wie die Sterne
Wechselnd die Gestalt
Zieht Wotan umher
Zwölf lange Nächte
Schafft er sich einen neuen Erdenleib
Reitet auf seinem Roß
Zur uralten Quelle
Wo Mimir wacht
Zwölf lange Nächte
Dort der Erde entquillt
Rauch Nebel und Dampf
Starre Eichen ragen stumm
In ihnen haust das Rabenpaar
Wo die Seherin noch wacht
Wo der Gnom das Erz bewacht
Wo die Windsbraut ganz geschwindt
Zwölf lange Nächte lang
Alles an sich bindet
Jetzt da sich Schlaf und Traum vermählen
Janushaupt im Stein Geäder
In das der Mond sein Siegel brennt
Kehrt das Echo zurück
In der zwölften Nacht
Ist Wotan entrückt.
hukwa

Sonntag, 9. Dezember 2012

Weihnachten ein Fest des Glaubens und des Aberglaubens


Pflanzen in Brauchtum und Aberglaube und ihre verborgenen volkskundliche
Überlieferungen.

Aberglaube und Bräuche im Zusammenhang mit Pflanzen bieten eine besonders reiche Fundgrube an Beispielen für die Verflechtungen christlicher Lehren mit Elementen des Volksglaubens, von denen einige sich eindeutig als vorchristlichen Ursprungs identifizieren lassen.
Vor allem in den Riten der Sommer- und Wintersonnenwende begegnen wir immer wieder Zeremonien in deren Mittelpunkt Pflanzen stehen.
In den dunkelsten Zeiten des Jahres, in den Tagen vor und nach Weihnachten, traten in früheren Zeiten die Pflanzen in ein besonderes inniges Verhältnis zu den Menschen die in ländlichen Regionen wohnten. Um das Weihnachtsfest legte sich ein Kranz volkstümlichen Brauchtums. Nach der Christianisierung der Germanen sind in die Feiern der Weihnachtstage mit der Zeit auch Bräuche aus dem heidnischen Fest der Wintersonnenwende eingeflossen. Sie nahmen christlichen Inhalt an.
Das Wissen um die geheimnisvollen Naturkräfte zur Zeit der Wintersonnenwende lebt zum Teil auch heute noch in den Menschen die in ländlichen Regionen zu Hause sind gefühlsmäßig weiter.
Das Landwirtschaftliche Jahr beginnt nicht wie das astronomische mit dem 1. Januar, sondern mit dem Kirchenjahr also mit der Adventszeit. Zwar ist um diese Zeit die Pflanzenwelt noch erstarrt, doch die Menschen früherer Zeiten, spürten damals wohl noch intensiver als wir heutige dass das Licht nun die Dunkelheit bald besiegt hat. Die Natur selbst mit ihrem Jahresablauf gab zu diesem Gedanken Anstoß. Die Tage waren in dieser Zeit immer kürzer geworden, die Nacht hatte schon fast die Vorherrschaft gewonnen. Aber am 21.Dezember, dem Wendekreis des Krebses, hat es dann das Licht endlich geschafft die Dunkelheit zu besiegen. Langsam werden die Tage wieder länger. Schon seit frühester Zeit haben die Menschen in dem Monat, in dem wir heute unser Weihnachtsfest feiern, den Sieg des Lichtes über die dunklen Mächte mit Freude und meditativer Besinnung gefeiert.
In diese Zeit fällt auch der Brauchtum der Barbarazweige. 
