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Sonntag, 23. November 2025

Ewawonaka

 Die Winterstille 
erzählt am Morgen 
vom Werden und Vergehen. 
hukwa 

Im Tal von Paquoa oder 
auf der Suche nach  Ewawonaka 

Im Tal von Paquoa im Dorfe der Lakota 
zwischen Crazy Horse 
und Milarepa 
wandelt mein einstiges Ich 
einen Schimmel reitend 
folge ich einer Dakini 
den Tschanoditan suchend 
in die Wälder des Nordens 
in die Höhlen im Himalaya 
in die Bighorn Mountains 
zur weißen Büffelkalbfrau 
wo sich im dichten Tann versteckt 
der Oglugitschanu der dunkle Walddämon 
Ich ein Suja Wakan 
auf der Suche nach mir selbst 
rufe ich in die Wälder hinein 
Eawawonaka 
und kehre zurück ins Indianerdorf 
und in die alte Höhle im Himalaya 
vereint mit meinen Inkarnationen. 
hukwa

Montag, 13. Oktober 2025

Schicksal großer Dichtung

 Es ist das Schicksal großer Dichtungen, 
nicht gelesen zu werden, 
doch auf den Friedhöfen der Literaturgeschichte, 
ragen sie empor wie königliche Gräber. 
hukwa 
Diese Gedanken schrieb ich gestern nieder als ich mal wieder in Flauberts "Versuchung des heiligen Antonius las. 
hukwa

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Bewohner meiner Manuskripte die Figuren meiner phantastischen Geschichten

 Über seine phantastische Figuren in seinen Büchern schrieb der Schriftsteller  Jean louis Bouqet in seiner Erzählung "töchter der Nacht": "Über den Wert dieser Arbeiten habe ich mir nie irgendwelche Illusionen gemacht;aber,so schlicht meine Figuren auch waren, sie wuchsen mir im Vorübergehen ans Herz. Es schmerzt mich sie dem Leid preiszugeben". 
Nun, ich denke ähnlich wie Bouqet. Nach so vielen Jahren sehe ich die Bewohner meiner Manuskripte als meine geistigen Kinder an. Wesen die ich auf Papier gebannt habe und die nun meine Notiz und Tagebücher bewohnen. Ich könnte auch sagen: mit den Jahren habe ich ihnen eine literarische Seele eingehaucht. 
hukwa

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Zu Besuch in der uralten Bibliothek

 Phantastisch zu schreiben 
ist der Versuch 
neue geistige Provinzen zu erobern. 
hukwa 
Die Bibliothek 
ihr Bewohner 
ein uralter Greis 
halb erblindet 
von körperlicher Gebrechlichkeit 
die im Widerspruch steht 
zu seiner intensiven geistigen Frische 
er ist der Herr der Geisterbibliothek 
unendlich ist seine Erinnerung 
Akasha Chronik genannt 
verstaubte Folianten 
Codices 
Schriftrollen 
wurmzerfressen und fleckig durch die Zeit
da sitzt der Alte inmitten der Schriften 
und blättert 
und blättert 
sich durch die Ewigkeit. 
Bücher über Bücher bilden in der Bibliothek eine platonische Kette die der alte Eumenestes täglich erweitert als 
Verkörperung eines Weltgedächtnisses 
ein Diener ist ihm behilflich 
der den Namen trägt 
Anamnestes 
er flickt das Netz 
des Dramas 
von Vergessen und Erinnern. 
hukwa

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Vom wirklichen Golem

 Es heißt das Samuel der Fromme , einen Golem geschaffen hatte, der zwar nicht sprechen konnte, der aber Samuel auf seinen  langen Wanderungen durch Deutschland und Frankreich begleitete und bediente. Das Wort Golem taucht etwa im 12.Jahrhundert in verschiedenen Schriften der deutschen Kabbalisten das erste mal auf, gemeint ist ein künstlich geschaffener Mensch. In den Kommentaren des Buches Jezira wird der Golem öfters erwähnt. Gershom Scholem schreibt: "Ich möchte betonen...dass es sich bei den genauen Angaben, die wir über die Golemherstellung besitzen, nicht so sehr um ein Legendenmotiv handelt, sondern um den Vollzug eines exakten Rituals das eine ganz bestimmte Vision , nämlich die der schöpferischen Belebung, der Golemfigur zu erzielen sucht. Aus dem Ritus der Adepten, wie ihn die authentischen Quellen schildern, wurde im Volksbewusstsein eine Legende". 
Es ist eigentlich recht einfach: der Golem existiert einfach auf der Astralebene und wird durch Gedankenkraft des Magiers und Adepten erschaffen. 
hukwa

