Freitag, 26. Juni 2009

Eine Nacht am Weißdornbusch

Schlaf unter einem Weißdornbusch, seine Geister werden deine Krankheiten heilen, sagte eine alte Kräuterhexe zu meiner Großmutter. Dieser Spruch aus frühen Kindheitstagen fällt mir immer wieder ein, wenn ich einen schönen Weißdornbusch, einsam und erhaben, auf einer Waldwiese stehen sehe. So mancher Baum und Strauch in unseren heimischen Auen und Wäldern besitzt besondere Kräfte. Dem Weisdorn, diesem alten Freund unserer heidnischen Vorfahren, haftet etwas mythisch, magisches an, dies spürt der naturbewusste Mensch, wenn er unter diesem Strauch eine Ruhepause hält. Wer mit den Augen der Altvorderen schaut und in dessen Brust noch ein heidnisches Herz pocht, der findet in der Natur noch so manchen Platz, denn die Naturgeister noch nicht verlassen haben, obwohl auch ihr Rückzug bereits im vollen Gange ist. Das Heer der Geister und Kobolde, der Elementargeister und Gnomen, im Lauf der Jahre, haben sie sich immer mehr zurückgezogen, bis von ihnen nur noch der Mythos geblieben ist. Die alten Bäume die einst die von Elfen durchspuckten Waldlichtungen und romantischen Weiher bestanden haben, wurden gefällt, weg mit allem romantischen heißt die Devise des Zeitgeistes, der Kitsch triumphiert über das einst erhabene. Die verfallenen Burgruinen mit ihren efeuumrankten Türmen hat man für den Billig – Tourismus zurechtgestutzt und sie der magischen Aura bestohlen. Über das einstmals so wundervolle Flattern der Luftgeister zu berichten, über das singen der Nymphen in den grünen Waldteichen zu berichten, über die Zusammenkünfte von Trollen und Gnomen zu erzählen bleibt uns Dichtern überlassen. Obwohl es niemand mehr hören will, werden wir weiter aus dieser einst so sagenhaften Welt berichten, die an Schönheit und Romantik die heutige weit übertraf.
In einer warmen Sommernacht, der Vollmond wanderte unruhig am Himmel und beleuchtete im mystisch, romantischen Glanz die wundersamen Waldwege, machte ich mich auf den Weg, meinen Freund den alten Weißdornbusch aufzusuchen. Unterwegs kehrte ich noch bei einer Dame ein, eine richtige Prinzessin ihr Vorname war Atropa und ließ mich von ihr ein wenig verwöhnen, sie tischte mir ihre wunderbaren Früchte auf, die mich die Welt mit anderen Augen sehen ließen. Als ich von ihr ging, kam ich mir vor als würde ich mich aus den Gärten der Hesperiden verabschieden. Bei meinem Weißdorn angekommen, kroch ich unter seine zarten Äste, die nur dem oberflächlichen Menschen Dornenhaft erscheinen, denn der Baum wehrt sich gegen jene die ihn unbefugt aufsuchen. Tief in mich versunken genoss ich die herrliche laue Sommernacht. Im Gras und Gebüsch wimmelte es von geheimnisvollen nächtlichem Leben, der Mond bescheinte die Waldwiese so wunderschön, das ich einige Zeit ein Rudel Rehe das sich nicht weit von mir aufhielt beobachten konnte. Ich befand mich in einer sehr romantischen Stimmung und es hätte mich keinesfalls verwundert, wenn plötzlich Diana von Nemi vor mir gestanden hätte. Eine Stelle des Euripides –Fragmentes zog mir durch den Kopf: "Mein Leben ist heilig, seit ich die Myste des idäischen Zeus ward und geweiht in den Gewitterweihen des nächtlich schweifenden Zagreus und seinen Mahlen rohen Fleisches, der Mutter des Ida Gebirges hielt ich die Fackeln empor und wurde geweiht, Bacchant der Koureten genannt."
Der Wald ist eine uralte Stätte der Einweihung, in den Wäldern offenbart sich uns das Göttliche, Ahnengeister und Naturkräfte werden in den Wäldern zu Spielgefährten des Eingeweihten. Hier findet die Begegnung mit dem Unbewussten, dem Über – Ich statt, dem Ahn, dem Totemtier wie es der Schamane nennt. Wie aus einer Trance erwachend kam ich mir vor als plötzlich eine Gestalt vor mir auftauchte. Ist sie aus meinem Unterbewusstsein gestiegen oder kam sie aus dem nahen Fichtenhain? Ich wusste es damals nicht. Die Gestalt war ganz in Fellen verhüllt. Langes weißes Haar, bekränzt mit Laub und Fichtennadeln, fielen über die etwas gebeugten Schultern herab. Als ich ihn fragte wer er sei, gab er mir zur Antwort er wäre der Hüter des Waldes und schaue jede Nacht hier vorbei, aber nicht jeder könnte ihn sehen. Er wohne nicht weit von hier in der alten knorrigen Eiche, die tief in ihrem Wurzelgrund eine Höhle berge und lebe von Wurzeln und Kräutern wie so viele Waldtiere deren Schutzherr er sei. Der alte erinnerte mich an eine alte keltische Prophetengestalt, die sich schon lange aus der Welt zurückgezogen hatte. Jenen Archetyp des weisen Mannes und ewigen Kindes, eine Personifikation unseres unbewussten. Es wurde eine wundersame Erzähl Nacht und ich lernte vieles. In der Morgendämmerung lief ich durch den taufeuchten Wald nach Hause. Geheimnisvoll blinkten die silbernen Fäden der Spinnweben, die Amsel sang ihr Morgenlied und hoch über mir zog majestätisch der Bussard seine Runden. Die Kinder der Erde grüßten den neuen Morgen.
hukwa

