Sonntag, 4. November 2012

Aus der Frühgeschichte der Umgebung von Trippstadt Eine Spurensuche


Aus Trippstadt sind uns bisher keine bezeugten frühgeschichtliche Spuren bekannt. Allerdings aus der näheren Umgebung von Trippstadt. So aus Johanniskreuz, Stelzenberg (Breitenau), Dansenberg Schopp, Waldfischbach, Heltersberg und einigen anderen Orten. In der Geschichtsforschung, auch der Heimatgeschichte, sollte man ruhig auch einmal eine These in den Raum stellen und von dieser sich leiten lassen in der Hoffnung fundierte Erkenntnisse zu finden. Erkenntnisse die das Dunkel der Vergangenheit erhellen können, denn in dieser Vergangenheit liegen die Wurzeln unserer Zivilisation und unserer eigenen Existenz, und je mehr wir von diesen Wurzeln wissen, desto mehr wissen wir über uns selbst.

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In „Schopp – die Geschichte eines Dorfes im pfälzischen Holzland“ von Heinz Friedel schreibt dieser: …“in jener vorgeschichtlichen Eisenzeit müssen auch schon Menschen im Bereich der Gemarkung Schopp gewohnt haben. Denn in der Waldabteilung „Pfundel“, nur wenige Meter vom von der Schafsdell herkommenden, am Berghang sich hinziehenden Weg entfernt, finden wir ein etwa 12m im Geviert messendes Hühnengrab. Aus ihm wurden 1898 bei einer teilweisen Öffnung Skelettreste und ein Eisenteilchen geborgen. In der Umgebung der Geiselberger Mühle, also südlich von der Schopper Gemarkung, fand man vor 52 Jahren anlässlich des Bahnbaues einen bronzenen Beinring, zwei Armringe und mehrere Ringbruchstücke. Dies zeigt, das auch in der Bronzezeit, also 1000 v.Chr., hier schon Menschen siedelten, die von der Jagd, Viezucht und Ackerbau lebten.“

In Waldfischbach ist es die Heidelsburg  die uns Frühgeschichte erzählt. Wir finden auf dem Dreisommerberg ein besonders wichtiges Zeugnis gallorömischer Geschichte. Hier fand man Gefäßreste, ein Goldplättchen und Münzen aus der Keltenzeit. Aus der Zeit der Römer Werkzeuge, Wollkämme und Kuhschellen. Die Römer hatten mit der Heidelsburg eine ursprünglich keltische Siedlung übernommen und diese für Verteidigungszwecke ausgebaut. Unter den Grabsteinen die dort gefunden wurden, war auch jenes schöne Denkmal dabei, das heute im historischen Museum in Speyer steht und dessen gut gelungener Abguss auf der Heidelsburg angebracht ist. Man erkennt darauf ganz deutlich ein Ehepaar. Der Mann hat einen Mantel um sich geschlungen, um den Hals trägt er nach keltischer Sitte einen Halsring. In der Hand hält er ein kleines Beil, das Abzeichen seines Amtes. Es ist ein aus einheimischer Bevölkerung stammender Forstverwalter in römischen Dienst, ein „saltuarius“, wie das lateinische wort dafür heißt. Neben ihm sehen wir seine Frau. Sie hat ein langes Kleid an und trägt ein Körbchen in ihrer Hand. Ein solcher „saltuarius“ hat also auf der Burg gewohnt. Die aufgefundenen Werkzeuge lassen erkennen das hier auch ein Wagner seine Werkstatt hatte. Es konnten Wagen hergestellt werden und auch ausgebessert werden, schließlich befand sich in der Nähe eine alte Römerstrasse die allerdings schon zu keltischen Zeiten bestand.