Am Tag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, schneidet man auch heute noch Zweige von Obstbäumen und Sträuchern um sie in eine mit Wasser gefüllte Vase zu stellen. Wenn diese dann um die Weihnachtstage aufblühen sah man darin ein Zeichen das dem Haus oder Hof Glück, Wohlstand und Gesundheit bescheren sollte. Noch bis vor etwa hundert Jahren war dieser Brauch besonders bei heiratsfähigen Mädchen sehr beliebt. In aller Heimlichkeit schnitten sie sich drei Barbarazweige, stellten sie in einen mit Wasser gefüllten Krug und gab
En jedem Zweig einen bestimmten Wunsch mit auf den Weg, oder gaben ihm den Namen ihres Liebsten oder der Person die sie gerne heiraten würden. Blühten sie zum Weihnachtsfest auf, so dachten sie gingen ihre Wünsche in Erfüllung. Nach Weihnachten nutzte man diese Zweige als „Lebensruten“, Menschen die damit „gepeitscht“ wurden, schenkten sie frische Kraft für das kommende Jahr. 
Die Zweige des immergrünen Wachholders verwendete man in den Dörfern des Westrichs als „Lebensruten“. Sie zeigten auch in der Winterzeit allen sichtbar die unbesiegbare, nicht völlig ruhende Vegetationskraft. Nach den Weihnachtsfeiertagen wurden mit Wachholderzweigen , die Kühe in den Ställen leicht geschlagen, damit sie auch im kommenden Jahr wieder Milch geben.
Der Wachholder dem man auch die Namen Quickholder, Queckholder, Weckholder, Wacholder gab galt im Volksglauben als ein Wach – halter, ein Lebendig – macher, der die Sterbenden am Leben erhalten kann. Zu Zeiten der großen Pestepidemien im Mittelalter glaubte man durch Wachholderzweigen könnte man sich vor Ansteckung schützen.
In vielen Dörfern brannte man damals Notfeuer die mit Wachholderholz geschürt wurden. Heute wissen wir das dieser Baum eine stark desinfizierende Wirkung hat, und das der Brauch also gar nicht so unnütz war.
Die Vögel sollen die Heilwirkung des Wachholders einst von den Dächern gepfiffen haben: Eßt Kranewitt (Wachholder) und Bibernell, dann sterbts nit so schnell.“ Kranewitt wurde der Wachholder nach dem Volksnamen der Wachholderdrossel genannt, die vorwiegend von den Früchten des Strauchs lebte.
Auch zu St. Martin gab es einen Wachholderbrauch. In manchen Orten war die Matinsgerte, ebenfalls eine „Lebensrute“ oft aus Wachholderzweigen gebunden. Am St. Martinstag zog der Dorfhirte mit der Martinsgerte von Haus zu Haus und steckte einen Zweig davon an die Stalltür. Dieser Zweig sollte das Vieh vor Krankheit schützen und auch Fruchtbarkeit erwirken. Die bösen Geister, die das Vieh verhexen könnten, sollten vor dem Wachholderzweig Reißaus nehmen. Während der Hirte den Uzweig aufsteckte sprach er dazu:     „Kimmt der Martini mit seiner Gert;

             Glück ins Haus, Unglück raus!
             So viel Krametsbia (Wachholderbeeren) soviel Kälberküh!
             Nehmt die Martinigert und steckts ober d Tür.“

Auch als Gegenzauber wurde der Wachholder verwendet. Gegen das Verhexen der Milch, rührte man diese einmal mit einem Wachholderstöckchen um, und in die Weinfässer legte man ebenfalls gerne ein Stück Wachholderholz damit der Wein nicht durch die Sprüche eines Neiders schlecht werde.
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit konnte man besonders in der Nordpfalz noch sehen, dass Obstbäume in der Christnacht oder an Silvester mit einem Strohseil umwickelt wurden: Ein sehr alter und früher häufig geübter „Fruchtbarkeitszauber“ unserer Vorfahren. Man hoffte dadurch im kommenden Jahr auf eine besonders reiche Obsternte. Das Gegenteil wurde erreicht wer es wagte in der Christnacht Brot zu backen: denn die Obstbäume in der Gegend, durch die der Rauch zog, würden dann im kommenden Jahr keine Frucht tragen.
Noch im vergangenen Jahrhundert gab es im ländlichen Raum keinen Hausgarten in dem nicht die Christrose (schwarze Nieswurz) angepflanzt war. Blühte sie in der Christnacht, konnte man mit einem reichen Obst- und Getreidejahr rechnen. In der Vorderpfalz sah man darin das Zeichen für ein besonders gutes Weinjahr.