Eine Begegnung

Es war in einem herbst vor vielen Jahren als sich diese Begegnung abspielte. Der Wald stand in seinem bunten Altweibersommerkleid und Abertausende kleiner Sinnweben durchwoben die Bäume und Sträucher des Indian Summers. Eicheln und Kastanien blinkten im bunten Laub der Bäume, in den schon kühlen Nächten zeigten sich die Sterne wie funkelnde nie erlöschende Diamanten. Denn Sommer über hatte ich mich fast ausschließlich im Freien aufgehalten während der Tage und Nächten. In einem einsamen abgelegenen Waldstück hatte ich mir ein Zelt errichtet und verbrachte viele einsame Tage dort. Ich las in jener Zeit intensiv Bücher über Schamanimus und versuchte das angelesene Wissen praktisch umzusetzen, indem ich den Versuch unternahm durch Naturrituale mein Bewusstsein zu steigern. So entstand ein verwandtschaftliches Verhältnis zu den mich umgebenden Naturerscheinungen. Eine vorbeiziehende Wolke konnte mich in wahre Ekstase versetzen und der Mond zog mich in den Nächten magisch an. Irgendwie gelangte ein Büchlein über indianische Astrologie in meine Hände und ich las es anfangs mit keinem allzu großem Interesse. Nach diesem Buch ist der Buntspecht das Tier das meinem persönlichen Element entsprecht. Dies machte mich stutzig den ich habe zum Buntspecht immer eine recht gute Beziehung gehabt. Bei meinen täglichen Waldgängen verweilte ich nun immer länger an den Plätzen wo ich einen Specht klopfen hörte. Das Zelt stand in der Nähe eines Spechtbaumes, einer alten abgestorbenen Kiefer die immer wieder von Spechten angeflogen wurde. Ich begann nun den Specht zu beobachten der immer an diesem Baum sich zu schaffen machte. Es war ein großer Buntspecht. Oft saß ich unter der Kiefer während der Specht an ihr trommelte. Manchmal klopfte ich mit dem Knauf meines Messers an den Stamm, der Specht stellte dann sofort sein Trommeln ein, begann aber gleich wieder sobald ich mit meinem Klopfen aufhörte. So ging das tagelang. Mir ging die Geschichte die Ovid in seinen Metamorphosen erzählte durch den Kopf: Picus, der König Latiums, ein Sohn Saturns war ein berühmter Wahrsager. Er hatte eine Zauberin geheiratet, Canente, die Tochter des Janus, deren Gesang die wilden tauben bezauberte und Bäume und Felsen in Bewegung setzte. In die Schönheit des picus waren die Dryaden, die Nymphen des Eichbaums verliebt, aber unglücklicherweise auch die schreckliche Kirke,, die ihn, weil er sie abwies und seiner Gemahlin unerschüttlich treu blieb, in einen Specht verwandelte. Ich nannte den Buntspecht mit dem ich mich öfters unterhielt Picus. Oft wusste ich damals nicht, ob er mir nachflog oder ob ich ihm auf meinen Waldgängen folgte. Als ich eines Morgens im Zelt aufwachte, noch in Decken gehüllt und durch den geöffneten Eingang den frühen Raureif beobachtete, kam er plötzlich angeflogen. Er saß direkt vorm Eingang und starrte mich aus seitlicher Haltung an. Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns anschauten, mir war damals bewusst der Specht kam wegen mir. In mir war ein Gefühl tiefer Freude. Während wir uns ansahen teilten wir uns gegenseitig mit. Irgendwann flog er auf und davon. Von da an hörte ich ihn nicht mehr. Mir war klar der Specht war an diesem Morgen gekommen um sich von mir zu verabschieden. Wenn ich heute einen Band Ovid aus dem Bücherregal hole ist mir immer diese Begegnung gegenwärtig.
hukwa

Mittwoch, 24. Juni 2009

Dienstag, 23. Juni 2009

Krähengedichte

Unter mir Lemminge - über mir Krähen
von Hans Wagner

Es ist der Morgen
nach der Frühjahrs Tag – und Nachtgleiche
ich beobachte den Tanz der Krähen
die Vögel lassen sich tragen
von dem starken Wind der über das Land fegt
Mir ist es
als Erkenne ich
die wahre Richtung ihres Fluges
immer sind sie Unterwegs
zu neuen Vogelgalaxien
Mein Blick kehrt von den Wolken zur Strasse zurück
sie ist bevölkert mit einer Horde von Lemmingen
AUCH AN DIESEM MORGEN
eilen sie zielstrebig dem ABGRUND zu
sie setzen ihre MECHANISMEN in Bewegung
in Vorfreude auf ihr sinnloses Tun
zertreten sie OBERFLÄCHLICH die Schnecke
die mühevoll versucht den Bürgersteig zu überqueren
GEFANGENER GEIST einer lächerlichen Wohnzimmerethik
SO
Leben sie
im Mysterium einer SCHEINWELT
singen eine Ode auf die ÖKONOMIE deren Sklave sie sind
die Jungen unter ihnen sind wie die Alten
OHNE geistige ELASTIZITÄT
ihre seelischen STRUKTUREN sind verkarstet
wie die alte Plumpe von Dreck und Rost überzogene Schraube
im Schmutz des Bürgersteigs
in solchen Leben gibt es KEINE GEHEIMNISSE
nur materialistische Offenbarungen
sie fahren auf den Strassen
sie wandern auf den Bürgersteigen
eine HORDE von LEMMINGEN
ROBOTISCHE ZWITTER des URBANEN – ZEITGEISTES
ich wende meinen Blick von ihnen ab
kehre zurück in meine EINSAME Höhe
zu den KRÄHEN
die ein Stück Fleisch dieser ERDE sind
in mir spüre ich die ELASTIZITÄT einer SCHLANGE
die sich geschickt dem SYSTEM entzieht.
hukwa







In der Erinnerung
von Hans Wagner

In der ERINNERUNG sind die ERFAHRUNGEN schwarze fruchtbare Felder
die darauf warten BEPFLANZT zu werden
unsere Gedanken könnten die glühende Lava sein die das EIS unserer SEELE einfriert
DENN UNSERE
HIRNRINDE
ist der ANFANG einer UNENDLICHEN GALAXIE
die das gesamte UNIVERSUM in sich trägt
wie es auch in der AMEISE ist die soeben über meine Schuhe krabbelt
Sprengen wir endlich die stählernen TÜREN der REALITÄT
wir können das gelbliche Licht auch im SCHATTEN erkennen
ich trete an diesem Morgen vor die Haustür
der SAURE REGEN streichelt sanft mein Gesicht
es ist die Zeit der MORGENDÄMMERUNG
die kahlen Wipfeln der abgestorbenen Fichten schauen STUMM auf mich herab
die Zeit der ANKLAGEN zieht vorüber
ich BEWEGE mich
durch das Unterholz von Ahorn und Esche
eine EXPLOSION erschüttert meinen gesamten INNEREN RAUM
sofort folgt ein Donnerschlag im ÜBERRAUM
Kristallklar ein Gedanke in mir
in der ERINNERUNG sind die ERFAHRUNGEN schwarze fruchtbare Felder
die darauf warten BEPFLANZT zu werden
vor meinen Füssen begräbt der Mistkäfer die Hinterlassenschaft des Fuchses
der HEUTE NACHT hier vorbeischaute
und wieder einmal BEWUNDERE ich diesen Käfer bei seiner verantwortungsvollen ARBEIT
ist sie den weniger WICHTIG als SCHROTT am Fließband herzustellen
gäbe es diesen MISTKÄFER nicht
die WELT würde in der SCHEISSE VERKOMMEN
gegenüber diesem SCARABÄUS seid ihr NICHTIG und ARMSELIG
JA SO IST ES
ihr seid so versessen darauf aus eurem LEBEN ein NICHTS zu machen
das ihr das EINFACHSTE schon lange aus den AUGEN verloren habt
DENN IN DEN ERINNERUNGEN SIND DIE ERFAHRUNGEN schwarze fruchtbare Felder die darauf warten BEPFLANZT zu werden.
hukwa
















Das INNERN meines Kopfes ist HEUTE ein HIMMEL voller STERNE
und mein HERZ
ist wie der sonnige MORGEN
dieses Sommertages
ich laufe über den Waldboden
ich laufe über den Wiesenboden
ich laufe über den Asphalt
ich laufe auf der ERDE
ich hebe ab
verliere gerade meine SCHWERKRAFT
DURCHBRECHE das MUSEUM meiner vergangenen Jahre
und die Sterne in meinem INNERN
werden zu glühenden Kohlen
und das verstaubte MOBILAR
die Bücher
die ERINNERUNGEN
gehen unter in der GLUT
bis nur die ASCHE bleibt
das Leben ist Schön Einzigartig und Geheimnisvoll
wie der Morgen dieses Sommertages
an dem ich spüre
das ich soeben meine SCHWERKRAFT verliere
ROSEN AUF BAGDAD
ROSEN AUF TEHERAN
ROSEN AUF KABUL ROSEN AUF DIE WELT
werft ROSEN auf die WELT
Aber KEINE BOMBEN
Kein Hunger mehr in Afrika
wirft Lebensmittel ab auf Afrika
ARMUT und AUSBEUTUNG
sollt ihr AUSROTTEN
ich SCHREIE es euch zu
WANN ENDLICH
durchbrechen wir
das MUSEUM
dieser längst schon vergangenen WELT
Wann endlich
öffnen wir uns dem NEUEN
Wann endlich verdammt noch mal
leben WIR ALLE
UNS SELBST.
hukwa

Sonntag, 21. Juni 2009

Begegnung im Wald...

