Mittwoch, 16. Januar 2013

Der Wolf in der Mythologie


Vom guten Wolf

In den archaischen Kulturen gab es die Mär vom bösen Wolf noch nicht. Meister Isegrim galt als Freund, Helfer und Seelenführer des Menschen. Das der Wolf zur Bestie stilisiert wurde geschah erst in viel späteren Zeiten. Das Bild vom „bösen Wolf“ entstand vor allem mit der Ausbreitung des Christentums.
Bezeichnungen für den Wolf tauchen das erste mal um 7000 v.u.Z. auf nämlich im indogermanischen Sprachraum. Also zu einer Zeit in dem die Menschen sich noch eins mit der Natur fühlten. Sie sahen keine wesentliche Unterschiede zwischen sich und der Tierwelt. Man hielt Tiere für ebenbürtig und einige für Wesen, die mit übernatürlichen Kräften ausgestattet waren. Die Menschen der Urzeit waren davon überzeugt, das Tiere genau so wie Menschen in Geschlechts- und Stammesverbänden lebten und das sie eine Seele besaßen. Die damaligen Menschen waren davon überzeugt das sie selbst und der Stammesverband dem sie angehörten, in verwandtschaftlicher Beziehung zu irgendeinem Tier standen. Also eine Totemmiestische Beziehung. Spuren und Überreste dieses Totemismus haben sich bei vielen Völkern Europa, Asiens, Afrikas und Ozeaniens bis Heute  erhalten vor allem in Schamanistisch geprägten Gesellschaften.
Unter jenen Tierarten die als Totemtiere verehrt werden ist die herausragende Stellung des Wolfes hervorzuheben.
Bei den Tlinkit an der Nordwestküste Amerikas aber auch bei den Irokesen, die im Südosten der Großen Seen lebten, gab es verschiedene Wolfssippen. Die Usbeken leiteten ihre Herkunft vom Wolf ab. Die Eskimos der Beringstrasse verehrten den Wolf als Totemtier. Auch die Mongolen verehrten den Wolf: in einer ihrer Legenden heißt es, dass ihr Volk von einem vom Himmel geborenen Wolf und einer Hirschkuh abstammt. Das heilige Tier der alten Türken war der Wolf, da eine Wölfin nach der Legende als Stammesmutter galt. Sein Kopf zierte die Feldzeichen, und die Offiziere führten seinen Namen. In einer alten Chronik heißt es, dass diese Wölfin einen hilflosen zehnjährigen Knaben vor dem Tode gerettet hat. Er war der einzige, der vom Stamm der Hunnen am Leben geblieben war, die von Feinden vernichtet worden waren. Als er erwachsen wurde, brachte die Wölfin zehn Söhne zur Welt, deren Vater er war. Jeder dieser zehn Söhne war der Begründer eines Stammesverbandes.
Die Verehrer eines Totems waren davon überzeugt das sie in jeder Lebenslage mit der Unterstützung ihres totem Tieres rechnen konnten. Noch bis in die Neuzeit hinein glaubten die Usbeken, bei denen sich der Schamanimus bis heute erhalten hat, an die Hilfe ihres Urvaters des Wolfs.
Aber auch beim Volksglauben spielte der Wolf eine wichtige Rolle. So glaubte man bei vielen sibirischen Stämmen, wenn man einer Frau eine bevorstehende geburt erleichtern wollte an eine Art Wolfsmagie. Man legte ihr wie ein Armband einen Wolfskiefer ums Handgelenk oder zerrieb ein Stück getrocknetes Wolfsherz  zu Pulver, löste es in Wasser auf und gab es ihr zu trinken. Das Neugeborene hüllte man in ein Wolfsfell, damit es lange lebte. An die Wiege hängte man als Amulett Wolfszähne, Krallen und Afterzehen. Erwachsene Usbeken trugen, um sich gegen Unglück zu schützen, Eckzähne, Zähne und Krallen vom Wolf. Solche Amulette durften nicht verkauft oder getauscht werden, sie durften nur verschenkt werden. Auch bei den Burjaten stand der Wolf in höchsten Ansehen, sobald jemand Fieber bekam wurde er in Wolfsfelle eingehüllt, bei den Kasachen und Kasantataren rieb man bei Ausschlag, Flechte oder sonstigen Erkrankungen der Haut die Stelle mit einem Wolfsschweif.
In Europa, vor allem bei den Germanen spielt die Wolfsmythologie eine äußerst wichtige Rolle. Aber auch bei den Griechen und Römern. Der römische Gelehrte Plinius d. Ä., der im 1. Jh. lebte , schrieb dass ein Wolfskopf die Kraft jeden Zaubers zu brechen vermag. Aus diesem Grunde wurden sie an die Tore der römischen Landsitze genagelt. In Deutschland und Frankreich verwendete man aus dem gleichen Zweck heraus einen Wolfsrachen. Bauern in Sizilien bewahrten noch im 19. Jh. eine Wolfspfote im Stall auf, der das Vieh schützen sollte. 
Der Mensch der ja das Totemtier als seinen Verwandten ansah, begegnete selbst dem toten Tier noch mit größter Ehrerbietung. Die alten Athener gingen sogar so weit das sie jedem getöteten Wolf ein Begräbnis ausrichteten. Auch die Jakuten überließen einen toten Wolf nicht einfach seinem Schicksal: Sie wickelten ihn in Heu und hängten ihn an einen Baum, sie bestatteten ihn also so wie es bei den Taigabewohnern Brauch war. Die Usbeken setzen Wölfe in der erde bei.
In den Schamanistischen Gesellschaften glaubte man das Tiere die menschliche Sprache verstehen würden. Wenn ihnen ein Mensch nicht die richtige Ehrerbietung entgegenbrachte dann würde das Tier sich an einem Rächen so dachte man.  Daher verwendete man für Wölfe oft Tabubezeichnungen. Bauern aus der Gegend von Smolensk, sagten bei einer Begegnung mit Wölfen: „Guten Tag, ihr braven Burschen“! Die Esten nannten den Wolf „Hirte“, „Langschwanz“ oder „Onkel“, die Litauer „Feldgeist“ und bei den Korjaken sagte man „der sich abseits im Hintergrund hält“, bei abchasischen Jägern „glücklicher Rachen“. 
Die Tschuktschen sahen im Wolf ein übernatürliches Wesen. Wenn dieser ein Rentier riss, taten sie ihm nichts, da sie fürchteten dass die übrigen Wölfe dann alle Tiere töten würden. Die Jakuten hielten den Wolf für den Sohn ihre Gottes Uluu – Tojon. Es war verboten ihn zu töten oder irgend einen Schaden zuzufügen. Für die Korjaken ist der Wolf der Herr der Rentiere und der König der Tundra. Es war nicht nur verboten, ihn zu töten, sondern ihm auch sonst irgendwie Schaden zuzufügen. Bei den nordamerikanischen Arapacho Indianer herrscht ein alter Wolf über die Wesen der Natur.

 hukwa

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