Der Baum steht auch als Symbol für Kommunikation und Austausch des Menschen. Noch heute trifft man sich in vielen Dörfern "unter der Linde" oder bei "der Eiche". In alten Zeiten wurde unter diesen Bäumen Gerichtsurteile gefällt und die ältesten des Dorfes hielten hier ihre Beratungen ab. Solche Thingbäume standen meistens auf dem Marktplatz, beim Dorfbrunnen, bei Burgen und Klöstern. Doch vor allem war der alte Dorfbaum ein Symbol für Freude und Frieden. Und Martin Luther sagte nicht nur:..."ginge Morgen die Welt unter würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen". Er sagte auch: "Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken, tanzen und fröhlich zu sein".
hukwa
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Montag, 25. März 2013
Samstag, 23. März 2013
Der Baum als Freund und Helfer
Der Baum war schon immer Zufluchtstätte für den Menschen. Ob im Märchen wie bei Aschenbrödel, das auf das Grab der geliebten Mutter einen Haselbaum pflanzte oder in Kriegszeiten wo sich Menschen in den Wäldern unter Bäumen versteckten vor mordender und raubender Soldateska. Der Baum gilt als Helfer und Glücksbringer. In schlechten und in guten Zeiten stand der Baum dem Menschen immer als Freund, Helfer und Ernährer nahe.
hukwa
hukwa
Dienstag, 25. Dezember 2012
Raunächte
Es ist wie ein Singen
Geflüster und Klagen
Es schwebt durch die Lüfte
Lange zwölf Nächte
Es ist wie ein Heer
Das braust umher
Es hat sich offenbart
In Regen und Wind
In diesen zwölf Nächten
Hör des Hähers Geschrei
So alt wie die Sterne
Wechselnd die Gestalt
Zieht Wotan umher
Zwölf lange Nächte
Schafft er sich einen neuen Erdenleib
Reitet auf seinem Roß
Zur uralten Quelle
Wo Mimir wacht
Zwölf lange Nächte
Dort der Erde entquillt
Rauch Nebel und Dampf
Starre Eichen ragen stumm
In ihnen haust das Rabenpaar
Wo die Seherin noch wacht
Wo der Gnom das Erz bewacht
Wo die Windsbraut ganz geschwindt
Zwölf lange Nächte lang
Alles an sich bindet
Jetzt da sich Schlaf und Traum vermählen
Janushaupt im Stein Geäder
In das der Mond sein Siegel brennt
Kehrt das Echo zurück
In der zwölften Nacht
Ist Wotan entrückt.
hukwa
Geflüster und Klagen
Es schwebt durch die Lüfte
Lange zwölf Nächte
Es ist wie ein Heer
Das braust umher
Es hat sich offenbart
In Regen und Wind
In diesen zwölf Nächten
Hör des Hähers Geschrei
So alt wie die Sterne
Wechselnd die Gestalt
Zieht Wotan umher
Zwölf lange Nächte
Schafft er sich einen neuen Erdenleib
Reitet auf seinem Roß
Zur uralten Quelle
Wo Mimir wacht
Zwölf lange Nächte
Dort der Erde entquillt
Rauch Nebel und Dampf
Starre Eichen ragen stumm
In ihnen haust das Rabenpaar
Wo die Seherin noch wacht
Wo der Gnom das Erz bewacht
Wo die Windsbraut ganz geschwindt
Zwölf lange Nächte lang
Alles an sich bindet
Jetzt da sich Schlaf und Traum vermählen
Janushaupt im Stein Geäder
In das der Mond sein Siegel brennt
Kehrt das Echo zurück
In der zwölften Nacht
Ist Wotan entrückt.
hukwa
Sonntag, 9. Dezember 2012
Weihnachten ein Fest des Glaubens und des Aberglaubens
Pflanzen in Brauchtum und Aberglaube und ihre verborgenen volkskundliche
Überlieferungen.
Aberglaube und Bräuche im Zusammenhang mit Pflanzen bieten
eine besonders reiche Fundgrube an Beispielen für die Verflechtungen
christlicher Lehren mit Elementen des Volksglaubens, von denen einige sich
eindeutig als vorchristlichen Ursprungs identifizieren lassen.
Vor allem in den Riten der Sommer- und Wintersonnenwende
begegnen wir immer wieder Zeremonien in deren Mittelpunkt Pflanzen stehen.