Begegnung im Wald Teil 2

Kein Windhauch, kein Vogelruf, noch nicht einmal das Gesumme von Biene und Hummel, durchbricht den Stummen Bann, dieses heißen Sommernachmittags. Die Hitze steht brütend über den wie erstarrt stehenden Bäumen. Selbst die Heuschrecken üben sich im Schweigen. Hoch oben im hellblauen Himmel, zieht der Habicht einsam seine Runden. Kein Mensch außer dem Jungen ist unterwegs. Bannstunde – Panstunde.
In tiefer Ruhe, ganz in sich verharrend stehen meditativ die Bäume. Da überkommt ein Zittern, das auf dem Boden liegende Laub, ein leiser Wind läuft durch das gras, das sich sanft nun wiegt. Langsam, ganz langsam und sacht regt sich leises Leben im Wald. Es scheint das die Natur nun aus einem Mittagsschlaf erwacht. Als hätte so eben der Märchenprinz die Prinzessin wachgeküsst und die Wirklichkeit kehrt nun wieder. So erschien dem jungen im Moment die Umgebung. Hatte er Geschlafen, geträumt oder war er in Gedanken versunken gewesen? In Gedanken die er vor einiger Zeit noch nicht hätte denken können, die ihn erst jetzt, durch seine Aufenthalte in der Natur heimsuchten. Wie Offenbarungen der Natur drangen sie in ihn ein, er spürte sie, ja er sah sie und doch wie sollte er sie in seinem kindlichen Denken fassen können. Ihm blieb nur die Kunst des Erahnens. Dies ist wohl eines der großen Geheimnisse der Kindheit, das es die Zeit im Leben eines Menschen gab, wo er sich geborgen fühlte in einer Welt voller Wunder. Eine Zeit da ihm das Denken noch jung erschien, in einem Anfangsstadium, wo er ganz im Schauen und Aufnehmen lebte. Damals in der Kindheit, als der Vorhang der Welten noch nicht ganz zugezogen war und noch die Möglichkeit bestand einen Blick auf das große Geheimnis zu werfen. Jenes Große das die Kinderzeit umschließt wie eine wärmende Aura. Eine Zeit in der man noch den Saum des göttlichen Mantels berühren durfte. Die Begegnung mit jener anderen Wirklichkeit, die nur Kindern oder wirklichen Weisen vorbehalten ist. Eine Welt des Schönen und des Rätselhaften tat sich dem Jungen hier, gleich hinter Großmutters Garten auf. Mit jedem Tag gab es neues zu entdecken. Auch jetzt da der Mittagsbann gebrochen schien und ein leichter Wind die Hitze des Tages, sachte durchkühlte. Der Junge sah um sich, da war nichts außer den Tieren und pflanzen des Waldes, der Sonne und dem leichten Wind. Doch spürte er tief in sich das hier viel mehr war, das ein Geschehen im Gange war, das nur für die Kinder und die Weisen dieser Welt bestimmt ist, das sich denn dumpfen, glanzlosen Blicken der Erwachsenen vollkommen entzog.
Vielleicht konnte es die alte Großmutter mit ihren liebevollen, Augen noch erkennen, bestimmt war dem so, aber sie schwieg gutmütig, ließ den jungen gewähren, wusste nur zu gut man darf den Kindern ihre Wachträume nicht rauben, sonst stiehlt man ihnen die Kindheit. Denn nur über die Träume der Kinder kann sich eine schlechte Welt in eine gute entwickeln.
Der Junge dringt nun tiefer in den Wald ein, lässt bekanntes Refugium hinter sich und wagt sich vor ins Unbekannte. Er träumt den Traum des Eroberers Neuer Welten und er erobert sie sich auch. Ist nicht jeder Schritt ins Unbekannte der Schritt in eine Neue Welt? Wo sich das Alte mit dem neuen zu einem Ganzen entwickelt? Jetzt steht er unter einigen Fichtenbäumen, tief atmet er die harzige Ausdünstung der dunkelgrünen Fichtennadeln ein. Hier ist es kühl und dämmrig. Er lässt sich auf dem weichen Nadelteppich nieder, betrachtet neugierig das spärliche Leben im Fichtenhain. Wenige Pflanzen wachsen hier. Er bestaunt die Nestwurz die er schon kennen gelernt hat. Den Wurmfarn mit seinen Rüsselchen und die Glöckchen des Wintergrüns. So weich ist der Boden, das er sich ganz niederlegt und in die Lüfte schaut. Von hier kann er kaum den Himmel erkennen, so dicht stehen die Baumwipfeln beieinander. Nicht weit von ihm entfernt, lässt sich nun, der schwarz – rot gefärbte Dompfaff nieder und der Knabe hört zum ersten mal das zarte und weiche "Lü Leut" dieses wundersamen Waldbewohners. Das rote Gefieder des Vogels steht nun im Kontrast zum Grün des Waldes und er spürt in sich die ganze Pracht seiner Umgebung, ein Ahnen ist in ihm das es hier noch viel zu erkunden gibt. Da erschallt ein geckerndes Geräusch, zwei Eichhörnchen jagen sich im Spiel, spielen ein vergnügtes Fangen in den Zweigen. Ein warmes Lächeln durchzuckt sein ernstes Antlitz und in seinen blauen Augen erscheint ein warmer Glanz. Eine Freude die nur dem Kind eigen ist durchzuckt seine Seele und es scheint ihm wieder als würde es mit seiner Umgebung verschmelzen. Jetzt erhebt sich der Knabe vom weichen Waldboden und verlässt behutsam auftretend den dusteren Fichtenhain. Es ist schon später Nachmittag als es den Platz wo es gestern, so gedankenverloren spielte erreichte. Neugierig sieht der Junge sich um. Wird er das seltsame Wesen das er gestern hier traf wiedersehen? Leise nähert es sich der Stelle wo es das Wichtelmännchen zum ersten Mal gesehen hatte. Spähend durchforsten seine Augen nun wieder das Pflanzendickicht. Diese grüne Mauer von Wurzeln, Steinen und Brombeerbüschen. Er schaut die Strukturen und Bildungen der Natur, die Zeugnis ablegen von einem ewigen Werden und Vergehen. Der Knabe der noch nicht richtig Lesen und Schreiben kann, dem die langweilige Routine von trockenen Buchstaben, noch nicht gelehrt worden ist, dessen Inneres noch nicht verschmutzt ist von billiger Schulmeisterei, liest hier im wirklichen Buch des Lebens und jeder Buchstabe wird ihm zu einer Offenbarung. Denn er studiert gerade das Schöpfungsalphabet der großen Mutter Natur. Das erste Mal in seinem jungen Leben ahnt er, hier ist mehr, vielmehr, als er später in allen Schulbüchern lesen wird. Hier an diesem Ort im Wald ist das große Geheimnis verborgen, wo nach die Weisen aller Zeiten immer suchten. Entfernt von den verlogenen Örtlichkeiten der Erwachsenenwelt gedeiht das wirkliche Mysterium. Im Frieden des Waldes findet der Mensch zu sich selbst und dem Kind ist er natürliche Heimstatt. Der Knabe schaut sich um. Er sieht die faszinierende Muster der Natur, ein kleiner Organismus in ständiger Entwicklung. Überall ist Bewegung, urtümliches Geschehen, wie man es nur im Wald erblicken kann. Hier sprengt eine zähe Wurzel den harten Sandstein, in solch kleinen Naturwundern liegt der verborgene Schein des Daseins. Eines Daseins das sich nur dem offenbart der noch des Staunens fähig ist.
Das seltsame Wesen bleibt verschwunden. Doch dann entdeckt der Junge etwas. Einen wundersam geformten Stein, der, an einem aus Pflanzen, geflochtenen Pfaden hängt. Woher kommt dies seltsame Objekt, fragt er sich? Hatte das unbekannte Wesen hier diesen Stein verloren? Wurde er hinterlegt für ihn? Bedächtig nahm er den Stein an sich, steckte ihn in seine Hosentasche. Er wusste es war nun Zeit nach Hause zu gehen, die alte Großmutter wartete. Aber Morgen, ja Morgen kommt er wieder hierher...
hukwa

