Samstag, 14. Mai 2016

Von Waldgrenzen, Grenzsteinen und Grenzumgängen

Das Gebiet um den heutigen Luftkurort Trippstadt gehörte im frühen Mittelalter zu den ausgedehnten Forsten der Vogesen, die von der Mosel bis ins Südelsass reichten. Dazu gehörten der Hunsrück, Saarland, Westrich und die jetzigen Vogesen. Dieses große Waldgebiet nannten die Kelten „Wassichin“, was in etwa Auerochsengebirge bedeutet. Die Römer prägten dafür den Namen „Vosagus“, nach einer alten Naturgottheit und im Nibelungenlied finden wir das Gebirge unter dem Namen „Wasgenwald“.
Silva regis“ - Wald des Königs – nannte Gregor von Tours, der um 594 gestorbene Geschichtsschreiber, die Vogesen. Es betont das Recht des fränk-ischen Königs an allem herrenlosen Land und Gut und geht somit noch auf die Banngewalt des Königs und das römisch – gallische Provinzialrecht zurück.

Im fränkischen Siedlungsraum galt zumindest der siedlungsnahe und begehbare Wald als Gemeinschaftseigentum der Dorfgenossen. Die alten pfälzischen „Haingeraiden“ haben hier ihre Wurzeln. Als die Franken sich in unserem Gebiet ansiedelten, haben sie nach altgermanischem Recht und Brauch die Feld- und Waldmark den Sippen und Familien zur Verteilung zugewiesen. Was bedeutet, dass Wald und Weide zum Allgemeinbesitz bestimmt war.
Im Hochmittelalter verhängten dann die Könige den sogenannten „Forstbann“ d. h. sie entzogen diese Wälder der allgemeinen freien Nutzung, erklärten sie zu königlichen Besitzungen und gaben der Bevölkerung nur noch kleinste Nutzungsrechte wie Waldweide, Pottaschherstellung, Eichelmast, Leseholz ect.

Wie die „Haingeraiden“ haben auch die traditionellen Waldgrenzumgänge ihre Wurzeln in mittelalterlichen Zeiten.
Diese Grenzumgänge wurden in der Regel alle sieben, an manchen Orten alle zehn Jahre durchgeführt. Durch diese Begehungen sollten die Grenzen im Gedächtnis der Bewohner, vor allem der Jüngeren haften bleiben. Daraus entwickelte sich der auch noch heute ausgeübte Volksbrauch bei dem Bürgermeister, Gemeinde- oder Stadtrat, die Bürgerschaft und vor allem die Jugend von Grenzstein zu Grenzstein der jeweiligen Gemarkung zogen um sich den Grenzverlauf einzuprägen. An herausragenden und wichtigen Grenzsteinen wurde die Jugend „gepritscht“, was heißt, dass sie dabei über den Grenzstein gelegt wurden und vom Pritschenmeister leichte Schläge auf den Hosenboden bekamen. Der Pritschenmeister lief mit dem Bürgermeister in der ersten Reihe und hatte die „Pritsche“, einen in sieben dünne Blätter geschnittenen Buchenzweig umhängen.
Die Zahl Sieben spielte in sofern eine wichtige Rolle, weil die Grenzsteine von den sogenannten „Siebengeschworenen“ gesetzt wurden, die sozusagen die „Vorfahren“ der späteren Feldgeschworenen waren. Ihnen oblag die Verantwortung für die Grenzsteine.
Das Wort „Grenzstein“ ist noch gar nicht so alt und leitet sich von Bann und Mark her. Die Urform des Wortes „verbannen“ bedeutet nichts anderes, als jemand aus einem bestimmten Machtbereich auszuweisen. Auch das Wort „markieren“ hat seine Urbedeutung in den alten Grenzsteinen. Auf jedem Grenzstein befinden sich spezielle Zeichen – Ortszeichen, Wappen, Jahreszahl, laufende Nummern. Auf der Kopfseite mancher Grenzsteine befindet sich eine gekerbte Rille, die den weiteren Grenzverlauf angibt, dies ist die sogenannte „Weisung“. Ändert eine Grenze ihre Richtung, dann setzt man die sogenannten Haupt- oder Ecksteine. Die dazwischen stehenden Steine nennt man „Läufer“. Bei den Römern war es Brauch, beim Setzen eines Grenzsteines die Münze ihres regierenden Kaisers unter den Stein zu legen. Die „Siebengeschworenen“ übernahmen sozusagen diese „römische Methode“ und legten seltsame Steine, Eisenteile, Glas ect. unter die Grenzsteine.
Dies blieb ein Geheimnis unter den Siebengeschworenen, das nur an ihre Nachfolger weitergegeben wurde. Und so war es nicht verwunderlich, dass ein Feldgeschworener des 20. Jahrhunderts wusste, was unter einem Grenzstein lag der im 17. Jahrhundert gesetzt wurde.
Der Wald in unserer Umgebung ist durch und durch kulturgeschichtlicher Boden. In der Verbindung mit der Stadt Kaiserslautern hat diese Landschaft an der Reichsgeschichte als fränkischer Königshof und an der westöstlichen Magistrale von Lothringen an den Rhein Anteil genommen, als Rodungsinsel und Verwaltungsmittelpunkt des in der Merowingerzeit geforsteten Wasgau. Zweifelsohne kann man die Wälder in der hier besprochenen Landschaft als „Sanssouci“ Barbarossas bezeichnen. Wenn auch der Kaiser seine Burg hier vielleicht nie gesehen hat, so gibt es genügend urkundliche Zeugnisse für den Aufenthalt der Mächtigen in Lautern und im umliegenden Forst. Zwischen Mai 1158 und August 1310 liegen 27 urkundlich einwandfrei bezeugte Aufenthalte römischer Könige und deutscher Kaiser in Lautern vor.
Wenn die Staufer von der Kaiserpfalz in Lautern zum Trifels und zur nächsten Pfalz, die sich in Hagenau befand ritten, war ihr Weg immer der gleiche und führte zum Teil auch durch die Trippstadter Gemarkung.
Von Lautern über den Hirschsprung nach Johanniskreuz zum Eschkopf, dort bogen sie zum Taubensuhl ab und ritten hinunter nach Eußerthal, wo sie im Zisterzienser-Hauskloster ihrer Reichsfeste Trifels einkehrten. Barbarossa dürfte auf dieser Reise gewiss auch eine kurze Rast in seinem geliebten Jagdhaus, am Jagdhausweiher in der Nähe des Aschbacherhofes gemacht haben.
Wo viele Klöster und Burgen standen, musste es auch viele Grenzbäume und später Grenzsteine, geben. Dort wo die natürlichen Gegebenheiten fehlten, um einen Grenzverlauf zu markieren, benutzte man sogenannte „Lochbäume“. In den alten Grenzbeschreibungen des 15. und 16. Jahrhunderts fallen immer wieder solche Lochbäume auf. Das alte Weißtumb von der Frankenweide bei Johanniskreuz, aus dem Jahre 1533 beschreibt solche Lochbäume: „... von demselben Stein... bis zum Krodenborn, da steht ein Lochbaum an der alten Strasse nach bis in alte Gefälle, da steht ein Lochstein“.

Wir wissen aus der „Beforschung“ von Velmann, dass im Jahre 1600 in Johanniskreuz zwei Steine und dreizehn Lochbäume standen. Auch am bereits erwähnten Jagdhausweiher stand ein solcher Lochbaum. Velmann schreibt: „Vom Jagdhauser Kopf hinab zum 3. Stein in dem Rombacher Thal, ist ein liegender Fels bei der krummen Buche, oberhalb da des Kaisers Jagdhaus gelegen, über das Thal hinüber und die Halde hinauf zum Dansenberg“.

Grenzsteine gehören zu unseren Kleindenkmälern die in der heutigen Zeit eines besonderen Schutzes bedürfen. Und es sollte ständig und in jedem geeigneten Zusammenhang, wie z. B. bei Grenzumgängen, auf ihre Schutzwürdigkeit hingewiesen werden.


Lit. Hinweise:
Hans Wagner: Von Lochbäumen, Bannsteinen und Siebengeschworenen; Heimatjahrbuch des Landkreises Kl; 2015
Hans Wagner: Die pfälzischen Haingeraiden.
Walter Eitelmann: Rittersteine im Pfälzerwald.
Erich Bauer: Kleine Chronik von Wald und Schloss Trippstadt im Pfälzerwald.
Hans Wagner: Geschichtliches und Sagenhaftes aus dem Trippstadter Wald.
Wilhelm Albert: Wald, Forstwirtschaft im Wandel der Zeit.
Ernst Bilfinger: Johanniskreuz eine Pfälzerwaldgeschichte.
Theodor Zink: Des Kaisers Jagdhaus beim Jagdhausweiher.

Fotos © Ute Knieriemen-Wagner



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