In den dunkelsten Zeiten des Jahres, in den Tagen vor und
nach Weihnachten, traten in früheren Zeiten die Pflanzen in ein besonderes
inniges Verhältnis zu den Menschen die in ländlichen Regionen wohnten. Um das
Weihnachtsfest legte sich ein Kranz volkstümlichen Brauchtums. Nach der
Christianisierung der Germanen sind in die Feiern der Weihnachtstage mit der
Zeit auch Bräuche aus dem heidnischen Fest der Wintersonnenwende eingeflossen.
Sie nahmen christlichen Inhalt an.
Das Wissen um die geheimnisvollen Naturkräfte zur Zeit der
Wintersonnenwende lebt zum Teil auch heute noch in den Menschen die in
ländlichen Regionen zu Hause sind gefühlsmäßig weiter.
Das Landwirtschaftliche Jahr beginnt nicht wie das astronomische
mit dem 1. Januar, sondern mit dem Kirchenjahr also mit der Adventszeit. Zwar
ist um diese Zeit die Pflanzenwelt noch erstarrt, doch die Menschen früherer
Zeiten, spürten damals wohl noch intensiver als wir heutige dass das Licht nun
die Dunkelheit bald besiegt hat. Die Natur selbst mit ihrem Jahresablauf gab zu
diesem Gedanken Anstoß. Die Tage waren in dieser Zeit immer kürzer geworden,
die Nacht hatte schon fast die Vorherrschaft gewonnen. Aber am 21.Dezember, dem
Wendekreis des Krebses, hat es dann das Licht endlich geschafft die Dunkelheit
zu besiegen. Langsam werden die Tage wieder länger. Schon seit frühester Zeit
haben die Menschen in dem Monat, in dem wir heute unser Weihnachtsfest feiern,
den Sieg des Lichtes über die dunklen Mächte mit Freude und meditativer
Besinnung gefeiert.
In diese Zeit fällt auch der Brauchtum der
Barbarazweige.
Am Tag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, schneidet man
auch heute noch Zweige von Obstbäumen und Sträuchern um sie in eine mit Wasser
gefüllte Vase zu stellen. Wenn diese dann um die Weihnachtstage aufblühen sah
man darin ein Zeichen das dem Haus oder Hof Glück, Wohlstand und Gesundheit
bescheren sollte. Noch bis vor etwa hundert Jahren war dieser Brauch besonders
bei heiratsfähigen Mädchen sehr beliebt. In aller Heimlichkeit schnitten sie
sich drei Barbarazweige, stellten sie in einen mit Wasser gefüllten Krug und
gab
En jedem Zweig einen bestimmten Wunsch mit auf den Weg, oder
gaben ihm den Namen ihres Liebsten oder der Person die sie gerne heiraten
würden. Blühten sie zum Weihnachtsfest auf, so dachten sie gingen ihre Wünsche
in Erfüllung. Nach Weihnachten nutzte man diese Zweige als „Lebensruten“,
Menschen die damit „gepeitscht“ wurden, schenkten sie frische Kraft für das
kommende Jahr.
Die Zweige des immergrünen Wachholders verwendete man in den
Dörfern des Westrichs als „Lebensruten“. Sie zeigten auch in der Winterzeit
allen sichtbar die unbesiegbare, nicht völlig ruhende Vegetationskraft. Nach
den Weihnachtsfeiertagen wurden mit Wachholderzweigen , die Kühe in den Ställen
leicht geschlagen, damit sie auch im kommenden Jahr wieder Milch geben.
Der Wachholder dem man auch die Namen Quickholder,
Queckholder, Weckholder, Wacholder gab galt im Volksglauben als ein Wach –
halter, ein Lebendig – macher, der die Sterbenden am Leben erhalten kann. Zu
Zeiten der großen Pestepidemien im Mittelalter glaubte man durch
Wachholderzweigen könnte man sich vor Ansteckung schützen.
In vielen Dörfern brannte man damals Notfeuer die mit
Wachholderholz geschürt wurden. Heute wissen wir das dieser Baum eine stark
desinfizierende Wirkung hat, und das der Brauch also gar nicht so unnütz war.
Die Vögel sollen die Heilwirkung des Wachholders einst von
den Dächern gepfiffen haben: Eßt Kranewitt (Wachholder) und Bibernell, dann
sterbts nit so schnell.“ Kranewitt wurde der Wachholder nach dem Volksnamen der
Wachholderdrossel genannt, die vorwiegend von den Früchten des Strauchs lebte.