Freitag, 19. Juni 2009

Begegnung im Wald

- Teil I

Gleich hinter dem Haus begann der Wald. Vereinzelt zogen sich Birken und Kiefern Hügelwerts um sich nach etwa hundert Metern einem dusteren Mischwald anzuschließen. Viele Jahrzehnte bewohnte die Großmutter alleine das Haus am Waldrand. Vor einigen Wochen hatte sie ihren kleinen Enkel aus der Stadt bei sich aufgenommen.
War es viele Jahre ruhig und still in dem alten Haus am Waldrand, so tönte nun doch des öfteren wieder junges Leben aus dem alten Gemäuer.
Die alte Frau war wohl anfangs etwas skeptisch, doch nun war sie so zufrieden wie der Knabe, der den ganzen Tag, vorwiegend im Kräutergarten vor dem Haus spielte.
Für den kleinen Jungen war das Leben im Garten und Wald ein einziges großes Geheimnis.
War ihm bisher doch nur die trostlose graue Stadt bekannt gewesen. Hier auf dem Land war alles anders. Das Haus stand abseits vom Dorf. Der Hund, die Katze und die Hühner waren Spielgefährten des Kindes. Besonders gerne spielte der Junge hinter dem Haus wo, der Wald begann. Zwischen den Birken und Kiefern hatte sich im Lauf der Jahre ein eng verschlungenes Dickicht angesiedelt.
Gleich zu Anfang der grünen Wunderwelt gedeiht die Tollkirsche mit ihren manchmal traurigen, braunroten Blüten. Wie dunkelbraune Tropfen schimmerten die Einbeere unter einem alten Holunderbaum. Aber auch die roten Beeren des Seidelbasts und der Eberesche prunkten an diesem heimeligen Platz. Eine uralte, verknorrzte Eichenwurzel, die wie eine Faunsgestalt aussah war ganz vom Bärlapp überwuchert, daneben öffnete das Springkraut seine zitronengelben Blüten und dem Jungen war es eine Freude diese Frucht anzufassen und zu spüren wie die Samenkapseln langsam explodierten.
Schon früh im Herbst reiften hier die majestätischen Hexenringe der mystischen Fliegenpilze.
Dazwischen stand auch immer wieder einmal ein kraftstrotzender Steinpilz.
Wenn der Junge hier spielte sah es so aus als spiele ein Zwerg im Gebüsch. Um in das innere des geheimnisvollen Wald zu kommen, muss er auf allen vieren auf dem Boden kriechen. Geschickt muss er sich am scharfen Brombergerank und den Himbeerbüschen vorbei schleichen. Gleich hinter dieser Stachelmauer scheint immer Dämmerungszustand zu sein. Ein moosiger, fauler Geruch entschwebt hier der Erde, als atme sie aus.
Nun sitzt der Junge im Farngestrüpp und bestaunt die geheimnisvolle Welt dieses wundervollen Waldes. Er schaut mit den unschuldigen Augen der Kinder dieser Welt und sieht wohl noch Dinge, die Erwachsene lange schon nicht mehr erkennen können.
Diese lieblichen, unschuldigen von einer schlechten Welt noch nicht verdorbenen Augen, durchforsten nun mit Wieselblick das Dickicht um ihn herum. Das Interesse für seine naturmystische Umgebung verleiht seinem kindlichen Blick die Sehkraft des Sperbers, dem aus den Lüften noch nicht einmal die Bewegung eines Hirschkäfers an der alten Eiche entgeht, die hier wächst. Nichts bleibt diesem unruhigen, wachen Kinderblick verborgen. Dennoch bemerkt er nicht, dass er selbst beobachtet wird. Die sichtbaren und unsichtbaren Wesen des Waldes lassen auch ihn nicht aus ihren Augen. Vorsicht! So heißt das oberste Gebot der nicht jedem sichtbaren Waldbewohner. Der Junge sieht nicht die Waldeidechse, die aus einiger Entfernung misstrauisch herüberäugt, auch nicht die Kreuzspinne, die sich gerade über seinem Kopf langsam abseilt. Der Baumläufer lugt hinter einem Stamm neugierig hervor und ein Wiesel streckt seinen Kopf aus einem alten vermoderten Baumstrunk. Dinge die ihm sonst nie entgehen, bemerkt er im Moment überhaupt nicht, auch nicht das er von einem seltsamen Wesen beobachtet wird. Mit glühenden, feuerroten Koboldaugen beobachtet eine winzig seltsam aussehende Gestalt jede Bewegung, die das Kind macht. Das Geschlecht dieses Wesens ist älter als die Menschheit und bevölkerte die alte Mutter Erde schon zu Zeiten als auf ihr noch die Dinosaurier wandelten. Seit dem Anfang aller Tage, seit es Wälder gibt, hausen sie in ihnen. So geschickt passen sie sich ihrer Umgebung an, das kein Mensch sie erkennen kann, wenn sie selbst es nicht möchten. Nur Kinderaugen, die noch anders sehen können, erblicken manchmal, die seltsamen Gestalten aus dem uralten Geschlecht der Naturgeister.
In dem Wäldchen ist es jetzt still geworden. Kein Windhauch, kein Vogelruf, selbst die Hummel summt nicht mehr. Es scheint, als liege plötzlich ein magischer Bann über dem Wald. Das Kind schaut durch das geballte Grün, als wollte es etwas erkennen, es spürt etwas kann es aber nicht orten. Dann erspäht er das seltsame Waldwesen, das ihn seit geraumer zeit beobachtet. Ihre Blicke kreuzen sich. Stumm und erschrocken starrt der Knabe auf die seltsame Erscheinung. Er kann sich nicht bewegen, ist wie erstarrt. Die unschuldigen Kinderaugen messen sich, mit dem stechend, scharfen Blick des Wichtelwesens. In diesem Augenblick tönt vom Haus her die Stimme der Großmuter. Das seltsame Wesen hebt seine Hände wie zum Gruß, auch der Junge grüßt zurück. Wie unter einem Zauberbann stehend erhebt er sich langsam vom Waldboden, ein letztes Winken, und er läuft schnell zur Großmutter. Morgen wird er wieder hier spielen.
hukwa

Mittwoch, 17. Juni 2009

Abenddämmerung

Hinter mir die untergehende sonne
vor mir der aufgehende mond
vogelgezwitscher vermischt sich
mit der rauschenden wildbach
unter mir das tal
neben mir bäume
bei mir
die gedichte blakes
eine kanne kräutertee
und das tao.
hukwa

