Donnerstag, 26. Januar 2012

Die Naturgeister die ich rief

Der Ursprung des Glaubens an Naturgeister verliert sich im Dunkel der Vorgeschichte, aber auch in unserem Inneren. Dieser Glaube zieht sich durch alle europäische Völker und Kulturen, selbstverständlich auch außereuropäische. Mir selbst ist keine Kultur bekannt die nicht einen Glauben an Naturgeister besaß. Vergleichen wir Überlieferungen, Erzählungen und Märchen zum Beispiel der Nordamerikanischen Indianer, mit unseren Europäischen erkennen wir stark verwandte Züge in diesen Überlieferungen. Wir können ruhig davon ausgehen das in uns eine Zone existiert, die uns offen macht für alles was mit dieser Thematik zusammenhängt unter anderem eben auch das Interesse des Menschen am Mythos, der wie ein Fluss in uns fließt, den wir erahnen ohne wohl jemals im Diesseits zu seiner Quelle zu gelangen.
Der Mythenforscher Joseph Campbell fand hierfür einen klaren Ausdruck:
"Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass der Mythos der geheime Zufluss ist, durch den die unerschöpflichen Energien des Kosmos in die Erscheinungen der menschlichen Kultur einströmen. Religionen, Philosophien, Künste, primitive und zivilisierte Gesellschaftsformen, die Urentdeckungen der Wissenschaft und Technik, selbst die Träume, die den Schlaf erfüllen, all das gärt empor aus dem magischen Grundklang des Mythos."
Und er fährt sehr interessant fort:" das seltsame ist, dass das charakteristische Vermögen, tiefliegende schöpferische Zentren zu berühren und zu wecken, auch dem geringsten Kindermärchen eigen ist, nicht anders, als der Geruch des Ozeans in einem winzigen Tropfen oder das ganze Geheimnis des Lebens in einem Fliegenei enthalten ist. Denn die mythischen Symbole sind nicht gemacht und können weder bestellt, erfunden noch dauernd unterdrückt werden. Sie sind spontane Hervorbringungen der Psyche, und jedes trägt in sich, als unbeschädigten Keim, die Kraft seines Ursprungs."
Der Mythos ist nicht nur in uns er ist auch Außerhalb von uns. Dies bedeutet dass das "sehen" von Naturgeistern, eine Projektion unserer seelischen Welt ist, aber das auch außerhalb unseres Unbewussten, noch andere Welten vorhanden sind, die allerdings nicht auf unser reales Bewusstsein reagieren, sondern eben auf jenes, nennen wir es vorerst einmal- Unbewusste. Erst indem sich beides verbindet, das seelische in uns, als auch das seelische der Natur, ist ein weg freigegeben Naturgeister zu sehen oder gar zu rufen. Die großen der Weltliteratur haben immer wieder aus diesem Reich berichtet. Schon in den ersten Menschen war dies vorhanden, wahrscheinlich oder sicher sogar weit intensiver als in heutigen
"Naturgeisternsehern". Es müssen also auch gedächtnishafte Überlieferungen weitergegeben worden sein und diese werden vermutlich in den Grundsagen und Mythen der ganzen Menschheit nachklingen. So dürften auch unbewusst im Gattungsgedächtnis verankerte
Erinnerungen an frühere Eigenzustände wie an solche der Umwelt in ihm aufgespeichert sein.
Denken wir hier nur an die vielen Überlieferungen von Drachen Erlebnissen bei den verschiedensten Kulturen und Völker. Aus dieser Schatzkammer eines von Urzeiten her gefüllten Abstammungsgedächtnisses wurden vermutlich diese Ursagen hervorgebracht.
So wie die Geschichte der Erde und des Lebens in den Schichtungen der Erdrinde aufgezeichnet ist, mag es auch in unserem Innern ein Geschichtsbuch geben, aus dem wir manchmal ohne das wir es merken lesen.
Dieser glaube ist Wissenschaftlich nicht beweisbar, doch darum geht es hier letztendlich auch nicht, es geht darum das immer wieder Menschen in das Reich der Naturgeister vorgedrungen sind.

