Freitag, 1. Juni 2012

Der kosmische Baum


Wenn man sich mit den alten Mythen und Überlieferungen beschäftigt, begegnet man fast durchwegs Kulturen in deren Mittelpunkt der „kosmische Baum“ stand. Das Aufstellen des Maibaums, der Pfingstquak, unser „Kerwestrauß“, ja der Weihnachtsbaum sind Überbleibsel heidnischer Baum- und Vegetationskulte. Dies bestätigt die Ansicht von Jacques Brosse, der Dendrologe und Ethnologe schreibt in seinem Werk „Mythologie der Bäume:
„Die Verfolgung eines einzigen Beispiels der Esche, bis in die verzweigtesten Einzelheiten hat es ermöglicht, die wesentlichen Eigenschaften des Weltenbaumes zu bestimmen und den Beweis zu erbringen, das sich dass damit zusammenhängende Geflecht von Glaubensinhalten und Institutionen, zumindest in noch lesbaren Spuren, in verschiedenen Zivilisationen auffinden lässt, die es aus räumlichen und zeitlichen Gründen kaum direkt von einander übernommen haben konnten. Solche Ähnlichkeiten müssen vielmehr auf einer wenn nicht identischen, so doch vergleichbaren Denkweise beruhen, der wir in ganz anderen Zusammenhängen wieder begegnen werden. Im Licht dieser verschiedenen Beispiele erscheint der Weltenbaum wohl als einer der auffallendsten, fruchtbarsten und auch am weitesten verbreiteten Mythen, den die Menschen geschaffen haben, um die Struktur des Universums und den Platz, den der Mensch darin einnehmen soll, zu erklären.“
Die vergleichende Ethnologie bestätigt uns das die Symbolik eines „Urbaums“, also eines „kosmischen Baums“ bei allen indogermanischen Volksstämmen vorhanden war. Diese vielfältige doch gemeinsame Symbolik setzt eine gewisse Geisteshaltung voraus, die der Wissenschaftler Claude – Levi – Strauss das „wilde Denken“ nannte. Es handelt sich hierbei um eine gewisse Art die Welt zu verstehen oder ihre Entstehung zu erklären, denn, wie Mircea Eliade zu recht bemerkte, „kann der Baum als >natürliches Objekt< nicht das ganze kosmische Leben vorstellen. Das Leben der Pflanzenwelt deutet nur auf eine Aufeinanderfolge von >Geburten> und Toden< hin. Erst die religiöse Betrachtung des Lebens gestattet es, aus dem Rhythmus der Pflanzenwelt tiefere Bedeutungen herauszulesen, vor allem „Vorstellungen der Wiedergeburt, der ewigen Jugend,, der Gesundheit, der Unsterblichkeit, also alles Symbole die uns auch  im „Hain von Nemi“ begegnen. 
Das aufstellen eines Maibaums ist also nichts anderes als ein heidnisches Relikt in uns. Der Kirche ist es nie ganz gelungen die Verehrung von Bäumen aus dem menschlichen kollektiven Unbewussten ganz auszutreiben. Also übernahm sie gewisse Riten so z.B. die Fronleichnamsprozessionen , oder das aufstellen eines Maibaumes, das nichts anderes als ein Überbleibsel aus keltischer Zeit ist.
In der Nacht zum 1. Mai feierten die Kelten ihr Beltaine Fest. Am 1. Mai wird sicherlich nicht zufällig der Tag der Arbeit gefeiert. In den germanischen Ländern ist die Nacht des Beltaine –Festes als „Walpurgisnacht“ bekannt, einst gehörte diese Nacht bei Kelten und Germanen der Priesterklasse. Sie zelebrierten in dieser Nacht ihre Rituale die mit Fruchtbarkeitssymbolik zusammen hingen. Noch heute erkennen wir viele alte Gebräuche die sich au7s heidnischer Zeit erhalten haben. So das Segnen von Tieren und ihren Ställen, das schmücken der Tiere mit Blumen und anderes. Es war das Fest des Wiedererwachens des Frühlings, eben der Vegetation.
hukwa

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