Donnerstag, 11. Februar 2016

Stand in Trippstadt einmal ein Menhir?

Nachdem ich in Trippstadter Wald im tiefsten Gebüsch zwei behauene Steine gefunden habe, die verblüffende Ähnlichkeit mit einem Menhir haben, habe ich diese kurze Recherche aufgestellt.
Dabei habe ich immer darauf geachtet, dass der Wunsch nicht Vater des Gedanken wird.
Bei einem der Steine, die ich gefunden habe, könnte es sich um den von Kurt Knebel erwähnten Hitzstein handeln, der 1348 im Wilensteiner Burgfriedensbrief als Eck- und Grenzpunkt genannt wird, was aber nicht ausschließt, dass es sich um einen Menhir handelt. Im Mittelalter wurden oft Menhire als Grenzsteine genutzt. Erläuterungen zu diesem Stein finden sich im Sonderheft „Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt“ - Flurnamen von Trippstadt.

Der Menhir von der Breitenau – Gedanken zu einem alten Stein



Um alte Steine ranken sich immer Geschichten, Märchen und Sagen. Die Geschichten die man sich gewiss einst um den hier beschriebenen Menhir erzählte, sind lange schon vergessen. Und so steht dieser „lange Stein“, dies bedeutet das Wort Menhir, einsam im Stelzenberger Wald.
Die kleine Siedlung Breitenau ist eine Annexe der Gemeinde Stelzenberg.
Dass dieser uralte Stein von Menschen errichtet wurde, davon können wir mit Sicherheit ausgehen. Ebenso, dass es sich um keinen Grenzstein handelt. Das Material besteht aus rotem Sandstein wie er in der Umgebung vorkommt.
Seine Abmessungen sind folgende: Höhe zum Hang 1,25m, zum Berg 1,15m, Breite und Dicke am Boden 65x35cm, an der Spitze 58 x 26cm.
Dem pfeilartigen Stein entströmt etwas archaisches, aber man muss ihn wohl in keltischer Zeit suchen. Wenn man die weitere Umgebung der Breitenau vorgeschichtlich betrachtet, findet man weitere Zeugnisse aus der keltischen Zeit. So stand beim Dansenberger Friedhof einst ein weiterer Menhir und in Hohenecken stand einst eine Jupitergigantensäule.
Diese Säulen sind ein ausgezeichnetes Zeugnis für die Verschmelzung von römischer und keltischer Kultur. Diese Art der Jupiterdarstellung kannte man in Rom nicht, sie war typisch für die ostgallischen Gebiete.
Warum der Stein gerade hier steht, lässt sich leider nicht mehr einordnen. 20m östlich des Berges befindet sich ein Hügel der einem Gräberfeld ähnelt. Er wurde allerdings nie archäologisch untersucht. Würde es sich um ein Gräberfeld handeln, dann könnte man den Stein dem Totenkult zuordnen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass wir einen schon zur Römerzeit gesetzten Grenzstein vor uns haben. Denn der an den Menhir angrenzende Flurname heißt Breitfeld und dieses Wort bedeutet eine nach römischem Muster vermessene Flur. Das heißt, der ganze Bezirk war in gleich große Rechtecke eingeteilt. So kann man auch nicht ausschließen dass die heutige Annexe Breitenau, bereits in gallo – römischer Zeit als Hofgut bestanden hat.
Der alte Hohlweg, der von der Breitenau aus auf die Höhe zum Breitfeld führt, um von hier aus Stelzenberg zu erreichen, kann durchaus eine Höhenstraße darstellen, da an der Breitenau auch ein uralter Keltenweg von der Sickinger Höhe kommend vorbeiführt.
Auf irgendeine Weise haben die Menhire miteinander in Verbindung gestanden. Der erwähnte Keltenweg, der von der Sickinger Höhe kommt, verläuft westwärts zum Menhir von Rentrich im Saarland und zum Golenstein bei Blieskastel.
Der Menhir von der Breitenau muss in alter Zeit viel höher gewesen sein. „Gekürzt“ wurde er wahrscheinlich von christianisierten Volksstämmen die durch das Gebiet zogen. Diese alten Steine sind die letzten Zeugen einer bäuerlichen Siedlungsgemeinschaft zur gallo – römischen Zeit. In unserem Landkreis wurde sie ganz vom Keltentum getragen.
Stand in Trippstadt einmal ein Menhir?
Wir wissen nicht ob in Trippstadt einmal ein Menhir stand, allerdings deutet einiges darauf hin.
In Trippstadt gibt es den Flurnamen „Am Hinkelsacker“. In der Pfalz sind die Standorte von 29 Menhiren bekannt, die in Gewannen stehen, deren Flurnamen am Hinkelsacker heißt.
Flurnamen sind ein Spiegelbild von Dorf, Stadt und Landesgeschichte. Sie trugen zur Orientierung von Grenzen und Eigentum bei. Ohne Flurnamen wären Aufzeichnungen von Klöstern und jeweiligen Herrschenden überhaupt nicht möglich gewesen. In der Regel tragen sie historische Überlieferungen in sich, besonders die Namen Hühner- und Hinkelsacker.
Weitere Flurnamen in der Pfalz, an denen Menhire stehen oder einstmals gestanden haben, sind:
Langer Stein, Weißer Stein, Am Dicken Stein, Markstein und Malstein.
Auch die Flurnamen Heyer, Heyst, Heygeren, Heiden, werden mit Menhiren in Verbindung gebracht. In Gewannen dieses Namens wurden einige Menhire gefunden, meist Begräbnisstätten aus fränkischer Zeit des 6. und 7. Jahrhunderts.
Zwar waren um diese Zeit die Franken bereits „Christen“, die sich nach dem Gesetz der