Neben meinen eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet, sind mir immer wieder Menschen begegnet, die Ähnliches erlebt hatten. Was diese mir erzählten ähnelte sich immer. All diese
Menschen hatten auch gemeinsam das sie in einer dörflichen Umgebung aufwuchsen, in einer noch halbwegs intakten Natur. Die meisten von ihnen waren an diesen orten geboren oder lebten schon lange dort, einige von ihnen, berichteten mir das ihre Groß- und
Urgroßeltern schon in diesen Gegenden beheimatet waren. Vielleicht "erahnten" sie deshalb schon mehr als andere. So sind mir Frauen bekannt, die seit ihrer Kindheit Verbindungen zu Naturwesen haben und diese zum Teil sich auch erhalten konnten.
Wenige männliche Personen kenne ich, die auf eigenem Weg Zugang suchten über besondere
Pflanzen, Initiationsrituale und Zeremonien. Was bei der erstgenannten Gruppe nicht der Fall ist sieht man von Ritualen ab, die sie vielleicht Unbewusst praktiziert haben.
In meiner eigenen Familie sind mir vier Personen bekannt die einen direkten Zugang ins Reich der Naturgeister hatten: Meine Urgroßmutter, meine Großmutter, meine älteste Tochter und ich selbst. Außer mir also alles Personen weiblichen Geschlechts. Zu bemerken ist hier auch noch das alle genannten Personen keine Drogen zu sich nehmen. Ich selbst habe einige radikale Bewusstseinserweiternde Erfahrungen mit Halluzinogenen gemacht, muss hier aber eindringlich hervorheben, das meine Begegnungen mit Naturgeister, immer in einem klaren Bewusstseinszustand stattfanden, oft Wochen oder gar Monate nach der Einnahme sogenannter Zauberpflanzen. In der Regel stellten sich einige Wochen nach solchen Aktionen
" Erscheinungen" mit der "Anderswelt" ein. Meine Erinnerungen an Begegnungen während der Einnahme von Zauberpflanzen sind sehr vage und verwischt.
Vor meinem 12. Lebensjahr hatte ich verschiedene Begegnungen mit Naturgeistern, woran ich mich an wenige durchgehend erinnern kann, an die übrigen kann ich mich erst seit wenigen Jahren intensiv erinnern. Es ist als sei dies irgendwie "verschüttet" gewesen und
"dämmerte" erst nach vielen Jahren wieder in mir herauf. Ohne Zweifel hatte ich in meiner Kindheit und frühen Jugend eine zweite Erlebniswelt die ich anscheinend gut vor meiner realistischen Umgebung verbarg. Dieses "Verbergen" muss sich dann irgendwann zu einem regelrechten Verdrängen ausgeweitet haben, anders kann ich mir dies nicht erklären. Immer wieder reflektierte ich jene "Vergessene Vergangenheit", verglich Zeit und Umstände mit realen Vorkommnissen, wie Geburten, Feste, Geschenke, die man aus der Kinderzeit einfach nicht vergessen kann. Soweit mir heute möglich ist in diese vergessene Zeit hinein und zurückzuschauen, ist mir klar das sie neben meinem Tagesbewusstsein immer vorhanden war.
Zugang zu dieser "vergessenen Zeit" fand ich auch über meinen Beruf als bildender Künstler.
Während des Malaktes tauchten immer wieder Symbole auf, die ich wenn überhaupt nur sehr schwer bestimmen konnte. Über diese Symbolik drang ich langsam in jene vergessene zeit wieder ein. Anfangs bemerkte ich dies nicht sofort. Ich bin Frühaufsteher seit meiner Kindheit. Regelmäßig zwischen fünf und sechs Uhr früh trinke ich meinen Morgenkaffee.
Vor mir liegt dann mein Zeichnung und Tagebuch, ich schlage ein leeres Blatt auf und beginne mit einer Zeichnung, mit einem gewissen Automatismus, ich überlege mir also nicht groß was ich zeichne überlasse es dem "Zufall". Es entsteht zum Beispiel ein Haus, ein Baum und ein Weg, vielleicht auch etwas Abstraktes, dazwischen Symbole und Zeichen, nach kurzer Zeit höre ich auf mit diesem ersten frühen Arbeitsakt, spätestens wenn ich intensiv zu denken beginne. Nun betrachte ich die Zeichnung im Ganzen, ich bemerke das die Zeichnung den Schulweg darstellt den ich als Kind oft gegangen bin. Links und rechts des Weges erkenne ich unbekannte Symbole. Nach und nach wird mir klar das dort wo die Symbole sich befinden, auch gewisse vergessene Ereignisse stattfanden. Geschehenes, Gesprochenes, Erlebtes.




