Sonntag, 7. Januar 2024

Der Schriftsteller als Nekromant

 Eines Fürsten Statue 
sei sie aus Marmor geschnitten oder aus Stahl oder Gold gefertigt 
und zur besseren Erhaltung auf hohen Säulen oder Pyramiden aufgestellt 
diese Statue wird die Zeit in unscheinbare Ruinen verwandeln 
wird dagegen sein tugendreiches Bild 
in gelebten Versen gezeichnet 
dann wird sein Ruhm vom Sarkophag des Vergessens ertönen 
bis Gräber von ihrem Schall aufbrechen und die Toten wiederauferstehen. 
                                             George Chapmann (1559-1634)  
Niedergeschriebene  Biographien sind oft Totenbeschwörungen. Sein Buch "Shakesperean Negatiations" begann Stephen Greenblatt mit den Worten: "Ich begann mit dem Wunsch, mich mit den Toten zu unterhalten". Greenblatt spricht von "Textspuren" die tief in die Vergangenheit führen. Über diese Art der Schriftstellerei schrieb Aleida Assmann: "Sie sind auch Menschen im okkulten Sinne, indem sie zum allgemeinen Wohl Kontakt mit der transzendenten Welt der Vergangenheit herstellen und aufrechterhalten". Auch hier treffen wir wieder auf das Goethe-Wort: "Nichts kann zu Nichts zerinnen". 
hukwa