Jedes Jahr musste der Ackerboden bevor man mit dem Pflücken beginnen konnte „“gereinigt“ werden. In verschiedenen ländlichen Gegenden wurden am Neujahrsmorgen vor Tagesanbruch eine aus Weißdornzweigen zusammengerollte Kugel auf dem Acker verbrannt., damit sollten böse Geister vertrieben und ein Befall des Getreides mit Brandpilz verhindert werden. Diese Kugel war jeweils ein Jahr zuvor am Neujahrstag gesteckt worden und hatte das Jahr über als Glücksbringer im Haus gehangen. Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie im Brauchtum versucht wurde, eine ungebrochene Folge fruchtbarer Jahre zu symbolisieren und sicherzustellen; es gibt unzählige Bräuche, in denen ein Gegenstand auf rituelle Weise präpariert und gesegnet ein Jahr lang zur Schau gestellt um dann schließlich ebenfalls auf ritualisierte Weise vernichtet wird, um sogleich von einem anderen gleichartigen ersetzt zu werden. Was das Verbrennen betrifft, so steckt dahinter natürlich der uralte und weltweite Glaube an die Fähigkeit des Feuers, böse übernatürliche Kräfte zu vertreiben, aber daneben kam darin auch eine- von der modernen Wissenschaft nicht geteilte- Auffassung zum Ausdruck, Krankheiten resultierten aus „schlechter Luft“, und Feuer und Rauch (Ausräucherung), könnten hier vorbeugen. 
Das Pflücken selbst begann mit einem Zeremoniell , meist unmittelbar nach dem Dreikönigstag. In der Zeit zwischen Weihnachten und diesem Tag pflegte man die Pferde ruhen zu lassen und besonders gut zu füttern; in manchen europäischen Ländern wurde ihnen am Stephanstag, dem 26. Dezember, Blut abgezapft, wohl gemäß der mittelalterlichen Auffassung dies stärke den Organismus.
Auch die Mistel ist eine Pflanze die eine geheimnisvolle Aura umgibt. Schon bei den Feiern der altgermanischen Wintersonnenwende, spielten Misteln eine wichtige Rolle. Und noch heute brennt während der Weihnachtsfeiertage in ganz Skandinavien der hölzerne Julbock, dessen ausgekohlte Reste früher zum Schutz für das Haus aufbewahrt wurden. Das Holz stammt von einem Baum, in dessen Zweigen die Mistel wächst. In der englischen Grafschaft
Staffordshire würde man kleinen Bissen vom Weihnachtspudding genießen, wenn die darunter brennende Flamme nicht von Mistelzweigen genährt würde. Nach einer Legende soll die Mistel einst ein Baum des Waldes gewesen sein, der das Holz für das Kreuz Christi geliefert hatte. Es heißt, dass der Baum vor Schmach, auf seine jetzige Größe zusammengeschrumpft, sonst aber zum Wohltäter verwandelt worden sei, der auf alle Vorrübergehende Güte und Reinheit ausschüttet. Über kaum eine Pflanze gibt es eine solch ausgedehnte Mythologie wie über die Mistel. Den Germanen und Kelten galt die Mistel als zauberkräftig und war neben dem Eisenkraut, die wichtigste Zauberpflanze. Sie war die geheimnisvolle Zauberpflanze der keltischen Druiden. Als Amulett getragen bringt sie Glück, man verwendet sie als Heirats- und Liebessegen. Die immergrüne Pflanze gilt als Symbolpflanze der Wintersonnenwende überhaupt. Ihr Brauchtum zur Wintersonnenwende und Weihnachten hat bis in unsere Tage überlebt. 