Heerbanntreue dem Beispiel ihres Königs folgend taufen ließen, aber sie blieben noch Jahrhunderte lang „halbe Heiden“ und deswegen auch besonders anfällig für die heidnischen Sitten der Ureinwohner.
Als die Franken in die Pfalz kamen waren die Kelten lange schon mit den Römern fortgezogen, aber ihre Hinterlassenschaften. vor allem die Menhire. waren noch gut sichtbar in der Landschaft vorhanden.

Trippstadter Menhir – Foto Hans Wagner

Trippstadter Flurnamen die in Verbindung mit einem Menhir stehen könnten:
Weißer Stein, Hinkelsäcker, Heyster, Breidenstein, Hitzstein, Heid, Heyd, Heydenhübel, Heidenkopf, Bielerstein, Walbertstein.

Wichtig sind auch frühgeschichtliche Zeugnisse in der Nähe von Tripppstadt.
So zum Beispiel:
Johannniskreuz – römisches Pflaster, Nähe Hügelgräberfeld
Johanniskreuz – Hügelgräberfeld.
Schopp – Hügelgräberfeld.
Stelzenberg – mögliches Hügelgräberfeld.


In Dansenberg und Mölschbach standen ebenfalls Menhire, Dansenberg war um ca. 900 v. Chr. von Kelten besiedelt.
Trippstadt ist also „umringt“ von Menhiren, daher ist es möglich, dass auch hier einmal ein Menhir stand. 
 
Bilfinger schreibt von einem Harbsbild röm. Legionäre im Haderwald. Siehe hierzu:
Trippstadter Flurnamen : Hitzstein. K. Knebel. 
 
Um meine These, dass in Trippstadt einmal ein Menhir stand, zu erhärten, hier eine kleine Aufstelllung von Menhiren im Landkreis Kaiserslautern.
Schneckenhausen
Erlenbach
Landstuhl – Bildschacherhof
Bann
Mittelbrunn
KL – Bännjerrück Stein versetzt
KL – Erzhütten Stein ausgegangen
Rodenbach
Bruchmühlbach
Otterberg
Martinshöhe 
 
Auch der Otterberger Menhir steht in einer Gewanne die den Flurnamen Hinkelsacker hat. 
 
Vor allem die Hochfläche der Sickinger Höhe ist eine reiche Fundgrube „steinerner Zeugen“ aus der Vergangenheit. Sie gehörte in römischer Zeit zur „Provincia Gallia Belgica“. Ihre Bevölkerung gehörte dem keltischen Stamm der „Mediomatriker“ an, dessen Siedlungsgebiet sich zwischen der Maas im Westen und dem Westrand des waldigen Pfälzer Berglandes im Osten mit den Flusstälern der Steinalb und der Lauter ausdehnte.
Ein weiteres Indiz für mögliche keltische Spuren in der Pfalz ist der Bachname „alb“.
Der Namensbestandteil – alb, für Bach- und Flussnamen in unserer Gegend, stellt eine altwestische (vorindogermanische) Bezeichnung für Fluss- und Bachbette sowie Weißwasser dar, die sich im keltischen Sprachschatz als albis ebenfalls wiederspiegelt.
Von den die Völkerwanderung überlebenden Resten der heidnischen Urbevölkerung, erfuhren die neuen Siedler die keltischen Namen der Albbäche Moosalb, Burgalb, Steinalb.


Literatur-Verzeichnis:
Kurt Knebel: Flurnamen in Trippstadt. Sonderheft, Blätter zur Heimatgeschichte von Tripppstadt.
Arnulf Krause: Die Welt der Kelten. Nikol Verlag.
Heinz Denig: Mündliche Information über römisches Strassenpflaser bei Johanniskreuz.
Daniel Häberle: Ein Beitrag zum Kapitel „Hinkelsteine“, in Pfälzisches Museum 21 1904
Ernst Christmann: Menhire und Hinkelsteine in der Pfalz.
Otto Gödel: Menhire, Zeugen des Kults, Grenz- und Rechtsbrauchtums in der Pfalz 1987
Karlwerner Kaiser: Der große Berg bei Kindsbach im Landkreis Kaiserslautern.
Martin Dolch, Albrecht Greule: Die Westricher Hochfläche als galloromanische Reliktzone, in, Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern. Bd. 24/25.

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