Dienstag, 16. Juni 2009

Auf der Blumenwiese

Ich schaue dich an
kleiner schmetterling
wesen aus farbe und licht
sitzt du an der blüte
und
nichts profanes soll uns stören
wir beide
zwiesprache haltend auf der blumen wiese
hukwa

Sinfonie

Fliege seele fliege
mit der libelle
über teiche und dunkle waldwooge
kehre zurück
und bring mir
das konzert der frösche
als sinfonie der erde mit.
hukwa

Montag, 15. Juni 2009

Pan im Park

Was wohnt in dir noch ausser busch und bäumen
wer deutet mir des vogel flug wenn ich hier träume
uralt der efeu der die eichen umwuchert
die alte mauer belagert von steinbrech und nessel
erscheint sie wie ein festgerahmtes bild
ähnlich einem buch mit ganz vergilbten blättern
stehn hier die alten bäume
als seien sie nie weggewesen
der dich aus wildnis hat beschworen
bannender spruch gilt lang schon als verloren
was hier zerfällt zu namenloser erde
war einst versponnener prunk
diente dem fürstenpack zum gelage
der glanz vergangener tage scheint tod und leer
über vieles hat gesiegt der
brennesseln wildes heer
doch manchmal
in den mittagsstunden
wenn stille überm parke liegt
plötzlich ein schatten ein schnelles huschen
war es ein traum
oder war pan gerade hier.
hukwa

Der Blaue Eisenhut- Artikel von 2005

Der Blaue Eisenhut
Im November letzten Jahres rief der Botanische Sondergarten Wandsbeck zu den alljährlich zu wählenden Jahreswesen, auch eine Giftpflanze zu wählen. Die Entscheidung fiel auf den Blauen Eisenhut ( Aconitum napellus )
Die ausdauernde 40 bis 150 cm hohe Staude, mit den blau bis violetten Blüten, blüht von Juni bis Oktober.
Der blaue Eisenhut gehört mit dem Alkaloid Aconitin zu den giftigsten heimischen Pflanzenarten. Die art fand schon sehr früh den Weg in die Arznei – und Ziergärten. Besonders bemerkenswert sind die beiden zu Nektarien umgewandelten Kronblätter, die an der Spitze wie Pferdeköpfchen verdickt sind. Sie ziehen nach alter Überlieferung den
" Venuswagen " , den man sieht, sobald man das helmartige Kelchblatt ausgezupft hat.
Die übrigen Kelchblätter bilden den Kastenwagen, in dem die kurzen Staubblätter die Reisenden darstellen.
Die Blüten können nur von Hummeln bestäubt werden. Eigenartig ist die Wurzelbildung des Eisenhuts. Er treibt jedes Jahr einen neuen Knollen, während der vorjährige abstirbt. Die
Wirkstoffe finden sich in allen Teilen der hochkarätig , giftigen Heilpflanze. Der Name Blauer Eisenhut gab man ihm weil seine Blüten an die frühmittelalterliche Helme der
Ritter erinnern.
Enge Verwandte dieser Hochstaude sind der Wolfseisenhut ( Aconitum lycotonum ) , gelbblühend, der rispige Eisenhut ( Aconitum paniculatum ), der Wolfs – oder gelbe Eisenhut
( Aconitum vulparia ) den wir vorwiegend in Auwäldern finden, sowie der Gifteisenhut( Aconitum anthora ) .
hukwa

Sonntag, 14. Juni 2009

Waldkind

ich will dich umschlingen eiche
ich will in deinem reiche kind sein mit jeder eichel
gib mir von deinen säften
sättige mich mit deinen kräften
bruder eichenbaum
du mond da oben scheine mir
schick in mich deine strahlen
du mutter erde taufe mich
das wieder kind ich werde
ich bin doch aufgewachsen
mit baum mit blatt mit rinde und wurzel
der vögel lieder kannte ich von frühster kindheit an
des waldes ruhe fand ich
so viele kräuter trank ich
in deinem grünen hain
auch manche hexe traf ich
am grünen waldesrand
ich habe oft gelagert in deinem moose
und mit der welt gehadert
doch du mein wald gabst mir immer größe
in deiner grünen kühle
deiner schöpferischen stille
wurde ich zum rebellen
mit deinem krankgemachten willen
sie können dich nicht unterkriegen
ein same wird überleben
wenn sie selbst sich schon vernichtet haben
dann wirst du dich wieder erheben
eine neue grüne größe wird aufleben
und wird es in zukunft geben
sie versuchen das gute zu erschlagen
doch sie werden sich vor IHR ergeben.
hukwa

Offenbarung Gedicht

Früh am morgen
lausche ich dem lied der amsel
ihr flötensang
ist eine stimme des waldes.

Ja
der wald hat stimmen
doch auch die wolken singen
aus ihnen heraus dringt
planetensphären singen.

Verweilend vor dem waldsee
bin ich tief in mir drinnen
aus grünem pflanzendickicht
der göttin auge schaut.

Du grünes auge der erde
du blüte klein und zart
weit weg von weltgeräuschen
die schöpfung sich hier offenbart.

Dir dank ich schwarze erde
dir morgenfülle auch
mit eurem tiefen zauber
kehrt ihr bei mir als wunder ein.

Erbeb im morgenlichte
und schwitz im mittagsbrand
das abendrot das mystische
weist mir des suchens stand.

Ich steh hier unter bäumen
und will nur noch verträumen
was die robotische welt
aus unserer seele lang verbannt.

Es dringt in meine seele
des morgen grünes licht
ich lauf noch tiefer in den wald hinein
mit seinem wesen bin ich allein.
hukwa

Freitag, 12. Juni 2009

Momentaufnahme im Pfälzerwald

hier sitze ich gerne
an den stamm einer alten eiche gelehnt
trinke ich meinen kräutertee
mein auge durchstreift den alten mischwald um mich
der wind fährt durch mein haar
gedämpftes vogelgezwitscher
oft sitze ich so
irgendwann werden die bäume schemenhaft
ich bin ganz sein
nur noch in kurzen intervallen kommen die gedanken
dann -
ein fuchs nähert sich
der eichelhäher verrät mich nicht
er hat keine witterung von mir
gleich hinter ihm zwei jungfüchse
sie sehen mich
ein moment sind wir auge in auge
die füchse und ich
dann drehen sie um ohne hast
verschwinden tiefer im wald
hier zu sitzen
teil zu sein von der tiefe der natur
ist selbst gedicht sein.
hukwa

