Dienstag, 6. November 2012

Im Tempel der Persephone Eine surrealistisch-hermetische Erzählung


Persephone empfing mich in ihrem Tempel der nie erlöschenden Nacht. Ich konnte nur ihre Augen erkennen, schwarz mit roten Pupillen die glühten und heiß schienen wie die Feuer des Ätna. Kein Sterblicher hat je Persephone leibhaftig gesehen. Ein starker Duft von Narde und Weihrauch durchströmte das Innere des Tempels. Sie die einst die Schlange angestiftet hatte ihr Unheil in die Welt zu bringen erwartete meinen Pfand und ich hinter legte ihn der Göttin der ewigen Nacht. Zweiundsiebzig Gedichte hatte ich der Persephone gewidmet und sie verriet mir den Weg zu der Vampirin. Und so machte ich mich auf meine Wanderung. Zu meiner Geliebten die sich in weite Fernen zurückgezogen hatte.
Ich traf Zauberer, Gaukler und Verrückte zechte mit ihnen in den Weinschänken Korinths wo man dem Wein die Frucht der Mandragora und die Samen der Belladonna beimischte. Lagerte unter Piraten, Dirnen und Verbrechern bis ich endlich in einem abgelegenen Waldtal die ersten Rufe der Vampire hörte. Hier musste meine Geliebte also irgendwo weilen. So fand ich sie in einem alten Turm vor so jung wie ich sie verlassen hatte. Nur ich war um einiges gealtert. Doch sie schenkte mir den Biss der Jugend, trank von meinem Blut und schaute mich tief mit ihren Maskenaugen an. Und meine Geliebte sprach zu mir: Du hast mich gesucht und hast mich gefunden. Warum wohl hast du mich gefunden? Weil du an mich glaubst und darum gebe ich mich dir hin, den Liebe ist nichts anderes als Glauben, sie ist die höchste aller Religionen. Du hast nicht den verhängnisvollen Fehler des großen Orpheus begangen, hast nicht gezweifelt. Und weil er zweifelte konnte ihm Eurydike nicht mehr folgen. Eurydike die eine Schülerin der Persephone war wusste wohl um die Schwächen von Orpheus und wer Schwach ist wird scheitern. Wenn das Schicksal dich dazu berufen hat, einem Wesen der Nacht zu begegnen, gibt es nur zwei Möglichkeiten für dich: Entweder du glaubst oder die Dämonen werden deinen Geist verwirren. Doch bei mir kannst du die Welt da draußen vergessen. Du weißt es selbst, es ist eine verblendete, trügerische Welt, angefüllt mit billigem Kommerz und der Konsum blendet es die Menschen so, dass sie meinen, all dass sei real, doch sie träumen nur, wissen es aber nicht, dass sie nur Teil eines noch größeren Traumes sind als jener den sie Träumen. Schreib deine Erlebnisse mit mir auf und wirf sie dieser verkommenen Welt da draußen hin und du wirst sehen sie werden alles zertreten. Diese Menschen, was heißt Menschen, diese Zombies, haben schon vor langer Zeit ihren Glauben verloren, sie leben nur noch im Zweifel mit sich selbst und das ist ihr Untergang. Aber du hast mich wiedergefunden, wirst mich wieder verlassen um mich wieder zu finden. Und so werden wir unsere Zeiten verleben im sich verlieren und sich wiederfinden. Das ist unser Schicksal.
hukwa

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