Auch zu St. Martin gab es einen Wachholderbrauch. In manchen
Orten war die Matinsgerte, ebenfalls eine „Lebensrute“ oft aus
Wachholderzweigen gebunden. Am St. Martinstag zog der Dorfhirte mit der
Martinsgerte von Haus zu Haus und steckte einen Zweig davon an die Stalltür.
Dieser Zweig sollte das Vieh vor Krankheit schützen und auch Fruchtbarkeit
erwirken. Die bösen Geister, die das Vieh verhexen könnten, sollten vor dem
Wachholderzweig Reißaus nehmen. Während der Hirte den Uzweig aufsteckte sprach
er dazu: „Kimmt der Martini mit
seiner Gert;
Glück
ins Haus, Unglück raus!
So viel Krametsbia (Wachholderbeeren)
soviel Kälberküh!
Nehmt
die Martinigert und steckts ober d Tür.“
Auch als Gegenzauber wurde der Wachholder verwendet. Gegen
das Verhexen der Milch, rührte man diese einmal mit einem Wachholderstöckchen
um, und in die Weinfässer legte man ebenfalls gerne ein Stück Wachholderholz
damit der Wein nicht durch die Sprüche eines Neiders schlecht werde.
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit konnte man besonders in
der Nordpfalz noch sehen, dass Obstbäume in der Christnacht oder an Silvester
mit einem Strohseil umwickelt wurden: Ein sehr alter und früher häufig geübter
„Fruchtbarkeitszauber“ unserer Vorfahren. Man hoffte dadurch im kommenden Jahr
auf eine besonders reiche Obsternte. Das Gegenteil wurde erreicht wer es wagte
in der Christnacht Brot zu backen: denn die Obstbäume in der Gegend, durch die
der Rauch zog, würden dann im kommenden Jahr keine Frucht tragen.
Noch im vergangenen Jahrhundert gab es im ländlichen Raum
keinen Hausgarten in dem nicht die Christrose (schwarze Nieswurz) angepflanzt
war. Blühte sie in der Christnacht, konnte man mit einem reichen Obst- und
Getreidejahr rechnen. In der Vorderpfalz sah man darin das Zeichen für ein
besonders gutes Weinjahr.
Jedes Jahr musste der Ackerboden bevor man mit dem Pflücken
beginnen konnte „“gereinigt“ werden. In verschiedenen ländlichen Gegenden
wurden am Neujahrsmorgen vor Tagesanbruch eine aus Weißdornzweigen
zusammengerollte Kugel auf dem Acker verbrannt., damit sollten böse Geister
vertrieben und ein Befall des Getreides mit Brandpilz verhindert werden. Diese
Kugel war jeweils ein Jahr zuvor am Neujahrstag gesteckt worden und hatte das
Jahr über als Glücksbringer im Haus gehangen. Dies ist ein typisches Beispiel
dafür, wie im Brauchtum versucht wurde, eine ungebrochene Folge fruchtbarer
Jahre zu symbolisieren und sicherzustellen; es gibt unzählige Bräuche, in denen
ein Gegenstand auf rituelle Weise präpariert und gesegnet ein Jahr lang zur
Schau gestellt um dann schließlich ebenfalls auf ritualisierte Weise vernichtet
wird, um sogleich von einem anderen gleichartigen ersetzt zu werden. Was das
Verbrennen betrifft, so steckt dahinter natürlich der uralte und weltweite
Glaube an die Fähigkeit des Feuers, böse übernatürliche Kräfte zu vertreiben, aber
daneben kam darin auch eine- von der modernen Wissenschaft nicht geteilte-
Auffassung zum Ausdruck, Krankheiten resultierten aus „schlechter Luft“, und
Feuer und Rauch (Ausräucherung), könnten hier vorbeugen.
Das Pflücken selbst begann mit einem Zeremoniell , meist
unmittelbar nach dem Dreikönigstag. In der Zeit zwischen Weihnachten und diesem
Tag pflegte man die Pferde ruhen zu lassen und besonders gut zu füttern; in
manchen europäischen Ländern wurde ihnen am Stephanstag, dem 26. Dezember, Blut
abgezapft, wohl gemäß der mittelalterlichen Auffassung dies stärke den
Organismus.
