Freitag, 17. April 2009

Die Eiche meiner Kindheit...

Die Eiche meiner Kindheit

Als ich heute Morgen gegen 3.20 Uhr erwachte, flogen meine Gedanken zurück in die tiefe Kindheit. Ich konnte mich plötzlich sehr deutlich an verschiedene Ereignisse und Plätze meiner Kindheit Erinnern. Ja, ich hatte eindeutig das Gespür, sogar noch Tiefer Denken zu können. Das erste was ich in meinem Erinnern erkannte war das große Grundstück meiner Großeltern. Ein verwildertes Wiesengrundstück, gleich neben unserem Hausgarten, mit sehr alten Bäumen bewachsen. Wenn ich die Wohnung verlies stand ich auf der Wiese. Bis in meine Jugend hinein spielte ich fast täglich in diesem Wiesengrund. Heute Morgen sah ich nun alle Bäume die auf diesem Wiesengrundstück wuchsen klar vor meinem Auge.
Zuerst kam eine Eiche, dann eine Buche eine Zwillingsbuche etwa 50. Jahre alt. Von hier verlief ein kleiner Pfad in ein Wiesenthal. Etwa zwanzig Meter von den beiden Bäumen, stand eine große ältere Baumgruppe, deren hervorragender Baum eine sehr alte Eiche war. Viele Jahre spielte ich unter ihr. Sehr genau ist mir ihre Wuchsform und das Geäder ihrer Rinde im Gedächtnis haften geblieben. Wenn ich als Knabe unter dieser Eiche saß, versuchte ich damals schon tiefer mit meinen Gedanken zu gehen. Ich stellte mir damals vor wie es wohl vor 100 oder 300 Jahren hier aussah. Auch erinnere ich mich daran welche Pflanzen in der Umgebung des Baumes wuchsen. Diese Eiche war der beging meiner Freundschaft zu Bäumen. Im gleichen Alter traf ich damals auf meinen Ur – Fliegenpilz, so ist diese Eiche meine Ur – Eiche geworden. Wahrscheinlich hat man den Baum inzwischen gefällt um ein Haus auf dieses Grundstück zu bauen, doch in meiner Erinnerung lebt dieser Baum weiter, ja, er wächst weiter, wie ein kosmischer Baum. Solch tiefe klare Erinnerungen sind mir nur am frühen Morgen möglich. Heute bin ich mir sicher, das dass ständige Spielen unter Bäumen, meinen Lebensweg stark geprägt hat. In einer Art von Naturverehrung und in meinem Protest, wenn ich für Bäume aufgestanden bin und auch nicht davor zurückgeschreckt bin, wenn sie mit den Motorsägen kamen und ich am Baum angekettet war. Mit Bäumen verbinden mich Erleuchtungsprozesse und Weltverschmelzungserlebnisse. Ja, der Kontakt zu den Baumwesen hat mein ganzes Leben mitgeprägt. Die Dichterworte eines Nazim Hikmet: Einsam wie ein Baum- aber Brüderlich wie ein Wald das ist unsere Sehnsucht," kannte ich damals noch nicht dennoch lebte ich diese.
Diese Bäumen stehen wie Bojen, wie geistige Markierungen, in meinen Erinnerungen. Von ihnen aus ist es mir möglich, Personen, Orte und Plätze der Vergangenheit wieder aufzusuchen.
Solche "Erinnerungsarbeit" nenne ich auch "strategisches Erinnern". Was während des Prozesses der Erinnerung, wahllos beginnt, bekommt irgendwann eine innere Ordnung, als wäre ein Bezug zur Anima Mundi, zur Weltseele vorhanden.
hukwa

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