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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Eine schamanistische Seance beim Scharderkopf

Es war während der Zeit des Oktobervollmondes. Der Wald trug schon sein buntes Herbstkleid. Am Abend machten wir uns auf den Weg hoch zum Berg. Anfangs benötigten wir noch Taschenlampen aber nach etwa einer Viertelstunde ging plötzlich hinter der mächtigen, alten Douglasie der Vollmond auf. Nun schien der Wald wie verzaubert. Wir spürten sehr deutlich dass wir in eine andere Bewusstseinsstufe hineinliefen. Aus der Ferne rief der Waldkauz und bei der alten Schutzhütte angekommen, beobachteten wir eine Zeitlang die Fledermäuse die hier durch die Nacht schwirrten. Bis auf wenige Naturgeräusche war es sehr still im Wald. Gespenstisch still.
Beim Scharderkopf angekommen bestiegen wir die Felsgruppe und nahmen auf dem Plateau unsere Plätze ein. In dieser wunderschönen Vollmondnacht war die Aura dieses Platzes noch mystischer als es schon am Tage hier ist. Überall standen mächtige buchen und Eichenbäume und durch ihr entlaubtes Geäst wanderte der unruhige Mond. Es war windstill und man roch überall den Herbst, sein welkes Laub, das Moos und die feuchte Erde.
Nach einiger Zeit der Meditation bereitete ich die Seance vor.
Ich streute das Tabakopfer aus, zündete das Rauchwerk an und stellte vier brennende Fackeln auf.
In einer Kupferschale brannte ich mit harzigen Kiefernholz ein kleines Lagerfeuer. Dann holte ich die Trommel hervor, begann sie zu schlagen und nach einiger Zeit die schamanistischen Anrufungen zu singen.
Anfangs war es sehr still nur meine Stimme hallte leise durch den Wald. Irgendwann ertönte der Ruf des Waldkauz der anscheinend immer näher kam. Es dauerte nicht lange dann hörten wir alle das er direkt auf einem der Bäume neben den Felsen saß. Sein Ruf schien nun mit dem Gesang mithalten zu wollen. Nach einiger Zeit brach sein Ruf abrupt ab, ich hörte sofort mit dem Singen auf. Innerhalb weniger Sekunden kam nun Wind auf. Eine unbekannte, ja unwirkliche Stimmung hatte mit einem mal die Umgebung erfasst. Ich spürte die Innere Unruhe meiner Begleiter, mir waren ja solche Situationen recht gut bekannt, dennoch, einer gewissen unheimlichen Stimmung die sich nun ausbreitete konnte ich mich auch nicht ganz erwehren.
Der Wind wurde langsam aber stetig stärker, wirbelte das Herbstlaub vom Boden auf und plötzlich hörte man das knacken von Ästen. So schnell wie er aufgestiegen war legte sich der Wind wieder nur das Geräusch von brechenden Ästen blieb. Es kam immer näher, bis an den Fuß des großen Felsens auf dem wir saßen, dort verstummte es. Uns war klar, wir waren nicht mehr alleine, unter uns war etwas, und zwar etwas Unheimliches, beängstigendes. Meine Begleiter wurden immer unruhiger und ängstlicher, mir war klar das es nicht mehr lange dauern könnte und sie würden in Panik ausbrechen. Ich deutete ihnen im Fackellicht mit Handzeichen an, dass sie sich vollkommen ruhig verhalten sollten. Dann stand ich auf holte die Opfergaben hervor und legte sie an den entsprechenden Platz auf dem Felsen und begann leise zu singen. Jetzt hörte man wieder das knacken von dürrem Astholz, es hörte sich an wie Schritte die sich langsam entfernten. Ich hörte auf mit dem singen, machte den Anderen durch Handzeichen klar dass sie auf keinen Fall sprechen sollten. Wir reinigten den Platz aufs sorgfältigste, ich achtete darauf das nichts zurückblieb außer den Opfergaben, dann traten wir schweigend den Rückweg an.
Als wir weit genug vom Berg entfernt waren sagte ich das wir nun wieder reden können. Mir schien es das dies für alle eine große Erleichterung war, so als würde durch das Reden ein geheimnisvoller Bann gebrochen.
Keiner aber sagte auch nur ein Wort über das seltsame, unheimliche Erlebnis.
hukwa