In  Dansenberg befand sich eine kleine Siedlung aus der Altsteinzeit die archäologisch nachgewiesen ist. In seinem Artikel – „Vom Jägerzelt zum Stadtteil“ schreibt Diethelm Malitius , im Heimatjahrbuch des Landkreises KL, 1998: über diesen Fund: „Leider konnten wir mit Sicherheit im Bereich der Gemarkung Dansenberg keine Siedlung nachweisen. Doch vier Steinbeile aus diesr zeit beweisen uns die Anwesenheit der jungsteinzeitlichen Menschen auf dem Dansenberg. Alle Beile werden im Historischen Museum der Pfalz aufbewahrt. Die vier Steinbeile lassen eine jungsteinzeitliche Siedlung vermuten. „ 
Ein weiterer Fund aus der Hallstattzeit, 800 bis 500 v.Chr. lässt ebenfalls aufhorchen. Bei einer Feldbegehung, die im Jahre 1962 in der Gemarkung Dansenberg von Angehörigen der Universität Mainz durchgeführt wurde fand man in der Flur „Fahrlücke“, ein Griffdornmesser der früheren Hallstattzeit, um 750 vor Chr, also der Urnenfelderkultur. Das Bronzemesser war ursprünglich zehn Zentimeter lang, etwa die Hälfte der Scheide fehlt. Dieses Dansenberger Fundstück, das reich verziert ist, wird ebenfalls im Historischen Museum der Pfalz aufbewahrt.
Am Ostende der Flur Langacker in Dansenberg stand übrigens bis in die 50er Jahre ein Monolith (Menhir) von etwa 1,5m Höhe. 

In Stelzenberg finden wir einen weiteren Zeugen aus der Frühgeschichte der Umgebung von Trippstadt, den Menhir von der Breitenau. Über diesen Menhir schreibt Otto Gödel in den Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz Bd. 96: 1988…“Der pfeilartige Stein kann nur schwer eingeordnet werden. Als mittelalterlicher Grenzstein fehlt ihm heute die dazugehörige Grenze, obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass hier einst eine verlief. Zum Totenkult könnte man ihn zählen, wenn sich der etwa 20m östlich gegen den Berg befindliche Hügel als Tumulus der Vorzeit erweisen würde. Leider haben Unbefugte darin herumgebohrt, so das bei einer Grabung ein einwandfreier Befund nicht mehr gewährleistet ist.
Die dritte Möglichkeit besteht darin, das wir einen bereits zur Römerzeit gesetzten Grenzstein vor uns haben. Denn nach R.Schröder (Deutsche Rechtsgeschichte) bedeutet der Flurname „Breitfeld“ (wo sich der Stein befindet) eine nach römischenm Muster vermessene Flur. Das heißt: Die ganze Flur war in gleich große Quadrate bzw. Rechtecke eingeteilt. Wäre nun letztere Überlegung richtig, so müsste der Hof „Breitenau“ (im 17.Jh. Vronau genannt) bereits zu römischen Zeit in irgendeiner Form bestanden haben. Der Hohlweg, der vom Hof aus auf die Höhe zum Breitfeld führt, um weiter nach Stelzenberg zu ziehen, könnte durchaus eine alte Höhenstrasse darstellen“.

In Johanniskreuz finden wir die uralte Verkehrsstrasse auf der schon Kelten, Römer, Alemannen und Franken zogen. Diesen Königsweg benutzten später die Hohenstaufen wenn sie von Straßburg über Hagenau und den Trifels kommend, nach Kaiserslautern zogen. Ganz in der Nähe von Johanniskreuz aber schon in der Gemarkung Heltersberg liegen eine Reihe von alten Hünengräbern. 

Was die frühgeschichtliche Besiedelung von Trippstadt betrifft, ist die Gemeinde einfach ein weißer Fleck auf der Landkarte der Frühgeschichte, was allerdings nicht ausschließt das trotzdem einst hier eine Siedlung gewesen sein könnte, man hat eben nur noch keine Spuren gefunden.