Samstag, 30. November 2024

Eine seltsame Gesellschaft- eine phantastische Imagination

 Heute Nacht habe ich eine Imagination der Erzählung "Isabelle von Ägypten" des Achim von Arnim erlebt. Eine Mischung zwischen Traum und gelenkter Imagination im Halbschlaf. Arnim bringt in seiner Erzählung verschiedene Sagen- und Märchenfiguren zusammen,in der Überzeugung "dass viele Sagen sich der Zukunft erst noch enthüllen". Über diese phantastische Erzählung schrieb Heinrich Heine: "in sämtlichen französischen Schauergeschichten,ist nicht soviel Unheimliches zusammengepackt wie in jener Kutsche, die Achim von Buik nach Gent fahren lässt". 
In der Kutsche sitzen: 
1.Eine alte Zigeunerin, die auch eine Hexe ist. 
2.Ein toter Bärenhäuter, der aus dem Grab gestiegen ist und sich noch einmal auf sieben Jahre 
  als Bedienter verdingt. 
3. Die Isabella nachgenildete Golem Bella, ein Mädchen aus Tonerde. 
4. Feldmarschall Cornelius Nepos, der in Wirklichkeit ein Alraun ist, ein Galgenmännlein. 
Während ich mir diese seltsame Gesellschaft vorstelle, lasse ich meiner Imagination freien Lauf. Der kutscher denke ich mir nun ist kein anderer als "Mephisoteles". Neben ihm sitzt eine schöne Frau die in wirklichkeit "Carmilla"ist, die Vampirin die Sheridan Le Fanu erschaffen hatt. An einer Wegkreuzung hält die Kutsche kurz, ich steige ein und stelle mich der seltsamen Gesellschaft als Victor Vulcanelli vor obwohl ich ja in Wirklichkeit Thoreich Geißenbauer bin. 
hukwa

Dienstag, 12. Dezember 2023

Die weiße Frau von Bernstein

Eine der bekanntesten Spukgestalten ist die „Weiße Frau von Schloss Bernstein“. Eine Geistergestalt die von zahlreichen Zeugen beschrieben worden ist und somit zu einer der bestbeglaubigten Geistererscheinungen wurde. E. Mattiesen schreibt über dieses Spukphänomen:

