Donnerstag, 4. Dezember 2014

Im Nebelwald

Ich stehe unter den Fichten im alten Haderwald. Das letzte Novemberlaub fällt. Große Stille ist über den Wald gekommen. Sanft bläst der Novemberwind, wirbelt manchmal ein Laubblatt durch die Lüfte. Es ist später Nachmittag, Nebel ist aufgezogen. Der Abend naht also mache ich mich auf zur Heimkehr. Wie verzaubert laufe ich durch den Nebelwald. Nach einer halben Stunde erreiche ich die Landstraße, als ich sie überquere und in den kleinen Waldpfad einbiege, der hoch zum Dorf führt, fällt die Dunkelheit über die Landschaft. Die Pfützen auf dem schmalen Weg und die Äste der alten Weiden die hier stehen leuchten geisterhaft auf wenn der Wind die Wolken am fahlen Mond vorbeitreibt. Ein feiner eisiger Regen setzt plötzlich ein. In der nähe des alten Ziegelbrunnens halte ich kurz an, Nebel, Wolken und Mond geben dem Wald eine geheimnisvolle Atmosphäre. Ein Waldkauz fliegt an mir vorbei, die Wolken öffnen sich und Mondlicht fällt auf die Landschaft. Jetzt kann ich erkennen wie er sich wenige Meter von mir entfernt auf einem Baumstrunk niederlässt. Dreimal höre ich seinen Ruf dann fliegt er auf und verschwindet im Wald.
Vorbei an „den zwei Steinen“, so heißt die Feldflur hier, trete ich nun durch das kleine Tor in den Schlosspark ein. Ich verweile für einen Moment unter den mächtigen Eichbäumen die hier stehen und schaue hoch zum Schloss, das vom Mondlicht leicht beleuchtet wird. Wie in einen mystischen Glanz getaucht erscheint es mir heute. Wie verwandelt kommt es mir in der Novemberdunkelheit vor. Mit einem mal spüre ich etwas das sich nur fühlen lässt und man nicht beschreiben kann. Plötzlich, einem Spuke gleich war der Waldkauz wieder da, setzte sich in die Eiche unter der ich stand und stieß seinen unheimlichen Lockruf aus. Für kurze Zeit fühlte ich mich in eine Epoche versetzt die seit Jahrhunderten nicht mehr existierte. Ein Zeitsprung der mir so realistisch vorkommt dass ich für einen Moment glaubte tatsächlich in einem anderen Jahrhundert zu sein. Mir scheint es als bin ich in das zeit ferne Geheimnis des Parks und Schlosses eingetaucht. Vor mir tat sich ein farbiger Abgrund einer vergessenen Zeit auf. Die ganze süße Schwermut der Vergänglichkeit fiel regelrecht über mich her. Ein unwirklicher nicht gebrochener Zauber lag plötzlich über den alten von Efeu umrankten Steinfassaden der Parkmauer, der mich mit auf eine Zeitreise nahm. Der still gelegte Springbrunnen fing wieder an zu sprudeln und vor mir tauchten alte Laubengänge auf in denen Frauen und Männer gekleidet in der Mode des Barockzeitalters lustwandelten. Ich schaute dem treiben eine Weile gebannt zu, bis der Ruf des Kauzes mich wieder in die Realität zurückbrachte. Der schöne Spuk erlosch. Wie von einem Zauberbann befreit laufe ich langsam nach Hause, begleitet vom Ruf des Kauzes.

hukwa





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