Freitag, 20. Januar 2023

Willkommen Wolf

 


Der Pfälzerwald ist die alte Heimat des Wolfes und es ist schön, dass er sich wieder hier ansiedelt. Der Wolf gilt als Urtyp des wilden Tieres mit allen negativen Attributen wie ungezähmt, ruhelos, unmoralisch, grausam, bestialisch, gierig usw. Dies sind allerdings keine wölfischen Eigenschaften sondern eher menschliche. Die meisten von uns verwechseln das natürliche Verhalten von Tieren mit fehlender Moral. Dies bedeutet im Klartext, die unangenehmen Aspekte von uns selbst zu kommentieren, ohne in den Spiegel schauen zu müssen. Es sind Ängste die aufgrund der fehlenden Erfahrung mit Wölfen existieren. Seine Rückkehr ist auch ökologisch sehr wertvoll.

Der Wolf ernährt sich im Pfälzerwald überwiegend von Rehen, Rothirschen, Wildschweinen und Hasen. Dabei erlegen Wölfe vor allem junge, alte und kranke Tiere. Dies entspricht der Nutzung, wie sie auch in der Jagdpraxis vorgesehen ist, so dass der Wolf damit kein Konkurrent der Jagd ist, sondern sogar durch sein selektives Eingreifen für den gesamten Wildbestand förderlich. Im Verhältnis des Wolfes zu seiner Beute gilt die ökologische Faustregel, das die Beute den Räuber regelt und nicht umgekehrt. Die Angst davor, dass irgendwann zuviele Wölfe durch den Pfälzerwald streifen ist ebenfalls unbegründet. Durchschnittlich besteht eine größere Wolfsfamilie aus fünf bis zehn Tieren. In Mitteleuropa bewohnt ein Rudel ein Gebiet von ca. 250-300 Quadratkilometern, das es gegenüber rudelfremden Tieren verteidigt. Die meisten Jungtiere wandern bis zum zweiten Lebensjahr ab und suchen jeweils einen nichtverwandten Partner, mit dem sie ein neues eigenes Revier besetzen um ein Rudel zu gründen. Somit bleibt in einem bestimmten, genau definierten Gebiet die Anzahl der Wölfe langfristig gesehen beständig. Der Wolf ist also ein intelligentes Raubtier mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Wir sollten ihm einfach die Chance des Überlebens geben.

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Wölfe die zukünftig den Pfälzerwald durchstreifen werden, ist von Vorurteilen geprägt. Vor allem durch falsche Vorstellungen, Halbwahrheiten und Fehlurteile. Für einen Großteil der Bevölkerung scheint das einzige Problem darin zu bestehen, wie man diese scheuen Wildtiere schnell wieder los wird. Kein ökologisch orientierter Mensch wird leugnen, dass der Wolf auch der Landwirtschaft kleinere Schäden zufügen kann und wird. Dafür werden von den zuständigen Behörden verschiedene Lösungen angeboten. Schließlich ist der Wolf in der freien Natur kein überflüssiges Tier, sondern ein geradezu notwendiges Mitgeschöpf. In vielen anderen mitteleuropäischen Ländern wird mit solchen Problemen weitaus entspannter umgegangen. Der Wolf gehört zur Schöpfungsgeschichte, wie der Mensch auch. Man sollte sich fragen wer von beiden das größere Raubtier ist.

©hukwa