Freitag, 15. Februar 2013

Waren Hinkelsteine und Megalithen Teil eines steinzeitlichen Wallfahrtpfades?

Eine heimatkundliche Spurensuche
Von Hans Wagner

„Nur der lebt nicht im Dunkel, der sich von 3000 Jahren Rechenschaft zu geben weiß“.
Goethe

Aus Caesars Kommentaren wissen wir das die Kelten bereits über ein gutes Wegenetz verfügten aus dem später zum Teil Römerstrassen wurden. Wahrscheinlich bestand im Bereich des Pfälzerwaldes und vor allem des Reichslandes bei Kaiserslautern ein frühsteinzeitliches Wegenetz. Auf Ansätze eines solchen „Verkehrswesens“ weist schon Ernst Christmann mit Berechtigung hin. Christmann vermutet, dass die neolithischen Menhire (u.a. Gollenstein bei Blieskastel, der Menhir östlich der Martinshöhe, Menhir auf dem Bännjerück, der „Hinkelstein“ nördlich des Grafenthaler Hofes bei Otterberg eine neolithische Höhenstrasse begrenzten, die vermutlich als Vorläufer der späteren „Römerstrasse“: Lothringen – Einöd – Schwarzenacker – Martinshöhe - Bann – Kaiserslautern – Otterberg/ Heiligenmoschel - Kreuznach gelten kann. Wir wissen das schon in der jüngeren Steinzeit hier ein Höhenweg verlief. Mehrere Funde ergänzen dieses Bild unter anderem ein geschliffenes Steinbeil aus dem Neolithikum, gefunden bei Lambsborn. Auch Beispiele außerhalb der Pfalz sprechen dafür, dass an Altstrassen Menhire stehen oder gestanden haben. Es scheint also vieles auf einen Zusammenhang hinzuweisen dass bereits in der Zeit der Errichtung der Jungsteinzeitlichen Kultdenkmale in unserem Gebiet Hochwege entstanden sind. Wohl waren diese Kultpfade die wahrscheinlich einem Fruchtbarkeitskult gedient haben, bereits Steinzeitliche „Wallfahrtspfade“.
Wir wissen das der Pfälzerwald bereits in der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) zumindest vorrübergehend bewohnt war und das die Buntsandsteinhöhlen, von denen wir im Pfälzerwald einige Hunderte vorfinden, als vorrübergehender Wohnplatz dienten und wohl unter anderem auch kultisch genutzt wurden. Steinerne Bodenfunde, wie Projektile für Pfeilschäfte, meißelartige Stücke, Teile von Rückenmessern, Kratzer, Klingen, u.a.m. belegen dies deutlich. Man fragt sich nun natürlich zu Recht wieso bisher keine Felsritzzeichnungen aus der Steinzeit gefunden wurden. Dazu schreibt Erwin Cziesla, der die Ausgrabungen an der Weidenthal – Höhle bei Wilgartswiesen leitete: „…erstens werden sich in vergleichbaren Buntsandstein – Formationen grundsätzlich keine altsteinzeitliche Felsgravierungen finden lassen, da diese falls überhaupt einst vorhanden, vor Jahrtausenden bereits Opfer der Verwitterung geworden sind. Zweitens wird der Nachweis altsteinzeitlicher Besiedelung in diesen natürlichen Unterkünften kaum gelingen, da diese Höhlen nicht mehr vorhanden, bzw. mit den heutigen nicht identisch sein können. Potentielle altsteinzeitliche Fundobjekte wurden an jenen Stellen abgelagert, die heutzutage nicht mehr als ehemalige Höhlen erkennbar sind: ihre Auffindung wird somit überaus zufällig“.

Wahrscheinlich ist das einzig sichere dass wir über die Menhire und Hinkelsteine sagen können dass sie kultisch genutzt wurden. In Deutschland finden wir einzelstehende Menhire und Hinkelsteine vor allem in Rheinland – Pfalz und in Hessen. Wahrscheinlich waren sie mit einem Fruchtbarkeitskult verbunden und hatten somit ökonomisch- soziale – und religiöse Bedeutung.
Die Griechen kannten eine „Geographie der Kultorte“, dabei ging es um Geomantie, warum sollten die Erbauer der Megalithen nicht auch einer solchen „Geographie“ gefolgt sein und ihre Steingebilde bewusst so angelegt haben, das man sie wie in einer Prozession ablaufen konnte? Nichts spricht gegen die These eines solchen „Wallfahrtspfades“.
hukwa

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