Die wohl bekannteste Sage die sich um die Mistel rankt ist die von Baldur einem nordischen Vegetationsgott. Dieser träumte Nacht für Nacht er würde einmal ermordet werden. Seine Mutter Freya, nahm das für ein böses Vorzeichen. Sie suchte die gesamte Beseelte und unbeseelte Natur auf. Steine und Metalle, Wasser und Feuer, Tiere und Pflanzen und ließ sich von allen Versprechen, dass sie Baldur nichts antun würden. Den Mistelzweig ließ sie aus. Als der eifersüchtige Gott Loki davon erfuhr, gab er Baldurs blindem Bruder Hödur einen Pfeil aus Mistelholz, der Baldur traf und tötete.  Die Sage stellt eine Allegorie zwischen Winter und Sommer dar, zwischen sterbender und auferstehender Vegetation.
Heute ist die heidnische  Mistel ein beliebtes Symbol das man sich zur Weihnachtszeit über die Tür hängt. 
Die Vermischung christlicher Lehren mit Elementen eines aus vorchristlicher Phase oder einer nichtchristlichen Kultur stammenden Aberglauben war im Grunde unvermeidlich, und schon die Missionare selbst begannen damit: Statt die althergebrachten Bräuche ganz zu zerstören, versuchten sie in der Regel eher, sie in das Christentum zu integrieren, in dem sie ihnen eine für die Kirche akzeptablere Bedeutung gaben. Geschichten die man sich über alte heidnische Götter oder Volkshelden erzählte, wurden nun mit christlichen Heiligen in Verbindung gebracht; geheiligte Stätten (Bäume, Quellen, Höhlen usw.) erhielten eine christliche Interpretation; und Dinge, die bei kultischen Zeremoniellen verschiedenster Art eine Rolle spielten, vom Mistelzweig bis zu den „Lebensruten“, vom Lebkuchen – Lebe – Kuchen bis zum Christstollen und Freudenfeuer wurden unter christlichen Vorzeichen neu legitimiert. 
Weihnachten war in alter Zeit ein Fest des Glaubens als auch des Aberglaubens.
Eine himmlische Gestalt, die im tiefsten Winter zur Erde kommt und den Menschenkindern Geschenke bringt, findet sich in mehreren nichtchristlichen Mythen. Im christlichen Glauben erscheint diese Figur als Nikolaus, als Christkind.
In den Rauhnächten kehrte Allvater Wotan zur Erde zurück. Zwölf Nächte lang reitet er nun mit seinem Pferd durch die Lüfte. Er beschützt jedes Haus das ihm und seinem Pferd Nahrung bot. Auch in den Rauhnächten brachte die ländliche Bevölkerung dem „alten Gott“ Opfer.
Schon immer war Weihnachten nicht nur ein Fest des Glaubens sondern auch des Aberglaubens.

Lit. Hinweise.
James George Frazer: Der Goldene Zweig
Susanne Fischer: Blätter von Bäumen; Irisiana Verlag.
Jacqueline Simpson:  Volkstümliche Erzählungen und Bräuche: Büchergilde Gutenberg.
Alfred Kloos: Pflanzen in Brauchtum und Aberglaube: Heimatkalender des Landkreises KL.
Hans Wagner: Die Mistel. Zeitschrift Runenstein
Hans Wagner: Die Mistel eine alte Zauberpflanze; Zeitschrift: Der Lebensbaum
Hans Wagner: Die Mistel: Hans Wagners Naturseite – heimatpfalz. de


hukwa

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Die Linde als Kulturbaum


Volkstümlicher Aberglaube und volkstümliche Bräuche als integraler Bestandteil des ländlichen Lebens, am Beispiel der Linde.