Auch die Mistel ist eine Pflanze die eine geheimnisvolle
Aura umgibt. Schon bei den Feiern der altgermanischen Wintersonnenwende,
spielten Misteln eine wichtige Rolle. Und noch heute brennt während der
Weihnachtsfeiertage in ganz Skandinavien der hölzerne Julbock, dessen
ausgekohlte Reste früher zum Schutz für das Haus aufbewahrt wurden. Das Holz
stammt von einem Baum, in dessen Zweigen die Mistel wächst. In der englischen
Grafschaft
Staffordshire würde man kleinen Bissen vom Weihnachtspudding
genießen, wenn die darunter brennende Flamme nicht von Mistelzweigen genährt
würde. Nach einer Legende soll die Mistel einst ein Baum des Waldes gewesen
sein, der das Holz für das Kreuz Christi geliefert hatte. Es heißt, dass der
Baum vor Schmach, auf seine jetzige Größe zusammengeschrumpft, sonst aber zum
Wohltäter verwandelt worden sei, der auf alle Vorrübergehende Güte und Reinheit
ausschüttet. Über kaum eine Pflanze gibt es eine solch ausgedehnte Mythologie
wie über die Mistel. Den Germanen und Kelten galt die Mistel als zauberkräftig
und war neben dem Eisenkraut, die wichtigste Zauberpflanze. Sie war die
geheimnisvolle Zauberpflanze der keltischen Druiden. Als Amulett getragen
bringt sie Glück, man verwendet sie als Heirats- und Liebessegen. Die
immergrüne Pflanze gilt als Symbolpflanze der Wintersonnenwende überhaupt. Ihr
Brauchtum zur Wintersonnenwende und Weihnachten hat bis in unsere Tage
überlebt.
Die wohl bekannteste Sage die sich um die Mistel rankt ist
die von Baldur einem nordischen Vegetationsgott. Dieser träumte Nacht für Nacht
er würde einmal ermordet werden. Seine Mutter Freya, nahm das für ein böses
Vorzeichen. Sie suchte die gesamte Beseelte und unbeseelte Natur auf. Steine und
Metalle, Wasser und Feuer, Tiere und Pflanzen und ließ sich von allen
Versprechen, dass sie Baldur nichts antun würden. Den Mistelzweig ließ sie aus.
Als der eifersüchtige Gott Loki davon erfuhr, gab er Baldurs blindem Bruder
Hödur einen Pfeil aus Mistelholz, der Baldur traf und tötete. Die Sage stellt eine Allegorie zwischen
Winter und Sommer dar, zwischen sterbender und auferstehender Vegetation.
Heute ist die heidnische
Mistel ein beliebtes Symbol das man sich zur Weihnachtszeit über die Tür
hängt.
Die Vermischung christlicher Lehren mit Elementen eines aus
vorchristlicher Phase oder einer nichtchristlichen Kultur stammenden
Aberglauben war im Grunde unvermeidlich, und schon die Missionare selbst
begannen damit: Statt die althergebrachten Bräuche ganz zu zerstören,
versuchten sie in der Regel eher, sie in das Christentum zu integrieren, in dem
sie ihnen eine für die Kirche akzeptablere Bedeutung gaben. Geschichten die man
sich über alte heidnische Götter oder Volkshelden erzählte, wurden nun mit christlichen
Heiligen in Verbindung gebracht; geheiligte Stätten (Bäume, Quellen, Höhlen
usw.) erhielten eine christliche Interpretation; und Dinge, die bei kultischen
Zeremoniellen verschiedenster Art eine Rolle spielten, vom Mistelzweig bis zu
den „Lebensruten“, vom Lebkuchen – Lebe – Kuchen bis zum Christstollen und
Freudenfeuer wurden unter christlichen Vorzeichen neu legitimiert.
Weihnachten war in alter Zeit ein Fest des Glaubens als auch
des Aberglaubens.
Eine himmlische Gestalt, die im tiefsten Winter zur Erde
kommt und den Menschenkindern Geschenke bringt, findet sich in mehreren
nichtchristlichen Mythen. Im christlichen Glauben erscheint diese Figur als
Nikolaus, als Christkind.
In den Rauhnächten kehrte Allvater Wotan zur Erde zurück.
Zwölf Nächte lang reitet er nun mit seinem Pferd durch die Lüfte. Er beschützt
jedes Haus das ihm und seinem Pferd Nahrung bot. Auch in den Rauhnächten
brachte die ländliche Bevölkerung dem „alten Gott“ Opfer.
Schon immer war Weihnachten nicht nur ein Fest des Glaubens
sondern auch des Aberglaubens.
