Donnerstag, 7. Juni 2012

Von wilden Frauen, wilden Männern und wilden Leuten im Pfälzerwald


In vielen Flurnamen des Pfälzerwaldes tauchen Namen wie „Wilde“, wilde Frau, Wildfrau, Wildfrauen, wilde Fräulein, Wildfräulein, wilder Mann, wilde Männer, wilde Leute oder wilde Menschen auf, auch wilde Weiber, wildes Weib. Bei näherer Heimatforschung zeigt sich dass die pfälzischen Landschaftsräume von sogenannten Wildleuten alt- und dicht besiedelt sind. Seltsame Frauen sollen in Olsbrücken bei Kaiserslautern im „Wildfrauenloch“ gehaust haben. So berichtet uns Ernst Christmann: „Auch im Landkreis Kusel finden wir Flurnamen wie „Wildfrauendell“, „Wildfrauental“ u.a. Als männliche Partner dachte man sich die „wilden Männer“ tief im Wald drinn, aus dem sie zuweilen ausgebrochen seien um sich aus dem Menschenland Kinder zu rauben.“
Bei Beschäftigung mit Sagen über wilde Leute zeigt sich wieder einmal deutlich das dass zur verfügung stehende Material nur bedingten Quellenwert besitzt. Das Sagengut wurde so gut wie nicht unverändert weitergegeben und enthält eine große reihe von poetischen Ausschmückungen. 
Wenn man Heimatforschung über „Wildleute“ betreibt ergibt sich von selbst, dass mit solchen Quellen auch prähistorische Angaben über die Sagenorte  Beachtung finden. Es zeigt sich sogar, das die Wildleute- Sagen fast ausschließlich an vorgeschichtliche Fundplätze gebunden sind. Was auch die These des Volkskundlers W. E. Peuckert bestätigt dass Sagen und Märchen ihre Wurzeln im Neolithikum haben.
Die vorgeschichtliche Besiedelung der Sagenorte hat in den meisten Fällen bei der Sagenentstehung entscheidend mitgewirkt. Das geschah- entgegen der früher meist vertretenen  Meinung – nicht in erster Linie durch die menschliche Besiedelung der Plätze, sondern vielmehr durch deren Verwendung als Begräbnis- und Kultstätten.
Die Wildleute Sagen finden sich fast ausschließlich im ehemals oder heute noch „wilden“ Gebirge, in den Landschaften des Hoch- und Mittelgebirges, wie eben dem Pfälzerwald. Also Gegenden die mit dichtem Wald besetzt sind und reich an Felsen, Klippen und Höhlen sind.
Diese Landschaft bietet leicht und viel Möglichkeit zum Verstecken einzelner oder Gruppen von Menschen und seltsamen Wesen. Aber auch zum vergraben der Toten im Verborgenem und werden somit zu Orten der Geborgenheit, zum Versteck für Frauen, Kinder und Schätze, oft aber auch zu Orten des Grauens, der Angst, der Dämonenfurcht, der heimischen und heimlichen Opfer und Kultplätzen, der ängstlich gemiedenen Begräbnisstätten.
Im Bereich des Pfälzerwaldes gibt es auch einige Gaststätten die den Namen „zum wilden Mann“ tragen. Eindeutig eine Anspielung auf die „wilden Leute“ dieser Landschaft. 
hukwa

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