Montag, 25. April 2011

Meditation als Existenzerhellung

Meditation ist einem Weg vergleichbar, der durch einen großen Wald führt. Wenn man diesen Wald durchforstet hat, stehen wir irgendwann vor einigen Berggipfeln, die wir erklettern können.

Der Weg der durch den Wald führt hat viele Nebenpfade, diese kann man als die verschiedenen Meditationsrichtungen sehen. Auch die Nebenpfade führen zu den Gipfeln. Der eine ist einfacher begehbar, der andere schwieriger. Wer sich in der Meditationspraxis übt, wird seinen Weg von selbst finden und seinen Gipfel erstürmen. Mit Ausdauer und Übung wird jeder sein Ziel erreichen. Bergsteiger brauchen Kondition und Konzentration, wer sich in den höheren Stufen der Meditationspraxis übt, benötigt dies ebenfalls. Wenn der Meditierende seinen Gipfel erreicht hat, kann es vorkommen, das er in der Ferne, einen weiteren Höhenrücken erkennt, denn er da er nun mit ersten Erfahrungen ausgerüstet ist ebenfalls erklimmen will. Wollte ich Bergsteiger werden würde ich im Mittelgebirge üben, dann vielleicht in den Alpen, habe ich hier meine ersten Erfahrungen gesammelt, würde ich meine Augen auf die schneebedeckten Höhenzügen des Himalaya richten. So ist es auch in der Meditation. Warum immer gleich in orientalische Paläste eindringen, wenn wir die Kleinode unserer eigenen Umgebung noch nicht durchforstet haben. Meditation ist eben ein Weg und der Weg ist das Ziel, dieser Weg hat seinen Anfang, nicht in den esoterischen Gewändern des "Licht des Morgenlandes", dieses Licht leuchtet in unserem eigenen Haus, denn es flackert in unserem Geiste. Wenn man Nachts durch einen Wald läuft, benötigt man eine Taschenlampe sonst verirrt man sich. Wenn man unterwegs ist zu den Tiefen des eigenen Unbewussten brauchen wir auch eine Lampe, die uns durch das Dickicht unserer Psyche den Weg weist. Diese Lampe ist die Meditation, auf einer höheren Stufe der Praxis wird der Geist das Dickicht unseres inneren nächtlichen Waldes erhellen.

Meditation ist also auch ein Weg der zur Existenzerhellung führt, wie es eben auch Schnellstrassen im Leben gibt, die weil wir unbewusst und Oberflächlich auf ihr rasen, zur Existenzverdunkelung führen kann.

Meditation fordert unsere Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit wir bei jedem von uns täglich herausgefordert, so das es dem Einzelnen große Schwierigkeiten bereiten kann, im Alltag zur Kontemplation zu finden. Es hat einen Sinn das Mönche sich in ein Kloster zurückziehen um einen kontemplativen Lebensstil zu führen. Sie wollen Ruhe, ein Leben Abseits der "zehntausend Dinge", würde der Taoist sagen.

Da wir nun aber nicht in einem Kloster leben, auch nicht auf einer einsamen Insel, sondern in der Welt zu Hause sind, werden wir immer den Umständen und Zufälligkeiten dieser Welt ausgeliefert sein. Kloster und "Inselbewohner" übrigens auch, es ist nur ein spiritueller Trugschluss zu glauben man könne sich der Welt entziehen. Man kann sie aus Abstand manchmal sehen, aber nie so nebenbei aus ihr austreten, das erwachen bei der Rückkehr die garantiert ist wäre fatal.

Aktive Meditation ist daher nie Weltflucht sonder immer Teilhabe. Ich bin Teilhaber dieser Welt und versuche mit meinen persönlichen Mitteln diese Welt einfach auch Mit – Zu – Gestalten.

Da wir nun täglich von Dingen und Ereignissen beeinflusst sind, müssen wir unsere persönliche Desorganisation in ein ordnendes Verhältnis bringen. Der Ursprung dieser persönlichen Desorganisation, liegt meist in oberflächlichen Denkgewohnheiten versteckt, schon nach kurzer Meditationspraxis bemerken wir das sich unser Denken positiv ändert.

Wir werden bemerken das wir uns nun selbst denken. In einem Konsum und ökonomisch abhängigen Lebensstil, in dem wir alle mehr oder weniger leben und den wir alle meistern müssen, ist es einfach Tatsache, das wir uns Denkgewohnheiten aneignen, die eigentlich ganz im Gegensatz zu unserer Persönlichkeit stehen.

Die "Gewohnheit" ist der erste Gegner der uns auf dem Weg der meditativen Praxis begegnen wird. Diese Gewohnheit gilt es zu Überwinden. Wir müssen aussteigen aus unserer uns selbst aufgezwungenen Routine. Hier wird der eine oder andere sagen, das geht nicht dadurch gefährde ich meine Ökonomie, meinen Arbeitsplatz etc. Das stimmt nicht! Hier denken wir wieder an den Mönch. Auf den ersten Blick ist ein Klosteralltag absolute Routine, er scheint eine weit aus größere Routine zu erhalten als das Leben "draußen?" Dennoch erkennt der Mönch keine Routine in seinem Leben, der absolut stündlich geregelte Tagesablauf, ist für den Klosterbewohner keine Gewohnheit. Sie versuchen ihren Alltag zum ALL – TAG zu gestalten. Dieser ALL – TAG ist eine Existenzerhellung wohingegen die Routine des Alltags früher oder später in eine Art Existenzverdunkelung führt. Es ist wie beim Lesen: Wenn ich im Platon lese springt mir aus seinen Zeilen Existenzerhellung entgegen, lese ich eine Camus überkommt mich während des Lesens eine große Existenzverdunkelung. Meditation bedeutet eben auch sich den Infamitäten des Lebens zu stellen und das positive aufzusuchen anstatt in der Rolle eines Sisyphus zu verharren. Denn: Meditation ist eine Art von Lebensphilosophie.

So lange wir gefangene der Infamitäten dieser Gesellschaft sind leben wir ein Leben aus zweiter Hand. Sich zu lösen aus den Verstrickungen bedeutet sein eigenes leben zu führen. Psychologisch bedeutet Meditation auch: "Herr im eigenen Haus zu werden!"

Jede Stufe wo wir in der Meditation weiterkommen ist eine innere Stufe, eine Entwicklungsstufe – wir ent – wickeln – uns aus den Zwängen einer gesellschaftlichen Zwangsjacke, in der wir oft seit unserer Kindheit stecken. Während dieser Entwicklung finden wir auf unserem weg etwas, das wir vor unseren Übungen vielleicht nie wahrgenommen haben: eine eigene Identität! An diesem Punkt wird uns bewusst das in uns eine sprudelnde, zu erschließende Energiequelle ist aus der uns klares frisches Wasser entgegenspringt, das ganz anderen Geschmack hat, als jene gesellschaftlich kanalisierten Abwässer die wir bisher für Trinkwasser hielten.

hukwa

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