Donnerstag, 11. Juni 2009

Erdlied

Hoooow
und wieder stehe ich hier
an einem frühen graniteren morgen
bereit zu singen die krähenfeder zu ergreifen
meine gesänge niederschreibend
im osten geht die sonne auf
ich bin bereit
meine knochen aus meinem leibe zu brechen
die haut meines körpers in fetzen zu schneiden
aus knochen und haut eine trommel zu spannen
mein pochendes herz hinein zu legen
und mein hirn den jungen amseln in ihr nest zu geben
ich ziehe den erdigen geruch von salbei und baldrian in mich ein
greife nach einem harzigen kiefernspann
der an meinen händen kleben bleibt
setze mich ins feuchte gras
der der körper meiner allmutter ist
dieses gedicht nun niederschreibend:
hoooow
weit über den horizont hinaus
erde und himmel vereinend
hoooooooooow
treibst du hervor
die feinheiten der erde
in dir kann nichts auch gar nichts verderben
ausser dem menschen deinem fehlschlag
du bist die einzige die uralte
warst dabei als gebirge sich staffelten
flüsse und täler entstanden
am morgen der gezeiten
warst du die einzige zeugin
warst
lava glut asche regen
du bist die höchste subtilität der natur
die mutter alles organischen
mutterorganismus
farbenspiel und lichtgefunkel
erd und felsmutter
feld und waldmutter
die nach lichtleben drängt
bist eine perle im ozean
die einzige quelle in der savanne
du bist
ostara freya frigga
du bist
die mutter aller mütter
du bist gaia
die älteste
keine angst keine angst
rufst du jenen wenigen zu
die nicht deine fehlschläge sind
nicht der war es der sprach in der wüste
du warst es die dort sprach
so anders als überliefert
und du siehst das unrecht das unter deiner sonne geschieht
und siehe da waren die tränen jener
die unrecht litten und keine tröstung fanden
und die ihnen und DIR unrecht tun sind noch zu mächtig
so das sie keinen tröster bekommen können
da lobtest du die toten die schon gegangen sind
mehr als die lebendigen die noch das leben haben
und sich wie geschwüre in dich fressen
hoooooow
künderin des neuen lebens
essenz von pflanzensäften
saatgrund des lebens
aus erde wasser feuer luft
bist du
die mutter aller mütter
große schwangere erdmutter
wir entsprangen deinem schoße
gebärerin in schöpfungslust
weist du den meeren die stunden der flut
sphärenmusik die aus den drosseleiern klingt
lausche ich dem lied
das aus dir dringt
es gibt kein verlöschen nur ein neues bewusst werden
ich suche die blüte den schößling die ähre den samen das ameisenei
schmetterling und käfer
gabst du mir als schwestern und brüder
bäume als vettern
ich bin dein kind
ein säugling meiner allmutter
so streich ich durch deine wälder und felder
versunken im glühenden sein
im dasein zur allmutter
in königlicher einsamkeit
dräng mich durch deine unermesslichen räume
verfolgst mich in meinen träumen
bin ich
protoplasma monade mikrobe atom bin ewigkeit
bin pirscher in endloser nacht
erwachter fels am morgen
das geckern des eichhorn im fichtenstamm
im distelfink lied bin ich mit drin
echsenhaut und schwanentraum
saugender der unermeßlichkeit
wanderer war ich in der milchstrasse
raum der in bewegung ist
und sohn der
unbeweglichen bewegerin
verwandelter und ätherlicht
eine träne die in den ozean tropft
o mutter aller mütter
ich schaue dich
keine angst keine angst meine kinder keine angst
rufst du uns zu
ich bin erschaffen um weiter zu schaffen.
hukwa

Mittwoch, 10. Juni 2009

Mutter Erde

wir sind das wild und die frucht
in ihrem revier
schwarze mutterkörner
im goldfarbenen getreide
wir werden erde
wie demeter sein
und werden wieder sprießen
in ihrem steinernen kelter
werden wir für sie
irdischer wein.
unser sein ist dein.
hukwa

Gedicht - entstanden 2007 während eines Kampfes für Bäume

Schwarzpappeln

zwei pappeln im park
warten auf ihren letzten tag
generationen von kinderherzen
erfreuten sich an ihnen
trostspendende schwarzpappeln
viele sommernächte verbrachte ich bei euch
der pappelschwärmer stirbt mit euch
esche und eiche gingen voraus
im rauschen und brausen
von geäst und gezweig
gelobte ich euch treue auf ewigkeit
du pappel willst mir nicht aus dem sinn
die jahre zogen vorüber
wo ich vor euch gestanden bin
die kettensägen sind geschärft
der schloßverwalter ist genervt
er hat kein herz für bäume
euer holz ist geld für seine träume
er weiß nichts vom lebendem atem der bäume
noch einmal fährt der wind durch euer geäst
ein weinerliches stöhnen
ein letzter gruß
auf ewig verflucht
der kerl der euch fällen lässt.
hukwa

Die Schwarzpappel

Die Schwarzpappel – botanisch populus nigra - ist ein Weidengewächs ihren Namen bekam sie wegen ihrer dunklen Baumrinde. Als einzelstehender Baum kann Populus nigra, bis zu 35 Meter hoch werden. Sie bildet dann eine weitausladende Krone. Ihre großen Blätter stehen
wechselständig angeordnet an den Zweigen, sie sind keilförmig und haben einen langen Blattstiel. Die Schwarzpappel wächst von Natur aus nur in den großen Flusstälern Mittel- und
Südeuropas, jedoch vielfach angepflanzt findet man sie noch als Parkbaum.
Das die Schwarzpappel auf die Rote Liste der bedrohten Arten kam, hängt unter anderem damit zusammen das in Europa die Flussauen immer seltener werden. Vor allem die Absenkung des Grundwassers zerstören den Lebensraum dieses mächtigen Naturwesens.
In Deutschland geht man davon aus das nur noch ca. 3000 Altbäume dieser art sicher identifiziert werden können. Reliktvorkommen an Rhein, Elbe und Oder gelten als gesichert.
Seit dem 17. Jahrhundert wird in Deutschland die amerikanische Rosenkranz – Pappel
( Populus deltoides ) angepflanzt, diese kreuzte sich vermehrt mit der europäischen Schwarzpappel, so das es heute einige Bastardarten gibt, um eine Schwarzpappel sicher festzustellen bedarf es daher gewisser botanischer Grundkenntnisse. Sehr häufig findet man
daher vor allem in Parkanlagen die Bastard-Schwarzpappel – Populus x canadensis Moench
vor.
Seit alters her werden aus dem weichen Holz der Schwarzpappel Holzschuhe hergestellt.
In den Niederlanden gilt daher auch dieser Baum als " Klompem-Boom ", zur Zeit ist das Holz der Schwarzpappel auch bei Instrumentenbauern sehr gesucht vor allem im Gitarrenbau.
Dieser Baum gehört natürlich auch zu den Arzneimittelbäumen, ihre heilkundliche Verwendung lässt sich weit zurückverfolgen. Pappelsalbe und Pappeltee sind aus der
volkskundlichen Medizin nicht wegzudenken.

Botanische Erkennungszeichen

Vorkommen ganz Europa, außer nördlichen Gebieten

Standort Flusstäler

Höhe 35 m

Rinde grau-schwarz, rissig

Blätter wechselständig, eiförmig, gestielt, am Rande gewellt, zugespitzt, gesägt.

Blüten März-April Zweihäusig
weiblich: Schlanke, gelbliche Kätzchen.
männlich: dicke , hängende Kätzchen mit roten Narben.

