Wir haben uns lange schon in den wenigen noch existierenden Schattenzonen, wo die Klimawandelsonne noch nicht ganz so feurig brennt, häuslich eingerichtet. Wir denken wir würden diese Hitzesommer auch in Zukunft überstehen doch dies ist ein fataler Trugschluß und schon mehr als naiv. Der Klimaoverkill hat längst schon den letzten Winkel des Planeten heimgesucht. Alles was die meisten Menschen dagegen tun ist das Ausmaß der Katastrophe zu verdrängen und zu dem Prinzip Hoffnung beten.
Die Natur lehrt uns, dass Ordnung durch Veränderung erhalten werden kann-nötigenfalls durch katastrophale Veränderungen. Deswegen sollten wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass die Evolution auf unserem Planeten weitergehen wird - auch ohne den Menschen.
Unsere derzeitige geschichtliche Existenz ist am ökologischen Abgrund. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, wenn der Mensch sich gegen die Natur stellt, schlägt diese knallhart zurück, das ist ein ökologischer Fakt. Unsere ökonomische Existenz ist auf Umweltzerstörung aufgebaut, weil unsere Wirtschaft zerstören muss, wenn sie weiter wachsen will. Wir sind jetzt bereits in ein unwiderrufliches Stadium getreten und als Ziel der menschlichen Geschichte erscheint immer deutlicher: wir gehen einer Endzeit entgegen. Vielleicht muss schon in nächster Zukunft saubere Luft als Atemluft rationiert werden. Ebenso wird es uns mit dem Trinkwasser gehen. Unser aller Leben ist eingeplant in das große turbokapitalistische Geschäft des Wirtschaftswachstums, selbst wenn kein Baum mehr wächst glaubt man die Wirtschaft würde weiterwachsen. Unsere Kinder und Enkel müssen wir jetzt schon darauf vorbereiten, dass es in ihrem Leben irgendwann keine Erinnerungen mehr an Natur und Landschaft geben wird. Schon jetzt kann keiner mehr sagen, wir hätten von den Risiken die auf uns zukommen nichts gewußt, wir bekommen sie täglich zu spüren. Wir selbst sind zum größten Sicherheitsrisiko für den Planeten geworden. Nichts spricht dafür dass wir durch ökologische und sachkundige Aufklärung klüger geworden sind das Gegenteil ist der Fall, wir verblöden anscheinend immer mehr. Sogar unsere Lernfähigkeit durch Katastrophen scheint beschränkt zu sein. Ökokatastrophen gehören inzwischen zur Tagesordnung. Täglich werden sie uns im Fernsehen gezeigt und in der Tageszeitung können wir darüber lesen, im Internet sind Infos darüber jederzeit abrufbar. Die Ressourcen werden knapper, die Müllhalden immer gigantischer, die Sommer erleben wir als glühende Hexenkessel, in unserer Nahrung gehört Mikroplastik schon zum Bestandteil, die Regenwälder Südamerikas werden unter politischer Aufsicht abgefackelt, die Eisberge der Arktis schmelzen und der Permafrost in den riesigen Tundren Sibiriens taut auf. Die Liste der Ökokatastrophen wird immer länger. Das Finale wäre dann ein schleichendes Armageddon. Keiner von uns wird das Glück eines Robinson Crusoe haben und sich auf eine intakte romantische Insel flüchten können. Das Beispiel eines solchen Untergangs sind die Dinosaurier, allerdings sind sie nicht durch Eigenverschulden ausgestorben und haben nebenbei bemerkt angesichts ihrer fast zweihundert Millionen Jahre währenden Evolution die Menschheit um das Vierzigfache überlebt.
In der kurzen Zeitspanne die wir Geschichte nennen, ist die menschliche Existenz nichts anderes als eine Kette von Unterdrückung, ökologischer und ökonomischer Verschwendung, von gegenseitiger Vernichtung und Unrecht gewesen. Kurzum: Wir leben eine Philosophie der Selbstzerfleischung. Was dürfen wir noch hoffen? Das wir den Planeten nicht auseinandersprengen, die politischen Institutionen eine ökologische Ordnung wiederherstellen? Anstatt Einsicht und Vernunft einzuüben, wird weiter sinnlos produziert und konsumiert was zu einer Verarmung unseres Denkens führt. Denken aber ist die einzige Möglichkeit aus dieser Sackgasse, in die wir uns selbst manövriert haben, heraus zu finden.