„Nach den Worten eines französischen Verwandten des Schlossherrn (1910) war die Erscheinung von einem fluoreszierenden Lichtphänomen begleitet...Der obere Teil des Kopfes scheint eine besondere Lichtquelle zu sein, denn er ist lebhaft leuchtend. Herr E.v.R. Der Direktor eines großstädtischen Museums, der Schloss Bernstein besuchte, um die Stuckverzierungen des großen Barocksaales zu besichtigen und aufzunehmen, wurde im Oktober 1911 nachts durch einen kühlen Lufthauch erweckt: die weiße Frau sei bei seinem Bett, über ihn gebeugt gestanden...Als er erschreckt auffuhr, habe sie sich ans Fussende seines Bettes gestellt und ihn starr angeschaut, worauf er nach seinem Sekretär, Hrn v.C. gerufen, der gekommen sei, aber die Erscheinung nicht gesehen habe. Er beschrieb sie als eine in weißen Schleier gehüllte Gestalt mit dem diademartigen ungarischen Kopfschmuck (parta) auf der Stirn. Die Baronin, R.H. Sah sie am 16.Juni 1912, 10.15 abends, während „lustiger Unterhaltung“, eine große Steintreppe hinaufsteigen- oder schweben. Das Licht umgab sie, das Geländer war vollkommen sichtbar. Am ende der Treppe verschwand oder zerfloß die Erscheinung. Dies „furchtbar unheimliche, unirdische Hinaufschweben über die Treppe- so dass ich in lähmenden Schreck erkennen musste: das ist kein Mensch, kein Lebewesen- beschrieb am 7. September, auch die Baronin G. Sch.- Im November 1912 sah die Gräfin Th.B. die Gestalt im Eingangstor zum inneren Schlosshof. Auf einmal wurde das ganze Tor sichtbar, und zwar von einem starken smaragdgrünen Licht beleuchtet. Dieses Licht hielt aber nur sekundenlang an und verschwand dann, um gleich darauf im Kapellenfenster so deutlich zu erscheinen, dass wir genau die Muster des Fensters und die sie umgebende Bleieinfassung sehen konnte. Dreimal sah die Gräfin die Gestalt selbst in der Kapelle, wo sie auf der ersten Altarstufe kniete und zu beten schien; und zwar gleichzeitig mit ihrer Kusine, die mit ihr durch das Oratoriumsfenster in die Kapelle hinunterblickte. „Sie war von einem grünen Licht umgeben, oder eigentlich, möchte ich sagen, sie hatte es an sich, es sah aus als hielte sie es vorn an der Brust, und es schimmerte durch den Schleier, den sie auf dem Kopf trägt. Die weiße gestalt blieb sichtbar, wenn man in die Kapelle hinableuchtete. Sie verschwand wieder plötzlich, und es wurde dunkel. Ein andermal schwebte sie dicht an der Kusine vorüber und bei der Kapellentüre, die offen stehen geblieben war, hinaus. (Freitag 6.Dezember). Auch das typische Rauschen, wie von einer Seidenschleppe, wurde gelegentlich um das Phantom gehört. Einmal sahen der Schlossherr, seine Mutter, Schwester und Kusine gleichzeitig die Gestalt in der Kapelle knien. Die Gräfin G.M.B. Rannte einmal bei plötzlicher Begegnung durch sie durch , kehrte so schnell als möglich um und sah sie eben noch die große Stiege hinaufschweben. Damals hat sie den Kopf gegen mich zurückgewendet, und ich meinte, sie hebe die Hand. Einige wollen einen kalten luftzug als Begleiterscheinung ihrer Nähe gefühlt haben. Bei einem törichten Schuss auf die Gestalt in der Kapelle erlosch der Lichtschein sofort und verschwand die Gestalt, um Sekunden danach aufs neue zu erscheinen.“ „Ein anderes mal fasste einer der Beobachter den Entschluss die Erscheinung anzusprechen...Sie blieb stehen und drehte sich um. Sie sah mit starrem Blick auf ihn aber gewissermaßen durch ihn ins Leere. Der Blick machte auf ihn einen derart entsetzlichen Eindruck, dass er verstummte und die Steige wieder hinablief.“ 

hukwa 


Sonntag, 14. Dezember 2014

Die Weiße Frau von Orlamünde - Historischer Hintergrund einer Sage

Die Sagengestalt der " Weißen Frau " geht auf die im 14. Jahrhundert nachweisbare Gräfin
Kunigunde von Orlamünde zurück, die sich nach dem Tod ihres Mannes mit dem Nürnberger
Burggrafen Albrecht dem Schönen aus dem Hause Hohenzollern wieder verheiraten wollte.
Als dieser entgegnete, dass diesem Vorhaben " vier Augen " im Wege stünden, bezog sie diese Aussage auf ihre beiden Kinder aus erster Ehe und brachte diese um. Burggraf Albrecht
jedoch hatte von seinen Eltern gesprochen und wandte sich entsetzt von der Gräfin ab, die sich daraufhin auf eine Pilgerreise nach Rom begab. Beim Papst bat sie gegen das Versprechen, ein Kloster zu gründen, um Vergebung. Tatsächlich stiftete sie später das
Zisterzienserinnenkloster Himmelsthron in Gründlach, als dessen Äbtissin sie schließlich
1385 verstarb.
Unter der freien Vermengung historischer Fakten mit weitverbreiteten Motiven des
Volks- und Aberglaubens, der Mythologie ( aber auch durch Untersuchungen der Parapsychologie ) entstand daraus die erstmals 1486 nach dem Ableben des Kurfürsten
Albrecht Achilles kolportierte Sage, dass diese " Weiße Frau " –zunächst auf der Plassenburg,
später auch in anderen Schlössern – fortan denjenigen Mitgliedern des Hauses Hohenzollern
erscheint, die kurz darauf ein Unglück oder der Tod erwartet. Begegnungen mit ihr werden
u. a. Kurfürstin Luise Henriette, König Friedrich Wilhelm II, dem 1806 gefallenen Prinzen
Louis Ferdinand sowie Kaiser Wilhelm II nachgesagt.
Das Phänomen solcher gespenstischer Unheilsboten lässt sich indessen auch für zahlreiche andere Herrscherfamilien und deren Residenzen belegen.
Allerdings Parapsychologisch interessant ist, das die Sage von der " Weißen Frau " der
Hohenzollern, insofern eine Sonderstellung einnimmt, da sie sich regelmäßig in mehreren
Schlössern angeblich manifestiert, man geht bei ihr also von einem familiengebundenem Spuk aus, wohingegen andere " Weiße Frauen " eigentlich immer Ortsgebunden sind.
Der Volksglaube unterscheidet in der Regel 2. Arten der " Weißen Frau " : 1. die dämonische
Weiße Frau, wie Frau Holle oder Perchta, gelegentlich mit Zügen eines Ernte, Natur –oder
Waldgeistes; 2. ein Totengeist ( Gespenst, Arme Seele ), oft ist die Erlösung einer solchen
Geistererscheinung an das erlöschen eines Geschlechts oder Haus gebunden, mit dem diese
Erscheinung in Beziehung steht.
Die Sage der " Weiße Frau " von Orlamünde ist in unterschiedlichen Varianten überliefert:

