Dienstag, 2. August 2022

Schleichendes Armageddon

 

©hukwa
 

 Die Natur lehrt uns, dass Ordnung durch Veränderung erhalten werden kann - nötigenfalls durch katastrophale Veränderungen. Deswegen sollten wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass die Evolution auf unserem Planeten weitergehen wird - auch ohne den Menschen.

Unsere derzeitige geschichtliche Existenz ist am ökologischen Abgrund. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, wenn der Mensch sich gegen die Natur stellt, schlägt diese knallhart zurück, das ist ein ökologischer Fakt. Unsere ökonomische Existenz ist auf Umweltzerstörung aufgebaut, weil unsere Wirtschaft zerstören muss, wenn sie weiter wachsen will. Wir sind jetzt bereits in ein unwiderrufliches Stadium getreten und als Ziel der menschlichen Geschichte erscheint immer deutlicher: wir gehen einer Endzeit entgegen. Vielleicht muss schon in nächster Zukunft saubere Luft als Atemluft rationiert werden. Ebenso wird es uns mit dem Trinkwasser gehen. Unser aller Leben ist eingeplant in das große turbokapitalistische Geschäft des Wirtschaftswachstums, selbst wenn kein Baum mehr wächst glaubt man die Wirtschaft würde weiterwachsen. Unsere Kinder und Enkel müssen wir jetzt schon darauf vorbereiten, dass es in ihrem Leben irgendwann keine Erinnerungen mehr an Natur und Landschaft geben wird. Schon jetzt kann keiner mehr sagen, wir hätten von den Risiken die auf uns zukommen nichts gewußt, wir bekommen sie täglich zu spüren. Wir selbst sind zum größten Sicherheitsrisiko für den Planeten geworden. Nichts spricht dafür dass wir durch ökologische und sachkundige Aufklärung klüger geworden sind das Gegenteil ist der Fall, wir verblöden anscheinend immer mehr. Sogar unsere Lernfähigkeit durch Katastrophen scheint beschränkt zu sein. Ökokatastrophen gehören inzwischen zur Tagesordnung. Täglich werden sie uns im Fernsehen gezeigt und in der Tageszeitung können wir darüber lesen, im Internet sind Infos darüber jederzeit abrufbar. Die Ressourcen werden knapper, die Müllhalden immer gigantischer, die Sommer erleben wir als glühende Hexenkessel, in unserer Nahrung gehört Mikroplastik schon zum Bestandteil, die Regenwälder Südamerikas werden unter politischer Aufsicht abgefackelt, die Eisberge der Arktis schmelzen und der Permafrost in den riesigen Tundren Sibiriens taut auf. Die Liste der Ökokatastrophen wird immer länger. Das Finale wäre dann ein schleichendes Armageddon. Keiner von uns wird das Glück eines Robinson Crusoe haben und sich auf eine intakte romantische Insel flüchten können. Das Beispiel eines solchen Untergangs sind die Dinosaurier, allerdings sind sie nicht durch Eigenverschulden ausgestorben und haben nebenbei bemerkt angesichts ihrer fast zweihundert Millionen Jahre währenden Evolution die Menschheit um das Vierzigfache überlebt.

In der kurzen Zeitspanne die wir Geschichte nennen, ist die menschliche Existenz nichts anderes als eine Kette von Unterdrückung, ökologischer und ökonomischer Verschwendung, von gegenseitiger Vernichtung und Unrecht gewesen. Kurzum: Wir leben eine Philosophie der Selbstzerfleischung. Was dürfen wir noch hoffen? Das wir den Planeten nicht auseinandersprengen, die politischen Institutionen eine ökologische Ordnung wiederherstellen? Anstatt Einsicht und Vernunft einzuüben, wird weiter sinnlos produziert und konsumiert was zu einer Verarmung unseres Denkens führt. Denken aber ist die einzige Möglichkeit aus dieser Sackgasse, in die wir uns selbst manövriert haben, heraus zu finden.

©hukwa