Früchte: Kapselfrucht, grün-braun, kleiner Samen mit langen Flughaaren.
hukwa

Dienstag, 9. Juni 2009

Sandstein am Wegrand

es wird bleiben
das zeichen
die geschwungene linie
das bild
der göttin in mir
bleiben wird das kindliche schreien
das alte herzen erfreut
in den sphären der unendlichkeit
wird bleiben
das was heimat ist
orpheus in mir
mein halbbruder
der stein umwuchert von farn
darinnen ich fand
das geäder der zeit
nicht bleiben wird
der verschmutzte graue beton
das verrostete blech
der reifen aus gummi
es wird sich ändern
der gesang der vögel
das wachsen der bäume
der stand der dinge
im spiegelbild meines angesichts
im geäder der zeit.
hukwa

Alte Freundin

es gibt tage
da fällt etwas von mir
es fällt so weit
dass ich nicht fähig bin
zu sehen
was da gefallen ist
jedesmal an solchen tagen
sage ich mir
kehre zurück zu jenen anfgängen
wo alles begann
dann wird der boden unter meinen füßen
wieder sicher
und ich denke
es tut gut
eine so alte freundin
zu besitzen
wie unsere alte mutter erde.
hukwa

Gezeiten

pünktlich
um 5 uhr früh
der erste schlag des rotkehlchens
aus der alten blutbuche
jetzt folgt das lied der amsel
wir drei benötigen keine uhr
schnell ziehen die wolken
schafskälte
stille
der mond über dem waldrücken
ich sehe aus meinem fenster
und denke
es gibt zwei arten von zeit
eure und meine.
hukwa

Montag, 8. Juni 2009

Meine alte Blutbuche in ihren Sommerfarben...


Die Fichte...


Die Heilwirkung der Fichte - Picea excelsa


Die kegelförmig gewachsene Fichte unterscheidet sich von der Tanne vor allem dadurch, dass ihre Zapfen im Gipfel hängen, während Tannenzapfen aufrecht stehen. Ihre vierkantigen Nadeln sitzen dicht an den Zweigen. Der bis 60m hohe Baum, der ein Alter von 600 Jahren erreichen kann, ist über die ganze nördliche Erdhalbkugel bis in 2000 m
Höhe verbreitet. Fichten blühen im Mai ; im April und Mai sammelt man Nadeln, Zapfen und junge Triebe. Gereinigte Fichtenholzkohle wird als " Carbo vegetabilis " zu Heilzwecken
verwendet. Nadeln und Zapfen enthalten ätherische Öle, welche hautreizend, durchblutungsfördernd, krampflösend, schweiß- und harntreibend wirken. In Inhalations –
lösungen, Salben und Badezusätzen wird dieses Öl gegen Katarrhe der Atemwege, Krampf-
husten, Bronchialasthma, Rheumatismus und Nervosität verwendet. Aus dem Harz gewinnt man Terpentinöl, das wegen seiner Nebenwirkungen ( Erbrechen, Nierenschädigung mit Blutharnen ) nur vom Arzt gegen Rheuma, Bronchitis, Blähungen verordnet werden darf.
Fichtenholzkohle wirkt desinfizierend und absorbierend ( aufsaugend ) bei manchen Vergiftungen, Wunden und Magen – Darm – Katarrhen.
Zum Tee, der sich gegen Entzündungen der Atemwege bewährt hat, weicht man über Nacht 10 g Nadeln auf 1 Tasse Wasser ein, kocht ab und lässt 10 Minuten ziehen ; davon
trinkt man täglich 2 Tassen, am besten mit Honig gesüßt. Fichtennadeltee soll nicht länger als 7 Tage ununterbrochen eingenommen werden, danach empfiehlt sich eine Pause von
1 Woche.
Als Badezusatz ( zweimal wöchentlich ) verwendet man 2-3 Esslöffel Fichtennadelöl aber
Bitte aus der APOTHEKE. Auch bei so einfachen Heilkräutern wie der Fichte empfiehlt sich
vor Anwendung unbedingt eine Rücksprache mit Ihrer Apothekerin oder Ihrem Apotheker.

hukwa

Die Fichte von Theodor Däubler
Der Fichte nächtlich sanftes Tagbetragen
Belebt Geschickeswürde kühn im Wald.
Kein Zweiglein kann in ihrer Waltung zagen,
Die ganze Nacht gibt ihrem Atem halt.
Es scheint ein Stern an jedem Ast zu hängen.
Des Himmels Steile wurde erst im Baum.
Wie unerklärt sich die Gestirne drängen !
Vor unserm Staunen wächst und grünt der Raum.
Ihr himmlisches Geheimnis bringt die Fichte
Den Blumen, unseren Augen fürstlich dar,
Ihr Sein erfüllt sich im Sternenlichte,
Sie weiß bei uns, das Friede sie gebar.
Was soll der weltenwind im Samtgeäste ?
Die Fichte weicht zurück und spendet Rast.
Ein Baum, der alle Sterne an sich presste,
Bleibt groß und segnet uns als guter Gast.

Freitag, 5. Juni 2009

Naturrecht ist Mutterrecht

Jedes mal,wenn ich ein Problem habe das in irgend einer Weise mit dieser Gesellschaft zusammenhängt, laufe ich hinaus in die freie Natur an einen Platz den ich mag, zu einer Blumenwiese, einem schönen Baum oder einer romantischen Quelle und alsbald verspüre ich eine tiefe Ruhe die über mich kommt. Irgendwann kommt dann der Moment wo ich mit meiner Umgebung verschmelze. Das Problem das ich mit mir herumtrage fällt von mir ab, die Natur erleichtert mich. Ich habe es nie anders erlebt, immer hat sie einen Zuspruch für mich parat. Dies gehört zu meinem Naturrecht. Ich komme aus ihr, ich gehöre ihr, mein Gefühl kommt aus ihr, mein Geist stammt aus ihr und irgendwann nimmt sie mich ganz auf. Aus ihr habe ich mich entwickelt, deshalb gehöre ich zu ihr. Ich gehöre ihr wie ein Sohn seiner Mutter gehört. Unter den Menschen ist es so das irgendwann, die Kinder den Müttern entwachsen sind, in der Natur ist es so, das wir ewig die Kinder unserer Mutter sind. Naturrecht ist ewiges Mutterrecht. Entwöhnen wir uns unserer Mutter Natur, ist dies immer sehr schmerzhaft für uns. Alle ökologischen Krisen beruhen ja letztendlich darauf das wir unser Mutterrecht nicht mehr wahrgenommen haben. Viele haben damit begonnen das was wir lieben sollen zu hassen, sie merken nicht das, wenn sie die Erde zerstückeln, sie dabei sind ihre eigene Mutter zu zerstören.
Spürten dieses Mutterrecht nicht auch Rousseau, Goethe und der junge Schelling besonders?
In seinen Naturwissenschaftlichen Abhandlungen schreibt Goethe 1782: "Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend, aus ihr herauszutreten, und unvermögend, tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und Ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres
Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arm entfallen.
Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie; was war, kommt nicht wieder – alles ist neu und doch immer das alte". Und in der Geschichte meines botanischen Studiums schreibt er:" Indessen sich dergestalt meine botanischen Kenntnisse und Einsichten in lebenslustiger Gesellschaft erweiterten, ward ich eines einsiedlerischen Pflanzenfreundes gewahr, der mit Ernst und Fleiß sich diesem Fache gewidmet hatte. Wer wollte nicht dem im höchsten Sinne verehrten Johann Jakob Rousseau auf seinen einsamen Wanderungen folgen,
wo er, mit dem Menschengeschlecht verfeindet, seine Aufmerksamkeit der Pflanzen und Blumenwelt zuwendet und in echter, gradsinniger Geisterkraft sich mit den stillreizenden Naturkindern vertaut macht."
Die große Kraftquelle in Rousseaus Leben, der Gegenpol seines problematischen Verhältnisses zu den Menschen, ist sein Erleben mit der Natur. In einen Brief schreibt er 1762."Aber was genieße ich denn, wenn ich mit mir allein bin? Ich genieße mich selbst, das gesamte Universum, alles was ist und was sein kann, alles was es Schönes in der sinnlichen Welt, in der Welt der Phantasie und in der intellektuellen Welt gibt. Welche Zeit meines Lebens ist es, die ich mir am liebsten in meinen schlaflosen Nächten zurückrufe, und auf die ich am häufigsten in meinen Träumen zurückkomme? Es sind die zeiten meiner Zurückgezogenheit; es sind meine einsamen Spaziergänge; es sind jene flüchtigen, aber köstlichen Tage, die ich ganz mit mir allein verbracht habe, mit meiner schlichten und guten Gefährtin, mit meinem Hund, meiner Katze, mit den Vögeln im Feld und den Tieren des Waldes, mit der ganzen Natur und ihrem unfassbaren Schöpfer. Wenn ich mich vor Tage erhob, um das erwachen der Sonne in meinem Garten zu betrachten und zu genießen, wenn ihr Aufgang einen schönen Tag versprach, so war das, was ich mir zuerst wünschte, dass weder Briefe noch Besuche seinen Zauber störten... Ich schuf in meiner Phantasie ein goldenes Zeitalter und ich wurde bis zu Tränen gerührt, wenn ich an die wahren Freuden der Menschheit dachte, an jene so köstlichen und reinen Freuden, die jetzt dem Menschen so fern und entrückt sind."