Eine Begegnung beim Scharderkopf

Ich laufe hoch in den Bergwald. Es ist ein kalter Dezembernachmittag unter meinen Füßen knirscht der Schnee, die Kälte versucht in die Kleidung zu kriechen.
In den Eichen und Buchen hängen Nebelfetzen und alles scheint leblos, eine tiefe Stille herrscht um mich herum. Und doch weiß ich dass sich im Verborgenen geheimes Leben regt. In eisiger Ruhe schweigt der Wald und die Luft steht still. Den einzigen Ton den ich vernehme ist mein Stapfen durch den Schnee. Ängstigende Ruhe umgibt mich, anscheinend bin ich das einzige Wesen in diesem Wald.
Mit einem mal endet die Ruhe, wird zerrissen durch die singende Flügelschläge einer Krähe die ganz nah auf Augenhöhe an mir vorbeifliegt und sich in etwa 15 Meter Entfernung von meinem Standort auf einem Baumstumpf niederlässt.
Sie schaut direkt zu mir her, ich stehe still, vollkommen bewegungslos, Auge in Auge mit dem schwarzen Vogel. Das Wilde in ihren Augen faszinierte mich völlig, noch nie im Leben habe ich einen solchen Blick gesehen - einfach wild!
Mir schien es als würden wir uns eine Ewigkeit anstarren, die Krähe zeigte überhaupt keine Angst vor mir.
Dann geschah etwas ganz seltsames: Eigentlich spürte ich es nur, ich hatte plötzlich das Gefühl das mir die Krähe etwas mitteilen wollte. Ich bewegte mich langsam auf sie zu und sie ließ mich tatsächlich bis auf etwa 8 Meter an sie herankommen, dann flog sie elegant auf aber auch nur wieder ein paar Meter weit, wo sie sich diesmal auf einer umgestürzten Buche niederließ. Das Spiel begann von vorne, wieder konnte ich ziemlich nahe an sie heran laufen und das gegenseitige fixieren begann aufs Neue. Nach einiger Zeit ging ich erneut auf sie zu, diesmal ließ sie mich noch näher herankommen. Dann flog sie auf ließ sich im Wipfel einer Eiche nieder, sah mich wieder an, krächzte drei mal sehr laut und verschwand im Wald.
Für einige Zeit war ich noch wie gebannt dann setzte ich meinen Weg fort.
Wieder nur das Geräusch von knirschendem Schnee, wieder absolute Stille.
Es lag ein tiefes Geheimnis in der einsamen Krähe die gerade mich zu einer Begegnung herausforderte. Für mich ist der Vogel die Verkörperung der einsamen Natur im Winter geworden. Eine seltsame Sehnsucht hatte mich erfasst und mit einem mal wusste ich was mich die Krähe gelehrt hatte: Das Einssein mit der Natur.
hukwa


Dienstag, 7. Oktober 2014

Erbgedächtnis und Zeitreise

Unterhalb des Scharderkopfs liegt eine wunderschöne Waldwiese. Wenn ich hier verweile kommt mir immer wieder der gleiche Gedanke. In einem früheren Leben habe ich mit meiner Großmutter hier gewohnt. In einer kleinen Köhlerhütte. Die Erinnerung daran ist so klar und realistisch das ich davon überzeugt bin dass es tatsächlich so war. Eine imaginäre Nabelschnur verbindet mich schon immer mit der Vergangenheit. Eine typische Art der Krebse, das ja mein Tierkreiszeichen ist. Krebse haben eine direkte Verbindung zu den "alten Müttern". aus den alten Kulturen des Matriarchats weht der Krebsatem hervor. Die "Urmutter" bestimmte den Werdegang des heidnischen Menschen, die sie verehrten. Vergleichbar mit dem Bienenvolk in dem die Königin oberste Instanz ist. Ich bin überzeugt das ich solch ein gefühlsbedingtes Erbgedächtnis besitze. Man kann es trainieren um auf Zeitreise zu gehen.
hukwa