Wenn man versucht sich über die Volkskunde und Ethnologie in das Leben unserer Vorfahren hinein zu versetzen muss uns klar sein das vor allem die Bewohner der ländlichen Räume in einem Spannungsfeld von Kräften lebten, die für uns heutige nur schwer verständlich sind. Was wir Volksüberlieferung nennen, ist ein System von Überzeugungen, das Erklärungen sowohl für natürliche als auch vom Menschen herbeigeführte Ereignisse und Phänomene bot, ein Orientierungsrahmen also, den der Landbewohner sich zu eigen machen konnte und der ihm scheinbar ein gewisses Maß an Sicherheit einräumte. Wir missverstehen das Wesen dieser Überzeugungen, wenn wir in ihnen nichts anderes als Märchen oder eine falsch überlieferte romantische Erzählung sehen. Hervorzuheben  ist auch dass die systematische wissenschaftliche Beschäftigung mit der Volksüberlieferung und der mit ihr einhergehenden Volkskunde die im 19. Jahrhundert einsetzte und ihren Schwerpunkt von Anfang an ausschließlich auf dass Studium des ländlichen und nicht städtischen Materials konzentrierte.. Eine volkskundliche Überlieferung der Städte bedarf einer extra Abhandlung.  Im Mittelpunkt dieses Textes steht natürlich die Beziehung Mensch – Baum aus der Sichtweise der volkskundlichen Überlieferung. Es geht hier natürlich nicht um den zeitgenössischen Landbewohner selbst, sondern um dessen Vorfahren. Dennoch ist eine gewisse  Aktualität vorhanden, da ich in den letzten zwei Jahrzehnten durch Gespräche mit älteren Menschen erfahren konnte das über die Linde als „Kulturbaum“ immer noch Reste auch in unserer heutigen „modernen dörflichen Landschaft“ existieren. Man könnte also von verborgenen Funktionen volkskundlicher Überlieferungen sprechen, die heute noch in uns als eine Art „archaisches Überbleibsel“ existieren.
Wer die Landschaften der Pfalz  erwandert sei es der Westrich, das Nordpfälzer Bergland oder auch den Pfälzerwald dem werden immer wieder einzelstehende Flurbäume auffallen die dieses Landschaftsbild ästhetisch prägen.  Sie sind ein altes Kulturgut und haben eine starke Wirkung auf das Landschaftsbild. Solche Bäume haben natürlich auch eine ökologische Funktion als Grenz und Flurbäume haben sie aber ihre besondere Werte und Bedeutungen.
Von jeher haben Bäume eine besondere Beziehung zu uns Menschen, sie galten Jahrhunderte lang als Symbole des Lebens, der Geborgenheit und des Schutzes. Hatten ihre Funktion als Gerichtsbäume bei der alten Thingstätte aber auch als Dorfbaum (Dorflinde) worunter sich die Bevölkerung traf um sich auszutauschen, solche Dorfbäume hatten eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion in der dörflichen Gemeinschaft. Ihre Funktion war auch religiöser und mythologischer Natur. So kennen wir den Weltenbaum, den Lebensbaum, den Baum der Erkenntnis um nur auf einige symbolische Bedeutungen des Baumes hinzuweisen. Auch heute sind die Bäume unserer Landschaft noch immer Mittelpunkte. In einer bedrohten Umwelt sind sie uns Ausdruck des Beharrens und der Hoffnung,
Schon Karl der Große forderte in seiner „Capitulare de villis“von 812 die Anpflanzung von Linden in allen Dörfern, auf den Marktplätzen um die Kirchen und bei den Königshöfen „zum Wohle aller“.
Vom frühesten Mittelalter bis in unsere Zeit pflanzte man die Linde zur Erinnerung an Gedenktage oder zur Ehrung von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur.
Einzelbäume dienten oftmals als Wegzeichen und stehen bevorzugt an Weggabelungen, wo sie heute noch immer das Landschaftsbild verschönern. Sie waren einst rechts- oder Territorialgrenzen oft markierten sie auch den schon erwähnten Gerichtsplatz.