Eine weitere Möglichkeit auf frühzeitliche Besiedelungsspuren, Weihestätten oder Grabfelder zu stoßen ist uns mit den Flurnamen gegeben. Nehmen wir das Beispiel Hinkeläcker: Wo dieses Wort auftaucht standen in der Regel tatsächlich einst sogenannte Hinkelsteine. So zum Beispiel in der Pfalz in:

Altleiningen, Lkr. Bad Dürkheim:    Hinkeläcker, Stein verschollen
Edesheim, Lkr. Südliche Weinstrasse:…Hühneracker u. Hinkelstein   Stein verschollen
Eisenberg, Donnersbergkreis:   Am Hinkelstein
Erzhütten, Stadt Kaiserslautern:   Hinkelstein, Stein verschollen
Dierbach, Lkr. Südl. Weinstrasse   Am Hinkelstein   Stein verschollen 
Kaiserslautern, Stadt Kaiserslautern: Hinkelstein   Stein verschollen
Mauchenheim Lkr. Alzey – Worms …Am Hinkelstein, Stein verschollen
Odenbach/Glan,  Lkr.Kusel   Am Hinkelstein, Stein verschollen.

Es lässt sich nachweisen das bei oben bezeichneten Ortschaften einst tatsächlich Hinkelsteine standen und die meisten von ihnen erst in den letzten hundert Jahren verschwunden sind.

In Trippstadt gibt es den Flurnamen Am Hinkelsacker, allerdings keinen Stein, nach obigen Aufzeichnungen ist es also mehr als möglich das hier einmal ein Hinkelstein gestanden hat.
Flurnamen sind ein Spiegelbild unserer Dorf- und städtischen Landschaften sie tragen zur Orientierung in der regionalen Geschichte bei. Ohne solche Flurnamen wären Aufzeichnungen über das Eigentum von Klöstern, Adligen, doch vor allem auch der „Allementen“ des einfachen Volkes gar nicht möglich gewesen. In der Regel tragen Flurnamen historische Überlieferungen in sich, besonders die Namen „Hühner- und Hinkelacker“. Zeugen sie doch davon das in diesen Flurnamen vorgeschichtliche Begräbnisstätten liegen. Auch der Flurname „Heier, Heiyer, Heygeren, Heid, Heyd“ usw. zeugt davon, das sich hier fränkische Begräbnisstätten des 6. und 7 Jahrhunderts  befinden.
Auch die Heyd Flurnamen finden sich in Trippstadt. 
Weitere Flurnamen in Trippstadt und Umgebung die auf eine eventuelle frühe Besiedelung, auf Weihestätten oder Gräberfelder schließen lassen wären:
Billerstein, Breitfeld, Weißer Stein, Langer Stein, Lückenstein.

Vielen Flurnamen und Menhiren, Hinkelsteinen und Monolithen haften auch bestimmte Sagen an, die für die heimatkundliche und volkskundliche Forschung äußerst wichtig sind. Ein solcher Typus der volkstümlichen Erzählung erfüllt eine ätiologische Funktion, d.h. er liefert eine „Erklärung“ für die Entstehung und Herkunft eines auffälligen Wahrzeichens der örtlichen Umgebung, wie z.b. eines Menhirs oder Hinkelstein. 
Auch in Trippstadt warten immer noch einige „heimatkundliche Geheimnisse“ auf ihre Lösung. So das seltsame „Steingesicht“ auf Burg Wilenstein oder der geheimnisvolle Henkmantels Loog Stein in der Nähe von Johanniskreuz.




Lit. Hinweise:
Otto Gödel: Menhire- Ein Wissenschaftlich- Volkskundlicher Beitrag zu unseren Steindenkmälern.   In Mitteilungen des hist. Vereins d. Pfalz Bd. 96.

Friedrich Mössinger: Alte Grenzsteine, in : Volk und Scholle.

Hans Immich – Spier: Keltische Kultsteine und christliche Kirche, in: Jahrbuch für den Landkreis Bernkastel – Wittlich, 1978. 

Jacqueline Simpson: Volkstümliche Erzählungen und Bräuche. In die bäuerliche Welt.


hukwa

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