Sonntag, 31. Dezember 2017

Silvesterspaziergang

Foto©UteKW
An solchen Orten erkennnnt man, dass Natur vielmehr ist als das wissenschftlich Messbare oder wirtschaftlich Verwertbare. Solche Plätze sind ein Sinnbild für seelische und kosmische Verbindungen. Es sind Landschaftsräume von Andacht, Demut und Stille. Wenn man sich hier aufhält kommt der Moment wo der Geist zwischen Tag und Nacht, Wachheit und Phantasie, zwischen Gegenwart und ältester Vergangenheit weilt.
Einsam auf einem Bergrücken im Pfälzerwald gelegen steht eine seltsame Formation von Buntsandsteien. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren als wären sie einst von Riesen errichtet worden. Es handelt sich natürlich um ein Steingebilde das in der Eiszeit entstand.
Die Anordnung der Felsen ist so bizarr das man davon ausgehen muss dass sich hier in der Frühgeschichte ein heidnischer Kultplatz befand. Verwitterte Ritzungen in den Steinen und kaum noch deutbare Felszeichnugen lassen ahnen dass dieser Platz einst für religiöse Handlungen genutzt wurde.
Etwas entfernt im Gebüsch, von Farn und Brombeerranken bedeckt, liegt ein spitz zu laufender Stein von etwa drei Meter Länge bei dem es sich um einen Menhir handeln dürfte. Eine Vertiefung auf der Buntsandstein Formation hat die gleichen Umrisse wie der Sockel dieses Steins. Noch etwas weiter entfernt findet sich eine Steinanlage die mit Sand ausgefüllt ist und bei der es sich wohl um einen urzeitlichen Grabhügel handeln muss.
Wenn man die Felsformation erklettert hat und auf der Plattform steht auf der mindestens zehn Menschen Platz haben empfängt einem das erhabene Schweigen dieser mystischen Waldlandschaft. Wie Mahner oder Wächter stehen die mächtigen Buchen und Eichbäume hier. Die darauf achten dass die moderne und entmytologisierte Gegenwart hier nicht so einfach eindringen kann. Der Weg hier herauf führt vorbei an abgelegenen Felsplateaus, verwunschenen Steinen und dichtem Wald. Die Moose an den mächtigen Buntsandsteinblöcken erscheinen wie Metaphern für das zähe Überleben dieses mythischen Raums. Wie schlafende Riesen mahnen sie uns an ein goldenes mythisches Zeitalter. Auf der Bergkuppe weilend scheint sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu Vereinen. Es ist der Moment wo sich die Gedanken einem Höherem, einem Anderen zuwenden. Und dieses Andere scheint jetzt in seiner urgewaltigen, archaischen Sprache zu sprechen. Es ist als würde sich ein Vorhang Lüften der für einge Sekunden einen Blick in die Frühgeschichte der Menschheit preisgibt. Und im leisen rauschen der Bäume, im Rascheln der trockenen Blätter und im Wispern des Windes scheint plötzlich die Stimme Goethes zu ertönen:
In diesem Augenblick, da die inneren anziehenden und bewegenden Kräfte der Erde gleichsam unmittelbar auf mich wirken, da die Einflüsse des Himmels mich anher umschweben, werd ich zu höheren Betrachtungen der Natur hinaufgestimmt, und wie der Menschen Geist alles belebt, so wird auch ein Gleichnis in mir rege, dessen Erhabenheit ich nicht widerstehen kann. So einsam sage ich zu mir selber, in dem ich diesen ganzen nackten Gipfel hinabsehe und kaum in der Ferne ein gering wachsendes Moos erblicke, so einsam sage ich, wird es dem Menschen zu Mute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seiner Seele öffnen will. Da kann er zu sich sagen: Hier, auf dem ältesten ewigen Altare, der unmittelbar auf die Tiefe der Schöpfung gebaut ist, bringe ich dem Wesen aller Wesen ein Opfer dar“.

hukwa

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Zwölf Nächte

Die entlaubte Buche vor meinem Arbeitszimmer
in ihrem Geäst eine einsame Krähe
ein Morgen im Dezember.
hukwa 

Heute ist Stephanstag. An diesem Tag beginnen die Rauhnächte: 
Es ist wie ein Singen
Flüstern und Klagen
es schwebt durch die Lüfte
ein einsames Klagen
lange zwölf Nächte
es ist wie ein Heer
so braust es umher
tut sich Offenbaren
in Regen und Wind
in diesen zwölf Nächten
kehrt Wotan zurück
zieht einsam umher
zwölf lange Nächte
schafft sich einen neuen Erdenleib
reitet auf seinem Ross
zur uralten Quelle
wo Mimir haust
wo der Erde entquillt
Nebel und Rauch
wo die Seherin noch wacht
wo der Zwerg das Erz bewacht
das heidnische Echo kehrt zurück
Wotan ist aus Walhall entrückt.
hukwa

Dienstag, 26. Dezember 2017

Vom wahren Schauen

Versunken in der Stille eines winterlichen Morgens
zieht es mich hinaus in die Wälder
unter meinen Schritten knirscht das alte Laub vom Sommer
vor mir eine Eiche
hoch oben in seiner Krone
eine einsame Krähe
zerzaust ihr Gefieder
unruhig ihr Blick
hier weitet sich die Seele
zum wahren Schauen.
hukwa

