Montag, 4. Dezember 2023

Leserbrief: Schnellerer Abschuss von Problemwölfen

Wölfe abzuschießen ist aus ökologischer Sicht falsch, wenn man in einer Region mit Wolfsbestand, die Wolfsdichte und die damit verbundenen Konflikte mit Nutztierhaltern in ein „Gleichgewicht“ bringen möchte.

Hohe Abschussquoten und „Vernichtungsfeldzüge“ wie sie von Jägern, Landwirten und Schafzüchtern gefordert werden verschärfen das Problem eher. Denn Wölfe tendieren dazu, Verluste ihres Rudels durch stärkere Vermehrung zu kompensieren, somit wird durch Einzelabschüsse die ansässige Population noch gefördert. Hinzu kommt, dass eine Bejagung die Stabilisierung der Rudelstruktur verhindert. Dies wurde durch Untersuchungen im Bereich des Wolfsmanagements in der Lausitz nachgewiesen. Es sind vor allem einwandernde Wolfmigranten mit noch instabilen Rudelstrukturen die Schafe und Ziegen anfallen. Ansässig gewordene Rudel halten sich in der Regel an die lokalen Wildbestände.

Haben sich in einem Gebiet die Rudel etabliert, steigt mit Sicherheit die Zahl der Wölfe in diesem Landstrich nicht mehr nenneswert an.

Wölfe regulieren sehr effizient und nachhaltig ihre eigenen Bestände. Untersuchungen im Yellowstone Nationalpark haben ergeben, dass mindestens 60% der ausgewachsenen Wölfe durch andere Wölfe ums Leben kommen. Die „Entnahme“, also der Abschuss, den nun das Umweltministerium umsetzen will ist nichts anderes als negative Ökologie mit einer Portion „Jägerlatein“.

Die wohlbekannte Angst vor dem „bösen Wolf“ ist ein typisch deutsches Problem. Hirten in den italienischen Abruzzen, in den spanischen Pyrenäen sowie in den rumänischen Bergregionen kennen diese Ängste nicht! Sie haben das Problem in den Griff bekommen durch geeignete Schutzmaßnahmen und vor allem durch die richtigen Schutzhunde als Herdenwächter. Es ist an der Zeit, dass diejenigen die immer gleich nach dem „wilden Jäger“ schreien sich einmal gründlich informieren sollten. Wohl würde auch ein wenig Nachhilfe in praktischer Ökologie helfen die richtige Beziehung zum Wolf aufzubauen.

Vor allem sollte man seine Ansichten über diese Tiere auch einmal in eine andere Richtung lenken und versuchen über die traumatischen Erfahrungen des Wolfs mit der „Bestie Mensch“ nachzudenken. Der Mensch als angeblich intelligentes Wesen müsste doch inzwischen gelernt haben, dass man Konflikte nicht durch „Abschießen“ regeln kann. Letztendlich sind alle ökologischen Probleme menschengemacht auch das Wolfsproblem.

Das wahre Problem das den Wolf betrifft ist doch einfach das man ihn weghaben will. Der Prozess der Änderung des Verhältnisses zwischen Mensch und Wolf ist langwierig und kompliziert. Dies beruht in erster Linie auf vorurteilen. Wenn wir wildlebende Tiere retten wollen, müssen wir das Recht aller Wesen der Natur auf ihre Existenz anerkennen, es ist genauso wichtig eine Libellenart, eine Bienenspezies als einen Wolf oder Tiger zu retten. Wie lange wollen die Menschen noch an dem falschen Glauben festhalten, sie seien die Herren des Planeten und nicht einer seiner Gäste, wie der Wolf auch? Die Natur hat den Wolf erschaffen wie den Menschen auch, beide gehören zu ihr. Mit dem kleinen Unterschied das es der Mensch ist der seine Umwelt und die seiner Kinder und Enkel zerstört, der Wolf regelt diesen Haushalt nur. Der Schlüssel zur Beziehung Mensch-Wolf ist ein stärkeres ökologisches Bewusstsein. Was die Grüne-Umweltministerin plant ist nichts anderes als ein Anschlag auf die biologische Vielfalt! Im Zeitalter des ökologischen Denkens ist eine solche hinterwäldlerische Umweltpolitik nicht mehr angebracht.