Montag, 11. November 2013

An den Ufern der Zeit - Eine Wanderung entlang der Moosalb


Wer das Tal betritt lässt die Welt hinter sich. Wälder, Wolken und Wind, das leise Rauschen des Wildbachs. An seinen Ufern Pappeln, weiden und Erlen. Im Vorfrühling und im Spätherbst zittern die Wälder im Sturm und in den Nächten stöhnen die Bäume unter krachenden Gewittern. Das Tal ist nicht so breit, zu beiden Seiten bewaldete Berghänge. Schon Anfang September knistert die rote Fackel des Herbstes im Laub. Der Abend fällt früh und feucht. Silberner Nebel legt sich kurz vor der Dämmerung über das Tal. Blutrot glühen die Ebereschen in dieser Zeit, funkeln wie Blut im braunen Laub. Die Abende dann, jene Zeit zwischen Laubfall und Schnee, sind stiller als das letzte leise Walddämmern im Sommer war, kein Vogellaut ist zu hören. Im November trägt der Wind oftmals schon den Geruch von Schnee mit sich. Und wenn er kommt, der Winter, ist das Tal meist menschenleer. Den Tieren, Pflanzen und Wassern überlassen. Den wahren Besitzern des Tals. Hart ist der Winter im Tal, schneidend und kalt seine Winde und wie Diamanten funkeln dann die Sterne am Himmel.
Zieht der Altweibersommer herauf, werden die Blätter der Pappeln und Weiden unruhig, als wüssten sie, dass sie bald fallen müssen. Millionen von Spinnen werfen ihre silbernen Seile und früh am Morgen fangen sich die Tautropfen in ihren Netzen; in denen sich golden die Sonne spiegelt. Stille, Gelassenheit und Ruhe empfängt den Wanderer um diese Jahreszeit im Tal.
Ein kurzes klatschen, verursacht durch das Auffliegen einer Ringeltaube in den Baumwipfeln, knistern im Dickicht, der Ruf des Schwarzspechts, das sind die früh herbstlichen Geräusche des Tals.
Wer an solchen Tagen ins Tal eindringt um etwas zu suchen der wird es gewiss finden. Es kann passieren das einem an solchen Tagen ein seltsames Gefühl überkommt, dass Gefühl einer geträumten und dennoch konkreten Wirklichkeit, einer Wirklichkeit wie man sie nur hier im Tal findet. Atemberaubend erscheint uns nun die Vielfalt von Pflanzen und Tieren, wenn wir nur ein Auge dafür haben.
Und der Himmel? Wie aus Bernstein gehauen scheint er. Doch erst der Mond wenn er am Abend aufgeht, fast durchsichtig verzaubert sein Licht, verwandelt das Tal in eine Märchenlandschaft.
Wer jetzt hier wandert denkt manchmal, er befinde sich an den Ufern der Zeit. 
hukwa

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