Die Aussöhnung des Menschen mit der Natur hätte schon vor Jahrzehnten stattfinden können, schließlich wurde der Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie von der Natur selbst schon des öfteren gelöst. Es ist die Tragik unserer Zeit, das gerade das vernunftbegabte Wesen, also der Mensch, es nicht fertig bringt, endlich mit der Natur in Frieden zu leben.
Es ist dem Großteil der Menschen, die in den Industrienationen leben, überhaupt nicht bewusst
dass sie sich in einem ständigen Kriegszustand mit der Natur befinden. Angesichts der fortschreitenden Naturzerstörungen und der Klimakatastrophe sind wir weit davon entfernt mit der Natur in Frieden zu existieren. Die ökonomische Existenz der meisten Menschen ist auf der Umweltzerstörung aufgebaut, weil die derzeitige Wirtschaft täglich weiter zerstören muss, wenn sie wachsen will. Wenn der Mensch sich gegen die Natur stellt schlägt diese zurück, das ist ein Fakt den wir täglich beobachten können. Wir müssen unseren Blickwinkel erweitern um uns endlich selbst als Teil der Natur zu erkennen.
Jeder Mensch hat auf seine eigene Art eine Beziehung zur Natur, die meisten haben sie nur verdrängt. Um Natur zu erkennen darf man nicht bei den Naturwissenschaften suchen, denn diese betrachten es nicht als ihre Aufgabe auf solche Fragen Antworten zu geben.
Wissenschaft und Technik, so wie sie heute praktiziert wird, sind aus der abendländischen Geistesgeschichte hervorgegangen. Beide – Wissenschaft und Technik – sind aber nur Werkzeuge, die zur Ausbeutung der Natur eingesetzt werden. Aber sie könnten für den Menschen auch umwelt- und mitweltgerechte Technologien erstellen. Das Klima ist kurz davor aus dem Gleichgewicht zu geraten, wenn dies geschieht kann heute niemand sagen ob es wieder zu einem erträglichen Gleichgewicht kommen wird?
Die Klimakatastrophe, die Plastikvermüllung des Planeten, der Artentod in der Natur und die Begrenztheit der Ressourcen scheint nur denen bewusst zu sein die bereit sind täglich für den Planeten zu kämpfen, das ist in der Gegenwart vor allem die jüngere Generation.
Anstatt immer nur auf höhere Produktivität, Materialumsatz und Gewinnstreben hinzuarbeiten, wäre es endlich an der Zeit nach mehr Harmonie und Zufriedenheit zu streben und einen Waffenstillstand mit der Natur einzugehen, wenn es schon nicht möglich ist einen Friedensvertrag mit ihr zu schließen.
Die Wirklichkeit sieht so aus: Selbst wenn alle Länder ihre Zusagen zum Klimaabkommen einhalten würden, dürfte die Atmosphäre dennoch um 2,7 Grad wärmer werden, wahrscheinlich um mehr. Was nichts anderes bedeutet als das ein gefährliches Potenzial für zukünftige Wetterkatastrophen besteht.
Im planetarischen Maßstab gesehen ist das was wir als Vernunft bezeichnen schon lange fragwürdig geworden. Wir müssen uns fragen wohin uns die „normale Vernunft“ geführt hat? War diese „Vernunft“ in den letzten Jahrzehnten überhaupt vorhanden?
Das beste Beispiel für die vorherrschende Unvernunft und die dadurch erzeugte „Naturvergessenheit“ im Bewusstsein der Menschen zeigt uns der Umgang mit unserem Lieblingskind dem Auto. Die unvorstellbaren Mengen an Abgasen die von den Verbrennungsmotoren abgegeben werden, verbreiten sich weitaus flächiger übers Land als industrielle Emissionen. Der Preis den Mensch und Natur für den ungezügelten und unkontrollierten Einsatz des Autos bezahlen, ist hoch und sein Ergebniss ist: Wir verprassen die Ressourcen, die unseren Kindern und Enkeln zustehen. Und dies zum Teil auch aus Trägheit und Faulheit. Die momentan effektivste Methode zur Reduzierung des Ausstoßes von Kohlendioxid, einem der gefährlichsten Treibhausgase, wäre es, eine Geschwindigkeitsbeschränkung einzuführen, doch dies ist im Land der Autofanatiker und Geschwindigkeitssüchtigen politisch wahrscheinlich nicht durchsetzbar.
Doch die schlafwandlerische Klimapolitik setzt sich weiter durch und von einem ökologischen Realismus sind wir weit entfernt.
Unsere heutige geschichtliche Existenz ist eine am ökologischen Abgrund, wir leben in einer noch nie dagewesenen Gefährlichkeit dieser Existen.
hukwa