" Die Witwe des Grafen von Orlamünde verliebte sich in den Burggrafen Albrecht den Schönen von Nürnberg. Dem Burggrafen schien die schöne Witwe auch nicht gleichgültig,
er tat die Äußerung, er würde die Gräfin ehelichen, wenn nur vier Augen nicht wären. Nun hatte die Gräfin zwei kleine Kinder aus ihrer Ehe mit dem Orlamünder Grafen. So bezog sie den Ausspruch Albrechts auf die Kinder und beschloss, beide aus dem Wege zu schaffen. Die Gräfin nahm eine goldene Nadel, stieß sie den Kindern ins Gehirn und gab vor, sie seien nach kurzer Krankheit verstorben. Niemand ahnte von der Untat, und so wurden die Kinder im Kloster Himmelkron beigesetzt. Aber die Heirat mit dem Burggrafen zerschlug sich. Langsam wurde das Verbrechen ruchbar. Albrecht mied die Frau von Orlamünde, und diese wurde von tiefer Reue ergriffen. Als Büßende pilgerte sie nach Rom und erhielt dort die Absolution, unter der Bedingung, dass sie ein Kloster stifte. Das tat die Gräfin auch, dann aber trat sie in das Kloster Himmelkron, indem sie als Äbtissin starb und begraben ward."

Eine weitere Variante der Sage:

" Nachts, wenn die Welt zur Ruhe gegangen und die weitere Erde in düstere Finsternis gehüllt
oder vom stillen Glanz des Mondes beschienen liegt, sieht man zuweilen am Berge zu Orlamünde, dort, wo noch die alte Kemenate die Stelle bezeichnet, an der einst das mächtige Geschlecht der Burggrafen von Orlamünde manch Jahrhundertlang hauste, eine weiße, verhüllte Frauengestalt gespenstisch langsam umherwandeln. Das totenbleiche Antlitz ist von
Schmerz und Kummer gezeichnet, und ihre Augen irren umher, als suche sie etwas, das sie verloren habe und nun nicht wiederfinden könne.
Das ist Agnes, die weiße Gräfin von Orlamünde, die Gemahlin des Grafen Otto II. , der im Jahre 1284 starb und die Gräfin als Witwe mit zwei kleinen Kindern allein in der Welt zurückließ. Doch die düstere Witwentracht sagte der schönen Frau nicht zu, und Gram und Trauer über den Tod des Gemahls währten nicht lange. Bald danach entbrannte ihr Herz in heißer, leidenschaftlicher Liebe zu dem stattlichen Markgrafen von Brandenburg, Albrecht dem Schönen. Dieser aber erwiderte die Liebe der Gräfin nicht und blieb kalt und ungerührt
gegen all ihre Gunstbezeugungen. Darüber ergrimmte die schöne Frau und ließ heimlich nachforschen, welches wohl der Grund sei, warum sie der Markgraf so hartnäckig verschmähte. Der aber, hierüber befragt, hatte geäußert: Ja, wenn vier Augen nicht wären.
Als diese Rede der Gräfin hinterbracht wurde, sann sie lange darüber nach, wenn wohl der Markgraf mit diesen Worten gemeint haben möchte, und bald geriet sie auf den Gedanken, diese vier Augen, die ihrer Liebe im Wege ständen und sich zwischen sie und den heißbegehrten Markgrafen stellten, könnten keine andere sein als die fröhlichen Augen ihres
kleinen Sohnes und ihres Töchterchens, um derentwillen der Markgraf sie nicht zum Weibe nehmen wollte. Lange stritt nun das edle Gefühl der Mutterliebe mit jener wilden, glühenden
Leidenschaft, die ihre Seele für den schönen Markgrafen erfüllte, aber nach schwerem Ringen
trug endlich die letztere den unnatürlichen Sieg davon. In stürmischer Nacht ließ die grausame Mutter draußen im finsteren Tann durch ihren Jäger, den unbarmherzigen Haider,
die Kleinen, die rührend in Todesangst den wilden Mörder um Schonung ihres unschuldigen Lebens baten, heimlich ermorden.
Nun glaubte die Gräfin endlich am ziel ihrer Wünsche zu sein. Als jedoch Albrecht der Schöne die schlimme Untat erfuhr, fasste er statt der erhofften Gegenliebe den tiefsten Abscheu gegen das unnatürliche, grausame Weib. Er ließ ihr sagen, das er mit jenen vier
Augen nur die ihrigen und seine eigenen gemeint habe, die nicht zusammen passen würden,
und wandte sich für immer von der blutbefleckten Mörderin. Agnes aber verfiel von Stund an
in trübe, finstre Schwermut und welkte, von Reue über den an ihren Kindern begangenen
Mord verzehrt, langsam einem frühen Tod entgegen. Zur Strafe für ihre Untat irrt sie nun in stillen Nächten umher an den Orten, wo sie einst gelebt, auf der Plassenburg und um die zerfallenen Burgtrümmer Orlamündes, ein blasses Weib, in weißem, wallendem Gewand,
ruhelos die ganze Nacht nach ihren Kindern suchend und rufend.