Als Kind ging ich in der Regel alleine also ohne Schulkameraden Morgens in die Schule. Aus dem einfachen Grund weil wenn ich durch den Wald lief nur zehn Minuten brauchte, benützte ich denn normalen Weg, hätte ich eine halbe Stunde gebraucht. Trotzdem kam ich meistens zu spät zum Unterricht, das weiß ich weil ich mich noch sehr gut an die Ermahnungen meiner Lehrer erinnern kann, die manchmal auch recht schmerzhaft waren. Aber ich habe keine Erinnerungen daran was ich auf meinem Schulweg so trieb, denn ich ging pünktlich um siebenuhrfünfundvierzig aus dem Hause, kam aber sehr oft erst viertel nach acht im Klassensaal an, von meinem Schulweg fehlen mir also zwanzig Minuten und bis heute kann ich mich nicht daran erinnern was ich in dieser zeit getrieben hatte. Mein Weg nach Hause ist mir dagegen sehr gut in Erinnerung obwohl er derselbe war.
Heute weiß ich das sich in jenen frühen Morgenstunden die Pforten der Anderswelt sich mir öffneten. Schon als Knabe hatte ich einen sehr starken Bezug zu allem was mit Natur zu tun hat. Die erste Literatur die ich selbstständig las waren Märchen, Sagen und Naturkundliche Bücher die ich auf dem Dachboden des Großmütterlichen Anwesens fand. Abends saß ich mit der Großmutter bei der ich wohnte vor dem heimeligen Holzofen und diese erzählte mir Geschichten. Diese "Geschichten" erzählte sie nur mir, nie habe ich erlebt das sie solches auch anderen mitteilte. Oft ging es in diesen Erzählungen um Menschen die schon lange nicht mehr unter uns weilten. Meine alte Großmutter erzählte so interessant das es mir damals vorkam als würden die personen der Geschichten gerade um die Ecke wohnen. Irgendwie war mir wohl schon damals klar, das bei ihr eine große Ver-Bindung zu ihren Ahnen vorhanden war, also mehr noch als nur einfaches ahnen oder erahnen. Manchmal erzählte sie mir einen Traum den sie hatte, oft von ihrem verstorbenen Mann. Heute weiß ich das ihr Zugang zu Träumen ein ganz anderer war, als das Gewöhnliche. Sie sagte mir auch oft man müsse auf seine "Träume" hören! Für sie war Träumen Kommunikation. Im Frühjahr und Sommer sammelten wir oft Heilkräuter, was damals viele Menschen in den Dörfern taten, es war noch keine Mode, Kräuter waren eine Arznei die half aber die vor allem nichts kostete. Sie wusste sehr viel über die Kraft der Kräuter, wohl auch daher weil sie als Kind sehr viel Zeit bei ihrer Tante verbrachte, die von Beruf Hebamme war. Das war zwischen 1906 und 1916. Großmutte4r erzählte das sie manchmal mit der Tante auf in ihrer Pferdekutsche zu Entbindungen und Krankenbesuche mitgenommen wurde. Die Tante sammelte dann auch mal Unterwegs "schnell" ein paar Kräuter, die sie benötigte. So kam das alte Kräuterwissen dieser Hebamme über meine Großmutter auch zu mir. Haus und Umgebung wo ihre Tante lebte hatte sie mir so Detailgetreu geschildert, das ich mich in meinen Gedanken ohne Probleme dort zurechtfand. Als ich mit etwa zwanzig Jahren diese Gegend aufsuchte fand ich mich ohne weiteres zurecht. Die Einwohner des Ortes waren erstaunt das ich von Standorten von Häusern wusste die seit vielen Jahren schon abgerissen waren. Ich fand auch einige markante Stellen wie Bäume und Quellen, die ich aus ihren Erzählungen kannte. Hierzu gehörte auch eine alte gefasste Waldquelle, bei der eine bestimmte Pflanze wuchs, von der sie mir oft erzählte. Ich fand die Pflanze sofort, von deren Vorfahren schon meine Großmutter gesammelt hatte.
Wenn ich aus der Haustür des großmütterlichen Anwesens herausging, befand ich mich auf einem groben Sandweg, gleich neben diesem Weg begann, ein Buchenwald, dieser zog sich hügelwärts, diese stelle nannten wir Lehmberg. Bevor der Wald sich verdichtete gab er noch eine kleine Wiese frei, worauf eine schöne Eiche stand. Vor allem in den Sommermonaten verbrachte ich viel Zeit unter dieser Eiche.