Lit. Hinweise.
James George Frazer: Der Goldene Zweig
Susanne Fischer: Blätter von Bäumen; Irisiana Verlag.
Jacqueline Simpson:
Volkstümliche Erzählungen und Bräuche: Büchergilde Gutenberg.
Alfred Kloos: Pflanzen in Brauchtum und Aberglaube:
Heimatkalender des Landkreises KL.
Hans Wagner: Die Mistel. Zeitschrift Runenstein
Hans Wagner: Die Mistel eine alte Zauberpflanze;
Zeitschrift: Der Lebensbaum
Hans Wagner: Die Mistel: Hans Wagners Naturseite –
heimatpfalz. de
hukwa
Donnerstag, 6. Dezember 2012
Die Linde als Kulturbaum
Volkstümlicher Aberglaube und volkstümliche Bräuche als
integraler Bestandteil des ländlichen Lebens, am Beispiel der Linde.
Wenn man versucht sich über die Volkskunde und Ethnologie in
das Leben unserer Vorfahren hinein zu versetzen muss uns klar sein das vor
allem die Bewohner der ländlichen Räume in einem Spannungsfeld von Kräften
lebten, die für uns heutige nur schwer verständlich sind. Was wir
Volksüberlieferung nennen, ist ein System von Überzeugungen, das Erklärungen
sowohl für natürliche als auch vom Menschen herbeigeführte Ereignisse und
Phänomene bot, ein Orientierungsrahmen also, den der Landbewohner sich zu eigen
machen konnte und der ihm scheinbar ein gewisses Maß an Sicherheit einräumte.
Wir missverstehen das Wesen dieser Überzeugungen, wenn wir in ihnen nichts
anderes als Märchen oder eine falsch überlieferte romantische Erzählung sehen.
Hervorzuheben ist auch dass die
systematische wissenschaftliche Beschäftigung mit der Volksüberlieferung und
der mit ihr einhergehenden Volkskunde die im 19. Jahrhundert einsetzte und
ihren Schwerpunkt von Anfang an ausschließlich auf dass Studium des ländlichen
und nicht städtischen Materials konzentrierte.. Eine volkskundliche
Überlieferung der Städte bedarf einer extra Abhandlung. Im Mittelpunkt dieses Textes steht natürlich
die Beziehung Mensch – Baum aus der Sichtweise der volkskundlichen
Überlieferung. Es geht hier natürlich nicht um den zeitgenössischen
Landbewohner selbst, sondern um dessen Vorfahren. Dennoch ist eine gewisse Aktualität vorhanden, da ich in den letzten
zwei Jahrzehnten durch Gespräche mit älteren Menschen erfahren konnte das über
die Linde als „Kulturbaum“ immer noch Reste auch in unserer heutigen „modernen
dörflichen Landschaft“ existieren. Man könnte also von verborgenen Funktionen
volkskundlicher Überlieferungen sprechen, die heute noch in uns als eine Art
„archaisches Überbleibsel“ existieren.
Wer die Landschaften der Pfalz erwandert sei es der Westrich, das Nordpfälzer Bergland oder auch
den Pfälzerwald dem werden immer wieder einzelstehende Flurbäume auffallen die
dieses Landschaftsbild ästhetisch prägen.
Sie sind ein altes Kulturgut und haben eine starke Wirkung auf das
Landschaftsbild. Solche Bäume haben natürlich auch eine ökologische Funktion
als Grenz und Flurbäume haben sie aber ihre besondere Werte und Bedeutungen.
Von jeher haben Bäume eine besondere Beziehung zu uns
Menschen, sie galten Jahrhunderte lang als Symbole des Lebens, der Geborgenheit
und des Schutzes. Hatten ihre Funktion als Gerichtsbäume bei der alten
Thingstätte aber auch als Dorfbaum (Dorflinde) worunter sich die Bevölkerung
traf um sich auszutauschen, solche Dorfbäume hatten eine nicht zu unterschätzende
soziale Funktion in der dörflichen Gemeinschaft. Ihre Funktion war auch
religiöser und mythologischer Natur. So kennen wir den Weltenbaum, den
Lebensbaum, den Baum der Erkenntnis um nur auf einige symbolische Bedeutungen
des Baumes hinzuweisen. Auch heute sind die Bäume unserer Landschaft noch immer
Mittelpunkte. In einer bedrohten Umwelt sind sie uns Ausdruck des Beharrens und
der Hoffnung,
Schon Karl der Große forderte in seiner „Capitulare de
villis“von 812 die Anpflanzung von Linden in allen Dörfern, auf den
Marktplätzen um die Kirchen und bei den Königshöfen „zum Wohle aller“.