Wilhelm von Kügelgen ( geb. 1802 ) erzählt in seinen " Jugenderinnerungen eines alten
Mannes " ( 1870 ) die Sage von der Weißen Frau. Vernommen hatte er die Geschichte aus dem Munde seiner Tante Ziegesar in Hummelshain bei Orlamünde. Den Burgrafen Albrecht den Schönen ersetzte er durch Friedrich. Romantisch ausgeschmückt und obwohl Kindern
erzählt, setzt die Legende einen härteren Schlussakkord.


" Über den Rieseneck hinaus lag eine Höhe, von wo man über Tannenwipfel das ferne
Orlamünder Grafenschloss erblickte. Hier lagerten wir eines Abends im Heidekraut um das verglimmende Feuer. Die blasse Mondessichel hing am Himmel, und aus der Tiefe stiegen Dünste. Die Rede kam natürlich auf die Weiße Frau von Orlamünde, wie sie im Berliner Königsschloss, zu Weimar und anderwärts bis in die neuste Zeit unzweifelhaft gesehen wurde. Und hier im Angesicht der alten Mauern, die sie bewohnt hatte, erzählte uns die Tante
etwa die folgende Legende:
" Vor alten grauen Zeiten, als in deutschen Landen noch die Faust regierte, lebte in jenem Schlosse eine junge verwitwete Gräfin mit zwei kleinen Knaben, deren Vormund der junge ritterliche Burggraf Friedrich von Hohenzollern war. Der kam bisweilen angeritten, um nach seinen Mündeln zu sehen, und weil er ein gar staatlicher Herr war, von edler Sitte und voll Achtung für die Frauen, so geschah es, das die Gräfin ihn sehr lieb gewann. Wenn er daher nach Orlamünde kam, bezeigte sie sich so freundlich und demütig gegen ihn, das sie auch sein Herz gewann, und er sie gar zu gern zur Frau genommen hätte. Er war aber ein guter und getreuer Sohn, und da er merkte, dass seine Eltern gegen die Verbindjung waren, so schwieg er still und wollte warten, bis die verehrten Alten anderen Sinnes würden. So verlief ein Jahr nach dem anderen. Der Graf blieb stumm dem Anschein nach so kalt wie ein Marmorstein
gegen die schöne Witwe, die er doch von Herzen liebte.
Da hörte die tief bedrückte Frau von einem Mönch, der ihr Vertrauter und in Geschäften auf dem Hohenzollern gewesen war, das der junge Graf geäußert habe: Die Gräfin Orlamünde sei
die schönste Blume in deutschen Gauen; solange sich nicht vier Augen schlössen, könne er sie aber nicht in seine Krone flechten. Damit mochte er seine Eltern gemeint haben, die Gräfin aber deutete die Rede auf ihre Kinder. Da fuhr der Satan in ihr Herz, das sie dieselben heimlich erwürgte. Sie beweinte sie aber öffentlich und begrub sie mit Gepränge.
Inzwischen war die Sache ruchbar geworden und vor ein heimliches Gericht gebracht, das bei nächtlicher Weile einen Span aus dem Orlamünder Schlosstor hieb und die Gräfin verfemte.
Graf Friedrich aber war Schöffe des Gerichtes und wurde mit der Ausführung des Spruchs beauftragt, der auf Tod lautete. Er allein unter allen Richtern mochte den Grund des Verbrechens erraten und sollte nun diejenige opfern, die ihn mehr geliebt hatte als ihre eigenen Kinder. Aber er war ein Mann und pflichtgetreuer Richter. Die Gräfin fiel von seiner
Hand. Als ruheloser Schatten durchwandert sie nun Unheil verkündend die Häuser derer, die
von dem geliebten Mörder stammen."
Kunigunde erschien nach ihrem Tod den Nachkommen Albrechts, den Hohenzollern als Weiße Frau. Sie zeigte sich, um nahendes Unheil oder den Tod eines Mitgliedes des Hauses
anzukündigen. In Preußen war die Beschäftigung mit der Sage bereits ein Politikum, denn der in den Kindesmord verwickelte Burggraf war ein Ahnherr der Hohenzollern. W. Kraussold
deutete 1869 die Sage in einen Mythos um und verneinte jeden real geschichtlichen Bezug,