Vor allem im Volksglauben und der Mythologie der Germanen nimmt die Linde einen hervorragenden Platz als „Kulturbaum“ ein. Das beweisen uns die vielen Sagen, Legenden und Flurnamen die mit diesem Baum verbunden sind. Noch heute ist in einigen Ortschaften die Dorflinde Zierde und Stolz des ganzen Dorfes. Unter ihr versammelten sich einst ausgewählte Männer zu Beratungen um das Wohl und wehe des Ortes um Hilfesuchenden zu helfen und vor allem um das Recht zu sichern. Über besonders schlimme verbrechen musste manchmal auch der „Stab gebrochen werden“, dies bedeutete sie wurden zum Tode verurteilt. In solchen Urteilen aus dem Mittelalter heißt es oft in alten Urkunden: „gegeben unter der Linde, oder gegeben unter der Linde vor der Kirch auch gegeben unter der Linde vorm Schloss“.
Wohl die beiden berühmtesten „Gerichtslinden“ sind die von Ferdinand Freiligrath (1810-1876) besungenen  „Femelinden“ bei Dortmund (Feme= geheimes Gericht). Ihre von den Freischöffen gefällte Urteile waren gefürchtet und wurden vom Volke sagenhaft ausgeschmückt und verklärt.
Unter der Linde huldigten und leisteten die Untertanen ihrem Herrn den Treueeid. So ließ sich Bischoff Siegfried III., von Speyer am 9. Juli 1478 in Klingenmünster im Klosterhof vor der Kirche „unter der Linde“ huldigen. Am 11. August 1560 schworen die Bewohner von Udenheim und Umgebung (bei Mainz) dem neugewählten Bischoff „unter der Linde“ vor dem Schloss die Treue. Am 16. August 1560 leisteten die Untertanen aus den Dörfern um Lauterburg ihrem Bischoff den Treueid und versprachen Gehorsam „unter der Linde im Schlosshof von Lauterburg“. Neben den historischen  „Femelinden“ kennt die Sage auch „Blutlinden“. Die bekannteste steht vor der Kirche zu Frauenstein bei Wiesbaden. Sie soll eine mächtige tausendjährige Linde mit weitausladender Krone sein. Der Glaube an blutende Bäume war im Mittelalter nicht selten.

Allein schon an der Linde erkennen wir welch tiefer Bezug unsere Vorfahren einst zu Bäumen hatten. Und noch bei Goethe erkennen wir welch tiefe Bedeutung Bäume für ihn hatten. So schrieb er in „Dichtung und Wahrheit“: „Schon den Knaben hatte das heilige Geheimnis des Waldes angezogen, und als er das einem älteren Freund gestand, war es ihm eine Offenbarung, zu hören, das die Germanen in den Wälder wohnend gedacht, und ihnen Bäume geweiht hatten“.
Bäume erfüllen unser Bedürfnis nach Schönheit im Landschaftsbild und das verschwinden der alten Flur- und Feldbäume, das wir in den letzten Jahren immer öfters beobachten konnten ist ein ökologischer, kultureller und ästhetischer Verlust. Solche Bäume in der offenen Flur sind das dringliche Gedächtnis an vergangene Ereignisse und sind meistens mit der lokalen Geschichte eines Ortes- und einer Landschaft verbunden. Somit schaffen sie auch regionale Identität. 
Die bäuerliche Kulturlandschaft wie wir sie vor allem im Westrich und der Nordpfalz vorfinden ist ohne den „Kulturbaum“ nicht denkbar.
Unter Weidbäumen fand das Weidevieh Schutz, das Jungvieh in den hausnahen Baumgärten. Unter Eichen fanden die Schweine neben Schatten auch Nahrung. Auch das Ackerland war reichlich mit Bäumen ausgestattet, denn Bäume waren für Mensch und Zugvieh als Schattenspender für die Feldarbeit unverzichtbar. Bäume lieferten Nahrung und Holz. Gepflanzte Flur und Grenzbäume sind geradezu ein Merkmal der dörflichen Kulturlandschaft. Wo gesiedelt wurde, wurden Bäume gepflanzt. Bauernhöfe waren in der Regel immer von Bäumen umgeben und aller Orts fanden sich „Hofbäume“. Diesem wurden segensreiche Wirkung und schützende Kräfte vor Blitzschlag- und Unwetter zugeschrieben. Vom landschaftlichen Standpunkt betrachtet haben die großen Hofbäume und die Bäume um die Wirtschaftsgebäude einst das Gehöft oder den Weiler in die Landschaft harmonisch eingebunden.