Für den jungen Schelling war die Natur Urkraft, ja Urgeist, das sich-selbst-bewusst-Werden der Natur, hat er in einem wunderschönen Gedicht festgehalten:
muss sich unter Gesetze schmiegen,
ruhig zu meinen Füßen liegen.
Steckt zwar ein Riesengeist darinnen,
ist aber versteinert mit seinen Sinnen,
kann nicht aus dem engen Panzer heraus,
noch sprengen das eiserne Kerkerhaus,
obgleich es oft die Flügel regt,
sich gewaltig dehnt und bewegt,
in toten und lebendigen Dingen
tut nach Bewusstsein mächtig ringen. –
Allmählich lernt er im Kleinen Raum gewinnen,
darin er zuerst kommt zum Besinnen.
In einem Zwergen eingeschlossen
von schöner Gestalt und graden Sprossen,
heißt in der Sprache Menschenkind,
der Riesengeist sich selber findt.
Vom eisernen Schlaf, vom bangen Traum
erwacht, sich selber erkennend kaum,
über sich so gar verwundert ist,
mit großen Augen sich grüßt und mißt.
Möchte alsbald wieder mit allen Sinnen
in die große Natur zerrinnen...

Hier hören wir überall den gleichen großen Lobgesang auf unsere alte Mutter heraus. Bei Ihr,
In Ihr sind wir zu Hause.
hukwa

Donnerstag, 4. Juni 2009

Natur als Offenbarung

"Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was für ein Mensch man ist."
Fichte

Die Natur ist eine Offenbarung
Eine Tagebuchnotiz

Mit dem Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft begann die Entzauberung der Natur. Es stand mit einem Mal ein Nützlichkeitsprinzip im Weltenraum. Der Mensch wurde zur Sache.
Mehr noch, er wurde zu großen Teil zur Nebensache, zu einem Objekt von Berechnung, wie man einen Gegenstand, eine Maschine berechnen kann, so berechnete man fort an den Menschen auf die Tauglichkeit seines Nutzens für die kapitalistische aber auch für die sogenannte marxistische Gesellschaft. Diese Berechnung des Menschen hat in unserer derzeitigen Gesellschaft einen Höhepunkt gefunden im "Robotischen Menschen", wie ich einen Großteil der Menschen von heute bezeichnen möchte. Dieser Mensch ist zu einem Wesen deklariert worden das zu funktionieren hat. Jedes Mietglied dieser Gesellschaft hat nach dem Nützlichkeitsprinzip, das er sich aussucht oder für das er ausgesucht wird, zu funktionieren. Fast jeder hat das Prinzip des "was nützt es mir" zu seinem Lebensinhalt gemacht. Der Nächste ist mir der Nächste, weil er mit "nützt". Er ist eine Sache, ein Objekt,
meiner Berechnungen. Wie viel Nutzen kann ich aus ihm ziehen? Ich ziehe so lange Nutzen aus ihm wie ich ihn ausnützen kann.
Was hat nun dieses Nützlichkeitsprinzip mit der Entzauberung von Natur zu tun? Natur ist etwas Natürliches, wenn ich mich zu stark von ihr entferne, werde ich unnatürlich. Was heißen soll: Ich verwandele meine Natürlichkeit in eine Künstlichkeit, ich bewege mich aus einer natürlichen Welt in eine künstliche Welt hinein. Alles künstlich hergestellte ist eine Herstellung für den Gebrauch. Wir haben unser Bewusstsein des Natürlichen gegen ein Bewusstsein des Unnatürlichen eingetauscht,, ja wir sind dabei jenes das wir als Seele oder Vernunft bezeichnen, regelrecht aus dem menschlichen Dasein zu eliminieren um es zu guter Letzt tatsächlich gegen ein Nichts einzutauschen. Das Nichts ist das Absurde die Heimat von diesem ist Angst und Ungeborgenheit. Mit dem Abschied und der Trennung von der Natur, hat sich der Mensch gleichzeitig aus dem Reich der Transzendenz verabschiedet dem er einstmals, wenigstens zu einem Teil und sei es nur als Mietglied des christlichen Fußvolkes angehörte. Selbst der dogmatisch und der Natur entgegengesetzte christliche Glauben, ist letztendlich immer noch sinnhaltiger als der "ökonomische Götzenkult des Turbokapitalismus". Doch dieses christliche Weltbild, des "machet euch die Erde untertan", war schließlich die Wiege dessen was wir heute Kapitalismus nennen. Das gefährliche an der christlichen Lehre ist, das auch recht vernünftige Menschen von ihr irritiert werden. Welche Macht diese Sklavenreligion auf andere ausüben kann zeigt uns die "Bekehrung" des Naturphilosophen Schelling. Schrieb Schelling in seiner Jugend genial über das Bewusstein der Natur, erscheint es einem verwunderlich das dieser Philosoph im mittleren Alter Zuflucht im Katholizismus suchte. Vor allem darf man nicht vergessen das zu Lebzeiten Schellings, die Asche der kirchlichen Scheiterhaufen der Hexenverbrennungen gerade einmal am Anfang ihrer Abkühlungsperiode stand. Mir persönlich kommt das so vor wie wenn jemand einige Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges einer faschistischen Partei beitritt. Ein unverzeihlicher Fehltritt eines Philosophen, vergleichbar mit dem beitritt von Heidegger in die NSDAP.
Jede neue Lehre die von der Menschheit positiv aufgenommen wurde, die ins praktische umgesetzt wurde, hatte auch ihre Schattenseiten. Außer dem was wir von Mutter Natur zu erwarten haben, denn sie ist keine Lehre, noch nicht einmal eine Philosophie, sie ist einfach eine Offenbarung.
hukwa

Mittwoch, 3. Juni 2009

Bewusstsein

auf einem baumstumpf sitzend
trinke ich meinen kräutertee
esse selbst gebackenes brot
neben dem leinernen rucksack stehen
axt und handsäge
einfache werkzeuge eines einfachen lebens
eine amsel kommt geflogen
ich füttere sie mit brotkrummen
das eichhhörnchen schaut mir geckernd zu
starrt neugierig vom baum herunter
ich denke nicht
bewege mich im ozean meines bewusstseins
die spaltung zwischen selbst und ich ist überwunden
so schaue ich den fluß aus dem alles fließt
und in den alles zurückfließt
ich bin ein besitzender was brauche ich mehr.
hukwa