um die Vorfahren der Hohenzollern von jedem Flecken der Mitschuld zu befreien. Die Sage jedoch lässt die mörderische Gräfin in den Burgen der Hohenzollern umgehen und schließt die Nürnberger Burggrafen in die Nachtodstrafe faktisch mit ein.
Ein entscheidender Beleg für die Entstehung der Sage ist die urkundliche Erwähnung der Übertragung der Erbansprüche des Grafen Otto von Orlamünde auf die Nürnberger Burggrafen Johann und Albrecht. Die Burggrafen besaßen damit ein handfestes Motiv, dem
Orlamünder Grafenpaar keine Erben bzw. deren frühen Tod zu wünschen. Sobald keine Erben mehr vorhanden waren, brauchte Albrecht die Witwe nicht zu ehelichen. Er erbte auch so und konnte nun anderwärts sich günstig verheiraten wie er es auch tat.

In der Form der Sage konnte das vermutete Verbrechen rekonstruiert werden. In der
patriarchalischen Gesellschaft verschob sich die Hauptschuld jedoch auf die Frau.
Die weiße Frau ist eine vorchristliche Nachtodgestalt. So belegt die Vorstellung von der weißen Frau auch das Fortwirken archaischer Glaubensvorstellungen von einem
" lebenden Leichnam " innerhalb der christlichen Gesellschaft. Analogien bestehen auch zu den nordischen Schicksalsgöttinnen, den Nornen, den altnordischen Fylgien sowie den
Vegetations- und Seelendämonen Holda ( Frau Holle ). Diese Göttinnen sind Schatzhüterinnen
und –Spenderinnen, Kinderbewahrerinnen und Kinderschreck, helfende und Schicksal kündende Mächte und schließlich Todesboten und Todesgestalten.
Jedoch noch weitere materielle Zeugnisse trugen zur Bildung der Sage bei. Im Kloster
Himmelsthron in Gründlach steht der Grabstein Kunigundes. Die Abbildung der im weißen
Schleier dargestellten Zisterzienserin mit Äbtissinnenstab lässt auch heute noch etwas von dem sie verhüllenden kalten weiß ahnen. Das Frauenkloster Himmelskron, welches regelmäßig mit dem Kloster Himmelsthron verwechselt wird, wurde am Tag der
" Unschuldigen Kindlein " ( 28. Dezember ) des Jahres 1280 von Otto I. von Orlamünde,
seiner Ehefrau Agnes und seinen Söhnen Hermann und Otto II. gestiftet. Hier ist der Grabstein von Albrecht, dem angeblichen Liebhaber von Kunigunde zu sehen. Ein Grabstein der zwei Kindergestalten zeigt, entpuppte sich bei näherer Untersuchung als Denkmal der
1529 gestorbenen Äbtissin Ottilia Schenk von Sienau, bei dem zwei Genien das Wappenschild halten. Da Inschrift und Wappen fehlen und nur noch die zwei Genien oder
Putten, erhalten waren, hielt man die Begräbnisstätte für ein Kindergrab. Die Öffnung des
Grabes förderte jedoch nicht die sterblichen Überreste von Kindern zu Tage. Im Kloster
Himmelskron zeigte und verwahrte man die Leiber zweier Kinder unter zwei Jahren als
Reliquien. Die Kinderleichen zerfielen später und wurden dann in eine große Truhe gelegt.
Normalerweise müssen die Toten entsprechend den katholischen Vorschriften, der Erde,
der sie entstammen zurückgegeben werden. Besonders angesehene Personen können
in den Grüften bzw. Chören der Kirchen ihre letzte Ruhestätte finden. Nur die Leichname der
Heiligen dürfen über der Erde in der Kirche bestattet und auch gezeigt werden. Während der Kreuzzüge war es Mode geworden, Reliquien aus dem Heiligen Land mitzubringen. Die Stifter werden die Reliquien dem Kloster geschenkt haben. In der Haugker Pfarrkirche in Würzburg ist noch Heute in einem Seitenaltar der Leib eines heiligen unschuldigen Kindes verwahrt und am 28. Dezember zu besichtigen. Im Frauenkloster Au bei Maria-Einsiedel
in Dillingen wird Erde vom Grab der unschuldigen Kinder aufbewahrt.

