Sonntag, 20. November 2011

Schamanensprache ist Dichtersprache

Bei meinen vergleichenden Studien über Dichtung und Schamanismus bin ich bei dem Völkerkundler Buddruss auf folgenden Textabschnitt gestoßen: "Die Fähigkeit dichterisch gebundene Worte sprechen zu können, die Gabe poetischer Improvisation, gilt als ein bedeutsames Kennzeichen schamanischer Begabung. Damit weist der werdende Schamane vor der gemeinschaft aus, das ein Vorfahrengeist in ihn eingedrungen ist".
Diese wesentliche Eigenschaft bekräftigt auch Alfred Stolz in seinem Buch "Schamanen-Ekstase und Jenseitssymbolik". Der Schamanenforscher Dioszegi beschreibt eine Forschungsreise nach Sibirien folgt: "Unvergesslich werden mir jene abende bleiben, die ich in Kyzlasovs Jurte verbrachte. Mit welcher lyrischen Gabe sprach er vom Tanz der Zedern- und Birkenholzscheite im Feuer, mit welcher Kraft der Fanatasie verliehen seine hingeworfenen Worte den flackernden Schatten an der Wand Leben und Bedeutung. Als der burjatische Schamane Chadi uns bei Tagesanbruch aufrüttelte, damit wir gemeinsam den Schamanenstock zuschnitten, suchte er uns unterwegs die Geheimnisse der Natur zu deuten und tat das aus einem tiefen, menschlichen Gefühl heraus. Mit den Worten eines Dichters erzählte der Schamane Kokuev auf unserem Weg durch die Taiga von den roten und schwarzen Quellen, dem Vollmond und Sonnenaufgang, von den auf Grashalmen glitzernden Tautropfen". Auch Hans Findeisen berichtet Ähnliches.
hukwa

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