Vom frühesten Mittelalter bis in unsere Zeit pflanzte man
die Linde zur Erinnerung an Gedenktage oder zur Ehrung von Persönlichkeiten aus
Politik und Kultur.
Einzelbäume dienten oftmals als Wegzeichen und stehen
bevorzugt an Weggabelungen, wo sie heute noch immer das Landschaftsbild
verschönern. Sie waren einst rechts- oder Territorialgrenzen oft markierten sie
auch den schon erwähnten Gerichtsplatz.
Vor allem im Volksglauben und der Mythologie der Germanen
nimmt die Linde einen hervorragenden Platz als „Kulturbaum“ ein. Das beweisen
uns die vielen Sagen, Legenden und Flurnamen die mit diesem Baum verbunden
sind. Noch heute ist in einigen Ortschaften die Dorflinde Zierde und Stolz des
ganzen Dorfes. Unter ihr versammelten sich einst ausgewählte Männer zu
Beratungen um das Wohl und wehe des Ortes um Hilfesuchenden zu helfen und vor
allem um das Recht zu sichern. Über besonders schlimme verbrechen musste
manchmal auch der „Stab gebrochen werden“, dies bedeutete sie wurden zum Tode
verurteilt. In solchen Urteilen aus dem Mittelalter heißt es oft in alten
Urkunden: „gegeben unter der Linde, oder gegeben unter der Linde vor der Kirch
auch gegeben unter der Linde vorm Schloss“.
Wohl die beiden berühmtesten „Gerichtslinden“ sind die von
Ferdinand Freiligrath (1810-1876) besungenen
„Femelinden“ bei Dortmund (Feme= geheimes Gericht). Ihre von den
Freischöffen gefällte Urteile waren gefürchtet und wurden vom Volke sagenhaft
ausgeschmückt und verklärt.
Unter der Linde huldigten und leisteten die Untertanen ihrem
Herrn den Treueeid. So ließ sich Bischoff Siegfried III., von Speyer am 9. Juli
1478 in Klingenmünster im Klosterhof vor der Kirche „unter der Linde“ huldigen.
Am 11. August 1560 schworen die Bewohner von Udenheim und Umgebung (bei Mainz)
dem neugewählten Bischoff „unter der Linde“ vor dem Schloss die Treue. Am 16.
August 1560 leisteten die Untertanen aus den Dörfern um Lauterburg ihrem
Bischoff den Treueid und versprachen Gehorsam „unter der Linde im Schlosshof
von Lauterburg“. Neben den historischen
„Femelinden“ kennt die Sage auch „Blutlinden“. Die bekannteste steht vor
der Kirche zu Frauenstein bei Wiesbaden. Sie soll eine mächtige tausendjährige
Linde mit weitausladender Krone sein. Der Glaube an blutende Bäume war im
Mittelalter nicht selten.
Allein schon an der Linde erkennen wir welch tiefer Bezug
unsere Vorfahren einst zu Bäumen hatten. Und noch bei Goethe erkennen wir welch
tiefe Bedeutung Bäume für ihn hatten. So schrieb er in „Dichtung und Wahrheit“:
„Schon den Knaben hatte das heilige Geheimnis des Waldes angezogen, und als er
das einem älteren Freund gestand, war es ihm eine Offenbarung, zu hören, das
die Germanen in den Wälder wohnend gedacht, und ihnen Bäume geweiht hatten“.
Bäume erfüllen unser Bedürfnis nach Schönheit im
Landschaftsbild und das verschwinden der alten Flur- und Feldbäume, das wir in
den letzten Jahren immer öfters beobachten konnten ist ein ökologischer,
kultureller und ästhetischer Verlust. Solche Bäume in der offenen Flur sind das
dringliche Gedächtnis an vergangene Ereignisse und sind meistens mit der
lokalen Geschichte eines Ortes- und einer Landschaft verbunden. Somit schaffen
sie auch regionale Identität.
Die bäuerliche Kulturlandschaft wie wir sie vor allem im
Westrich und der Nordpfalz vorfinden ist ohne den „Kulturbaum“ nicht denkbar.