Montag, 25. Dezember 2017

In achtungsvoller Entfernung

Als ich heute Morgen gegen 5.Uhr aufwachte wehte durchs Fenster ein klarer, kalter Wind ins Zimmer. Bald wird der Morgen dämmern. Ich schlage ein Buch von Thoreau auf und lese folgenden wunderbaren Abschnitt:
"Wir dürfen nicht erwarten, mit unseren Fingern in das Heiligtum des Lebens eindringen zu können, sei es pflanzlicher oder tierischer Art. Wenn wir es tun werden wir nichts entdecken als noch mehr Oberfläche. Die Quintessenz oder die Frucht jedes erschaffenen Dinges ist ein feiner Ausfluss, den nur der unschuldige Verehrer in achtungsvoller Entfernung wahrnimmt".
hukwa

Samstag, 23. Dezember 2017

Ruf

Uralte Eiche
sprichst du die Sprache des Winters
ein Laubloser Gott
fährt windig durch dein Geäst
schon suchen die Vögel nach Futter
noch wartet der Schnee in den Wolken
doch die grüne Mistel wirft ihre Samen
rief da eben nicht
Joringel nach Jorangel?

Dienstag, 19. Dezember 2017

Der Zorn des Planeten

Was wir Heute als Gesellschaft bezeichnen ist nichts anderes als eine kollektive Vision von Spekulationen von Selbstsüchtigen und Egoisten.
hukwa

Die Entscheidungen über die Zukunft unseres Planeten werden von Geistern gefällt deren Denken auf dem Prinzip "nach mir die Sintflut" aufgebaut ist. Manche von ihnen sind einfach nur dumm, doch die meisten lassen sich von der Gier und dem Egoismus leiten. Selbst jetzt da uns seit längerer Zeit schon "der Zorn des Planeten" trifft, macht man sich keine Gedanken über Nachhaltigkeit. Irgendwann wird immer eine Sache zur Worthülse und ihr Sinn geht verloren. Die unheilbare Gier nach Rohstoffen ist die gefährlichste Perversität in unserer Gesellschaft. Ein Kronos der seine Kinder frisst.
hukwa

Montag, 18. Dezember 2017

Winterwachstum

Der Schnee verwandelt die Landschaft 
während sich das Jahr langsam
seinem Ende zuneigt
ein Jahresring ist dabei sich zu schließen
neues beginnt zu Wachsen
wachse mit ihm
denn Leben ist Wachstum
wie der Dompfaff dort in der Birke
solltest du dem Tag begegnen
nimm ihn und
forme ihn.
hukwa

Freitag, 15. Dezember 2017

Sumpfmeisen

Heute Morgen herrschte starker Schneefall vor. Als ich tiefer in den Wald lief erfreute ich mich an der Stille. Nur das leise Piepsen der Sumpfmeise drang an mein Ohr. Auf den Ton dieser Meise ist auch im Winter verlass. Im dichten Fichtendickicht kommt es mir vor als sei sie der einzige Bewohner des Winterwaldes. Dennoch weiß ich das mich viele Tieraugen beobachten. Auch jene Wesen die wir nicht sehen im Wald machen seinen Mythos aus.
hukwa

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Morgens im Wald

An einem frühen Wintermorgen zeigt sich der Wald in seiner ganzen Vollendung. Wenn die Bäume in Eis oder Schnee gehüllt sind strahlen sie eine flüchtige Schönheit aus. Es sind dies kurze Momente zum Innehalten. Bäume und Sträucher verharren in Meditation. Jetzt kann man ihrem Wesen besonders nahe sein.
hukwa

Montag, 11. Dezember 2017

Altes und neues

Für die meisten Menschen ist die Weisheit einfach nur Narrheit. Sie können die Hintergründe des Daseins nicht schauen. Für diese Menschen hat nur das Neue Bedeutung. Sie spotten über das Althergebrachte, dabei merken sie nicht dass sie den Ast auf dem sie Sitzen zersägen. Wenn wir der Geschichte der Natur innewerden, wenn sie uns immer bewusst begleitet, öffnet sich uns ein mystischer Vorhang dabei können wir einen Blick in die wirkliche Realität tun.
hukwa

Samstag, 9. Dezember 2017

Spalt in der Zeit

Es ist die Magie des Neuschnee
was mich heute in die Wälder lockt
das Pochen eines einsamen Grünspechts
tönt aus dem Gehölz zu mir herüber
der Schneefall wird stärker
in der Ferne entschwindet ein Fuchs ins Feldgebüsch
die Stimmung des Waldes erfasst mich nun ganz
das einsame Piepsen einer Meise
ansonsten Stille
die Magie von Neuschnee
verzaubert die Landschaft
jetzt kann man ihn erkennen
den Spalt in der Zeit.
hukwa

Freitag, 8. Dezember 2017

Freundschaften zwischen Mensch und Tier

Ich glaube an die Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Ja, ich möchte behaupten, das diese Beziehung tiefer ist als die Beziehungen die ich mit Menschen pflege, vor allem die Freundschaft zu Wildtieren. Hat man einmal ihr Vertrauen gewonnen pflegen sie eine erhabene Freundschaft. Jeden Morgen ist es mir immer wieder etwas ganz besonderes meine Freunde begrüßen zu dürfen.
hukwa