Etwas abseits von diesem Baum war ein Steinhaufen angehäuft, darüber wucherten Brombeerbüsche. Wenn ich nun unter der Eiche saß, hatte ich diese Stelle genau im Blickfeld.
Hinter dem Brombeerbüschen begann ein Bestand mit dicht gepflanzten wohl zehnjährigen
Kiefern.
Im alter von etwa zehn Jahren beobachtete ich bei diesem Steinhaufen, ein kleines Wesen das sich dort zu schaffen machte. Heute würde ich sagen es war ein Gnom oder so was ähnliches.
Am Abend erzählte ich meiner Großmutter davon. Sie meinte dazu nur dies wäre das Erdmännchen gewesen. Ich akzeptierte diese Antwort einfach ohne weiter zu fragen. Auch hatte dieses nicht gerade Alltägliche Erlebnis für mich nichts besonderes an sich. Vielleicht
oder gerade weil ich solche Erscheinungen als normal ansah, stellten sie sich von nun an gehäufter ein.
Für den Zugang zur Natur, zu ihren für Wesen die nicht für jeden sichtbar sind bieten sich viele Wege an. Spätestens seit den Büchern Carlos Castanedas wissen wir über die Alltägliche und Nichtalltägliche Wirklichkeiten auch genaueres, Castaneda gab uns einen Schlüssel den jeder der bewusst Gebrauch von ihm macht eine Möglichkeit schenkt, in diese Nichtalltägliche Wirklichkeit einzutauchen. Für ihn war der Wille eines der wichtigsten Werkzeuge der Zauberei, wenn ich hier über das Reich der Naturgeister berichte, so möchte ich doch klar stellen, das sich bei mir die Begegnungen mit einer Nichtalltäglichen Wirklichkeit einfach einstellten, ich habe also anfangs überhaupt nicht danach gesucht. Als ich damit begann, diesen Text niederzuschreiben, wurde mir eigentlich erst bewusst, das ich über eine weit über dreißig Jahre alte Erfahrung mit der sogenannten Anderswelt zurückblicken kann, ich nahm dies nie so wichtig, wohl daher stellten sich in regelmäßigen Abständen immer wieder solch seltsame Ereignisse ein. Diese Begegnungen mit Naturgeistern und seltsamen Wesen, die sich ja in der Regel immer dann einstellten wenn ich nicht damit rechnete, haben zum Teil auch meine Frau und meine Kinder mitbekommen und Miterlebt. Einige Jahre lebten auf einem abgelegenen Grundstück, in einem kleinen Haus mitten im Pfälzerwald. Hier kam es zu sehr intensiven Begegnungen. Meine Frau zeichnete und malte viele dieser Zusammentreffen. leider lassen sich die Wesen aus der anderen Wirklichkeit nicht fotografieren, außerdem käme es jemanden der solche Erlebnisse gemacht hat nie in den Sinn so etwas zu tun, ich bin mir sicher es würde auch nicht funktionieren, denn in dieses Reich kann High Technologie keinen Zugang finden.
Ich bin trotz meines Interesses an den Grenzwissenschaften kein Mensch der Ilusionen. Natürlich habe ich auch auf dem Weg der Naturphilosophie versucht hinter das Rätsel solcher
Erscheinungen zu gelangen, mit dem Ergebnis das alles noch rätselhafter wurde. heute weiß ich man soll diesen Dingen seinen Gang lassen, ich kann eine Auffassung vertreten, ob sie richtig ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.
Hunderte von Jahrmillionen entwickelte sich Mutter Erde ohne das ein Mensch einen Fuß auf sie setzte. Dennoch: Der Mensch muss von Anfang an da gewesen sein, nämlich als Wesenheit.

hukwa

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen