Samstag, 5. Oktober 2013

Der Baummarder

Wenn sich die Nacht über den Wald legt, zieht der Baum- oder Edelmarder auf Raub aus. Gegenüber seiner Zwillingsart, dem Steinmarder bevorzugt der Baummarder große, geschlossene Wälder mit Altbaumbestand. Solche ausgedehnte Waldungen bieten ihm genügend Schlupfwinkel. Bei Tage sieht man ihn höchst selten, er ist dämmerungsaktiv.
Am liebsten sind ihm Mischwälder mit altem Baumbestand und dichtem Unterholz, wo sich Mäuse und Kleinvögel in reicher Zahl vorfinden. An Ästen, Baumstümpfen, Steinen und Erdhügeln setzt der Marder mit einem stark übelriechenden Sekret, dass er aus zwei Analdrüsen hervor drückt, sogenannte Duftmarken ab, mit denen er sein Revier abgrenzt und seinen Wechsel markiert.
Der Baummarder hat ein kastanien- bis dunkelbraunes Fell und einen gelblichen Kehlfleck. Beim Steinmarder ist dieser Kehlfleck eher weiß. Außerdem ist der Baummarder größer als der Steinmarder.
Seinen Unterschlupf sucht er sich in hohlen Bäumen, in verlassenen Krähen-, Greifvogel- und Taubennestern, in den Kobeln der Eichhörnchen, in Holzstößen und in größeren Vogelnistkästen. Für seine Jagdzüge durch die Wälder ist er bestens ausgerüstet. Der Baummarder ist ein wendige Kletterer und in dieser Hinsicht den meisten anderen europäischen Säugetieren überlegen. Er springt mit bis zu vier Meter weiten Sätzen durch die Baumkronen, läuft die Stämme hinauf und kopfüber wieder herab, fast so als ob er sich auf dem Boden bewegen würde. Er besitzt eine sehr gelenkige Wirbelsäule und keine Schlüsselbeine. Daher kann er sich durch enge Löcher winden und praktisch aus jeder Stellung plötzlich abspringen. Dies kommt ihm natürlich bei der Jagd bestens zu statten. Da er absolut furchtlos ist, wird er allen Waldsäugern, bis hin zum Jungreh gefährlich! Natürlich auch den Vögeln, sie und Eichhörnchen zählen zur Lieblingsbeute. Doch auch Bilche, wie Siebenschläfer und Haselmaus müssen sich vor dem Baummarder in acht nehmen, genau wie Mäuse. Bei größeren Säugern, wie Hase und Kaninchen verbeist er sich im Genick und versucht dem Beutetier mit den Hinterbeinen kräftige Stöße zu versetzen, um ihm die Halswirbel zu brechen. Auch die Vögel verschont er nicht, die er mit seinen Pranken sogar aus den Nistkästen zu ziehen versucht. Meistens frisst unser Edelmarder zuerst den Kopf seines Beutetieres, weil ihm das lecithinreiche Gehirn besonders zu schmecken scheint. Aber auch Insekten verschmäht er nicht und im Sommer und Herbst labt er sich ausreichend an Obst, Beeren, Bucheckern und Haselnüssen, Auch Hummel- und Wespennester stehen auf seinem Speiseplan.

Baummarder halten keinen Winterschlaf, durch ihr dickes Fell sind sie bestens geschützt. Außerhalb der Paarungszeit leben die sie als Einzelgänger. In den Monaten Juni bis August, vor allem im Juli, werden sie besonders lebhaft und unruhig. Die Paarungszeit zieht sie ganz in ihren Bann. Die Mardermännchen hetzen dann die Weibchen stundenlang durch den Wald. Durch eine Verzögerung der Keimentwicklung wird nach der Paarung die Tragzeit der weiblichen Baummarder hinausgezögert und die Jungen kommen erst im April zur Welt. Die Jungtiere bleiben bis zum nächsten Frühling bei der Mutter. Ab dem zweiten Lebensjahr sind sie dann geschlechtsreif. Baummarder haben außer dem Fuchs, kaum noch natürliche Feinde. Sie können bis zu 16 Jahre alt werden. Aber meist sterben sie vorher durch Bejagung, an einer Krankheit oder werden im Straßenverkehr getötet.

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