Unter Weidbäumen fand das Weidevieh Schutz, das Jungvieh in
den hausnahen Baumgärten. Unter Eichen fanden die Schweine neben Schatten auch
Nahrung. Auch das Ackerland war reichlich mit Bäumen ausgestattet, denn Bäume
waren für Mensch und Zugvieh als Schattenspender für die Feldarbeit
unverzichtbar. Bäume lieferten Nahrung und Holz. Gepflanzte Flur und Grenzbäume
sind geradezu ein Merkmal der dörflichen Kulturlandschaft. Wo gesiedelt wurde,
wurden Bäume gepflanzt. Bauernhöfe waren in der Regel immer von Bäumen umgeben
und aller Orts fanden sich „Hofbäume“. Diesem wurden segensreiche Wirkung und
schützende Kräfte vor Blitzschlag- und Unwetter zugeschrieben. Vom
landschaftlichen Standpunkt betrachtet haben die großen Hofbäume und die Bäume
um die Wirtschaftsgebäude einst das Gehöft oder den Weiler in die Landschaft
harmonisch eingebunden.
Es gab den Brauch der Hochzeits- und Geburtsbäume. Ein
traditioneller Brauch der nicht nur auf dem Dorf üblich gewesen ist, wo
Hofübergabe, Heirat und Baumpflanzen oft zusammengehörten. Die Heiratserlaubnis
war nach der Not des 30jährigen Krieges in etlichen Ländern mit einer
Baumpflanzung verknüpft, so unterhielt beispielweise die Reichsstadt Rothenburg
einen Baumhain als sogenannten Hochzeitswald. Bis Mitte des vorigen
Jahrhunderts war es in vielen Orten üblich bei Geburt eines Kindes im Garten
einen Obstbaum zu setzen. Im allgemeinen wählte man bei der Geburt eines Mädchens
einen Apfelbaum, bei einem Jungen einen Birnbaum.
Anlässe und Gründe, einen Baum zu pflanzen, gab es immer
genug: zur Erinnerung an ein ausgewandertes Familienmietglied, zum Dank für
eine glückliche Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft.
Der „Kulturbaum“ gehörte schon immer in menschliche
Ansiedlungen. Seine Behandlung in den verschiedenen Regionen unseres Landes
bezeugt dass einst ein weitaus besseres und natürlicheres Verhältnis zwischen
Mensch und Baum bestand. Im Banne der Dichtung lebt dieses Verhältnis bis heute
fort. Aber auch in den Mythen, Sagen, Legenden Und Aberglauben, in Erlassen von
Fürsten und Bischöfen, in den Waldforschungen nachmittelalterlicher Forstleute.
Nach dem die Kirche massiv das verehren heiliger Bäume
verboten hatte und Zuwiderhandlungen unter drastische Strafen gestellt hatte,
waren es die Linden, die als einzige der alten Baumheiligtümer in die neue Zeit
hinübergerettet wurden. Nachdem an der alten Gerichts- oder Freya Linde ein
Kreuz oder eine Mariefigur befestigt worden war, sah der Klerus in den Bäumen
nichts mehr gefährliches mehr, und sie durften weiterhin im Mittelpunkt des
dörflichen Lebens stehen bleiben.
So wurde die Linde zu unserem wichtigsten Kulturbaum. Sie
blieb auch in christlicher Zeit der Schutz- und Familienbaum der den Familien
und der Gemeinde Schutz und Gesundheit bescheren sollte.
Anscheinend mag auch die Linde die Menschen, den nirgendwo
breitet sie sich so stark und mächtig als Einzelbaum aus wie in der Mitte der
Dorfplätze. Ganze Bücher voller Gedichte und Lieder sind geschrieben worden was
sich einst unter der alten Dorflinde ereignet hat. Junge Paare tanzten im
Mittelalter begleitet von der Handtrommel und der Flöte um den Baum. Vor allem
im Wonnemonat Mai löste in alter Zeit ein Tanzfest das andere ab.
Unter der Linde, soll Zwergenkönig Laurin die Schwester
Dietrichs von Bern geraubt haben, und hier besiegte Siegfried den Drachen.
Walther von der Vogelweide bereitete sein berühmtes
Liebeslager aus Heidekraut und Rosen unter der Linde, wohl folgten diesem
Beispiel viele Liebespaare nach Walther.