Es gab den Brauch der Hochzeits- und Geburtsbäume. Ein traditioneller Brauch der nicht nur auf dem Dorf üblich gewesen ist, wo Hofübergabe, Heirat und Baumpflanzen oft zusammengehörten. Die Heiratserlaubnis war nach der Not des 30jährigen Krieges in etlichen Ländern mit einer Baumpflanzung verknüpft, so unterhielt beispielweise die Reichsstadt Rothenburg einen Baumhain als sogenannten Hochzeitswald. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war es in vielen Orten üblich bei Geburt eines Kindes im Garten einen Obstbaum zu setzen. Im allgemeinen wählte man bei der Geburt eines Mädchens einen Apfelbaum, bei einem Jungen einen Birnbaum.
Anlässe und Gründe, einen Baum zu pflanzen, gab es immer genug: zur Erinnerung an ein ausgewandertes Familienmietglied, zum Dank für eine glückliche Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft. 
Der „Kulturbaum“ gehörte schon immer in menschliche Ansiedlungen. Seine Behandlung in den verschiedenen Regionen unseres Landes bezeugt dass einst ein weitaus besseres und natürlicheres Verhältnis zwischen Mensch und Baum bestand. Im Banne der Dichtung lebt dieses Verhältnis bis heute fort. Aber auch in den Mythen, Sagen, Legenden Und Aberglauben, in Erlassen von Fürsten und Bischöfen, in den Waldforschungen nachmittelalterlicher Forstleute.
Nach dem die Kirche massiv das verehren heiliger Bäume verboten hatte und Zuwiderhandlungen unter drastische Strafen gestellt hatte, waren es die Linden, die als einzige der alten Baumheiligtümer in die neue Zeit hinübergerettet wurden. Nachdem an der alten Gerichts- oder Freya Linde ein Kreuz oder eine Mariefigur befestigt worden war, sah der Klerus in den Bäumen nichts mehr gefährliches mehr, und sie durften weiterhin im Mittelpunkt des dörflichen Lebens stehen bleiben.
So wurde die Linde zu unserem wichtigsten Kulturbaum. Sie blieb auch in christlicher Zeit der Schutz- und Familienbaum der den Familien und der Gemeinde Schutz und Gesundheit bescheren sollte.
Anscheinend mag auch die Linde die Menschen, den nirgendwo breitet sie sich so stark und mächtig als Einzelbaum aus wie in der Mitte der Dorfplätze. Ganze Bücher voller Gedichte und Lieder sind geschrieben worden was sich einst unter der alten Dorflinde ereignet hat. Junge Paare tanzten im Mittelalter begleitet von der Handtrommel und der Flöte um den Baum. Vor allem im Wonnemonat Mai löste in alter Zeit ein Tanzfest das andere ab.
Unter der Linde, soll Zwergenkönig Laurin die Schwester Dietrichs von Bern geraubt haben, und hier besiegte Siegfried den Drachen.
Walther von der Vogelweide bereitete sein berühmtes Liebeslager aus Heidekraut und Rosen unter der Linde, wohl folgten diesem Beispiel viele Liebespaare nach Walther.
