Dienstag, 7. Februar 2012

Kosmologische Gedanken

Wir müssen ins Unendliche Denken, wenn wir uns selbst finden wollen. Ich habe auch keine Probleme damit kosmisch zu denken, während ich an einem heimatkundlichen Text arbeite. Es ist mir einfach klar dass meine Heimat der Kosmos und meine jetzige irdische Umgebung ebenfalls meine Heimat ist. Das eine bedingt das andere. Wenn ich mich mit den Ursprungsmythen verschiedener Völker beschäftige, wie auch meines eigenen Volkes begebe ich mich ja ebenfalls auf heimatkundliche Suche. Mit der Aussage der Astrowissenschaft über die Unbegrenztheit und gleichzeitige Endlichkeit des Weltalls kann man begrifflich nur schwer was anfangen. Als Mensch muss ich mir einen zeitlichen Ursprung vorstellen, einen Ursprung des Lebens, einen Ursprung meiner Familie, meiner Kultur, des Lebens überhaupt. Die Beschäftigung mit meinem Ursprung, kosmisch wie heimatkundlich, ist letztendlich ein Zeitsprung. Wenn ich Ahnenforschung betreibe begebe ich mich auf eine Zeitreise und wenn ich über den Ursprung des Kosmos nachdenke bin ich ebenfalls ein Zeitreisender. Der Anfang eines solchen Denkens ist symbolisch – ich weiß es gibt ein oben und ein unten – aber eben nur symbolisch, sonst kann ich nämlich nicht in einer strukturierten Raumzeit denken. Oben und unten ist nur eine Hilfstabelle mit der ich das Zeitlabyrinth bereisen kann. Es gibt in Wirklichkeit überhaupt kein „Oben und Unten“, es gibt nur eine Art lebendiger Spirale die sich irgendwann zu einem Kreis schließt. Zur „ewigen Wiederkehr des Gleichen“, doch auch dies ist nur ein Symbol, eigentlich müsste es heißen „zum ewigen Werden“. Das Leben in seiner Gesamtheit kann nur eine Entelechie sein, „…geprägte Form, die lebend sich verwandelt“. Ich denke der Mensch ist ein Prozess und unser innerster Kern, die Seele, die Monade, das Selbst ist dem kosmischen Prozess des „Werdens“ unterworfen nämlich im Sinne Goethes: „Werde der du bist“.

Ein solches Denken überschreitet natürlich die Grenzen einer jeden empirischen Wissenschaft. Die „kritische Ökologie“ sagt uns „die Erde kann gut auch ohne den Menschen existieren“, doch damit hat sie nur zum Teil recht denn die erde kann nicht ohne das Universum existieren und nun taucht die Frage auf, kann das Universum ohne das menschliche Bewusstsein existieren? Ich möchte diese Frage Platon beantworten lassen. Im Timaios lesen wir:

„Und nun möchten wir dann auch behaupten dass unsere Erörterung über das All ihr Ziel erreicht habe; denn nachdem die Welt in der obigen Weise mit sterblichen und unsterblichen Wesen ausgerüstet und erfüllt worden ist, ist sie so selbst zu einem sichtbaren Wesen dieser Art geworden, welches alles Sichtbare umfasst, zum Abbilde des Schöpfers und zum sinnlich wahrnehmbaren Gott, und zur größten und besten, zur schönsten und Vollendesten, die es geben konnte geworden, diese eine und eingeborene Welt“.

In seinem Buch „der Baustoff der Welt“, schreibt Helmut Friedrich Krause: „Das hier vorgelegte Ergebnis intuitiver Erkenntnisse, welches den Denkergebnissen des Abendlandes diametral entgegensteht, geht auf eine Geisteshaltung zurück, die unseres Wissens, im Abendland nur von einem Denker eingenommen worden ist, von Giordano Bruno.“

In der 1999 im Inselverlag erschienen Anthologie „am Fluss des Heraklit“, schreibt Jochen Kirchhoff in seinem Essay „Grenzüberschreitung ins kosmische Sein oder Von der Notwendigkeit Giordano Bruno zu verstehen“:…“Merkwürdig ist, dass in diesem Zusammenhang fast nie jenes großen Grenzüberschreiters und radikalen Kosmologen gedacht wird, denn die Kirche am 17. Februar 1600 als den „Fürst der Ketzer“, öffentlich verbrennen ließ. Die in der Regel vorherrschende Unkenntnis über Giordano Bruno hat etwas Rätselhaftes…“

In den „Heroische Leidenschaften“ schreibt Giordano Bruno: „Smith: Weißt du nicht, wie sehr die Glaubensgewohnheit und die Tatsache, dass wir von Kindheit auf in bestimmten Überzeugungen erzogen wurden, imstande sind uns an der Erkenntnis ganz offenkundiger Dinge zu hindern“?

Giordano Bruno wusste als erster abendländischer Philosoph dass die geozentrisch – christliche Anthropologie ausgedient hatte und das die Menschen einer neuen kosmischen Anthropologie bedurften. Bruno wandelte sein Leben lang jenseits irdischer Begrenztheiten und so schrieb er zu recht: „Hier werden wir den wahren Weg zur wahren Sittlichkeit finden, werden lernen, hochherzige Verächter aller Dinge zu sein, welche kindisches Denken hochschätzt und werden größer sein als selbst jene welche der Pöbel als Götter verehrt, als wahrhafte Forscher der Geschichte der Natur, die in uns selbst geschrieben steht, und als gehorsame Befolger der göttlichen Gesetze, welche dem Zentrum unseres Herzens eingemeißelt sind“.

Was uns Giordano- Bruno immer wieder mitteilt ist sein Bekenntnis zum kosmischen Sein. Er war wie kein anderer Philosoph des Abendlandes vor und nach ihm, seiner zeit absolut voraus und war bereit für seine Wahrheit auch den schrecklichen Tod auf dem Scheiterhaufen auf sich zu nehmen. Bruno war ein radikaler Denker, erfüllt von einem kosmischen Bewusstsein, das religiös und wissenschaftlich zu gleich war. Bruno war ein einzigartiger Denker beeinflusst von Nikolaus Cusanus wuchs er über diesen noch hinaus in seiner glühenden Naturliebe. „In dichterischer Schau sieht er das Universum als eine Unermessliche Unendlichkeit, erfüllt von zahllosen Sonnen, Sternen, Weltsystemen, ohne Grenzen und ohne Mittelpunkt, in beständiger Bewegung. Den Gedanken des unendlichen Universums entlehnt er dem Werk des Cusanus (Nicolaus Cusanus), von dem er mit größter Verehrung spricht. Doch ist es keine bloße Übernahme; der Gedanke wird von Bruno mit letzter Folgerichtigkeit durchgeführt und erhält in seinem Munde eine ganz neue Tiefe und Bedeutsamkeit“ (1).

Giordano Bruno hatte jene Höhe erreicht die nur ganz wenigen Philosophen in ihrem Leben erreichen sollten in einem wunderschönen Gedicht gab er hierüber Auskunft:

An den eigenen Geist

Wurzelnd ruhst du, o Berg, tief mit der Erde verwachsen.

Aber dein Scheitel ragt zu den Gestirnen empor.

Geist, von des Weltalls Höhn mahnt dich die trennende Grenze.

Die dich, beiden verwandt, scheidet von Hades und Zeus.

Dass du dein recht nicht verlierst und träg in Niederen beruhend

Sinkst vom Staube beschwert dumpf in des Acheron Flut.

Nein, vielmehr zum Himmel empor! Dort suche die Heimat!

Denn wenn Gott dich berührt, wirst du zu flammender Glut.

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