So sind die meisten Lindengeschichten oft auch
Liebesgeschichten, denn die Linde ist der Baum der Liebe. Bei den Germanen galt
Freya als die Göttin der Liebe und ihr war die Linde geweiht. Die Kirche Vereinnahmte
die Linde dann als „Maria Linden“. Der alte Kulturbaum lebte somit in seiner
uralten Symbolik weiter. Doch es sollte so nicht bleiben. Die friedliche
Koexistenz zwischen dem katholischen Glauben und den überlieferten
Volksbräuchen, die der Landbevölkerung so viele tröstliche Rituale zum Schutz
vor überirdischen Gefahren und zur Einteilung und Markierung der Stationen
ihres Jahresablaufs lieferte, erfuhr eine unsanfte Störung durch die
Reformation. Von heute auf Morgen war der Gebrauch von Heiligenbildchen,
Weihwasser, geweihten Palmzweigen, anbringen von Kreuzen an Lindenbäumen usw.
verboten; die meisten Feiertage zu Ehren irgendwelcher Heiligen wurden
abgeschafft, Wallfahrtsstätten wurden geschlossen. Diese Erfahrung muss ein
tiefes Trauma gewesen sein. Was an volkstümlichen Riten aus den Jahrhunderten
danach überliefert und gesammelt ist, strotzt nur so vor pathetischen
Versuchen, das wenige an spirituellen Kräften, das der Landbevölkerung in
verschiedenen Regionen noch zur Nutzung übrigblieb, aufzugreifen und in den
Dienst ihrer materiellen Bedürfnisse zu stellen.
Doch auch diesen Angriff sollte der alte Kulturbaum
überstehen. So sehen wir am Beispiel der Linde das bis in die jüngste Zeit
volkstümlicher Aberglaube und volkstümliche Bräuche ein integraler Bestandteil
des ländlichen Lebens in allen seinen materiellen, sozialen und religiösen
Aspekten gewesen ist aus dem die Bevölkerung zweifelsohne kulturellen Sinn und
Werte bezogen hat. So hat sich bis in die jüngste Zeit hinter dem „Kultbaum“ Linde
die alte germanische Göttin Freya versteckt und als aus der Linde ein
„Kulturbaum und Tanzbaum“ wurde, war dies auch nichts Neues, schließlich tanzte
man schon in archaischen Zeiten um Bäume, die Bräuche haben im Wechsel der
Kulturformen nur immer wieder neue Bedeutungen angenommen. So auch der
Freiheitsbaum, der ja oft von einer Linde repräsentiert wurde. Der Baum
gemeinhin mit dem Maifeiertag in Verbindung gebracht, wurde zu einem Symbol der
Freiheit. So auch das Tanzen um diesen Baum, wie auch das Tanzen um die
Tanzlinde. In unserer Gesellschaft hat sich das Tanzen auf der einen Seite zu
einer trivialen Freizeitvergnügung, auf der anderen Seite zu einer Kunstform
entwickelt. In den frühen Kulturen war der Tanz jedoch eine äußerst wichtige
kollektive Handlung der mit existenziellen und symbolischen Bedeutungen wie
Ernte und Aussaat zu tun hatte.
Man kann also davon ausgehen das die ländlichen
volkskundlichen Überlieferungen, wenn auch in einer zersplitterten Form in
verschiedenen Gegenden immer noch existieren. Für die Volkskundliche Forschung
ist es wichtig diese letzten Zeugnisse von Menschen die einfach ausgesprochen
noch um die „Linde tanzten“ aufzuzeichnen.
Lit. Hinweise:
Jacqueline Simpson: Volkstümliche Erzählungen und
Bräuche. In: Die Bäuerliche Welt;
Verlag ,; Verlag Büchergilde Gutenberg.
Susanne Fischer: Blätter von Bäumen; Irisiana – Verlag.
Jacob Grimm: Deutsche Mythologie.
Sir James Frazer: Der goldene Zweig. Rowohlt Verlag.
Alfred Kloss: Die Friedenslinde von Bruchmühlbach; Heimatkalender
Landkreis Kaiserslautern 1982.
Hans Wagner: Die Eiche in der deutschen Volkskunde: Kranz
der Wälder 2003.
Dr. Hilde Nittinger:
Von der Bedeutung der Bäume in der Landschaft; Zeitschrift schwäbischer
Heimatbund.
Hans Wagner: Mythologie der Bäume: In Zeitschrift: Der
Lebensbaum; Bad Windsheim.
Hans Wagner. Der Baum des Lebens: In Zeitschrift: Der
Runenstein.
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