So sind die meisten Lindengeschichten oft auch Liebesgeschichten, denn die Linde ist der Baum der Liebe. Bei den Germanen galt Freya als die Göttin der Liebe und ihr war die Linde geweiht. Die Kirche Vereinnahmte die Linde dann als „Maria Linden“. Der alte Kulturbaum lebte somit in seiner uralten Symbolik weiter. Doch es sollte so nicht bleiben. Die friedliche Koexistenz zwischen dem katholischen Glauben und den überlieferten Volksbräuchen, die der Landbevölkerung so viele tröstliche Rituale zum Schutz vor überirdischen Gefahren und zur Einteilung und Markierung der Stationen ihres Jahresablaufs lieferte, erfuhr eine unsanfte Störung durch die Reformation. Von heute auf Morgen war der Gebrauch von Heiligenbildchen, Weihwasser, geweihten Palmzweigen, anbringen von Kreuzen an Lindenbäumen usw. verboten; die meisten Feiertage zu Ehren irgendwelcher Heiligen wurden abgeschafft, Wallfahrtsstätten wurden geschlossen. Diese Erfahrung muss ein tiefes Trauma gewesen sein. Was an volkstümlichen Riten aus den Jahrhunderten danach überliefert und gesammelt ist, strotzt nur so vor pathetischen Versuchen, das wenige an spirituellen Kräften, das der Landbevölkerung in verschiedenen Regionen noch zur Nutzung übrigblieb, aufzugreifen und in den Dienst ihrer materiellen Bedürfnisse zu stellen.
Doch auch diesen Angriff sollte der alte Kulturbaum überstehen. So sehen wir am Beispiel der Linde das bis in die jüngste Zeit volkstümlicher Aberglaube und volkstümliche Bräuche ein integraler Bestandteil des ländlichen Lebens in allen seinen materiellen, sozialen und religiösen Aspekten gewesen ist aus dem die Bevölkerung zweifelsohne kulturellen Sinn und Werte bezogen hat. So hat sich bis in die jüngste Zeit hinter dem „Kultbaum“ Linde die alte germanische Göttin Freya versteckt und als aus der Linde ein „Kulturbaum und Tanzbaum“ wurde, war dies auch nichts Neues, schließlich tanzte man schon in archaischen Zeiten um Bäume, die Bräuche haben im Wechsel der Kulturformen nur immer wieder neue Bedeutungen angenommen. So auch der Freiheitsbaum, der ja oft von einer Linde repräsentiert wurde. Der Baum gemeinhin mit dem Maifeiertag in Verbindung gebracht, wurde zu einem Symbol der Freiheit. So auch das Tanzen um diesen Baum, wie auch das Tanzen um die Tanzlinde. In unserer Gesellschaft hat sich das Tanzen auf der einen Seite zu einer trivialen Freizeitvergnügung, auf der anderen Seite zu einer Kunstform entwickelt. In den frühen Kulturen war der Tanz jedoch eine äußerst wichtige kollektive Handlung der mit existenziellen und symbolischen Bedeutungen wie Ernte und Aussaat zu tun hatte. 
Man kann also davon ausgehen das die ländlichen volkskundlichen Überlieferungen, wenn auch in einer zersplitterten Form in verschiedenen Gegenden immer noch existieren. Für die Volkskundliche Forschung ist es wichtig diese letzten Zeugnisse von Menschen die einfach ausgesprochen noch um die „Linde tanzten“ aufzuzeichnen.

Lit. Hinweise:
Jacqueline Simpson: Volkstümliche Erzählungen und Bräuche.  In: Die Bäuerliche Welt; Verlag ,; Verlag Büchergilde Gutenberg.
Susanne Fischer: Blätter von Bäumen; Irisiana – Verlag.
Jacob Grimm: Deutsche Mythologie.
Sir James Frazer: Der goldene Zweig. Rowohlt Verlag.
Alfred Kloss: Die Friedenslinde von Bruchmühlbach; Heimatkalender Landkreis Kaiserslautern 1982.
Hans Wagner: Die Eiche in der deutschen Volkskunde: Kranz der Wälder 2003.
 Dr. Hilde Nittinger: Von der Bedeutung der Bäume in der Landschaft; Zeitschrift schwäbischer Heimatbund.
Hans Wagner: Mythologie der Bäume: In Zeitschrift: Der Lebensbaum; Bad Windsheim.
Hans Wagner. Der Baum des Lebens: In Zeitschrift: Der Runenstein.

hukwa