Die Sage spann nun die Geschichte von der Weißen Frau aus der im Kloster Himmelsthron
auf dem Grabmal zu sehenden kalten weißen Gestalt der Äbtissin, dem im Kloster Himmelskron begrabenen angeblichen Liebhaber Albrecht dem Schönen, den am gleichen Ort bestatteten beiden Kindern und der Legende vom Erscheinen eines spukenden Geistes im weißen Gewand auf der Plassenburg. So entstand aus der Sage des Kindesmordes, der Sage
vom spukenden Geist und einigen materiellen Zeugnissen die Sage von der weißen Frau.


Auch in die Volksdichtung und die Literatur fand die Weiße Frau vielfachen Eingang.
Der Priester des Klosters Himmelskron, Nikolaus Dumman, lieferte zu dem deutschen Lied
von dem Kindesmord der Herzogin von Orlamünde die lateinische Übersetzung –veröffentlicht 1677. Arnim von Brentano nahm das Lied in abgewandelter Form in seine Liedersammlung des " Knaben Wunderhorn " ( 1805 – 1808 ) auf. Auch in die Deutschen Sagen der Brüder Grimm ging die Geschichte als Plassenburger Begebnis ein. Die Motive der Sage finden sich in weiteren Märchen und Sagen und in Abzählreimen von Kindern.
In Romanen, Balladen und Dramen der Neuzeit fand die Sage eine außerordentliche reiche Gestaltung und Weiterentwicklung. Hier sollen nur noch einige wenige Beispiele genannt werden. Als ende des 18. Jahrhunderts die Geisterseherei und Anfang des 19. die Schwärmerei und romantische Dichtung Konjunktur hatten, wendeten sich unzählige Autoren dem Motiv der Weißen Frau zu.
Johann August Musäus schuf mit der " Nymphe des Brunnens " eines der schönsten deutschen Kunstmärchen. Die Weiße Frau erscheint hier als gütige Fee, als Gaben spendender
Schutzgeist, sie ist naturmythische Quellbewohnerin und Hüterin der ungeborenen Kinder.
Die Weiße Frau ergänzt auch die stattliche Anzahl der englischen Gespenster. Matthew Gregor Lewis wurde zu seinem Schauer- und Gruselroman " Ambrosio, or the Monk " durch
Musäus 1795 angeregt. Die Liste ließe sich über Franz Grillparzer, Theodor Körner, Fontane
ect. weiter auflisten. Auch Theodor Fontane erwähnt in seiner Effi Briest, die Weiße Frau von Orlamünde.

hukwa





Lit.Hinweise:
Jung – Stilling: Theorie der Geisterkunde; 1808
Gero v. Wilpert: Fontane und die Weiße Frau;
Julius von Minutoli: Die weiße Frau – Geschichtliche Prüfung der Sage seit 1486 – bis auf neuste Zeit. 1850
Bonin: Lexikon der Parapsychologie.
Miers: Lexikon des Geheimwissens.
Adolf Wuttke: der deutsche Volksglauben in der Gegenwart; Berlin 1900.